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„Schärfe in der Sache bedingt nicht Schärfe im Ton“

Maik Kowalleck (Jahrgang 1974) ist gebürtiger Saalfelder. 1992 wurde er Mitglied der Jungen Union, ein Jahr später bestand er das Abitur. Nach seinem Wehrdienst absolvierte er von 1994 bis 1997 in Saalfeld eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation. 2003 erwarb er einen Abschluss als Finanzfachmann und 2006 einen Abschluss als Betriebswirt. Seit 1995 ist Kowalleck Mitglied der CDU, seit 1997 gehört er dem Saalfelder Stadtrat an. 2004 wurde er auch Mitglied des Kreistages im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Von 2006 bis 2009 war er CDU-Kreisgeschäftsführer im Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt.
Bei der Landtagswahl in Thüringen 2009 gewann Kowalleck mit hauchdünnem Vorsprung erstmals im Wahlkreis Saalfeld-Rudolstadt II ein Direktmandat, das er 2014 dann souverän verteidigte. Maik Kowalleck ist verheiratet und Vater zweier Söhne.

Seit 2009 sind Sie politischer Triathlet: Mitglied im Stadtrat, im Kreistag und auch im Landtag. Hinzu kommt Ihre Funktion als ehrenamtlicher Beigeordneter des Landrats. Warum setzen Sie sich diesen schweren Rucksack jetzt erneut auf?
Es ist die beste Möglichkeit, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Um sich in Erfurt sachkundig für die Region einsetzen zu können, muss man die Probleme vor Ort kennen. Da schärft die Mitarbeit in besagten Gremien den Blick ungemein.

Was verbuchen Sie da in jüngster Zeit konkret auf der Haben-Seite?
Die Stadt Saalfeld erhält jetzt erstmals 373.914,41 Euro aus dem jährlichen Kurortelastenausgleich des Freistaates Thüringen. Der beste Beweis dafür, dass es lohnt, auch ganz dicke Bretter zu bohren. Damit hat sich (nicht nur meine) jahrelange Arbeit für die Prädikatisierung Saalfelds als „Ort mit Heilstollenkurbetrieb“ gelohnt. Die Sabelschule konnte ihren neuen Speisesaal eröffnen. Auch daran habe ich eine Aktie.
In Sachen Abschaffung von Straßenausbaubeiträgen habe ich mich stets stark gemacht, nicht zuletzt als finanzpolitischer Sprecher meiner Fraktion. Damit die Mittel für den Ausbau des Gymnasiums in Gorndorf fließen konnten, war ich in Erfurt gleichfalls alles andere als untätig.
Viele Vereine von Sport bis Feuerwehr haben jahrelang erfahren, dass ich für sie gern auch viele kleine Schritte gehe, sozusagen als Türöffner. Auch Lottomittelanträge schreiben sich nicht von selbst. Wenngleich es aktuell noch viel zu tun gibt: Am Strang für den Wiederaufbau der Linkenmühlenbrücke habe ich kräftig mitgezogen.

Eines Ihrer Lieblingsprojekte sind seit Jahren Trinkbrunnen für Schulen, was auch gern mal Spötter auf den Plan rief.
Ich habe das stets locker genommen. In Abwandlung eines Gandhi-Zitats: „Erst lachen sie über dich und dann machen sie es nach.“ Im Ernst: Zehn Trinkbrunnen in fünf Jahren halte ich für vorzeigbar. Zumal nicht wenige „Kritiker“ sich bereits als potenzielle Nachahmer für mein Projekt interessieren. In den Schulen wurden die Trinkbrunnen gut angenommen, so dass ich das Projekt fortführen werde.

Sie werden vermutlich nicht alle derzeitigen Stadtrats- und Kreistagsmitglieder nach den Wahlen wiedersehen. Wie blicken Sie in diese Zukunft?
Ich wünsche mir von allen, die neu hinzukommen werden, eine sachorientierte Arbeit. Es wäre sehr schade, wenn Schlachten geschlagen würden, für die Stadtrat und Kreistag das falsche Feld sind.

Zurück zur Landespolitik. Ihr Parteichef sagte es bereits am Aschermittwoch: Es wird Ende Oktober womöglich hauchdünn zugehen. Welches Regierungsbündnis würden Sie bevorzugen?
Ich rede eigentlich am liebsten über ein solches Thema, wenn Fakten, sprich Wahlergebnisse, auf dem Tisch liegen. Einer Deutschland-Koalition (CDU,SPD, FDP) könnte ich einiges abgewinnen. Die Grünen in Thüringen sind mit denen in Baden-Württemberg nicht vergleichbar; da sehe ich nicht, wie man zusammenkommen könnte.
Das Wahlergebnis in Thüringen wird nicht unbeeinflusst bleiben von den Landtagswahlen zuvor in Brandenburg und Sachsen. Wenn im Freistaat gewählt wird, gibt es dort wahrscheinlich auch bereits Fingerzeige auf mögliche Koalitionen. Aber all das ist Kaffeesatzleserei – jetzt kommt es darauf an, die Wähler zu überzeugen.

Sind zehn Jahre Landtagserfahrung bei einem wahrscheinlichen Regierungswechsel nicht auch ein gewichtiges Argument für höhere Weihen? Staatssekretär, wenn nicht Minister?
Das stand und steht nicht auf meiner Agenda. Ich konzentriere mich voll und ganz auf das Direktmandat. „Posten“ waren nie mein Antrieb.

Wäre 2020 eine Landrats-Kandidatur dann eine Option?
Nein.

Warum sollten Wähler bei den drei bevorstehenden Wahlen bei Ihrem Namen das berühmte Kreuz machen?
Ich bin und bleibe bodenständig. Ich bin in Saalfeld geboren, habe hier meine Schulzeit absolviert. Ich lebe gern hier, meine Kinder waren hier im Kindergarten und gehen dort zur Schule. Ich bin in und um Saalfeld gut vernetzt.

Der Umstand, dass viele Mütter Sie gern als Schwiegersohn hätten kommt Ihnen dabei zugute?
(lacht) Ich bin längst glücklich verheiratet. Warum nicht lächeln? Mit finsterem Gesicht laufen bereits (zu) viele herum.

Den Nicht-Schwiegermüttern sind Sie zu ruhig. Zugespitzter ausgedrückt: Zu leise, zu fad. Was sagen Sie denen?
Was laut daher kommt, muss nicht richtig sein. Ich bin ebenso für den sachlichen Diskurs wie für Respekt. Schärfe in der Sache bedingt nicht zwingend Schärfe im Ton. Davon möchte ich auch nicht abgehen.