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Sonderführung im Saalfelder Schloss

Am gestrigen Nachmittag hatten sich 43 Gäste trotz trübem Wetters auf den Weg ins Saalfelder Schloss gemacht, um eine Sonderführung zu erleben. Das Saalfelder Schloss und heutige Landratsamt war in Regie des Herzogs Johann Ernst erbaut worden, des Begründers des Hauses Sachsen-Saalfeld und damit ersten Saalfelder Herzogs. Im Gegensatz zu den jährlich beim „Tag des Offenen Denkmals“ angeboten Führungen dauerte die „Profibesichtigung“ gestern mehr als doppelt so lange. Die Führung war ein Ergänzungsangebot zur Ausstellung im Saalfelder Stadtmuseum „Von Saalfeld nach Windsor“, in der Museumsdirektor Dirk Henning den Aufstieg des Saalfelder Herzogshauses aufbereitet hat und die noch bis zum 25. September gezeigt wird.

Martin Modes vom Presse- und Kulturamt führte auf normalen und ungewöhnlichen Wegen durch das Gebäude, erläuterte Besonderheiten der Geschichte. Insbesondere verwies er immer wieder darauf, dass es zu vielen Fragen keine gesicherten Informationen aus den Quellen und der Literatur gibt – etwa, ob die herzoglichen Gemächer sich nun im südlichen oder im nördlichen Teil des Gebäudes befinden. Mit Erläuterungen und Hinweisen zur jüngeren Baugeschichte und zur Nutzung des Gebäudes weckte er bei manchem der Besucher längst vergessene Erinnerungen.

„Mein Anliegen ist es , den Menschen wieder ins Bewusstsein zu bringen, dass die Geschichte des Saalfelder Herzogshauses etwas Besonderes ist“, so der Journalist und Historiker. „Die Ernestiner betrieben bekanntlich eine sehr erfolgreiche Heiratspolitik. Das hat dazu geführt, dass ihre heutigen Nachfahren praktisch mit allen europäischen Königshäusern verwandt sind. Was aber die wenigsten wissen: Es sind vor allem die Nachfahren des Saalfelder Herzogs Johann Ernst, die mit ihren Heiraten für die dynastischen Verbindungen der Ernestiner in ganz Europa gesorgt haben. Deshalb kann sich Saalfeld, aus dem die späteren Coburg-Gothaer Herzöge stammen, ebenso als Wiege dieser europäischen Dynastien bezeichnen, wie das sonst gerne Coburg und Gotha für sich in Anspruch nehmen.“ Die Bedeutung des aus Saalfeld stammenden Herzogshauses war schon den Menschen im 19. Jahrhundert bewusst, weshalb der damalige Reichskanzler Bismarck diese Dynastie einst abwertend als Gestüt Europas bezeichnet hat.

Foto: Bernhard Kral