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Ökologischer Schuss ins Eingemachte

Bis zur Gesetzesklarstellung sollte die halbautomatische Langwaffe im Schrank bleiben. Foto:  Elison / DJV
Bis zur Gesetzesklarstellung sollte die halbautomatische Langwaffe im Schrank bleiben. Foto: Elison / DJV
Es rumort bei den deutschen Jägern gleich mehrfach: Sie hatten gegen die Eintragung einer Begrenzung der Magazinkapazität für eine halbautomatische Büchse geklagt und vor dem Oberverwaltungsgericht zunächst Recht bekommen. Das Bundesverwaltungsgericht aber hat im Revisionsverfahren nicht nur der Behörde Recht gegeben, sondern ist völlig überraschend deutlich darüber hinausgegangen. Es entschied, dass sämtliche Halbautomaten mit wechselbarem Magazin von Jägern nicht besessen werden dürfen. Diese Ansicht ist bisher weder von der beteiligten Waffenbehörde, noch anderen Behörden, Gerichten oder in der Fachliteratur vertreten worden. Bisher war die Fachwelt einhellig der Ansicht, dass diese Waffen für Jäger erlaubt seien.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) kritisiert zwei Urteile des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. März 2016 zum Besitz von halbautomatischen Jagdwaffen scharf (Az. 6 C 59.14 und 6 C 60.14). Ein Verbot bestimmter Waffen sei Sache des Gesetzgebers, nicht eines Gerichts, lautet der wichtigste Kritikpunkt. Verfestigt sich diese Interpretation auch vor dem Bundesverfassungsgericht, droht tausenden Jägern der Entzug ihrer waffenrechtlichen Erlaubnisse und der entschädigungslose Verlust ihres Eigentums.

Stefan Stiefel von der Zentrale der Landesforstanstalt ThüringenForst (Sachgebiet Waldbau, Jagd, Fischerei): „Wir verfolgen den Fortgang in der Sache mit großem Interesse. Wir empfehlen unseren betroffenen Förstern die Verwendung von Ersatzwaffen bis vom Gesetzgeber eine Klarstellung zur Thematik erfolgt.“ Die Zulassung der Jagd mit Schalldämpfern, ist ein weiteres waffenrechtliches Thema. Bei ThüringenForst wird diese Möglichkeit aus Arbeitsschutzgründen (Lärmbelastung beim Schuss) begrüßt.

Doch das Waffenrecht ist nur ein Aspekt, das Jägern unter den Nägeln brennt. Ein von Rot-Rot-Grün angestrebtes geändertes Jagdgesetz ist der größere Stein des Anstoßes. Die Regierungskoalition will die Jagd künftig an „ökologischen Grundsätzen“ orientieren. Seit November vergangenen Jahres habe es 22 Stellungnahmen zur geplanten Gesetzes-Änderung gegeben. „Nun ist es nötig, einen Konsens zu finden“ so Stefan Stiefel.

Die geplante Synchronisation der Jagdzeiten steht stark in der Kritik. Unter anderem sind Schonzeiten für Fuchs und Waschbär geplant. „Die Abschusspläne für Rehwild dürften ebenfalls für langanhaltenden Zündstoff sorgen. Zählungen sind irrealistisch. Unsere Schätzungen gehen davon aus, dass der Rehwildbestand die Zählungen um dass 2- bis 3-fache übersteigt.“ Der Forst-Experte weist darauf hin: „Das Nichtbejagen einer Art kann schlimmsten Falles dazu führen, eine andere Wildart gefährden.“ Ein ganz anderes, aber sehr reales Problem sieht Stefan Stiefel derzeit in der Gefahr, dass die Afrikanische Schweinepest den Thüringer Schwarzwildbestand erreichen könnte. „Die Afrikanische Schweinepest breitet sich in den Wildschweinbeständen in Ost- und Südeuropa immer weiter aus. Allein 2016 wurden zwischen Januar und Mitte April in den drei baltischen Staaten, in Polen sowie auf Sardinien 708 Fälle bei Wildschweinen dokumentiert.“

Der Naturschutzbund Thüringen (NABU) bekennt sich ausdrücklich zu einer naturverträglichen Jagd als eine Form der Landnutzung, wenn sie den Kriterien der Nachhaltigkeit entspricht und ethischen Normen nicht widerspricht. Pressesprecher Jürgen Ehrhardt: „Dies ist dann der Fall, wenn
 die erlegten Tiere sinnvoll genutzt, in der Regel verzehrt werden und
 die bejagte Art bzw. Population in ihrem Bestand nicht gefährdet oder potentiell gefährdet ist und
 Störungen minimiert und andere Arten oder Lebensräume nicht bzw. nur minimal beeinträchtigt werden und
 die nationalen und internationalen Regelungen und Konventionen (BNatSchG, FFH-/VS-Richtlinie, Ramsar-Konvention, Bonner Konvention, insbesondere AEWA, etc.) beachtet werden und
 die Nachhaltigkeit der Nutzung entsprechend den Anforderungen der Biodiversitätskonvention gesichert ist. Bei wandernden Tierarten muss die Nachhaltigkeit für Sommer- wie Winterhabitat und für die gesamte Zug-/ Wanderstrecke sichergestellt sein und
 der Tierschutz sowie die ethischen Anforderungen der Gesellschaft beachtet werden und
 die Wildtierbestände nicht zum Zweck der Jagd aktiv gefördert werden.“

Nach diesen Kriterien hält der NABU folgende Arten für jagdbar: Rothirsch, Reh, Damhirsch, Mufflon, Wildschwein, Stockente, Fasan, Rotfuchs. Feldhase oder das Wildkaninchen, die in den Roten Listen geführt werden oder deren Bestände eine nachhaltige Nutzung nicht ermöglichen, seien ganzjährig zu schonen.

Der NABU lehnt die Bejagung von Beutegreifern unter dem Vorwand der Regulation ab. Deshalb seien u. a. Baummarder, Mauswiesel, Luchs, Wildkatze, Iltis, Hermelin, Dachs, Waschbär, Marderhund und Mink von der Liste der jagdbaren Arten zu streichen. Arten wie Mink, Waschbär, Marderhund und Nutria seien „aufgrund der nicht vorhandenen vorrangigen Nutzung nicht als jagdbare Arten einzustufen“. Der NABU lehnt zudem die Jagd auf Zugvögel ab. „Vogelarten, deren Bejagung nach der Vogelschutzrichtlinie in Deutschland nicht zulässig ist, sind von der Liste der jagdbaren Arten zu streichen. Dies betrifft insbesondere die in der Thüringer Jagdzeitenverordnung und im Thüringer Jagdgesetz u.a. aufgeführten Vogelarten Höckerschwäne; Ringel-, Kanada-, Bläss-, Saat- und Graugänse; Pfeif-, Krick-, Spieß-, Berg-, Reiher-, Tafel-, Samt- und Trauerenten; Rebhühner; Graureiher; Ringel- und Türkentaube; Kolkraben, Rabenkrähe und Elster sowie Sturm-, Silber-, Lach-, Mantel- und Heringsmöwen.“

Wir haben nicht wirklich (Wild)Schwein gehabt: Nicht zuletzt durch übermäßigen Anbau von Mais und Raps hat der Mensch  den Lebensraum  für das Wildschwein in den letzten 40 Jahren verdreifacht.
Wir haben nicht wirklich (Wild)Schwein gehabt: Nicht zuletzt durch übermäßigen Anbau von Mais und Raps hat der Mensch den Lebensraum für das Wildschwein in den letzten 40 Jahren verdreifacht. Auf einem Viertel (!) der deutschen Felder werden nachwachsende Rohstoffe wie Mais oder Raps angebaut – ideal für Wildschweine. Ohne Bejagung könnten die Allesfresser ihren Bestand pro Jahr vervierfachen und noch größere Wildschäden anrichten.

„Änderungen am Thüringer Jagdgesetz dürfen nur fachlich sauber und vor allem wissensbasiert und praxisorientiert erfolgen. Jagd ist und bleibt eine mit dem Eigentum verbundene, verfassungsmäßig begründete gesellschaftliche Aufgabe, die auch in der Zukunft verantwortungsvoll wahrgenommen werden muss.“ Dieses Fazit hat der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Egon Primas nach einem jagdpolitischen Forum im Thüringer Landtag gezogen. Er wendete sich gegen die rot-rot-grünen Pläne zur Novellierung des Jagdrechts. Nicht zulassen dürfe die Jägerschaft einen Paradigmenwechsel, der nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf den Ansichten naturferner Tierrechtler beruht.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring betonte, seine Partei werde sich dafür einsetzen, eine Ökologisierung der Jagd zu verhindern. „Wald und Wild bilden eine Einheit. Sie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Das Vorhaben der Landesregierung reiht sich ein in den rot-rot-grünen Generalangriff auf den ländlichen Raum.”

Forstexperte Dr. Friedrich Reimoser sieht die Jagd als elementaren Teil des Wildtiermanagements. „Wer denkt, das regelt sich schon, wenn man das Wild sich selbst überlässt, der irrt gewaltig“, erklärte er. In der anschließenden Diskussion der Referenten mit der versammelten Jägerschaft kristallisierte sich eine einhellige Position heraus, die Primas wie folgt zusammenfasste: „Das Thüringer Jagdgesetz hat sich außerordentlich bewährt – wenn der Gesetzgeber es überhaupt anfassen sollte, dann ganz behutsam.“ Nicht zulassen dürfe die Jägerschaft einen Paradigmenwechsel, der nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern den Ansichten naturferner Tierrechtler beruht.

Ein Verbot der Fallenjagd würde die Zahl der Füchse weiter erhöhen. Die  Fuchsräude (eine ansteckende Krankheit!) träfe dann auch geschützte Arten wie den Luchs.
Ein Verbot der Fallenjagd würde die Zahl der Füchse weiter erhöhen. Die stärkere Verbreitung der Fuchsräude (eine ansteckende Krankheit!) träfe dann auch geschützte Arten wie den Luchs. „ThüringenForst bejagt den Fuchs vor allem im Auerhuhn-Auswilderungsgebiet“, verlautbarte dazu.
Auch dem Saalfelder Jäger Andreas Krauße schwillt der Kamm, wenn er an ein neues Jagdgesetz denkt: „Thüringen hat seit zwei Jahrzehnten eines der modernsten Jagdgesetze in der Bundesrepublik. Das neue Jagdgesetz ist nur ein Zugeständnis der Grünen an ihre Klientel der Wolfsschützer. Leider haben Fasan, Rebhuhn und Hase keinen Kuscheltiereffekt wie der Wolf, der Fuchs oder gar der Waschbär. Aus diesem Grund soll die Bejagung auf Fuchs, Waschbär, Dachs und Co. eingestellt werden. Leider kann man dieses Wild nur effektiv durch Fallen und Baujagd dezimieren.“

Welche Blüten die Einschränkung der Jagdzeit im ThüringenForst treibe, sehe man in Langenschade: Mit Millionen werde dort die Auerhahnaufzuchtstation betrieben und wenn der Auerhahn brüte, herrsche Jagdruhe und die Wildschweine nehmen die Nester aus. Wildschweine, so Krauße, hätten sich auf Grund der extensiven Landwirtschaft und den sogenannten nachwachsen Rohstoffen Mais und Raps so stark vermehrt, dass nur eine ganzjährige Bejagung zur Dezimierung beitragen könne. „Dazu ist auch die Führung von halbautomatischen Jagdwaffen notwendig, denn eine Rotte Sauen wartet nicht bis die zweite Kugel durchrepetiert ist. Aber wir werden von den Grünen nur als mordlustige Katzen- und Hundejäger dargestellt. Aber wehe, im Garten der Grünen taucht eine Rotte Sauen auf oder der Waschbär nagt sich durch die Wärmedämmung auf den Dachboden oder die Grünen müssen gar den Wildschaden bezahlen, welcher bisher in der Regel vom Jäger übernommen werden muss.“

Dass die Jäger „ganz nebenbei noch schauen ob die Waldwege befahrbar sind, keiner illegal Holz schlägt, seinen Müll entsorgt, die Hundebesitzer nett daran erinnern, dass sie die Hunde an die Leine nehmen sollen, den Kindern das Ökosystem Wald erklären, den Landwirt informieren, wenn seine Tiere den Weidezaun durchbrochen haben, den Hobbybauern sein Federwild durch konsequente Raubtierbejagung sichern, Artenvielfalt ermöglich und richtiges Ökofleisch liefern, sollte auch von Nabu, Grüne und Co. gewürdigt werden“, sagt Andreas Krauße.

Zahlen und Fakten:
Der Freistaat verfügt über eine Jagdfläche von rund 14.340 Quadratkilometern. Die Zahl der Inhaber eines Jagdscheins sank in Thüringen von 11.304 (2014) auf 10.993 (2015) – entgegen dem bundesdeutschen Trend. Gab es 2014 zwischen Flensburg und Allgäu 369.314 Jäger, so waren es 2015 bereits 374.084. Das Durchschnittsalter der Jäger beträgt nach Angaben des Jagdverbands 57 Jahre. Der Frauenanteil liegt bei mageren fünf Prozent.
Die Jäger sparen dem Steuerzahler jährlich 2,2 Milliarden Euro. Ohne sie müssten Hegemaßnahmen, Seuchenprävention Verhütung von Wildschäden vom Staat finanziert werden.
Im Jagdjahr 2014/2015 wurden rund 35.500 Stück Rehwild, 25.800 Wildschweine und 5.500 Stück Rotwild erlegt. Extrem stark gestiegen ist binnen zweier Jahrzehnte die Zahl der erlegten Waschbären – von 331 im Jagdjahr 1995/96 auf jüngst mehr als 10.000.

Der aus Nordamerika stammende Waschbär hat in heimischen Wäldern eigentlich nichts zu suchen! Alle in Europa vorkommenden Waschbären gehen auf Tiere zurück, die im 20. Jahrhundert aus Pelztierfarmen und Gehegen entkommen sind oder ausgesetzt wurden. Der aus Nordamerika stammende Waschbär hat in heimischen Wäldern eigentlich nichts zu suchen! Alle in Europa vorkommenden Waschbären gehen auf Tiere zurück, die im 20. Jahrhundert aus Pelztierfarmen und Gehegen entkommen sind oder ausgesetzt wurden.

Kommentar zum Thema: „Nicht jeder Vollpfosten ist aus Holz“

One Reply to “Ökologischer Schuss ins Eingemachte

  1. An dem bestehenden thür. Jagdgesetz muss nichts geändert werden. Grundsätzlich ist die Art u. Weise der Bejagung der AöR Thüringen Forst zu überarbeiten u. die Einstandsgebietsverordnung abzuschaffen. Wild kennt keine politischen Grenzen und muss dort bewirtschaftet werden wo es vorkommt. Die praktizierte Jagdruhe im Thüringen Forst von Mitte Januar bis Mitte August auf Schwarzwild sowie der Verzicht auf die Bejagung des Raubwildes in diesen Jagdgebieten ist der falsche Weg das sich diese Wildarten ungehindert vermehren können. Auerwild hat dadurch keine Überlebenschance u. der ab August bis Januar ausgeübte Jagdruck wirkt sich negativ auf alle benachbarten Jagdgebiete der Privatflächen aus. Wir haben zum Beispiel heute mit steigender Tendenz Rotwild auf der Vorderen Heide, wo es nie welches gab.

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