Nicht nur einseifen, sondern auch scharf rasieren!

„Einer muss den Bluthund machen! Ich scheue die Verantwortung nicht!“ Sprach einst Gustav Noske (SPD).
Wer nimmt den Staffelstab in der CDU auf?

Angela Merkel ist nicht mehr alternativlos. Doch ist das bereits ein Grund für die CDU, tief durchzuatmen? Jetzt macht sich ein Kandidaten-Trio daran, als mögliche Parteivorsitzende die CDU wieder in die Spur zu bringen. Derzeitiger Beziehungsstatus von Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn zu ihrer Noch-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin: Es ist kompliziert. Mal weniger, mal mehr.

Die CDU wird am 7. und 8. Dezember in Hamburg nicht in eine offene Feldschlacht ziehen. Revolutionen sind das Ding dieser Partei nicht. Als gesetzte Kandidatin dürfte Kramp-Karrenbauer gelten, die wohl dort nahtlos anknüpfen würde, wo Merkel dann aufhört: „Es muss die Person gewählt werden, die am besten die Breite der Volkspartei repräsentieren kann“, sagte der Thüringer CDU-Chef Mike Mohring am Tag nach Merkels Rückzug vom Parteivorsitz in einem Radiointerview. Ähnlich äußerten sich der mächtige Chef der CDU Nordrhein-Westfalens, Armin Laschet, sowie Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus. Beide sprachen sich für eine Führungsfigur aus, die Brücken baut. Auch der ebenso hoch muttivierte wie konturlose Daniel Günther, seines Zeichens Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, möchte „keinen Bruch mit dem Kurs der Mitte der letzten Jahre“.

Das liefe auf Kramp-Karrenbauer und ein „weiter so“ hinaus. Mit AKK und Merkel ist der Sinkflug der Christdemokraten nicht aufzuhalten. Bei einem windelweichen „Konsens“-Vorsitzenden stellt sich rasch die Frage: Warum hat Merkel nicht gleich weiter gemacht? Bessere Wahlhelfer kann sich die AfD für die Landtagswahlen im kommenden Jahr nicht wünschen.

Das dürfte an der CDU-Basis (die aber nicht stimmberechtigt ist) kaum vermittelbar sein und auf Widerspruch stoßen. Viele wünschen sich wieder einen klaren Markenkern der CDU, den Merkel & Co. völlig verwässert haben. Die meisten CDU-Mitglieder hoffen darauf, der jahrelangen Beliebigkeit zu entrinnen. Bleiben als klar erkennbare Merkel-Kritiker also Spahn und Merz. Zwei Kandidaten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Jung, aber bereits von Spuren der Muttivation gezeichnet der Eine. Im gesetzten Alter, aber politisch und wirtschaftlich erfahren der Andere.

„Die Lücke, die Frau Merkel hinterlässt, muss man erst mal finden.“
Olaf Schubert

Wenn Friedrich Merz in der Aufzählung der drängendsten Herausforderungen auch eine Rangfolge sieht, umso besser: Migration, Globalisierung, Klimawandel und Digitalisierung. Es ist genau das Problem-Quartett, das Merkel „versaubeutelt“ hat. Hier braucht es keine Kurskorrekturen, sondern einen Richtungswechsel. Denkbar sowohl mit Spahn als auch mit Merz.

Die Krux: Spahn und Merz kommen aus dem gleichen Landesverband. Ohne dessen geschlossene Unterstützung ist eine Wahl nicht denkbar. Es bestehen berechtigte Zweifel daran, dass Spahn eine Chance hat, so lange Laschet in NRW das Sagen hat. Wo demnächst gehobelt wird, fallen nicht nur Späne, sondern wohl auch Spahn.

Drei Dinge, die dem Nachfolger von Merkel als Parteivorsitzender wichtig sein müssten, wenn man Wähler (von wo auch immer) zurückholen möchte:

1. Innerhalb kürzester Frist Merkel im Kanzleramt Hausverbot zu erteilen und selbst dort einzuziehen sowie dem großen Lümmel – dem Volk – durch Neuwahlen wieder Gehör zu verschaffen.

2. Die Glaubwürdigkeit eines Neustarts damit zu beginnen, diejenigen an den Schaltstellen der CDU, die so konturlos sind, dass ein Aal ein Reibeisen gegen sie wäre, schleunigst in die Wüste zu schicken. Der Augiasstall der Muttivierten gehört rasch ausgemistet. Mit Merkels Steigbügelhaltern ist weder eine CDU noch ein Staat zu machen.

3. Fünf vor zwölf dafür Sorge zu tragen, dass Deutschland den unseligen Parkt für Migration nicht unterschreibt.

Wie es derzeit ausschaut, läuft jedoch vieles auf Kramp-Karrenbauer hinaus. Auf ein komatöses und die CDU bei den Wählern noch weiter erniedrigendes „weiter so“. Ein „hallo wach“ ist von der Saarländerin eher nicht zu erwarten. Die (allerletzte) Hoffnung ruht allein auf den Mandatsträgern der CDU, die wenigstens aus Angst um ihre Pfründe Friedrich Merz stützen könnten. Eine weitere (klitzekleine) Hoffnung, die derzeitige CDU-Generalsekretärin als Parteivorsitzende doch noch zu verhindern, sind die Landesfürsten der CDU, die 2019 Landtagswahlen zu bestehen haben. Was jedoch nur die halbe Miete wäre.

Um der CDU wieder ein Gesicht zu geben, muss erst einmal der alte Bart abrasiert werden. Gründlich!
Die Wahl des neuen Vorsitzenden ist die letzte Gelegenheit, die Partei eines Konrad Adenauer wieder auf einen klaren Kurs zu bringen. Die CDU kann nicht weitermerkeln ohne dabei endgültig auszumergeln. Luther würde zum Ist-Zustand der Partei gesagt haben: „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.“

Dazu jedoch muss der neue Parteichef nicht nur einseifen, sondern auch scharf rasieren wollen. Die Befürchtung, dass es nach dem CDU-Parteitag beim Schaumschlagen bleiben wird, ist ebenso angebracht wie die Mutmaßung, dass es mit einem Bluthund nichts werden wird. Eher mit einem Schoßhündchen, das der Wähler so gar nicht liebhaben wird …
Andreas Kühn

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