Läusesalbe oder Landesgartenschau

Im sogenannten Städtedreieck wird es höchste Zeit, die Miss Stimmung zu wählen. Der Thron einer Miss Klang und einer Miss Wirtschaft wäre wohl gleichermaßen hart umkämpft. Der Hickhack um eine mögliche Bewerbung für die Landesgartenschau 2024 gibt Anlass zu diesem Schluss. Die Stadträte der chronisch klammen Kommunen Bad Blankenburg (Volksmund: „Kein Geld für Läusesalbe“) und Rudolstadt (Volksmund: „Wie ein Krokodil: Bis zum Hals im Wasser und immer noch die große Schnauze“) hatten für eine „Interessensbekundung“ gegenüber dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft votiert. Die Saalfelder Stadträte besannen sich auf ihren gesunden Menschenverstand und stimmten mit 14 : 11 Stimmen dagegen. Alle „Pro-Argumente“, u. a. von Bürgermeister Matthias Graul, basierten auf dem Prinzip Hoffnung. Wohingegen die „Kontra-Argumente“ eindeutig die Schwierigkeiten einer solchen Schau aufzeigten.

Eine Vorstudie LSG 2024 schlug bisher mit rund 20.000 Euro zu Buche, die sich die drei Kommunen teilten.
Eine Vorstudie LSG 2024 schlug bisher mit knapp 20.000 Euro zu Buche, die sich die drei Kommunen teilen.
Landschaftsarchitektin Heike Roos und ein Vertreter der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) konnten die skeptischen Stadträte nicht überzeugen. Zu viele Fragen blieben offen. Das reichte von nicht erschöpfend dargelegten Synergieeffekten bis hin zur unsicheren Finanzierung angesichts lerer kommunaler Kassen. Die Assoziationen einiger Stadträte: Beim Ausrichter der LSG 2017 – Apolda – klafft dem Vernehmen nach bereits jetzt ein riesiges Loch von sechs Millionen Euro im Stadtsäckel; die pro Kopf-Verschuldung hat sich fast verdoppelt.

Summa summarum: Das letzte Wort in Sachen LSG 2024 ist noch nicht gesprochen. Im Rat der Bürgermeister des Städtedreiecks geht es kommende Woche weiter um das brisante Thema. Vor allem Bad Blankenburg und Rudolstadt werden die Frage beantworten müssen, ob preiswerte Läusesalbe nicht besser wäre als mit einem weiteren unbezahlbaren Schinken nach der nicht vorhandenen Wurst zu werfen.

Andreas Kühn