Allgemein Lokales & Regionales Wirtschaft

Sparkassen-Bilanzen bei Lichte betrachtet

Das Recherchezentrum Correctiv.org und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ haben zum ersten Mal die faulen Kredite für alle 409 Sparkassen in Deutschland ausgewertet. Hat eine Bank viele faule Kredite, ist das ein Indiz dafür, dass sie bei der Kreditvergabe ein hohes Risiko eingeht. Als faul gelten Kredite, bei denen sich ein Schuldner mehr als 90 aufeinanderfolgende Tage nicht an Absprachen hält, indem er zum Beispiel eine Rate länger nicht überweist.
Große Überraschung: Die Sparkassen aus Baden-Württemberg haben den höchsten Anteil notleidender Kredite. Die Daten zeigen auch: Ein Großteil der Sparkassen in Deutschland scheint derzeit kaum Schwierigkeiten mit faulen Krediten zu haben. Der durchschnittliche Anteil fauler Kredite lag im Jahr 2014 bei 1,62 Prozent. Damit stehen die Sparkassen bundesweit gut da.
Das Handelsgesetzbuch räumt bei der Bewertung von Krediten Spielräume ein, die auch genutzt werden. Diese Bewertungsspielräume sind begrenzt und wirken in zwei Richtungen: So kann eine kapitalschwache Sparkasse ein Stück weit Abschreibungen auf recht wackelige Kredite auf spätere Jahre verschieben. Umgekehrt kann eine Sparkasse – wenn ihre Geschäfte richtig gut laufen – eher mehr faule Kredite ausweisen und so den steuerpflichtigen Jahresgewinn drücken.

Für uns Anlass genug, sich die beiden Kreissparkassen Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla näher anzuschauen. Wie hoch ist der Anteil notleidender Kredite im Saalfelder Haus: 1.08 % Gesamt (Platz 156 von 413), 0.92 % Privatpersonen, 3.7 % Unternehmen & Selbstständige. Daraus ergibt sich die Frage: Falls alle notleidenden Kredite ausfallen, bräuchte die Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt allerdings bei gleichbleibendem Gewinn 11.9 Jahre (Platz 374 von 413), um den Verlust auszugleichen. Wie ist die Sparkasse für schlechte Zeiten gerüstet? Gut: 21.72 % Gesamtkapitalquote (Platz 62 von 413). 8 % sind minimale Pflicht nach Basel III.
Laut Geschäftsbericht im Bundesanzeiger beliefen sich die Gesamtbezüge des dreiköpfigen Vorstands im Geschäftsjahr 2014 (der Geschäftsbericht 2015 wird frühestens im Juli 2016 veröffentlicht) auf 612.000 Euro. Die Gesamtbezüge der elf Verwaltungsratsmitglieder betrugen im gleichne Zeitraum vergleichsweise bescheidene 43.000 Euro. Für frühere Vorstandsmitglieder und ihre Hinterbliebenen ergaben sich 2014 Gesamtbezüge von 282.000 Euro.
Als Bilanzgewinn weist die Kreissparkasse für 2014 1.319.160,20 Euro aus. Gegenüber 2013 hatte das Haus weniger Mitarbeiter an Bord, insgesamt 284 (190 in Vollzeit, 79 in Teilzeit, 15 Auszubildende). Bei den Kontoführung und Kreditzinsen liegt die Sparkasse in Saalfeld noch im mittleren Bereich.

Nebenan in Schleiz oder Pößneck (Kreissparkasse Saale-Orla) sind die Dispo-Zinsen leider zweistellig. Aber auch beim Anteil notleidender Kredite sieht es nicht rosig aus: 2.95 % Gesamt (Platz 371 von 413), 3.83 % Privatpersonen, 6.04 % Unternehmen & Selbstständige. Falls alle notleidenden Kredite ausfallen würde, bräuchte die Kreissparkasse Saale-Orla allerdings bei gleichbleibendem Gewinn nur 6.6 Jahre (Platz 303 von 413), um den Verlust auszugleichen. Bei der Gesamtkapitalquote liegt man bei 16.93 % (Platz 192 von 413).
In Schleiz lässt man sich seine Chefs weniger kosten als in Saalfeld – es sind allerdings nur zwei statt drei: Die Gesamtbezüge des Vorstands beliefen sich im Geschäftsjahr 2014 auf 452.000 Euro. Die Verwaltungsratsmitglieder bekamen 37.000 Euro. Für frühere Vorstandsmitglieder und ihre Hinterbliebenen ergaben sich im gleichen Zeitraum Gesamtbezüge von 193.000 Euro.
Die Kreissparkasse Saale-Orla hatte ebenfalls 2014 weniger Personal als im Jahr zuvor: 251 Mitarbeiter ingesamt (112 in Vollzeit, 120 in Teilzeit, 19 Auszubildende). Der Bilanzgewinn 2014 betrug 918.971,32 Euro.