Kommentar Lokales & Regionales

Zahlen & Antworten zum „Tag der Pflege“

Der internationale Aktionstag „Tag der Pflege“ (auch „Tag der Krankenpflege“, „International Nurses Day“) am 12. Mai wird in Deutschland seit 1967 am Geburtstag von Florence Nightingale (siehe unten) veranstaltet und geht auf den International Council of Nurses (ICN) zurück. Der ICN ist ein Zusammenschluss von mittlerweile mehr als 130 internationalen Berufsverbänden der Pflege und vertritt weltweit Millionen von Pflegenden. Zum 100. Jahrestag des ICN wurde das weiße Herz als Symbol für die Pflege eingeführt

Rund 2,6 Millionen Menschen sind derzeit im Lande pflegebedürftig, bis 2050 wird Schätzungen zufolge deren Zahl auf bis zu 4,5 Millionen ansteigen. Die aktuell 13.000 Pflegeheime werden dafür nicht ausreichen. Noch schlimmer: Rund 30.000 Pfleger fehlen zur Zeit deutschlandweit. So sieht es in der Region aus:

Die Beschäftigung im Pflegebereich steigt weiter an. Die Fachkräfte werden dagegen immer knapper. Im Bereich der Arbeitsagentur Jena ist die Zahl der Altenpfleger im letzten Jahr um 7 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: bei allen Berufsgruppen stieg die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im vergangenen Jahr um 0,3 Prozent. 2.460 Menschen waren im September 2015 im Agenturbezirk Jena in der Altenpflege beschäftigt. Das sind rund 170 mehr als 2014. Auch bei der Berufsgruppe der Gesundheits- und Krankenpfleger stieg die Zahl der Beschäftigten 2,3 Prozent auf 5.280.
Hände PflegeDie Branche bietet interessante Berufsfelder, die Frauen und Männern gleichermaßen Perspektiven am Arbeitsmarkt eröffnen. Neben Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätzen gibt es vielfältige Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten. Der Bedarf der Einrichtungen und Unternehmen ist groß – vor allem an examinierten Alten- und Krankenpflegern. Im Agenturbezirk Jena sind derzeit 51 Stellen offen. Demgegenüber sind nur 8 Altenpflege-Fachkräfte arbeitslos. Die Arbeitsagentur und die Jobcenter setzen daher vor allem auf Qualifizierung von Arbeitslosen oder geringqualifizierten Beschäftigten zu Fachkräften, um diese Stellen besetzen zu können. „Die Menschen werden immer älter, sind dann aber oftmals auf Unterstützung angewiesen. Dies zeigt sich nicht nur in der Pflege, sondern im gesamten medizinischen Bereich. Gesundheits- und Pflegeberufe bieten sehr gute berufliche Perspektiven, da der Bedarf an Fachkräften auch in den kommenden Jahren weiter wachsen wird“, so Birgit Becker, Leiterin der Jenaer Arbeitsagentur.

Mit dem neuen Pflegeberufsgesetz sollen voraussichtlich ab 2018 die bisherigen drei Ausbildungsberufe Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege zu einem einheitlichen Berufsfeld zusammengeführt werden. In der Stadt Jena stieg die Zahl der beschäftigten Altenpfleger innerhalb eines Jahres um 7,5 Prozent. Nach aktuellen Zahlen sind mittlerweile 1.031 Männer und Frauen in dieser Branche beschäftigt. Gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 72 Beschäftigte. Derzeit sind 12 freie Stellen für Altenpflege-Fachkräfte gemeldet. Es ist aber davon auszugehen, dass der eigentliche Bedarf höher ist

Im Landkreis-Saalfeld-Rudolstadt stieg die Zahl der Altenpfleger innerhalb eines Jahres um knapp 8 Prozent. Nach aktuellen Zahlen sind mittlerweile 946 Männer und Frauen in dieser Branche beschäftigt. Gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 67 Beschäftigte. Derzeit sind 19 freie Stellen für Altenpflege-Fachkräfte gemeldet. Es ist aber davon auszugehen, dass der eigentliche Bedarf höher ist. Im Saale-Holzland-Kreis stieg die Zahl der beschäftigten Altenpfleger innerhalb eines Jahres um 6,6 Prozent. Nach aktuellen Zahlen sind mittlerweile 483 Männer und Frauen in dieser Branche beschäftigt. Gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 30 Beschäftigte. Derzeit sind 20 freie Stellen für Altenpflege-Fachkräfte gemeldet. Es ist aber davon auszugehen, dass der eigentliche Bedarf höher ist.

Wer selbst von heute auf morgen zum Pflegefall wird oder plötzlich pflegebeürftige Angehörige hat, steht vor der Frage: Wohin nun? Wie finde ich ein gutes Pflegeheim? Wir haben bei der größten Krankenkasse in Thüringen, der AOK Plus, nachgefragt:

„Die Wahl eines Pflegeheimes ist immer eine schwierige Entscheidung. Bei der Suche kann zum Beispiel der Pflegeheimnavigator bei der Vorauswahl behilflich sein. Dort werden unter anderem die Ergebnisse der Qualitätsprüfungen (Pflegenoten) veröffentlicht. Diese allein sind jedoch kein Kriterium für hohe Qualität.
Ein gutes Pflegeheim hängt entscheidend von der Pflegequalität, der Betreuung und der Atmosphäre innerhalb der Einrichtung ab. Auch ist nicht jedes Pflegeheim für jeden Pflegebedürftigen geeignet. Daher ist der persönliche Eindruck vor Ort besonders wichtig und folgende Fragen können von Bedeutung sein. Individuell kann man entscheiden, welche der genannten Fragen, besonders wichtig und welche weniger wichtig sind. Die Fragen sollten – sofern man diese nicht selbst beantworten kann – bei einem Besuch auch offen und ohne falsche Scheu im Pflegeheim angesprochen werden.“

1. Lage der Pflegeeinrichtung
Gibt es für die Bewohner Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien, wie z. B. einen Garten?

2. Bewohner
Machen die Bewohner einen zufriedenen Eindruck oder wirken sie eher teilnahmslos?

3. Pflegekräfte
Haben die Pflegekräfte einen angenehmen und herzlichen Umgang mit den Bewohnern?

4. Atmosphäre der Räumlichkeiten

Sind die Zimmer hell und können durch die Bewohner mitgestaltet werden?

5. Geruch
Riecht es beim Besuch des Pflegeheimes angenehm?

6. Essen
Ist durch den Speiseplan ein abwechslungsreiches Angebot erkennbar und ist das Essen auf die Bedürfnisse älterer Bewohner abgestimmt?

7. Aktivitäten
Gibt es für die Bewohner ein Angebot zur Bewegung oder begleiteten Spaziergängen?

8. Bezugsperson
Gibt es für die Bewohner und deren Angehörige einen festen Ansprechpartner, der bei Fragen und Wünschen zur Verfügung steht?

9. Ärztliche Versorgung
Ist bei Bedarf die ärztliche Versorgung sichergestellt? Wird bei Bedarf eine kostenfreie Begleitung zu Arztbesuchen gewährleistet? (Viele Pflegeeinrichtungen haben Informationen zu Kooperationen mit Ärzten, Zahnärzten oder auch Apotheken bereits unter der o. g. Internetplattform veröffentlicht.)

Florence Nightingale wurde am 12. Mai 1820 in Florenz geboren. Die Tochter einer wohlhabenden britischen Familie gilt als Pionierin der modernen Krankenpflege.Vor allem ihr Einsatz während des Krimkriegs (1853 – 1856) verschaffte ihr in Großbritannien große nationale Verehrung. In die britische Folklore ging sie als “Lady with the Lamp” (Dame mit der Lampe) ein, weil sie die von ihr betreuten Kranken im Lazarett mit einer Petroleumlampe in der Hand besuchte. Die Krankenschwester starb am 13. August 1910 in London.