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Innovative Erdkühlschränke & Bratwurst-Bäume

Dankenswerter Weise wies mich heute ein Fachmann in Sachen Thüringer Meer darauf hin, dass der Tourismus im Freistaat immerhin mit einer Spitzenfrau glänzen kann, die es 2013 zur Honorarkonsulin der Französischen Republik gebracht hat. Er machte ferner darauf aufmerksam, dass bereis 2017 wahrhaft bahnbrechende Vorschläge seitens der TTG-Fachkräfte kamen. Die an Genialität nicht mehr zu überbietende Idee lautet: ERDKÜHLSCHRANK zur „Wanderverpflegung“. U. a. habe es dazu eine „sehr sinnfreie Veranstaltung“ am 13.12.2017 in Hohenwarte gegeben, wo ein gewisser Herr Mayrhofer (seines Zeichens Leiter Strategische Produktentwicklung der TTG) vormittags diese Kühlschränke als das Nonplusultra habe verkaufen wollen. Die Frage, wie damit gesetzliche Hygienevorgaben erfüllt werden sollten, blieb ebenso unbeantwortet wie die Frage, wer die Erdkühlschränke verbuddelt oder in Felsen haut. Dieser den Tourismus revolutionierende Erdkühlschrank entspringt dem 167-seitigen „Werk“ mit dem schönen Namen „Touristische Wanderwegekonzeption. Thüringen 2025“.
Es dürfen Zweifel angemeldet werden, ob sich jemand findet, der solche „Erdbunker“ anschafft, pflegt und bestückt. Und das zu einem Preis, den Wanderer bereit sind zu zahlen. Ein „Novum“ sehe ich dabei lediglich in dem Umstand, dass Touristiker schwache Momente hatten, eine derart abstruse Idee öffentlich zu machen.
Denkt man diesen Stuss konsequent zu Ende, könnte man als Novum auch kleine Kräutergärtchen anlegen, damit Veganer rund ums Thüringer Meer artgerecht „weiden“ können. Für alle anderen könnte man Wünschelruten ausgeben, die zur nächsten Bierquelle führen. Vor allem Auswärtige würden sich wohl am meisten über Bratwurst-Bäume freuen. Wer weiß schon genau, ob die TTG nicht demnächst welche anpflanzt? Nichts ist unmöglich: Bei den „Innovationen“ der TTG muss der Tourist mit allem rechnen. Deshalb wären zentrale Plätze nicht schlecht, an denen auf Kosten der TTG Antidepressiva und Kopfschmerzmittel ausgelegt werden. Damit diejenigen sich sofort bedienen können, die von den nächsten Geistesblitzen aus dem Hause Grönegres getroffen werden.

Die Touristiker feiern bundesweit steigende Besucherzahlen. Bundesweit? Nicht ganz. In angeblichen Leuchttürmen wie Erfurt, Eisenach, Weimar und Jena liefen von Januar bis Oktober 2018 gegenüber dem Vorjahr die Touristen in Scharen davon. Nicht besser erging es dem Saaleland und dem Thüringer Wald.
Während laut Statistischem Landesamt die Zahl der inländischen Gäste nur um 0,7 Prozent zurück ging, nahm die Zahl der ausländischen Gäste um 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ab. Auch die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste lag mit 509.000 unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraumes (- 8,1 Prozent). Bei den inländischen Gästen waren es nur 0,5 Prozent weniger.
Auf die neunmalklugen Schönredner, die die Verluste als normal und dem Umstand des Lutherjahres 2017 zuschreiben, wird man nicht lange warten müssen. Da hilft dann ein Blick auf die Jahre 2016, 2015 und 2014 ungemein.
Aber selbst im Lutherjahr haben sich die Tourismus-Experten in Thüringen nicht mit Ruhm bekleckert. Noch weniger einheimische Touristen als Thüringen hatten nur Sachsen-Anhalt, der Stadtstaat Bremen und das kleine Saarland (Link zur Statistik). Die Sachsen haben 2017 irgendwas falsch gemacht, was TTG & Co. richtig machten: Bei den Nachbarn kamen fast doppelt so viele Touristen.
Wie immer gilt: Der Fisch stinkt vom Kopfe her. Aber vielleicht schmecken den Thüringer Wölfen ja Fischköpfe?
Andreas Kühn