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Scharfrichter des guten Geschmacks

Der Deutsche Werberat ist die Selbstkontrolleinrichtung der Werbewirtschaft. Die Institution kümmert sich darum, dass Werbung, die rechtlich zulässig ist auch ethische Grenzen nicht überschreitet.

Diese Eigendarstellung selbsternannter Sittenwächter muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Freiheit heißt: Was nicht ausdrücklich durch ein Gesetz verboten ist, ist erlaubt. Mit dieser Freiheit haben aber offensichtlich die Geschmacksscharfrichter des Werberats nichts am Hut.

Gestern wurden gleich viermal gerügt, zwei Rügen würden nach Thüringen durchgereicht. Als „sexistisch und respektlos gegenüber Frauen“ hat der Werberat die Werbung des thüringischen Landkreises Schmalkalden-Meiningen beim Volleyballbundesligisten VfB 91 Suhl beanstandet. Auch die Fahrzeugwerbung der Spedition Daniel Hoffmann aus Drei Gleichen bekam Saures: Die Abbildung der breitbeinig posierenden, knapp bekleideten Frau auf der Rückseite des Transporters ist aus Sicht des Werberats übermäßig sexualisiert.

Wenn es nicht ebenso putzig wie abstrus wäre, müsste man laut drüber lachen. Leider ist bedenklich und traurig zugleich, dass es Institutionen wie den Werberat gibt, die anderen gern etwas verbieten oder überstülpen wollen. Weil es in den beiden genannten Fällen keinen gesetzlichen Richter gibt, wird die Moralkeule rausgeholt. Den meisten Adressaten der (gelungenen) Werbung wird es meilenweit am Ärmel vorbeigehen.

Den passenden Kommentar liefert Landrätin Peggy Greiser: „Wenn jeder mehr oder weniger versteckte Hinweis auf geschlechterspezifische Reize künftig als Sexismus gebrandmarkt wird, brauchen wir über Werbefreiheit in Deutschland nicht mehr zu reden. Dann stehen wir kurz vor der Zensur!“

Unterm Strich: Was stört es die deutsche Werbe-Eiche, wenn sich der Werberat dran schubbert? Ein Kropf ist weniger überflüssig als diese Institution!
Andreas Kühn