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Pflanzen Drohnen künftig unsere Wälder?

Im Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums (FFK) der ThüringenForst-AöR werden Stand und Möglichkeiten des Drohneneinsatzes in der Forstwirtschaft seit Jahren intensiv beleuchtet, heißt es in einer Pressemitteilung. Das englische Unternehmen Biocarbon aus Oxford, gegründet von einem ehemaligen NASA-Ingenieur, will jetzt Drohnen bei Wiederaufforstungen von Wäldern einsetzen und damit teure Pflanzverfahren von Hand ersetzen. Bisher wurden Drohnen als kostengünstige und hochflexible Methode zur Gewinnung von forstlichen Fernerkundungsdaten eingesetzt, aber kaum im direkten forstbetrieblichen Einsatz.

„In der Forstwirtschaft werden seit Jahrzehnten flugzeug-, helikopter- und satellitengestützte Luftbilder für Waldinventuren, Kartierungs- und Überwachungsarbeiten eingesetzt. Drohnen können ein ganz neues Einsatzspektrum eröffnen.“, ist sich Volker Gebhardt, Vorstand der ThüringenForst-AöR, sicher. Die neueste Drohnengeneration ist in der Lage, auch höhere Lasten transportieren zu können, wie dies eindrucksvoll die Deutsche Post mit einem Paketservice per Drohne zeigt. Weiterer entscheidender Vorteil der Drohne: Durch ihre niedrige Flughöhe ist sie weitgehend unabhängig von der Jahreszeit und den Wetterbedingungen.

Zunächst erkundet eine Drohne das Aufforstungsgebiet, definiert die idealen Pflanzstandorte und verarbeitet die Daten zu einer Karte. Eine zweite „Pflanzdrohne“ orientiert sich an dieser Karte und schießt im Tiefflug mit Druckluft kleine Patronen in den Boden. Deren Hülle zersetzt sich allmählich und gibt einen vorgekeimten Samen frei, der in ein Nährstoffgel eingebettet ist. Pro Minute können so bis zu zehn Bäume gepflanzt werden. Sergej Chmara, im FFK für digitale Waldinformationssysteme zuständig, sieht prinzipiell die Machbarkeit des Projektes: „Ein Thüringer Unternehmen bietet eine Agrardrohne an, die punktgenau Pflanzenschutzmittel auf Felder ausbringen kann. Prinzipiell ist eine Forstsaatgutausbringung per Drohne, insbesondere in unwegsamen Gelände, deshalb durchaus denkbar“. So verstärkt ThüringenForst seit diesem Jahr die Wiederaufforstung mit bestimmten Baumarten über Saatgut und verzichtet damit auf teure Pflanzverfahren, etwa bei Birke, Weißtanne und Buche. „Die Zukunft wird zeigen, ob und unter welchen Bedingungen sich die neuen Verfahren praktisch und wirtschaftlich etablieren können“, so der Forstexperte. Das FFK hatte erst im Mai dieses Jahres zusammen mit der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) die größte mitteldeutsche land- und forstwirtschaftliche Drohnentagung veranstaltet.

Bildmontage: Ina Sänger. Kein Science Fiction: Drohnen können heute schon vollautomatisch Holzpolter im Wald vermessen. Damit verbunden ist auch eine Diebstahlvorsorge, da fehlende Polter durch die Drohnen sofort gemeldet werden.