Quartett kandidiert für Amt des Saalfelder Bürgermeisters

So langsam füllt sich das Bewerber-Becken der Kandidaten für das Amt des Saalfelder Bürgermeisters: Neben Dr. Steffen Kania (CDU), Steffen Lutz (SPD) und Oliver Brömel (parteilos) tritt auch der Parteilose Sebastian Sussek zur Wahl am 15. April an. Eine Stichwahl zwei Wochen später erscheint daher nicht ausgeschlossen.

Die beiden Letztgenannten stellten sich gestern Abend der Saalfelder Wählergruppe DIE JUNGEN vor (Dr. Steffen Kania war bereits dort zu gast, Steffen Lutz wird sein Programm kommende Woche vorstellen) . Sebastian Sussek (Jahrgang 1979, ledig, kinderlos, gelernter Industriemechaniker) nannte als Motivation, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren ein Gespräch mit Landrat Marko Wolfram vor einem Jahr. „Er hat mich dazu ermuntert und regelrecht aufgefordert, zu kandidieren, weil er mir das Amt zutraut.“ Zum Zehn-Punkte-Plan des Bewerbers gehören neben einem klaren Nein zum geplanten Fachmarktzentrum u. a. bezahlbarer Wohnraum für junge Familien, die Abschaffung der Gelben Säcke, stabile Kindergartenbeiträge und die Erhaltung und Unterstützung von Jugendeinrichtungen wie Klubhaus oder Schloßberg. Mehr Veranstaltungen für junges Publikum oder Publikum mittleren Alters und flexiblere Handhabung bei Veranstaltungen Dritter im „Meiniger Hof“ war ein weiterer Punkt.

Oliver Brömel (Jahrgang 1966, verheiratet, drei Kinder, gelernter Gas-Wasser-Installateur) will sich u. a. stark machen für eine Senkung der Grund- und Gewerbesteuer, mehr Stadtgrün, eine wirkliche Bürgerbeteiligung an wichtigen Entscheidungen, den Ausbau und die Sicherung der Medizinischen Fachschule. Brömel ist seit zehn Jahren im Werbering Saalfeld aktiv und Vorsitzender der Vereinigung. Eine Verbesserung der Parkplatzsituation in der Innenstadt steht somit nicht von ungefähr auf seiner Agenda.

Saalfelder Bürgermeister-Kandidat Dr. Steffen Kania: „Bürgerbeteiligung statt Gängelei“

Als erster Kandidat für das Amt der Bürgermeisters in Saalfeld warf heute Dr. Steffen Kania (CDU) seinen Hut in den Bewerberring. Der 43-jährige promovierte Urologe will seinen Wahlkampf unter das Motto “Saalfeld gemeinsam gestalten” stellen. In seinem 9-Punkte-Programm (ausführlich dazu am Samstag) steht ganz oben: “Bürgerbeteiligung statt Gängelei”. “Verbotssatzungen sind mir ein Gräuel! Im Vordergund steht für mich, Eigeninitative zu fördern und die Bürger in Entscheidungsprozesse rechtzeitig einzubeziehen”, sagt der derzeitige Stadtratsvorsitzende und CDU-Kreischef. Dr. Steffen Kania ist verheiratet und hat einen 17-jährigen Sohn. Der Kandidat ganz persönlich:

Das wollte ich als Kind gern werden: Rechtsanwalt.

Wie beginnt Ihr Arbeitstag? Mit Kaffee und der Planung.

Wie sieht für Sie ein perfekter freier Tag aus? Ausschlafen, mit der Familie frühstücken, Gartenarbeit.

Tee oder Kaffee, Bier oder Wein, Sekt oder Selters?
Kaffee, Bier und weder noch.

Was ist für Sie das größte Unglück? Wenn ein Familienmitglied schwer erkranken würde.

Bitte ergänzen Sie: Thüringen ist für mich … … das schönste Bundesland Deutschlands.

Was war Ihre bisher größte Leistung? Gemeinsam mit meiner Frau unseren Sohn so zu erziehen, dass er eigenständig seinen Weg gehen kann.

Und Ihr bisher größter Fehler? Das sollen besser andere feststellen.

Mein großes Ziel ist es: Bürgermeister in Saalfeld zu werden.

Was ist Ihre Stärke? Auch unter Stress schnell Entscheidungen treffen zu können.

Was ist Ihre Schwäche? Gutes Essen.

Worüber können Sie sich richtig aufregen? Intoleranz und Ignoranz.

Wer ist Ihr politisches Vorbild? Helmut Kohl. Im Lokalen: Dr. Jochen Tscharnke und Frieder Lippmann.

Was war der beste Rat, den Sie je erhalten haben?
Reg dich nicht auf. Und: Man sieht sich stets zwei Mal im Leben.

Welchen Ratschlag würden Sie Ihrem Sohn mit auf den Weg geben?
Höre stets den Rat anderer, aber entscheide selbst.

Wofür sind Sie dankbar? Im Leben stets Menschen gefunden zu haben, die mich mit Rat und Tat begleiteten.

Mein Lebensmotto: Steh einmal öfter auf als du hingefallen bist.

Erzog ein ehemaliger Mordskerl jahrelang Kinder?

Das neue Schuljahr in der Saalfelder Caspar Aquila-Schule hatte kaum begonnen, da machten unter Lehrern und Eltern bereits die ersten Gerüchte die Runde. Sollte tatsächlich im Kinderhort ein Erzieher tätig sein, der vor 23 Jahren in einem Mordfall, der ganz Deutschland erschütterte, eine gewichtige Rolle spielte? Sollte es angehen, dass ein am 9. Februar 1994 wegen gemeinschaftlich geplanten Mordes, Freiheitsberaubung und Nötigung zu acht Jahren Freiheitsstrafe nach Jugendstrafrecht verurteilter Mörder nun Kinder erzieht? (Zu) viele Indizien sprechen dafür. Aber der Reihe nach:

Am 29. April 1993 ermordeten Sebastian S., Hendrik M. und Andreas K. (damals alle 17 Jahre alt) in Sondershausen den 15-jährigen Sandro B. Die drei damals der rechtsextremen Band „Absurd“ (sie wurde im Bericht des Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz erstmals 1999 als rechte Black-Metal-Band aufgeführt) angehörenden Mörder lockten ihr Opfer unter einem Vorwand zu einem Treffen. Dort erdrosselten sie ihn gemeinschaftlich mit einem Stromkabel. Ihr Opfer verscharrten sie im Anschluss in einem Erdloch. Sebastian S. und Hendrik M. bezeichneten sich sowohl vor der abscheulichen Tat als auch im anschließenden Prozess als Satanisten. Der überregional Aufsehen erregende Kriminalfall wurde von der ARD 2001 in der Reihe „Die großen Kriminalfälle“ aufgearbeitet. (Link zu „Satansmord“ – Tod eines Schülers)

Jetzt wird es erstmals absurd: Die Strafe traten alle Täter in der Justizvollzugsanstalt Erfurt an, obwohl das Gericht für eine getrennte Unterbringung plädiert hatte. Sie lebten bis 1995 sogar in einer gemeinsamen Wohngruppe. Im Gefängnis konnten die verurteilten Mörder ihre Band, welche in Teilen der rechtsextremen Szene zu Kultstatus gelangt war, fortführen – als Gruppe, die sich „In Ketten“ taufte (siehe ARD-Doku). Nach diversen Presse-Berichten wurden sie dann aber in unterschiedliche Haftanstalten verlegt, den JVA-Chef in Erfurt kostete das seinen Job. Sebastian S. holte in der Haft das Abitur nach und wurde im Jahr 1998 vorzeitig entlassen. Danach studierte er verschiedenen Quellen zufolge Jura. Sebastian S. soll zudem bis zum 21. März 2006 Mitglied bei der Neofolk-/Metal-Band Halgadom des der rechten Szene zuzurechnenden Frank Krämer (Stahlgewitter) gewesen sein. (Weiterführender Link)

Spätestens 2011 taucht in der Caspar Aquila-Schule in Saalfeld ein Erzieher Sebastian F. auf, arbeitet dort bis Spätsommer 2017. Es ist kein andere als Sebastian S., der den Nachnamen seiner Ehefrau angenommen hat! Bilder sprechen eine eindeutige Sprache: Aus rechtlichen Gründen haben wir das Foto von Sebastian S. und das des heutigen Erziehers Sebastian F. nur verlinkt.

Wir haben, nachdem die Zahl der Hinweise das Dutzend erreicht hatte, umgehend die Stadt Saalfeld als auch die Schule angeschrieben. Im Original waren die Nachnamen ausgeschrieben. Das waren die Fragen:

Trifft es zu, dass der 1994 verurteilte und 1998 vorzeitig entlassene Mörder Sebastian S. und Sebastian F. ein und dieselbe Person sind?
War das bei seiner Einstellung bekannt? Wenn ja: Welche Gründe gab es, einen verurteilten Mörder ausgerechnet mit Kindern arbeiten zu lassen?
Hat er ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt?
Wenn nicht: Warum wurde dies nicht abverlangt?

Seitens des Schulamtes Südthüringen schrieb dessen stellvertretender Leiter Michael Kaufmann:
„Ich muss jedoch darauf verweisen, dass wir aus Datenschutzgründen keine Informationen zu einzelnen Mitarbeitern oder Mitarbeitern veröffentlichen können.
Gern erläutere ich Ihnen die Vorgehensweise bei Einstellungen von Erziehern und Lehrern. Neben den üblichen Bewerbungsunterlagen ist durch die Bewerber u. a. ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Weist das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis eines Bewerbers keine Eintragung auf und erfüllt sie/er die weiteren Einstellungsvoraussetzungen, besteht die Möglichkeit der Einstellung.
Bei Bekanntwerden von Vorwürfen gegen Lehrkräfte oder Erzieher werden diese Vorwürfe unmittelbar geprüft. Dazu gehört, dass unverzüglich im zuständigen staatlichen Schulamt ein Personalgespräch mit der Beschuldigten oder dem Beschuldigten geführt wird. Im Ergebnis einer solchen Prüfung muss dann jeweils im Einzelfall über mögliche dienstrechtliche Maßnahmen entschieden werden. Die Maßnahmen müssen angemessen und verhältnismäßig sein.
Ich kann bestätigen, dass es jüngst einen Fall gab, bei dem wir nach Bekanntwerden der Vorwürfe entschieden haben, dass die Person bis zur endgültigen Klärung nicht mehr in der Arbeit mit Kindern eingesetzt wird.“

Für die Stadt Saalfeld antwortete Thomas Gebuhr, Leiter der Rechtsabteilung, wie folgt:
„Die Stadt Saalfeld/Saale hat mit Auslaufen des Projektes zur Kommunalisierung der Grundschulhorte Mitte 2016 das Erzieherpersonal mit allen geforderten Unterlagen an das Staatl. Schulamt Südthüringen übergeben. Anfragen über das aktuell beschäftigte Erzieherpersonal können daher nur von dort beantwortet werden.
Die Stadt Saalfeld/Saale hat im Zeitraum ihrer Zuständigkeit bis 2016 nur Erzieher eingestellt, die ein einwandfreies erweitertes Führungszeugnis beibringen konnten.
Im Übrigen geben wir an Dritte in Bezug auf frühere oder aktuelle Beschäftigte der Stadtverwaltung Saalfeld/Saale aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskünfte aus Personalakten.“

Kommentar: (Zu) viele offen Fragen

Verdachtsberichterstattung ist ein heikles Thema – unter Juristen ebenso umstritten wie unter Journalisten. Im vorliegenden Fall sind die Indizien so erdrückend, dass wir uns zu einer Veröffentlichung entschieden haben, auch wenn es noch (zu) viele offene Fragen gibt. Gestellt wurden sie, es liegt an den Zuständigen, hier Licht ins Dunkel zu bringen. Die beiden Antworten sind ebenso windelweich wie nichtssagend. Was sie definitiv nicht sind: Ein klares Dementi, denn das geht anders.
Dass es im Saalfelder Rathaus noch am Vormittag einen “Maulkorb” für die Mitarbeiter gab, spricht Bände. Dass man sich mit einem Verweis auf das Jahr 2016 aus der Verantwortung stehlen möchte, ist schlicht unanständig und unprofessionell. Man darf gespannt sein, was man morgen (13.9.2017) den Stadträten im Hauptausschuss verkündigen wird. Die Caspar Aquila-Schule selbst hüllt sich in Schweigen und lässt die übergeordnete Behörde Floskeln schreiben. So nicht!
Das erweiterte Führungszeugnis bedarf weiterer Erklärung wie auch die Antwort aussteht, wie einstmals der Bewerber Sebastian F. eine vierjährige Lücke im Lebenslauf so “füllte”, dass niemand stutzig werden konnte. Oder wollte niemand stutzig werden? Es ist an der Zeit, dass unter vielen Blinden (auch auf dem rechten Auge?) endlich ein Sehender ist, der die Schweigemauer einreißt.
PS: Resozialisierung ist ein wichtiger Bestandteil des deutschen Rechts. Zu recht. Ein Kinderhort ist allerdings der falsche Ort im konkreten Fall.

Andreas Kühn

Vierbeiner beenden Freibad-Saison in Saalfeld

Zum 9. September endet die Saison 2017 im Saalfelder Freibad. Während der Winterpause können die verschiedenen Angebote in der Saalfelder Schwimmhalle genutzt werden.

Als letztes Angebot offeriert das Freibad am 11. September von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr erstmals ein Hundeschwimmen (Eintritt 1,50 Euro je Hund).

Ostereierbaum in Saalfeld nimmt Gestalt an

Der traditionsreiche Saalfelder Ostereierbaum nimmt Gestalt an. Eine Robinie in der Blankenburger Straße wird seit diesem Wochenende immer bunter. Das erste Mal wurde 1965 am Stadtrand von Saalfeld ein Apfelbaum der Familie Kraft geschmückt, damals mit 18 Plastikeiern! Bis zum Jahr 1994 stieg die Eieranzahl dann auf etwa 350 Stück. Je größer der Baum wurde, umso mehr Eier konnten aufgehängt werden. Im Jahre 2012 wurde die magische Grenze von 10.000 Eiern erstmals überschritten.

So sah der Ostereierbaum der Familie Kraft einst aus.

Die schönsten Ostereier 2017 werden zum Abschmücken am 22. und 23. April prämiert.

Asylbewerber wütete: Sachschäden in Höhe von mehreren Hundert Euro

Ein 17-jähriger afghanischer Asylbewerber randalierte vergangene Nacht in einer Saalfelder Gemeinschaftsunterkunft. Nach ersten Zeugenaussagen kehrte er gegen 23.30 Uhr alkoholisiert aus einem Ausgang zurück. Die Küche war wegen der Nachtruhe bereits geschlossen. Dieser Umstand brachte den Afghanen derart in Rage, dass er unter anderem Türen, Stühle und Schränke der Unterkunft um sich warf sowie teilweise gefüllte Tassen und Kannen zerschlug.

Beim Zerschlagen einer Thermoskanne mit heißem Inhalt verbrühte er einen 16-jährigen Landsmann am Bein. Den Randalierer nahmen Saalfelder Polizisten in Gewahrsam. Laut einem Atemalkoholtest war dieser mit 1,2 Promille merklich alkoholisiert. Gegen den jungen Mann wird nun wegen des Verdachts der Sachbeschädigung und der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt. Nach ersten Schätzungen entstanden Sachschäden in Höhe von mehreren Hundert Euro.

Erster Lutherstammtisch 2017 in Saalfeld: Kochen mit Käthe

Luthers Ehefrau Katharina, gerne bezeichnet als „Herr Käthe“, hatte sie doch die Hosen an in Luthers Haushalt, weckt im Reformationsjahr zunehmendes Interesse. Dafür sorgte kürzlich auch der vom MDR zu großen Teilen in Thüringen produzierte Film „Katharina Luther“ mit der Jenaer Schauspielerin Karoline Schuch in der Titelrolle. Die Faszination für Frau Luther hat längst auch die Saalfelder Kirchgemeinde erfasst – und deshalb hatte sie gestern in ihrem üppigen Programm zum Reformationsjahr den Lutherstammtisch „Kochen mit Käthe“ als einen kleinen Höhepunkt vorbereitet.

Konnte man sich in dem MDR-Film anschaulich zeigen lassen, wie es an Luthers Tisch mit den Gästen zuging, bestand nun die Möglichkeit, das selbst zu erleben. Als Gastgeber fungierten der Südthüringer Reformationsbeauftragte Pfarrer Peter Taeger alias Martin Luther und die Köchin Ina Kollmeyer als „Herr Käthe“.

Während Martin für geistlichen Input sorgte – mit Liedern und Erzählungen, kümmerte sich Käthe um die Kochwilligen – die gemeinsam Gemüse schnippelten oder Fleisch anbrieten. Die Vorbereitungen endeten dann bei einem üppigen Mahl mit Speis und Trank wie zu Luthers Zeiten. Während Martin und Käthe in Talar und Kostüm eine gewisse Authentizität ausstrahlten, war zumindest die Küche im Saalfelder Cafe Waage nicht so ganz stilecht- dafür aber modern.

Text & Foto: Martin Modes

„Saalfeld als Kreisstadt erhalten“

Zehn Unternehmer sowie die Saalfelder CDU-Politiker Maik Kowalleck und Dr. Steffen Kania haben eine überparteiliche Initiative ins Leben gerufen, die für den Erhalt des Kreissitzes in Saalfeld wirbt. „Schwerwiegende Folgen“ in vielfältiger Form befürchtet Unternehmer Frank Hartung. „Das betrifft Arbeitsplatz- und Kaufkraftverluste gleichermaßen.“slf-12-2016
Die Querdenker von „Meine Kreisstadt Saalfeld“ wollen vor allem bei der Landesregierung Druck machen und die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass es um „mehr als den Sitz eines Landratsamts“ geht, wie der Landtagsabgeordnete Kowalleck sagte. „Wer den Kreisstadt-Status darauf reduziert, wie oft ein Bürger pro Jahr seine Behörde aufsucht, der denkt zu kurz“, machte Dr. Kania deutlich. „Kreisstadt ist ein Gesamtpaket. Schnürt man dieses auf, würden die wertvollsten Bestandteile herausgelöst.“ Im Stadtrat Saalfeld werde es demnächst eine Resolution zum Erhalt des Kreissitzes geben, kündigte er an.

„Wir wollen und müssen über die Region hinaus denken“, so Frank Hartung. „Die Regierenden müssen jetzt Masse spüren. Jetzt sind möglichst viele gefragt.“ Wenn es schon nicht mehr um das „ob“ in Sachen Kreisgebietsreform ginge, so müsse beim “wie“ umso entschiedener die Stimme erhoben werden. „Eine weitere Reduzierung von Infrastruktur und Lebensqualität wollen und können wir nicht hinnehmen.“

Die Initiative „Meine Kreisstadt Saalfeld“ ist bereits bei Facebook und mit einer eigenen Internet-Seite (wird derzeit entwickelt) präsent. 1.000 Aufkleber in Ortsschildoptik sind bereits gedruckt, Flyer sollen folgen.

Die Initiative „Meine Kreisstadt Saalfeld“ wurde ins Leben gerufen von:
Gunter Batzke, RSB Rudolstädter Systembau GmbH
J.C. Binzer HyFi GmbH
Dietmar Hantschel, Tischlerei Hantschel GmbH
Frank Hartung, Hartung GmbH
Jürgen Kachold, Bürgerliches Brauhaus Saalfeld GmbH
Dr. Steffen Kania, Stadtratsvorsitzender der Stadt Saalfeld
Maik Kowalleck, Saalfelder Landtagsabgeordneter
Torsten Köhler, MAZET GmbH
Frank Krämer, Torbau Krämer
Marina und Karl-Heinz Renger, RSP Reschwitzer Saugbagger Produktions GmbH
Stahlwerk Thüringen
Rico Wolfram, Betting AG

Landrat Wolfram: Pläne des Bildungsministeriums sind „ein Unding“

Was derzeit an Post aus Erfurt im Saalfelder Landratsamt eintrudelt, bereitet Landrat Marko Wolfram selten Freude. Die Stellungnahme des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) zum Schulnetzplan des Landkreises ist keine Ausnahme. Mehr als eineinhalb Jahre Zeit ließen sich die Fachleute im Ministerium, den im März 2015 vom Kreistag beschlossenen Schulnetzplan für die Schuljahre 2014/15 bis 2020/21 unter die Lupe zu nehmen. Nun fordern die Erfurter Korrekturen – bis spätestens März 2017. „Ein Unding“, findet Wolfram laut einer Pressemitteilung.

Noch dazu lassen die Überprüfungswünsche des Ministeriums nichts Gutes erwarten. Deshalb schlägt der Landrat jetzt dem Kreistag einen Beschluss vor, die Überprüfung des Schulnetzplanes rundheraus abzulehnen. Am Mittwoch befasst sich der Kultur- und Bildungsausschuss erstmals mit der Vorlage.

Landrat Marko Wolfram (SPD) Thüringen @ Götz Schleser
Landrat Marko Wolfram (SPD) Thüringen
@ Götz Schleser
Der Brief des Ministeriums vom 11. Oktober hat es in sich. Das TMBJS ist der Meinung, dass die Grundschulstandorte Gräfenthal, Katzhütte, Lehesten und Leutenberg sowie die Regelschulstandorte Gräfenthal und Lichte überprüft werden müssen. Eine entsprechende Prüfung hatte auch der Entwurf für den Schulnetzplan enthalten. Diese war mit Votum des Kreistages aber gestrichen worden – als klares Signal, dass auch kleine Schulen im ländlichen Raum erhalten bleiben müssen.

Das Ministerium führt als Beispiel die Grundschule Katzhütte an. Hier sei der „eigenständige Betrieb mit 27 Schülern in 2015/16 nicht mehr zu rechtfertigen“, heißt es. Damit sei eine Vertretung bei Lehrerausfall kaum bis gar nicht möglich, krankheitsbedingte Ausfälle im Hort seien ebenso schwer zu kompensieren. Für beides ist allerdings das Land zuständig.

Bei den Regelschulen fürchtet das Ministerium um eine angemessene „Binnendifferenzierung“. Gemeint sind Angebote wie Wahlpflichtfächer, Arbeitsgemeinschaften oder Ergänzungsstunden. Dies führe zu „Bildungsdefiziten und Nachteilen“ für die Schüler. Schließlich hält das Ministerium das Angebot an Förderschulplätzen für zu groß. Deshalb sollen die beiden Förderzentren in Saalfeld und Rudolstadt fusionieren – sprich einer der beiden Standorte geschlossen werden. Der andere soll als „Kompetenz- und Beratungszentrum“ für den Landkreis ausgebaut werden.

Die „Wunschliste“ aus Erfurt endet mit der Grundschule Kaulsdorf. Hier wird dem Landkreis eine Integration in die Gemeinschaftsschule Kaulsdorf nahegelegt. Erst durch die Verbindung einer Gemeinschaftsschule mit einer oder mehreren Grundschulen könne das konzeptionelle Bildungsangebot im Sinne eines längeren gemeinsamen Lernens umgesetzt werden, so das Schreiben. Der Landkreis wird gebeten, die eigenen Pläne entsprechend „zu überprüfen und Maßnahmen einzuleiten“.

Landrat Marko Wolfram lehnt die „Bitte“ rundheraus ab und beruft sich auf die eigene Schulverwaltung. „Es gibt nach wie vor vom Freistaat keine verbindlichen Standards zu Schul- und Klassengrößen. Hier hat man die Schulträger jahrelang alleine gelassen, jetzt sollen Schulschließungen durch die Kalte Küche organisiert werden“, ärgert sich Wolfram. Der Landkreistag fordert seit Jahren, die Raumprogrammempfehlung aus dem Jahr 1997 zu überprüfen. Die Landkreise haben sogar einen eigenen Entwurf erarbeitet und dem Ministerium zur Verfügung gestellt – passiert ist seitdem in Erfurt nichts. „Wir haben große Zweifel, dass die fast zwanzig Jahre alte Empfehlung noch heutigen Anforderungen entspricht“, sagt Wolfram. So war damals zum Beispiel die UN-Behindertenrechtskonvention nicht in Kraft. Heute gibt es für das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern ganz andere Anforderungen.

Auch eine Überprüfung der Einzugsbereiche der Schulen macht vor dem Hintergrund der geplanten Gebietsreform keinen Sinn. „Wir wissen doch gar nicht, welche Gemeinden künftig zusammengehen oder vielleicht sogar über jetzige Kreisgrenzen hinweg neu fusioniert werden“, so der Landrat. So lassen sich natürlich keine künftigen Schülerzahlen berechnen – und die sind ein Kriterium für den langfristigen Erhalt der Schulen.

Vollends die Zornesröte ins Gesicht treiben dem Landrat die Ideen zu den bewährten Förderzentren, die der Landkreis mit hohen Investitionen ausgestattet hat. Denn das Land arbeitet derzeit erst an einem „Inklusiven Bildungsgesetz“, in dem mindestens das Thüringer Schulgesetz, das Thüringer Schulfinanzierungs- und das Thüringer Förderschulgesetz verschmolzen werden sollen. Ein Entwurf liegt noch nicht vor, konkrete Eckdaten, die in einen Prüfungsprozess zwingend einzubeziehen sind, unbekannt. Für den Ausbau der Förderzentren zu einem Kompetenz- und Beratungszentrum, wie seitens des TMBJS gefordert, gibt es weder eine rechtliche Veranlassung noch definierte Standards, die ein solches Zentrum zu erfüllen hat.

Der Gemeinschaftsschule in Kaulsdorf, die ab der 5. Klasse beginnt, wurde mit Genehmigung des TMBJS eine zehnjährige Übergangsfrist eingeräumt. „Hier ist also überhaupt kein Handlungsbedarf“, ist sich Wolfram sicher. Deshalb wirbt der Landrat bei den Kreistagsmitgliedern um Unterstützung für einen Beschluss, die angemahnte Überprüfung bis zum Inkrafttreten verbindlicher Standards abzulehnen.

Sonderführung im Saalfelder Schloss

Am gestrigen Nachmittag hatten sich 43 Gäste trotz trübem Wetters auf den Weg ins Saalfelder Schloss gemacht, um eine Sonderführung zu erleben. Das Saalfelder Schloss und heutige Landratsamt war in Regie des Herzogs Johann Ernst erbaut worden, des Begründers des Hauses Sachsen-Saalfeld und damit ersten Saalfelder Herzogs. Im Gegensatz zu den jährlich beim „Tag des Offenen Denkmals“ angeboten Führungen dauerte die „Profibesichtigung“ gestern mehr als doppelt so lange. Die Führung war ein Ergänzungsangebot zur Ausstellung im Saalfelder Stadtmuseum „Von Saalfeld nach Windsor“, in der Museumsdirektor Dirk Henning den Aufstieg des Saalfelder Herzogshauses aufbereitet hat und die noch bis zum 25. September gezeigt wird.

Martin Modes vom Presse- und Kulturamt führte auf normalen und ungewöhnlichen Wegen durch das Gebäude, erläuterte Besonderheiten der Geschichte. Insbesondere verwies er immer wieder darauf, dass es zu vielen Fragen keine gesicherten Informationen aus den Quellen und der Literatur gibt – etwa, ob die herzoglichen Gemächer sich nun im südlichen oder im nördlichen Teil des Gebäudes befinden. Mit Erläuterungen und Hinweisen zur jüngeren Baugeschichte und zur Nutzung des Gebäudes weckte er bei manchem der Besucher längst vergessene Erinnerungen.

„Mein Anliegen ist es , den Menschen wieder ins Bewusstsein zu bringen, dass die Geschichte des Saalfelder Herzogshauses etwas Besonderes ist“, so der Journalist und Historiker. „Die Ernestiner betrieben bekanntlich eine sehr erfolgreiche Heiratspolitik. Das hat dazu geführt, dass ihre heutigen Nachfahren praktisch mit allen europäischen Königshäusern verwandt sind. Was aber die wenigsten wissen: Es sind vor allem die Nachfahren des Saalfelder Herzogs Johann Ernst, die mit ihren Heiraten für die dynastischen Verbindungen der Ernestiner in ganz Europa gesorgt haben. Deshalb kann sich Saalfeld, aus dem die späteren Coburg-Gothaer Herzöge stammen, ebenso als Wiege dieser europäischen Dynastien bezeichnen, wie das sonst gerne Coburg und Gotha für sich in Anspruch nehmen.“ Die Bedeutung des aus Saalfeld stammenden Herzogshauses war schon den Menschen im 19. Jahrhundert bewusst, weshalb der damalige Reichskanzler Bismarck diese Dynastie einst abwertend als Gestüt Europas bezeichnet hat.

Foto: Bernhard Kral

MDR drehte im Saalfelder Schloss

Auch im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt weiß vermutlich nicht jeder, was es mit dem Saalfelder Schloss, dem heutigen Landratsamt, als „Wiege der europäischen Dynastien“ auf sich hat. Derzeit besteht im Saalfelder Stadtmuseum die Möglichkeit, sich in der Sonderausstellung „Von Saalfeld nach Windsor“ ausführlich darüber kundig zu machen. Das tat gestern auch ein MDR-Filmteam aus Leipzig.

MDR-Redakteur Hendrik Frenzel ist derzeit mit seinem Filmteam unterwegs, um den Zuschauern eher unbekannte Besonderheiten näher zu bringen, die im Sommer in der „MDR um Vier – Burgen und Schlösser-Tour“ 2016 vorgestellt werden sollen. Und weil Saalfeld und die Geschichte seines Herzogshauses eindeutig zu den unbekannten Besonderheiten in Mitteldeutschland zählen, hatte er gestern das Schloss im Fokus.

LRA 2
„Das Schloss wird mit allen Besonderheiten vorgestellt und dient als Ausgangspunkt für sommerliche Ausflugstipps. Wir schauen also über die Mauern hinaus und ergründen, was man in Ihrer Gegend noch so alles sehen, erleben und machen kann“, hatte der Redakteur bei der Anmeldung zu den Dreharbeiten angekündigt. Dabei ist das Schloss für Frenzel und sein Team längst keine Unbekannte
mehr. Positiv angetan waren die Fernsehleute vom fürstlichen Empfang im Saalfelder Schloss: Der erste Schlossherr und Gründer des Saalfelder Herzogshauses, Johann Ernst, gab sich ebenso die Ehre wie Erbe Franz Josias. Zusammen mit ihren Begleiterinnen hatten Lothar Bock und seine Gruppe Saalfelder Barock sowie Thomas Schaarschmidt mit der IG Thüringer Barock aus Zeutsch das barocke Lebensgefühl vor 300 Jahren für die Filmaufnahmen deutlich gemacht.

LRA 3
Besonderen Wert legte das MDR-Team darauf, beim „Prinzenbier“ vorbei zu schauen – also in der Saalfelder Brauerei, in der Braumeister Ralf Hohmann tatsächlich eine Neuauflage des Prinzenbiers gebraut hat – und die zur Ausstellungseröffnung im Stadtmuseum ausgeschenkt worden war. Und dort nahmen die Fernsehmacher gleich zwei weitere „Bierstars“ in den Drehplan auf. Denn Geschäftsführer Jürgen Kachold verkündete topaktuell den jüngsten Erfolg der Brauerei: „Beim diesjährigen World Beer Cup in Philadelphia gehörte die Saalfelder Brauerei gleich zweimal zu den
Gewinnern. Jeweils den dritten Platz konnten unser Saalfelder Premium Pilsner in der Kategorie German-Style Pilsner und das schon mehrfach ausgezeichnete Ur-Saalfeder in der Kategorie German-Style Maerzen erringen.“ Beteiligt hatten sich 78 deutsche Brauereien und nur 17 Biere von 13 Brauereien wurden ausgezeichnet.

Die Ausstrahlung des Saalfelder Schloss-Films erfolgt zwischen Mitte Juli und Mitte August und sollte durchaus zusätzliche Touristen nach Saalfeld und in die Region locken – derzeit im Plan ist der 5. August in der Sendung MDR um Vier.
Im Rahmen der Schlössertour 2015 schon Burg Greifenstein im Fokus – der Film ist über die Mediathek abzurufen.

Fotos (3): LRA / Martin Modes