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Wirtschaft nicht gegen Tourismus ausspielen!

Der grüne Thüringer Landtagsabgeordnete Roberto Kobelt stellte an das Wirtschaftsministerium eine Kleine Anfrage zur Ansiedlung des Plastikfolienhersteller ConvertFlex GmbH in Saalfeld „Am Bahnbogen“. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bestätigte ein weiteres Mal die Höhe der Förderung von 4.950.000 Euro bei förderfähigen Investitionskosten in Höhe von 24.750.000 Euro. Noch ist allerdings unklar, wann mit dem Bau einer Produktionshalle des Plastikverpackungen-Herstellers begonnen werden kann. Stein des Anstoßes: Die 35 mal 70 Meter große Halle auf 900 Quadratmetern soll teilweise eine Höhe von 27 Metern erreichen.

Kobelt fragte ferner: „Welche Gründe veranlassen die Firma ConvertFlex GmbH sich in Saalfeld anzusiedeln? Handelt es sich um eine Verschiebung von Produktionskapazitäten von Ingolstadt nach Saalfeld oder geht es grundsätzlich um eine Ausweitung der Produktion?“ Die knappe Antwort des Wirtschaftsministers: „Die Ansiedlung beruht auf einer unternehmerischen Entscheidung. Die Firma ConvertFlex GmbH hat in Ingolstadt keine Produktionsstätte, das Unternehmen hat als Geschäftsgegenstand in Ingolstadt (laut Jahresabschluss 2017) nur Finanzierungs- und Beratungsaufgaben wahrgenommen. Bei der Ansiedlung in Saalfeld handelt es sich somit um die Aufnahme einer Produktion für das Unternehmen.“

Zur Vereinbarkeit der Industrieansiedlung mit dem Kurortprädikat äußert selbst die Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund von den Grünen keine Bedenken. In ihrer Antwort auf eine Anfrage heißt es: „Wesentliche Voraussetzung für das verliehene Prädikat ‚Ort mit Heilstollenkurbetrieb‘ ist ein wissenschaftlich anerkanntes und therapeutisch nutzbares Heilstollenklima im Heilstollen, welches durch Gutachten belegt und periodisch überprüft werden muss. Die erforderlichen Messungen dazu werden unter anderem im Eingangsbereich und direkt im Heilstollen vorgenommen. Der Heilstollen in Saalfeld ist südwestlich am Rande der Stadt gelegen, während das Industriegebiet ‚Am Bahnbogen Saalfeld‘ nordöstlich der Stadt liegt. Aufgrund dieser Entfernung ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht davon auszugehen, dass es durch die geplante Ansiedlung zu negativen Auswirkungen auf die Anerkennung der Stadt als ‚Ort mit Heilstollenkurbetrieb‘ kommt.“

Kommentar: Den Ball flach halten!

Sicherlich könnte „Am Bahnbogen“ statt eines Wirtschaftsbetriebs auch eine blühende Weide für vegane Wanderer entstehen. Fragt sich allerdings, wie viele Steuern dies nach sich ziehen und wie viele Arbeitsplätze dadurch enstehen würden. Ebenso könnte dort auch ein Flachbau errichtet werden, in dem dann im Stuhlkreis Arbeitende Jutebeutel nähen. Usw. usf.
Die Sorge hingegen, dass in die in Saalfeld produzierten Folien winzige Steuerteile eingearbeitet werden, die dann irgendwann den Plastikmüll zielgerichtet ins Südchinesische Meer befördern, ist sicher unbegründet. Auch die Befürchtung, die Kaltluftzufuhr in die im Saaletal gelegene Stadt Saalfeld könnte durch das Werk gefährdet sein, ist unbegründet. Dazu reichen Physikkenntnise der Klassenstufe 8.
Zurück zur geplanten Ansiedlung: Da die fetten Jahre vorbei sind, wird schon bald jeder einzelne Arbeitsplatz zählen. Sowohl aus Sicht der Arbeitnehmer als auch aus dem Blickwinkel der öffentlichen Kassenwarte. Arbeitsplätze schaffen noch immer Unternehmer. Weder Politiker noch wohlfeil schwätzende Besorgte.
Sozial ist, was Arbeit schafft. „Ein Ausspielen der Wirtschaft gegenüber dem Gesundheitstourismus schadet der gesamten Region“, stellte heute der Saalfelder CDU-Landtagsabgeordnete Maik Kowalleck fest. Da hat er verdammt recht!
Gemeinwohl und egoistische Randgruppen-Interessen ertragen sich nun mal nicht. Den Ball flach zu halten, ist jetzt gefragt. Augenmaß statt neuer Maschinenstürmerei. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Letzeres ging gründlich schief.

Andreas Kühn