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Zusammenraufen, nicht zusammen raufen

Nur noch wenige Tage hin, dann nehmen die neuen Gemeinderats,- Stadtrats- und Kreistagsmitglieder ihre Arbeit auf. Ob gläubig oder nicht: Dieses kleine Gebet könnte jedem von ihnen ein wenig Orientierung geben.

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Sehr geehrte Damen und Herren, Sie sind nicht gewählt, die Welt oder das Klima zu retten. Sie wurden auch nicht gewählt, die Menschen zu bevormunden oder sie mit Ihrer jeweiligen Ideologie zu beglücken. Wenn Sie indes in wohldosierten kleinen Schritten mutig vorangehen, werden ihnen gewiss viele folgen. Gehen Sie zu schnell, geht andere die Puste aus. Schleichen Sie mutlos herum, werden sich viele von ihnen abwenden.

Wenn Sie es schaffen, viele kleine Probleme (die für viele Menschen jedoch große sind) zu lösen, dann sind Sie die Größten. Es genügt nicht, Probleme zu beschreiben. Auch in der nächsten Wahlperiode wird weder der beste Sprücheklopfer noch der größte Dampfplauderer gekürt. Drücken Sie anderen Mandatsträgern nicht vorschnell Stempel auf. Es tut bestimmt nicht weh, sich öfter in die Schuhe des anderen zu stellen. Niemand sollte Angst haben, dass diese Latschen passen könnten. Über den eigenen Schatten zu springen, ist auch in der Kommunalpolitik die Königsdisziplin.

Wenn allen klar geworden ist, dass wir in eine Rezession trudeln: Bleiben Sie besonnen. Mit Geld um sich werfen, wenn die Einnahmen sprudeln, kann jeder Dummkopf. Sie werden schon bald beweisen müssen, dass Sie da sparen können, wo es not tut. Sparen Sie möglichst zuletzt bei denen, die den Cent zum Kupferdraht drehen müssen, obwohl sie täglich arbeiten gehen.

Sie sind gewählt, sich zum Wohle der Bürger zusammenzuraufen, nicht um zusammen zu raufen. Wenn schon über Toleranz geschwafelt wird, dann halten Sie es gerne mit Kurt Tucholsky:

„Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.“

Folgenden Cocktail halte ich zum Anstoßen für Sie parat:
Ein großes Glas Weisheit mit einem gehörigen Schuss Demut und Dankbarkeit vor dem Wählerwillen. Dazu einige kräftige Spritzer Humor. Obenauf eine dicke Schicht Augenmaß und Vernunft. Wohl bekomm’s!

Denken Sie zu guter letzt stets daran: Wer in der Öffentlichkeit Kegel schiebt, muss nachzählen lassen, wie viele er getroffen hat.
Andreas Kühn