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Unwürdiges Gezerre um Carius-Nachfolger

Ein schier endlos anmutendes Trauerspiel fand in dieser Woche seinen Abschluss. Nachdem Landtagspräsident Christian Carius (CDU) sehr überraschend von seinem Amt zurückgetreten war, musste ein(e) Nachfolger(in) her. Nach guter alter Sitte wird dieser Posten der Partei eingeräumt, die die meisten Parlamentarier stellt. Die Wahl ist reine Formsache, der Kandidat wird üblicher Weise durchgewunken. Nicht so bei Rot-Rot-Grün vor einigen Wochen!
Die Koalitionäre ließen an dem von CDU-Fraktionschef Mike Mohring vorgeschlagenen Michael Heym kein gutes Haar – er fiel bei der Wahl einfach durch. Und so wurde guter Rat teuer. Die einstige Thüringer Ministerpräsidentin und dem Anti-Mohring-Lager zuzurechnende Christine Lieberknecht hätte gewollt – nur dürfen durfte sie dem Vernehmen nach nicht.
Die einzig verbliebene christdemokratische Allzweckwaffe musste her: Birgit Diezel. Seit 1994 im Landtag, seit 2004 drei Mal das Direktmandat gegen linke Mitbewerber vergeigt. Zwei Mal reichte der Einzug über die Landesliste, 2014 auf Listenplatz 3 hieß es dann: Und raus bist du. Immerhin kann Diezel bereits auf einige Jahre als Thüringer Finanzministerin und als Landtagspräsidentin (2009-2104) zurückblicken.
Mohrings Problem: Wer macht seinen Platz für Diezel als Nachrückerin frei? Carius winkte ab. Ganz zufällig kam dann Marions Walsmann des Wegs und machte (abgesichert durch einen sicheren Listenplatz für die Europawahl im kommenden Mai) ihren Platz im Landtag frei.
Am vergangenen Mittwoch endlich: Friede, Freude, Eierkuchen. Birgit Diezel wurde bei 27 Nein-Stimmen und zwölf Enthaltungen mit 48 Stimmen zur Landtagspräsidentin gewählt. Sowohl Mohring als auch die Koalitionäre wissen: Die beißt nicht. Die will nur spielen. Damit wurde gefunden, was eigentlich niemand hätte suchen dürfen.
Andreas Kühn