Investieren ist besser als sparen

Amerikaner machen Geld. Deutsche gehen auf Arbeit. Amerikaner investieren. Der deutsche Michel spart.

Besser kann man das Dilemma einst und heute nicht verdeutlichen. Das Gros dessen, was Deutsche auf der hohen Kante haben, hält auf Giro- und Sparkonten Tiefschlaf. Letztlich verbrennt der Michel in Niedrigzins-Phasen wie derzeit (und ein Ende scheint nicht in Sicht) sein sauer verdientes Geld. Lässt sich Bausparverträge – und noch immer Kapitallebensversicherungen (in Deutschland gibt es mehr dieser Versicherungen als Einwohner!) – aufschwatzen.

Doch was tun, um bis zum Rentenalter oder dem notwendigen Eigenkapital fürs eigene Häuschen mehr aus dem Erübrigten zu machen? Wir haben nachgefragt. Oliver Grau, Versicherungsfachwirt, Finanzanlagenberater und Vertriebsleiter mit Prokura beim Saalfelder Maklerbüro Culina, stellte sich unseren Fragen

Wann sollte man mit dem Vermögensaufbau beginnen?
Benjamin Franklin sagte vor über 200 Jahren schon: „Zeit ist Geld!“
Beim Vermögensaufbau trifft das den Nagel auf den Kopf. Je früher man beginnt, umso weniger muss man später drauflegen. Je mehr Zeit man hat, umso mehr ist der Zinseszins dein Freund.

Ein Beispiel: Um 10.000 Euro anzusparen muss man bei 5% Rendite im Jahr monatlich 65 Euro zehn Jahre lang weglegen (insgesamt 7.800 Euro). Hat man nur fünf Jahre dafür Zeit muss man schon 147 Euro monatlich weglegen (insgesamt 8.820 Euro). Wer also mehr Zeit hat, muss in diesem Beispiel 1.020 Euro weniger weglegen.

Welche Versicherungen sollte jeder haben – und warum? Was kostet das über den Daumen gepeilt jeweils pro Jahr?
Ich denke, es sind genau zwei Versicherungen, die jeder haben sollte. Weiterer Versicherungsbedarf hängt stark von der jeweiligen individuellen Situation und den Ansprüchen ab. Die Daseinsberechtigung von Versicherungen liegt darin, existenzbedrohende Risiken abzusichern. Also finanzielle Risiken, die ein Einzelner allein nicht tragen kann. Daraus ergibt sich für die meisten die Absicherung der eigenen Arbeitskraft und der Schutz vor Haftpflichtansprüchen Dritter. Also eine Berufsunfähigkeitsversicherung und einer private Haftpflichtversicherung sind unabdingbar.
Beispiel: Wenn ein heute 27-Jähriger 1.500 Euro Monatsnetto hat, verdient er ohne Steigerungen bis zum Renteneintritt (67) 720.000 Euro. Nehmen wir an, er ist Mechatroniker, dann müsste er dafür je nach Absicherungsvariante zwischen 30 – 75 Euro monatlich für eine Arbeitskraftabsicherung einplanen. Der Beitrag läge also im schlimmsten Fall bei 5% vom Gesamtrisiko. Die private Haftpflicht kostet – je nachdem ob man allein oder mit Familie lebt – zwischen 50 Euro und 75 Euro im Jahr.

Die unnützeste Versicherung?
Je nachdem, was einem halt lieb und teuer ist. Die Vollkasko fürs gebrauchte Auto mit niedrigem Restwert steht oft in keinem Verhältnis zum zu zahlenden Beitrag. Oder die Insassenunfallversicherung. Mein Favorit ist aber die Kälteschutzversicherung. Sie soll in strengen Wintern die zusätzlichen Heizkosten absichern. Fällt die Temperatur unter einen festgelegten Grenzwert, gibt es einen Euro pro Minusgrad. Klingt irgendwie mehr nach einer Wette, aber kann man kaufen.

Wie kann ein 20-Jähriger, der 100 Euro pro Monat erübrigen kann, sein Geld mehren?
Bei den vermeintlich sicheren klassischen Zinsanlagen wie Sparbuch oder Tagesgeld ist nur eines sicher und zwar, dass das eigene Geld nach Abzug von Kosten und Inflation ganz sicher nicht mehr wird. Wer in den letzten fünf Jahren jeden Monat 100 Euro auf das Sparbuch gezahlt hat wurde im Schnitt mit 0,21% pro Jahr Zinsen belohnt. Aus gesparten 6.000 Euro wurden also 6.032 Euro. Wer statt zu sparen lieber in die 30 größten deutschen Unternehmen monatlich 100 Euro investiert hat, wurde mit 5,69% pro Jahr belohnt. Aus unseren 6.000 Euro wurden also 6.926 Euro. Also ca. 900 Euro mehr! Über zehn Jahre wären es übrigens 4.150 Euro mehr als beim Sparbuch.
Natürlich ist die Entwicklung dieser 30 größten deutschen Unternehmen nicht so schön gleichmäßig wie der Sparbuchzins. In der Wirtschaft gibt es nun mal Schwankungen, mit denen man Leben muss.
Aber schauen wir uns die 30 größten deutschen Unternehmen doch mal an. Diese bilden ja den DAX, also die 1. Bundesliga der deutschen Börse. Adidas, BASF, BMW, Bayer, Deutsche Post, Henkel, HeidelbergZement, Telekom, Siemens, SAP, Volkswagen, Lufthansa, usw. Diese Unternehmen stellen alle Produkte her, die wir Menschen jeden Tag brauchen und damit erwirtschaften diese Gewinne. Sich an diesen Gewinnen zu beteiligen, kann also gar nicht so unsicher sein.
Für einen jungen Menschen ist es erstmal wichtig, sich eine Rücklage – einen Notfalltopf – zuzulegen. Ein bis zwei Monatsnettogehälter sollten erstmal weggelegt werden. Dann empfehle ich einen aktiv gemanagten Fondssparplan, der im Schwerpunkt in diese großen deutschen Unternehmen investiert, auch weil flexible Ein- und Auszahlungen jederzeit möglich sind.

Die Deutschen sind der Tücke des Geldes nicht gewachsen. Das Volk der Romantiker, Philosophen und Musiker ist in Geldangelegenheiten unromantisch und verliert jeden Hang zur Philosophie und besonders zur Phantasie.
André Kostolany

Und wie kann ein 45-Jähriger, der vielleicht schon 40.000 Euro auf der hohen Kante hat, fürs Alter vorsorgen?
Für die Altersvorsorge gibt es ja noch die ein oder andere staatlich geförderte Vorsorgevariante (Basis-, Riester-, Betriebsrente), die man unbedingt in seine Überlegungen mit einbeziehen sollte. Unter bestimmten Voraussetzungen sehr lohnenswert.
Ansonsten gilt auch hier wie zuvor: In der heutigen Niedrigzinsphase lieber investieren statt sparen. Ein 45-Jähriger hat noch 20 Jahre Zeit. Im Deutschen Aktien Index (DAX) gibt es keinen 20-Jahreszeitraum der unter 6% Rendite pro Jahr liegt. Auch hier wäre meine Empfehlung ein aktiv gemanagtes Fondsportfolio, was sowohl in Aktien, aber auch in andere Anlageklassen investieren kann. Aber staatliche Förderungen zu prüfen, ist wichtig ist.

Wer der Oma klein Häuschen nicht erbt, muss zwangsläufig selbst bauen. Der beste Weg zur eigenen Immobilie? Kaufen oder bauen?
Die Entscheidung, ein Haus zu kaufen oder zu bauen, gehört sicher zu den wichtigsten Entscheidungen in unserem Leben. Der finanzielle Aufwand, aber auch der Einfluss auf unser Leben ist alles andere als unerheblich. Diese Frage ist super individuell und hängt sehr stark von der jeweiligen Situation ab. Jetzt ad hoc würde ich für kaufen plädieren.

Gold und Silber lieb ich sehr? Lohnt das für Normalverbraucher?

Die steigenden Goldpreise in den letzten Jahren sind vielen nicht verborgen geblieben. Gerade durch diverse Schuldenkrisen mancher Staaten gilt Gold daher als der sichere Hafen. Trotzdem unterliegen Edelmetalle genauso Schwankungen wie Aktien. Als Beimischung und zur Vermögenssicherung absolut geeignet und empfehlenswert. Barren sind günstiger als Münzen, aber dafür in der Handhabung eben auch schwerer. Wir empfehlen nur physisch Edelmetalle zu erwerben.

Was machen die Amerikaner nun anders als die Deutschen in Sachen Geld?
Dass die Amerikaner Patrioten sind, ist ja kein Geheimnis. Sie sind es aber nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft. Jeder zweite Amerikaner besitzt Aktien und zwar nicht irgendwelche, sondern eben aus ihrem Dow Jones. Dafür besitzt der Deutsche viel mehr vermeintlich sichere Zinsprodukte wie Sparbuch, Tagesgeld, Bausparverträge und auch Kapitallebensversicherungen. Diese bringen über die Jahre einfach weniger. In Niedrigzinsphasen wie derzeit, wo der Zins für unser Erspartes zwischen 0,5% und 1% liegt und die Inflation (Teuerung) bei 1,7%-2%, wird unser Erspartes faktisch weniger und nicht mehr. Um das auszugleichen brauchen wir Anlagen, die mehr bringen als die Inflation auffrisst. In einem aktiv gemanagten Investment ist es möglich, sogar Schwankungen nach unten zu begrenzen und Chancen nach oben zu nutzen.