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Weltweit agierendes Dopingnetzwerk zerschlagen – Sportmediziner aus Erfurt festgenommen

Dem österreichischen Bundeskriminalamt ist es in Zusammenarbeit mit dem Zollfahndungsamt München gelungen, ein international agierendes Dopingnetzwerk zu zerschlagen. Über Anordnungen der Schwerpunktstaatsanwaltschaft München I, sowie der Staatsanwaltschaft Innsbruck konnten in den heutigen Vormittagsstunden in einer koordinierten Aktion in Österreich sowie in Deutschland insgesamt neun Personen festgenommen und 16 Hausdurchsuchungen vollzogen werden. Im Rahmen von seit mehreren Monaten andauernden internationalen Ermittlungen wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Sportbetruges sowie der Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken konnte eine in Deutschland ansässige kriminelle Organisation um den Erfurter Sportmediziner Dr. Mark. S. ermittelt werden.

Diese aus Erfurt agierende kriminelle Gruppierung ist dringend verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern und dadurch illegale Einkünfte zu generieren. Im Zuge eines koordinierten Einschreitens unter Beisein eines deutschen Oberstaatsanwaltes und deutscher Ermittler konnten in Seefeld (Tirol) zwei Mitglieder der kriminellen Gruppierung sowie fünf Spitzensportler aufgrund richterlich bewilligter Anordnungen festgenommen, sowie sieben Hausdurchsuchungen vollzogen werden.

Bei den festgenommenen Athleten handelt es sich um zwei österreichische, einen kasachischen und zwei estnische Spitzensportler. Unter den Festgenommenen befinden sich auch zwei österreichische Polizeispitzensportler aus dem Nationalkader Langlauf/Nationalmannschaft, die derzeit die polizeiliche Grundausbildung absolvieren.

Gleichzeitig wurden in Deutschland der 40-jährige Sportmediziner Dr. Mark S. sowie ein weiterer 40-jähriger deutscher Komplize festgenommen und neun Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Man muss Suchmaschinen nicht lange bemühen, um auf die lange Vorgeschichte des Dr. Mark. S. zu stoßen. Bereits 2009 war Dr. S. von einem österreichischen Radprofi belastet worden. Der Rennfahrer war im Nachgang zur Frankreich-Rundfahrt 2008, die er in Diensten der Gerolsteiner-Equipe bestritten hatte, positiv auf das Epo-Mittel Cera getestet worden und räumte auch Blutdoping ein. Er warf dem Erfurter Sportmediziner vor, dass dieser in die Blutdoping-Praktiken involviert gewesen sei. Dieser bestritt das und sagte, dass er nie gegen die Dopingregeln verstoßen habe. Er erwirkte vor einem österreichischen Gericht auch einen Entscheid in seinem Sinn.

2013 belastete ihn nach einem Bericht der „Süddeutschen“ erneut ein früherer Gerolsteiner-Fahrer in einem Betrugsprozess vor dem Landgericht Stuttgart. Der Mediziner bestritt, an Dopingpraktiken teilgenommen oder Hilfe dafür geleistet zu haben.

Es sind gemäß einer Mitteilung des österreichischen Bundeskriminalamtes vom heutigen Mittwoch gravierende Vorwürfe, mit denen Dr. S. sich auseinandersetzen muss. Die aus Erfurt agierende kriminelle Organisation um den Mediziner und seinen Vater sei „dringend verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern“, hieß es. Ein „weltweit agierendes Dopingnetzwerk“ sei zerschlagen worden.