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Missglückter Aushang, 2. Versuch

In Cumbach platzte der erste Versuchsballon.
Nachdem vor einigen Wochen in Rudolstadt-Cumbach im Kindergarten Sputnik der erste Versuch (siehe Foto) scheiterte, kopftuchtragende Asylbewerberinnen als Praktikantinnen einzusetzen, startet die AWO Rudolstadt im Kindergarten Knirpsenland in Volkstedt nun den zweiten Versuch. Vom 13. März bis zum 27. April 2017 soll eine afghanische Asylbewerberin „im Rahmen ihres Deutschkurses ein Praktikum absolvieren. Die Information darüber erfolgte – wie bereits in Cumbach – mittels Aushang. Vorherige Gespräche gab es nicht, informierten uns mehrere Mütter und Väter.

Ein telefonisch bei der Kita-Leiterin nachfragender Vater bekam zur Antwort, dass „bunt“ das Konzept des Kindergartens sei. Dieses gebe es schon seit 2012. Eltern, die sich für das Knirpsenland entschieden, wüssten, worauf sie sich einlassen. Zudem müsse ein Praktikum nicht mit den Eltern abgesprochen werden.

Uns erreichten am Vormittag mehrere Anrufe von Eltern, deren Kinder besagte Kita in Cumbach besuchen. Sie hätten gern auf viele Fragen Antworten. Wir haben sie an den Betreiber die AWO Rudolstadt gemailt. Eine Auswahl, was Eltern bewegt:

Bezieht sich bunt im genannten Konzept auf die Kinder oder explizit auch auf das Erziehungspersonal? Wo genau steht das?

Steht in dem Konzept genau drin, dass man auch kopftuchtragende nicht deutschsprechende Afghanen zu Sprach-Praktikas einzuladen beabsichtigt? Also Menschen, die von den Eltern oder der Leiterin weder hinterfragt noch überprüft werden können.

Haben Kita-Leitung nebst Betreiber inzwischen mitbekommen, dass wir in Deutschland eine völlige veränderte Sicherheitslage als 2012 haben? Damals gab es weder Flüchtlingskrise noch Terroranschläge.

Warum ist ausgerechnet ein Kindergarten geeignet, einen Sprachkurs Deutsch für Erwachsene zu unterstützen?

Woher weiß die AWO mit Sicherheit, dass die Frau aus Afghanistan genau diejenige ist, für die sie sich ausgibt?

Woher weiß die AWO, dass sie garantiert keine Tuberkulose in sich trägt? Keine bösen Absichten hat?

Warum startet die AWO einen erneuten Versuchsballon ohne vorherige Information der Eltern, nachdem Ähnliches in Cumbach vor wenigen Wochen gründlich daneben ging?

Kommunikation ist alles. Gerade in Zeiten, wo die Emotionen ohnehin hochschlagen. Fingerspitzengefühl geht anders. In Cumbach und Volkstedt wurde leichtfertig und selbstherrlich kräftig Öl in ein loderndes Feuer gegossen. Mit Aushängen wie in Cumbach und Volkstedt stellt man unter Beweis, dass vollendete Tatsachen wichtiger sind als Gespräche. Vorherigen Diskussionen geht man lieber aus dem Wege. Verärgerte und empörte Eltern sind übrigens in Teilen auch die Brötchengeber derer, die meinen, Kraft ihrer „Wassersuppe“ entscheiden zu können, was für Kinder gut ist. Mit besagten Aushängen wurde sowohl den potenziellen Praktikantinnen als auch dem Vertrauensverhältnis zu Eltern und Kindern ein Bärendienst erwiesen. Es geht zuerst ums Kindeswohl, nicht um Kopftuch-Glück. Bei entsprechender Sensibilität könnte beides möglich sein. Aber mit der Brechstange wird auch ein weiterer Versuch anderswo misslingen.

Es ist ferner erstaunlich, wie es um den juristischen Sachverstand der Kita-Chefin in Volkstedt bestellt ist. Vielleicht hätte sie mal ihren Geschäftsführer fragen sollen, der Jurist ist? Es gibt nichts, worüber eine Einigung in Sachen Kopftuch erzielt werden müsste. Es gibt niemanden, der darüber zu befinden hätte, ob besagte Asylbewerberin ihr Kopftuch tragen „darf“! Wer Urteile des Bundesverfassungsgerichts lesen kann, ist klar im Vorteil. Die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts urteilte am 18. Oktober 2016, dass es einer muslimischen Erzieherin erlaubt ist, auch am Arbeitsplatz ein Kopftuch zu tragen. Ein generelles Verbot verstoße gegen die Glaubensfreiheit (Urteil im Wortlaut zur Nachhilfe). Um glücklich mit Kopftuch zum Praktikum zu erscheinen, bedarf die Asylbewerberin niemandes Erlaubnis! Frage am Rande zum Aushang: „Wir haben uns geeinigt … – wer ist eigentlich „wir“?

Der nächste Kindergarten tut gut daran, Gesetzestexte und Grundsatzurteile zu wälzen, bevor vielleicht die nächste zu Allah betende Praktikantin darüber glücklich ist, dass sie im Stoffkäfig in der Burka erscheinen darf …

3 Replies to “Missglückter Aushang, 2. Versuch

  1. Bitte etwas weniger aufgeregt.
    Warum wird der Kita-Leitung Frau Matiss eigentlich mangelnde Kommunikation vorgeworfen?
    Sollte sie alle Eltern um Erlaubnis fragen, ob Farida in der Kita ein Praktikum absolvieren darf? Hätte sie dies auch tun müssen, wenn – sagen wir mal – die Schülerin Felicitas Krause aus der gleichen Klasse gern ein sechswöchiges Praktikum antreten wollte? Die Information der Eltern erfolgte mehr als vier Wochen vor Praktikumsbeginn. Es ist noch genug Zeit, über alle anstehenden Fragen in Ruhe und mit gegenseitigem Respekt zu reden. Die Initiative Neue Nachbarn Rudolstadt würde sich gern daran beteiligen. Am besten von Angesicht zu Angesicht, nicht anhand von manch schnell und im Zorn hingeschriebenem Kommentar.
    Sachlichkeit erwarte ich aber auch von Herrn Andreas Kühn. Versuchsballon? Ich vermute, dass der Kommentar ohne Rückfrage mit der Kita-Leitung (so etwas heißt Recherche) geschrieben wurde. Mehr will ich dazu nicht schreiben.
    Es ist wohl an niemandem vorbeigegangen, dass seit nun anderthalb Jahren einige Menschen MEHR aus anderen Kulturkreisen im Landkreis leben. (In Saalfeld/Beulwitz leben mehrere hundert Asylbewerber seit über fünf Jahren, ohne dass von besonderen Problemen berichtet wird.)
    Die schulpflichtige Mädchen und Jungen besuchen Schulen im Landkreis, sie suchen dann ebenso Ausbildungsplätze wie ihre Mitschüler. Das sind Tatsachen, ob man die nun vollendet nennt oder wie auch immer. Junge Menschen tun dem Landkreis gut und ihre Hilfe ist an weit mehr Stellen als in einer Kita nötig und willkommen.

    Oder ist es das Kopftuch? Ernsthaft?
    Dann bitte meinen Kommentar noch einmal vom Anfang lesen.
    Wolfhard Pröhl

  2. Auf genau diese Art von Kommentar über das angesprochene Problem habe ich gewartet. Die Unverschämtheiten reihen sich aneinander. Welche Art von Presse sollen denn Hardliner, Extremisten und Arschlöcher lesen? Woher weiß der Kommentator Müller das sich niemand auf die Praktikumsstelle beworben hat? Welche Art von Personal für den Kindergarten wird denn gesucht? Was muss Personal können und welche Werte sollen vermittelt werden? Ich hätte als Frau gerne gewusst wie ein religiöses und politisches Symbol nämlich das Kopftuch den in Obhut gegebenen Mädchen erklärt wird. Der AWO sollte schon bewusst sein, dass die Erklärung für alle gilt, auch für sogenannte Hardliner, Extremisten und Arschlöcher, so ist das EuGH Urteil ausgelegt. Sogenannter Minderheitenschutz ansonsten kann eine Klage wegen Diskriminierung drohen.

  3. „Fingerspitzengefühl geht anders.“ Da können Sie sich doch mal direkt an die eigene Nase greifen! Diese hetzerische Aufmache des gesamten Artikels ist einfach nur widerlich. Es geht um das Kindwohl, richtig, dass aber dazu mehr Personal benötigt wird ist den meisten ja auch bewusst, also wieso nicht jemand der sich integrieren möchte? Beide Stätten sind Integrativ, das bezieht sich allerdings nicht nur auf die Kinder. Wieso wird jemanden ein Praktikum verwehrt, wofür so manch Deutscher sich zu fein ist? Oder geht es hier vielleicht auch wieder um „Schrödingers Flüchtling“? Die Stellen sind immernoch in beiden Objekten zu besetzen, wieso meldet sich denn kein arbeitssuchender Mitbürger? Zu fein, zu faul, zu träge? Ebenso unersichtlich ist doch der Fakt, dass so manch Elternteil der Meinung ist dass „DIE sich gefälligst zu integrieren haben“, wenn es aber soweit kommen soll dann auf einmal doch nicht? Warum? Wegen den ach so bösen ‚ANDEREN‘ die hierher kommen und alle, ausnahmslos alle nur was böses vor haben? Ist klar. Ihr Schmierblatt verhilft genau solchen Meinungen zur Stärke, dabei sind Sie genau nicht anders als die die wirklich hierher kommen um Unmut, Hass und Trauer zu verbreiten. Ich streite auch keinesfalls ab dass es solche Leute nicht gibt. Hardliner, Extremisten und Arschlöcher gibt es überall, dazu muss man sich nur bestimmte Kommentare durchlesen…

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