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Infraschall: Zu viel Wind, zu wenig Forschung, zu viel Krankheit

Besonders umstritten in Thüringen sind die ausgewiesenen Windvorranggebiete für neue „Vogelschredder“ bei Schleusingen und Oberstadt im Landkreis Hildburghausen. Beide liegen im sogenannten kleinen Thüringer Wald. Dort kämpft die Bürgerinitiative „Gegenwind im kleinen Thüringer Wald“ gegen mögliche Windparks. Zum Thema Infraschall durch Windräder hatten vor zehn Tagen mehr als 60 Besucher den Ratssaal in Schleusingen gut gefüllt. Unter den Zuhörern auch zwei Landtagsabgeordnete: Corinna Herold (AfD) und Henry Worm (CDU).

„Erst, wenn der letzte Wald gerodet ist,
merkt man, dass man Strom nicht atmen kann.“

Im Wald haben Windräder einfach nichts zu suchen, so die Gegner einer weiteren Verspargelung der Landschaft. Eine Online-Petition ist inzwischen von mehr als 3.600 Menschen unterschrieben worden.

Referent Dr. Stephan Kaula hob in Schleusingen hervor, dass neuere unabhängige, allen streng wissenschaftlichen Kriterien genügenden Untersuchungen der jüngsten Vergangenheit, auf erhebliche gesundheitliche Nebenwirkungen durch Windkraftwerke hinwiesen, die schlicht deutlich größere Abstände zur Wohnbebauung zur Konsequenz haben müssten. „Diese nachgewiesenen Nebenwirkungen wie anhaltende Schlafstörungen mit all ihren psychischen und physischen, teilweise schweren Folgekrankheiten, sind anfangs recht vage und werden in der Regel vom Betroffenen nicht auf Windkraftanlagen in der Nähe zurückgeführt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass von diesen gesundheitlichen Schäden inzwischen tausende Anwohner betroffen sind.“

Die notwendigen Konsequenzen dieser Erkenntnisse würden aber vom Staat nicht gezogen, weil das Bundesumweltamt sie nicht in seinen Katalog wissenschaftlicher Wahrheit aufgenommen und damit als „nicht wahr“ ausgeschlossen habe. Es werde auf einseitig ausgerichteten und zudem veralteten Untersuchungsergebnissen beharrt. Infraschall dringe durch geschlossene Fenster, Dächer und über Vibrationen im Boden und Wände in Wohnräume ein. Bestimmte Formen von Infraschall, so Dr. Kaula, lösten bei Mensch und Tier teils ernste Erkrankungen aus. Infraschall gehe sowohl von technischen Anlagen wie Windrädern, Wärmepumpen und anderen Quellen aus. Der Gesetzgeber sei jetzt in der Pflicht, entsprechende Regelungen zu schaffen, komme dem aber gerade für den Infraschallbereich nicht in ausreichendem Umfang nach. Windenergie-Anlagen machen krank, so der Referent. Es gebe inzwischen viele hunderte Berichte sowohl über Menschen als auch Tiere, die nicht nur in der Nähe, sondern auch kilometerweit entfernt von Windenergieanlagen und anderen Infraschall aussendenden technischen Anlagen wie Wärmepumpen, gesundheitlich beeinträchtigt und krank geworden sind. Die Beschwerden reichten von psychischen Auffälligkeiten wie Angstzuständen, Schlafstörungen, leichten Missempfindungen bis hin zu schweren körperlichen Erkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten bei Tieren und sogar Missgeburten. Besonders Patienten mit Bluthochdruck könnten betroffen sein. „Die Bundesregierung kommt in unverantwortlicher Weise der Verpflichtung nicht nach, die Unbedenklichkeit des Betriebes von Windkraftanlagen in unserem dicht besiedelten Land mit inzwischen schon der höchsten Dichte an Windrädern nachzuweisen“, so Dr. Kaula.

Nicht von der Hand zu weisen sei neben den gesundheitsgefährdenden Aspekten die Tatsache, dass Immobilien in der Nähe von Windkraftanlagen an Attraktivität und damit an Wert verlören. Vom deutschen Staat werde das völlig ignoriert, weil ein solcher Immobilienwerteverlust in der eigenen Wahrheit der Regierung nicht existiere. In Dänemark werde hingegen dieser Anspruch auf Entschädigungsleistungen automatisch anerkannt und gewährt. In Deutschland sei dagegen noch nie ein Euro Entschädigung gezahlt worden.

Lesestoff: Der Schall,den man nicht hört
Video: Infraschall und Gesundheit – Recht auf körperliche Unversehrtheit

Andreas Kühn