Allgemein Lokales & Regionales Thüringen Wirtschaft Wirtschaft

Wenig Wodka, viele Gespräche

DelegationFünf Tage lang besuchte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow mit weiteren Vertretern aus Politik und Wirtschaft Russland. Tenor vieler Unternehmer: Trotz der angespannten politischen Situation will man im Gespräch bleiben.
Thüringen, so verlautete aus Kreisen der Teilnehmer, strebe eine Regionalpartnerschaft mit der Republik Tatarstan an. Tatarstan gehört zur Russischen Föderation, gilt jedoch als besonders eigenständig und ist darüber hinaus die bevölkerungsreichste der autonomen Republiken. Im Juni will der Präsident Tatarstans zu einem Gegenbesuch nach Thüringen kommen.
Zur Thüringer Delegation, der neben dem Ministerpräsidenten, dem Wirtschaftsminister und Landtagsabgeordneten auch rund 40 Wirtschaftsvertreter angehörten, zählten auch fünf aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.
MAZET-Geschäftsführerin Annette Köhler aus Unterwellenborn zog heute ein erstes kurzes Fazit:
„Wichtiger als konkrete Geschäftsabschlüsse waren die persönlichen Kontakte, die in vielen Gesprächen geknüpft werden konnten. Politiker und Wirtschaftsvertreter hatten sowohl in Moskau als auch in Kasan teils unterschiedliche Gesprächsrunden, so dass viele Gesichtspunkte aus unterschiedlichen Blickwinkeln debattiert werden konnten.
TiefenseeZwei Kooperationsbörsen, die sowohl von deutscher als auch von russischer Seite perfekt organisiert worden waren, waren die für meine Firma wichtigsten Termine. In den nächsten Tagen müssen zahlreiche Unterlagen aufgearbeitet, also vor allem übersetzt werden. Es gibt in einem sehr konkreten Fall bereits erfolgversprechende Aussichten auf Zusammenarbeit. Wenn die Zeiten für Investitionen wieder besser werden, möchten viele deutsche Unternehmen auf den russischen Markt. Möglicherweise lassen sich durch Kooperationen auch Fachkräfte akquirieren.“
Es ist inzwischen üblich, dass sowohl Medien- als auch Wirtschaftsvertreter ihre Reisekosten in solchen und ähnliche Fällen selbst tragen. „Hat sich diese Investition wirklich gelohnt oder war es vor allem ein teurer Kurzurlaub mit viel Wodka“, muss da zwangsläufig die Nachfrage lauten. Annette Köhler: „Allein der Umstand, an einer Universität zu sehen, wie man zukunftsorientiert in Lehre, Bildung und Forschung investiert, war es wert. Persönliche Kontakte sind ohnehin fast unbezahlbar. Von Urlaub keine Spur! Die Gespräche dauerten oft bis in den frühen Morgen und die Wodka-Mengen sind mit längst vergangenen Tagen nicht mehr vergleichbar.“
Fotos (3): A. Köhler