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Kommentar: Scheinheilig & scheinbar

Die Sozialdemokraten im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt haben wohl frühzeitig gespürt, dass ihnen vom Wähler bei den Kommunalwahlen nichts Gutes widerfahren könnte, und kürten bereits vor Monaten ihren Kreischef als Scheinheiligen Scheinkandidaten zur Kreistagswahl. Von den Stimmen, die der amtierende SPD-Landrat „zieht“, dürfte maßgeblich das SPD-Ergebnis für den nächsten Kreistag abhängen. Seit Marko Wolfram von Wahlplakaten dauergrinst, fragen sich viele Landkreis-Bewohner (nicht nur in sozialen Netzwerken): „Ja, ist denn schon Landratswahl?“ Angesichts des Slogans auf dem Wahlplakat witzeln nicht nur seine politischen Gegner süffisant, wann Wolfram denn mit „gestalten“ nun endlich anfangen wolle, wenn es schon mit verwalten hapere.

Der Vollständigkeit halber: Von den derzeit im Landtag vertretenen Parteien haben thüringenweit nahezu überall dort, wo es möglich ist, CDU, SPD und Linke auch Scheinkandidaten an der Spitze ihrer Listen zu den Kommunalwahlen platziert. Bekanntester Scheinkandidat der FDP ist der Jenaer Oberbürgermeister.

Der Bad Blankenburger Bürgermeister Mike George hatte bereits frühzeitig verkündigt (im Gegensatz zu seinem linken Amtsvorgänger), nicht die Kandidatenliste der Freien Wähler für den Stadtrat anzuführen. Umso lauter das „Volksgemurmel“ in der Fröbelstadt als plötzlich Plakate der Freien Wähler auftauchten, auf denen auch der Bürgermeister unübersehbar prangt. Er ist die einzige Person auf dm Wahlplakat, die nicht wählbar ist. Auf Nachfrage erklärte George, dass das Motiv „durchaus bereits im Vorfeld Diskussionen ausgelöst“ habe. Es sei rechtlich geprüft worden, ob man sich dabei in einer Grauzone bewege: „Das ist nicht der Fall.“ Zudem sei hinlänglich bekannt, dass seine Person nicht auf dem Stimmzettel stünde.
Ein Geschmäckle bleibt aber auch bei einem nur Scheinbaren.
TS