Allgemein Politik Thüringen

Zwölf Mal mehr Inobhutnahmen minderjähriger Asylbewerber

Häufigster Grund für Inobhutnahmen 2015 waren unbegleitet eingereiste ausländische minderjährige Kinder und Jugendliche. Im vergangenen Jahr wurden in Thüringen 2.182 vorläufige Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche in Form von Inobhutnahmen durchgeführt. Das waren nach Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik 956 Maßnahmen bzw. 78 Prozent mehr als im Jahr 2014. Von diesen Inobhutnahmen entfielen 1.060 vorläufige Schutzmaßnahmen auf die Inobhutnahme unbegleiteter minderjähriger Ausländer (2014: 81 Kinder und Jugendliche).

In 352 Fällen wurde die Inobhutnahme auf Grund einer vorangegangenen Gefährdungseinschätzung nach § 8a Abs. 1 SGB VIII vorgenommen. Der zweithäufigste Grund für die Veranlassung einer Maßnahme zum Schutz der Kinder und Jugendlichen stellte mit 568 Fällen die Überforderung der Eltern bzw. eines Elternteils dar. Weitere Schwerpunkte
lagen mit 200 Fällen bei Beziehungsproblemen sowie mit 187 Inobhutnahmen bei der Vernachlässigung der Betroffenen.

Während in den Vorjahren der Anteil von Mädchen und Jungen in etwa dem gleichen Verhältnis lag, betraf 2015 rund zwei Drittel der Inobhutnahmen Jungen. Dies resultiert aus dem hohen Anteil unbegleiteter ausländischer männlicher Minderjähriger (974 Jungen). Dadurch bedingt war auch die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren mit einem Anteil von 57,4 Prozent besonders betroffen (1.252 Kinder und Jugendliche).

Bei rund der Hälfte der Maßnahmen (1.172 Fälle bzw. 53,7 Prozent) wurden die vorläufigen Schutzmaßnahmen von den Jugendämtern bzw. den sozialen Diensten veranlasst, in weiteren 418 Fällen von der Polizei oder einer Ordnungsbehörde. Die Unterbringung während der Maßnahme erfolgte in rund drei Viertel der Fälle (1.653 Maßnahmen bzw. 75,8 Prozent) in einer Einrichtung. Am Ende der vorläufigen Schutzmaßnahme konnten die Kinder und Jugendlichen in 594 Fällen (26,0 Prozent) zu den personensorgeberechtigten zurückkehren. In 758 Fällen (33,2 Prozent) mussten jedoch erzieherische Hilfen außerhalb des Elternhauses eingeleitet werden.