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Grill-Meister und Eulenspiegel oder wer die längste Thüringer hat

Von Benjamin Hertel (Text & Fotos) – Daniel Fenski, ein Imbiss-Besitzer im Porträt. Das Baseball-Cap verkehrt herum auf den Kopf gesetzt, wieselflink die Würste wendend, einen Schalk um die Mundwinkel und den Blick immer wieder hebend. So steht Daniel Fenski hinter dem dampfenden Grill in seinem Imbiss. Fenser’s Bratwurst-Eck findet man nun seit über einem halben Jahr vor dem Baumarkt in Unterwellenborn. Einige gaben ihm und seinem Grill nur wenige Wochen, den Winter zu überstehen, trauten ihm nicht viele zu. Dabei bringt er mit einer Koch-Lehre und einer Ausbildung zum Bürokaufmann hervorragende Voraussetzungen mit, einen gut gehenden Imbiss zu leiten. Mittlerweile jedenfalls, dürfte sich die Meinung der Zweifler geändert haben.
Jeder der auf den Parkplatz rollt, dreht den Kopf zum Bratwurst-Eck. Kaum hat Fenser ein bekanntes Gesicht gesehen, ruft er einem freundlich zu. Auch im Verteilen von Komplimenten gegenüber den Besuchern des Baumarktes ist er freigiebig. „Kommunikation, darauf kommt es an.“ Meint der 35-Jährige.
Fenski BratwurstNach zwei Jahren Großstadterfahrung, als Angestellter, zog es den nun stolzen ImbissBesitzer wieder zurück in die Heimat. Ab 10 Uhr wird die erste Bratwurst verkauft, doch der Tag beginnt viel früher. Saucen müssen vorbereitet, Fleisch eingelegt werden. Beliefern lässt sich Daniel Fenski aus der Region. „Man muss sich gegenseitig unterstützen, die Ware kommt immer frisch und in bester Qualität“ . Etwas, das er während der zwei Jahre Großstadt nicht immer gewohnt war. Fenski versucht sich von seiner Konkurrenz abzugrenzen und seinen Gästen etwas zu bieten was die anderen nicht haben. Neben Pommes und Bouletten bringt er deshalb die längste Bratwurst der Umgebung an den Mann. Einen Thüringer Hot-Dog nennt Fenski zudem seine Eigenkreation.
Das langsam gegarte Schweinefleisch „Pulled Pork“, verfeinert mit hausgemachter Barbecue Sauce, seine Spezialität. Findig macht er potentiellen Kunden Appetit und versteht es sie mit Geselligkeit bei Laune zu halten. „Immer Volldampf, immer ganz oben, ist sich für keinen Scherz zu schade.“ So beschreiben ihn die Gäste, die oft mit Handschlag begrüßt werden. Einen festen Kundenstamm hat er bereits. Darauf sei er besonders stolz, verrät er. Auf die Frage, wie die Pläne für die Zukunft aussehen antwortet er fatalistisch. „Wie es kommt, so kommt es.“
Schnell spürt man dann jedoch, dass der junge Unternehmer sein Schicksal gern selbst mitbestimmt und Chancen an der Mantelfalte zu ergreifen versteht. Zu verschenken habe er nichts, schließlich müsse er von den Einnahmen leben können, teilt er selbstbewusst mit und rückt sein Base-Cap fester. Die Frage, ob er mit den Umsätzen zufrieden ist beantwortet Fenser mit einem Ja. „Kalkulation ist eben alles. Man darf nicht überladen, muss schmackhafte Dinge für die Stoßzeiten auf der Karte stehen und vorbereitet haben. Ich bin immer glücklich, wenn ich am Ende des Tages nichts wegschmeißen muss“, sagt er. Aber auch abseits der Arbeit, ist viel zu tun. Im Sommer steht der Zusammenzug mit der Freundin in eine neue Wohnung an. Nur für seine große Leidenschaft, den Fußball, findet er kaum noch Zeit.
Und dann, im nächsten Jahr will er in die Staaten, ins Volusia County, nach Florida reißen. Die Daytona Bike-Week findet statt und Fenski schwärmt mit seinem für ihn typisch schelmischen Lächeln. „Wenn ich könnte, würde ich den Imbiss anhängen und in den Sonnenstaat mitnehmen.“

Unser Autor Benjamin Hertel schrieb das „Porträt einer lokal bekannten Person.“ Es ist Teil einer Hausarbeit im Rahmen seines Studiums an der Journalistenschule des Verbandes Deutscher Fachjournalisten. Hertel bekam die Bestnote. Glückwunsch an dieser Stelle von uns!