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Lokführer & Heizer

“Wir schaffen das” sagte die Bundeskanzlerin vor einem Jahr. Offensichtlich fühlten sich vom “wir” bei den seither stattgefundenen Landtagswahlen Wähler im stets zweistelligen Prozentbereich nicht angesprochen. Nach Sachsen-Anhalt gab es nun auch in Mecklenburg-Vorpommern für alle in den beiden Landtagen vertretenen Parteien eine deutliche Abfuhr. Das ist umso bemerkenswerter, weil im Norden die Wahlbeteiligung deutlich stieg.

Bereits in Sachsen-Anhalt wurde einer der beiden GroKo-Partner zur viertstärksten Kraft degradiert, die SPD. In Schwerin nun muss sich die Kanzlerpartei mit “unter ferner liefen” begnügen. Entgegen aller Demoskopen sind die Grünen raus. Gendersternchen und Verbote sind als Politikangebot eben zu wenig. Die Verteufelung der AfD hat das Gegenteil bewirkt. Alle Parteien mussten zu deren Gunsten Federn lassen. Die AfD-Verhinderer haben sich einen Bärendienst erwiesen. Sie haben nicht die AfD gestellt, sondern sich selbst ein Bein! Wer dann noch am Wahlabend Wählerschelte betreibt, wird für einen weiteren Schub sorgen.

Was folgt? Der Lokführer in Schwerin bleibt der Gleiche, womöglich aber wechselt der Heizer. Rot-Rot wäre nichts Neues im Norden. So oder so: Es folgt eine Koalition der Wahlverlierer. Wenn die Weichen in Berlin nicht anders gestellt werden, kommt der Rammbock am Ende des Gleises (nicht nur in Meck-Pomm!) immer näher. Merkel hat so vieles geschafft, sie wird auch dies Aufgabe “meistern” … Es sei denn, es stehen genügend Christdemokraten endlich auf und sagen: „Danke, Angela, aber es reicht!“ Diese Hoffnung ist eher unbegrüdnet, aber sie schwindet bekanntlich zuletzt.

ANdreas Kühn