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Prof. Michael Kaufmann (AfD): „Viele Bürger fühlen sich regelrecht in ihrer Lebensweise bedroht“

Prof. Dr. Michael Kaufmann (AfD) tritt für den Landtag als Direktkandidat seiner Partei für den Wahlkreis Saalfeld-Rudolstadt II an (AfD-Landesliste: Platz 7) an und ist derzeit regelmäßig im Landkreis unterwegs. Zeit für ein paar Fragen:

Was schätzen Sie besonders an Ihrem Wahlkreis?

Die Menschen sind sehr bodenständig, lieben ihre Freiheit und Unabhängigkeit und arbeiten hart. Die Arbeitslosigkeit ist trotz Widrigkeiten (z.B. schlechte Verkehrsanbindung) relativ gering. Ebenso gering ist die Abhängigkeit von Sozialleistungen. Die Arbeitnehmer fahren zum Teil weite Strecken mit dem Auto, um ihr Geld zu verdienen. Die Menschen sind mehrheitlich traditionellen Werten verbunden: Familie, Ortsgemeinschaft, Vereine, auch Kirche und althergebrachte Feste.

Nach der politischen Wende im Jahr 1989 haben alle Einwohner große Umbrüche in ihrem Leben bewältigt. Dabei gab es positive und negative Erfahrungen. Die früher vorhandene Industrie ist untergegangen oder wurde komplett umgewälzt. Viele haben die wirtschaftliche Freiheit genutzt, um Unternehmen aufzubauen. Viele mussten sich beruflich völlig umorientieren. Gleichzeitig wurden Städte, Straßen und Privathäuser saniert, Firmen haben sich neu angesiedelt. 15 bis 20 Jahre nach der deutschen Einheit konnten viele eine positive Bilanz ziehen. Der Umbruch wurde unter großen Belastungen bewältigt. Beruf und Privatleben verliefen wieder in sicheren Bahnen.

Worauf laufen Ihre Befürchtungen hinaus?

Seit mehr als einem halben Jahrzehnt fühlen sich viele Bürger durch die herrschende Politik regelrecht in Ihrer Lebensweise bedroht, Unternehmer fürchten um ihre Existenz. In den letzten zehn Jahren hat sich die Politik in eine Richtung bewegt, die viele nicht mehr mittragen (und bezahlen) wollen. Man hat das Gefühl, dass das Land sich in die falsche Richtung bewegt und Zukunftschancen verspielt werden. Umfragen zeigen, dass viele Menschen davon ausgehen, dass es ihren Kindern schlechter gehen wird. Für viele war die Eurokrise der erste Anlass, sich von der herrschenden Politik abzuwenden. Ein überschuldeter Unternehmer muss erbarmungslos Insolvenz anmelden. Pleitestaaten und Pleitebanken wurden jedoch mit Milliardenhilfen „gerettet“. Die EU-Zinspolitik hat deutsche Sparer hunderte Milliarden Euro gekostet, jedoch die Besitzer von Anlagevermögen reich gemacht. Ungeregelte Einwanderung, die Milliardenkosten nach sich zieht, Qualitätsverlust bei der Bildung, überlastete Polizei und Justiz, Unsicherheit und Kriminalität, verfallende Infrastruktur, horrende Strompreise wegen einer nicht durchdachten „Energiewende“, Political Correctness, Regulierung, Verbote etc. sind weitere Themen, die nicht nur mich, sondern auch die Bürger beunruhigen. Da genügt es mit offenen Ohren unterwegs zu sein.

Nennen Sie bitte konkrete Beispiele.

Die politischen Themen werden von einem großstädtischen Milieu gesetzt, die Interessen ländlicher Gegenden werden vernachlässigt. Zwei Beispiele: Städter wollen Strom aus grünen Quellen, den Landbewohnern werden turmhohe Windräder in den Wald vor der Haustür gestellt. Städter wollen den individuellen Autoverkehr einschränken, auf dem Land aber sind kostengünstige Dieselfahrzeuge die Grundlage für Beruf und Lebensführung.

Die meisten Menschen haben die Unfreiheit, ideologische Indoktrination und die sozialistische Zwangswirtschaft in der ehemaligen DDR kennengelernt. Dies überwunden zu haben, ist für viele Genugtuung und Glück. Ich höre sehr oft, dass sich in den letzten Jahren Déjà-vu-Erlebnisse häufen. Man fühlt sich in alte DDR-Zeiten zurückversetzt. Wegen Political Correctness und Sprachregelungen kann man seine Meinung nicht mehr offen sagen. Wer an der falschen Stelle Kritik übt, wird als Nazi beschimpft. Die Berichterstattung in den Medien wird als Staatspropaganda empfunden. Die Altparteien, die es vor der Gründung der AfD schon gab, präsentieren sich in wichtigen Politikfeldern als Block ohne wahrnehmbare Unterschiede. Staatliche Gängelung und Planwirtschaft breiten sich in vielen Bereichen aus.

Ihre Partei hat vor knapp zwei Jahren bei der Bundestagswahl im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt sehr gut abgeschnitten. Warum sind die Wähler Ihrer Auffassung nach so empfänglich für AfD-Botschaften?

Die AfD ist die einzige (große) Partei, die in zentralen Politikfeldern vom Block der Altparteien abweicht. Solche Themen sind: der Schutz der Grenzen und die ungeregelte Einwanderung, die Energiepolitik und die sogenannte Energiewende, die Einschränkung der Kompetenzen der EU, der Schutz und die Förderung der traditionellen Familie, In den Städten wird die Regierungspolitik stärker unterstützt. Die Bewohner ländlicher Gegenden fühlen sich von der Regierungspolitik belastet, gegängelt und in ihrer Lebensweise und Existenz bedroht.

Was denken Sie: In welcher Weise fühlen sich Ihre potentiellen Wähler von der Bundes- und der Thüringer Landesregierung vernachlässigt?

Die Themen und Lösungen, welche die Regierungen anbieten, stehen den Interessen der Wähler in ländlichen Gegenden häufig diametral entgegen. Die Regierung rettet den Euro und Schuldenstaaten, gibt Milliarden für illegal Eingewanderte aus, lässt durch eine planwirtschaftliche Energiepolitik den Strompreis explodieren und führt ein drittes Geschlecht ein. Gleichzeitig verkommt die Bundeswahr, Polizei und Justiz sind überlastet. Die Menschen fühlen sich auf den Straßen unsicher, Eltern beklagen den Schulausfall und den Qualitätsverlust der Schulbildung. Gewerbetreibende werden durch Regulierung und Vorschriften an den Rand der Existenz gebracht. Viele dieser Vorschriften werden in Brüssel gemacht.

Kurz: Fragwürdigen Milliardenausgaben und ideologischem Aktionismus stehen Belastungen, bürokratische Erschwernisse und der Verfall öffentlicher Einrichtungen der Bürger gegenüber.

Was erwarten Sie von den kommenden Kommunalwahlen und von der Landtagswahl?

Die AfD wird in Thüringen überall dort, wo sie mit Kandidaten antritt, auch in Kreistage und Gemeinderäte erstmals einziehen, die Fraktion im Landtag wird deutlich stärker. Die AfD wird Themen setzen, Fragen stellen und Diskussionen beeinflussen. Die Politik wird sich ändern und Anliegen der AfD berücksichtigen müssen.