Weniger Verurteilte – Insbesondere bei den jungen Leuten

An den Thüringer Gerichten wurden im Jahr 2015 insgesamt 20.042 Personen schuldig gesprochen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang der Verurteilten um 2,6 Prozent, teilte heute das Landesamt für Statstik mit. Auffallend ist die rückläufige Zahl der verurteilten jungen Menschen.

Vor allem bei den Jugendlichen (14 bis unter 18 Jahre) wurden wesentlich weniger Verurteilungen ausgesprochen als noch im Vorjahr. 546 Jugendliche wurden letztes Jahr vor einem Thüringer Gericht zu einer Strafe verurteilt, das sind 15 Prozent weniger als im Jahr 2014. Aber auch bei den Heranwachsenden (18 bis unter 21 Jahre) gab es mit 1 i121 Personen sieben Prozent weniger Verurteilungen als noch im Jahr zuvor. Vor zehn Jahren war die Zahl der Verurteilungen junger Menschen noch rund dreimal so hoch. Ihr Anteil an den Verurteilten insgesamt sank in diesem Zeitraum von 20 Prozent auf acht Prozent. Der Grund für die zurückgegangenen Verurteilungen der jungen Leute ist nicht allein bei der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung zu suchen, das zeigen die Verurteilungen gemessen an der strafmündigen Bevölkerung der jeweiligen Altersgruppe. Hier wird ersichtlich, dass die Heranwachsenden mit 2.633 Verurteilten je 100.000 Einwohnern dieser Altersgruppe nach wie vor am häufigsten straffällig wurden. Allerdings ist diese Verurteiltenziffer so niedrig wie noch nie seit Einführung der Strafverfolgungsstatistik in Thüringen im Jahr 1997. Auch für die Jugendlichen trifft diese Aussage zu. In dieser Altersgruppe gab es 835 Verurteilte je 100 000 Personen dieser Bevölkerungsgruppe, 18 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Bei den Heranwachsenden lässt das Gesetz die Möglichkeit offen je nach Entwicklungsstand des Straftäters und nach den Umständen der Tat das Strafmaß noch etwas milder nach Jugendstrafrecht zu bemessen oder das allgemeine Strafrecht anzuwenden. Hier ist im Laufe der letzten Jahre eine eindeutige Entwicklung hin zu den strengeren Paragrafen des allgemeinen Strafrechts zu erkennen. Im Jahr 2005 wurden noch 60 Prozent der Heranwachsenden analog den Jugendlichen verurteilt und nur 40 Prozent nach allgemeinem Strafrecht. Im Jahr 2015 hingegen ist es jeweils die Hälfte. Erwartungsgemäß wurden die Frauen weniger straffällig als das männliche Geschlecht. Nur jeder fünfte Verurteilte war weiblich, der Anteil ist jedoch weiter steigend. Im Jahr 2005 betrug der Frauenanteil noch 16 Prozent, 2015 bereits 20 Prozent.