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Kreistags-„Stimmenkönig“: Aus Achtung des Andersdenkenden ist Ächtung des Andersdenkenden geworden

Karlheinz Frosch (AfD) erzielte bei den jüngsten Kreistagswahlen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt mit 9.823 Stimmen das beste Ergebnis aller Kandidaten. Der gebürtige Rudolstädter (Jahrgang 1950) war bis 2017 viele Jahre in leitenden Positionen mittelständischer Unternehmen tätig, zuletzt als Geschäftsführer eines Herstellers von hochwertigen Containern. Seitdem ist er als selbstständiger Unternehmensberater tätig. Frosch ist verheiratet, kinder- und konfessionslos und lebt in Rudolstadt.

Nach der Kreistagswahl waren die mediale Verwunderung und das Kopfschütteln groß, dass Sie aus dem Stand die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnten. „Was zeichnet ihn aus, dass er so viele Stimmen bekommt? Was macht er denn so Besonderes?“, wurde u. a. gefragt. Was antworten Sie darauf?

Ich habe nie etwas Besonderes, sondern stets etwas Selbstverständliches getan: In ebenso klarer wie moderater Sprache das artikuliert, was ich für richtig halte. Möglich, dass das derzeit bereits etwas Besonderes ist. Ich war auf zahlreichen Veranstaltungen meiner Partei und an Wahlkampfständen präsent. Darüber hinaus habe ich tagtäglich das Gespräch mit den Menschen gesucht und sehr genau zugehört. Besonders was sie von der Politik erwarten, hat mich interessiert
Ich habe stets versprochen, dass ich als Oppositionspolitiker nichts versprechen kann. Wählertäuschung ist meine Sache nicht.

Was schlussfolgern Sie daraus, „Stimmenkönig“ geworden zu sein?

Ein gehöriges Maß an Verantwortung, gepaart mit einem kräftigen Schuss Demut und einem dicken Sahnehäubchen Dankbarkeit gegenüber meinen Wählern. Selbstbeweihräucherung war mein Ding noch nie. Zu Jubelfeiern besteht kein Anlass.

Die hiesige AfD hat insbesondere bei den Wahlen zum EU-Parlament und zum Kreistag Saalfeld-Rudolstadt für viel unerwartet gut abgeschnitten. Worauf führen Sie das zurück?

Es gibt in der Wirtschaft einen eisernen Grundsatz: Wenn du dein Produkt verkaufen willst, lobe es über den grünen Klee und stelle die Vorzüge heraus, aber rede niemals schlecht über die Produkte der Wettbewerber. Das kommt nicht gut an! Das gilt natürlich auch in der Politik. Glücklicherweise haben das unsere Gegner noch nicht erkannt.
Der Wähler will doch von den alten Parteien nicht gesagt bekommen, was vermeintlich schlecht an der AfD ist, sondern was sie selbst so Gutes für das deutsche Volk tun. Unter diesem Gesichtspunkt verwundert es mich schon, dass die politischen Gegner der AfD tatsächlich immer noch über die Ursachen unseres Erfolgs rätseln. Die Antwort ist doch einfach: Die Wähler wollen nichts erklärt bekommen, wollen keine erhobenen Zeigefinger, keine ständigen Beschwichtigungen und keine ewigen Absichtserklärungen, denen keine Taten folgen. Sie wollen vielmehr eine klare Beschreibung der Tatsachen und daraus resultierende Entscheidungen.
Es ist deshalb schäbig, angesichts der jüngsten Wahlergebnisse die AfD-Wähler für dumm zu erklären, weil sie nicht die „Richtigen“ ankreuzten. Fleißige Menschen, die arbeiten, Steuern zahlen und sich im Ehrenamt engagieren, wurden von aggressiven Multikulti-Propagandisten permanent diffamiert, weil sie das aussprechen, was in einer Demokratie eigentlich selbstverständlich sein sollte – ihre freie Meinung, zuweilen auch ihre Ängste. Ängste, die nicht von der AfD geschürt werden (wie unsere Gegner gerne behaupten). Denn die Besorgnisse vieler Menschen sind sehr reale Ergebnisse einer verfehlten Politik.

Wie haben Sie bei öffentlichen Auftritten im Wahlkampf die Stimmung wahrgenommen?

Von politischer Kultur kann leider spätestens seit dem Spätsommer 2015 kaum mehr eine Rede sein. Zu viele im rot-rot-grünen Spektrum haben seit „Wir schaffen das“ den Meinungspluralismus aufgekündigt. Ich vermisse die ebenso offene wie sachliche Auseinandersetzung über strittige Themen. Aus der Achtung des Andersdenkenden ist die Ächtung des Andersdenkenden geworden. Wer als „Gegendemonstrant“ AfD-Veranstaltungen „Nazi“ ruft, hat seine Lektion in Geschichte nicht gelernt und beweist lediglich seinen Hass auf Andersdenkende.

Können Sie sich eine Zusammenarbeit mit den anderen im künftigen Kreistag vertretenen Parteien und Wählervereinigungen vorstellen?

Wir werden unser Verhalten bei Abstimmungen nicht von Ideologien, sondern von Sachfragen abhängig machen. Wir werden nichts unterstützen, was unserem Wahlprogramm und den Interessen unserer Wähler zuwider läuft! Alles andere wird situationsbezogen entschieden. Um es jedoch deutlich auszusprechen: Wir paktieren weder mit politischen Oberlehrern noch mit Extremisten jedweder Farbschattierung.

Sie sind nicht nur designierter Fraktionsvorsitzender der AfD-Fraktion im Kreistag, sondern auch AfD-Direktkandidat für den Thüringer Landtag im Wahlkreis Saalfeld-Rudolstadt I.

Ich weiß um den Spagat. Ein guter Start in die Kreistagsarbeit  ist auch für den Landtagswahlkampf wichtig. Ich nehme das Wahlergebnis als Indiz, dass auch im Oktober ein sehr gutes Ergebnis drin ist.
Mit Karlheinz Frosch sprach Andreas Kühn.