Allgemein Politik Thüringen

„Geschlechtergerechte“ Behördensprache?

Mit der Kabinettvorlage „Empfehlungen für gendersensible Sprache“, die Ministerin Heike Werner (Linke) am vergangenen Freitag zur Ressortabstimmung an ihre Kollegen geschickt hat, möchte die Thüringer Frauenministerin gemeinsam mit der Thüringer Gleichstellungsbeauftragten Katrin Christ-Eisenwinder für mehr Gleichberechtigung in der öffentlichen Kommunikation der Landesregierung werben. Das geht aus einer heute veröffentlichten Mitteilung der Ministerin hervor.
In der Praxis werde die geschlechtsneutrale Bezeichnung bislang nicht immer angewandt. Um diese Situation zu verändern, hat die Thüringer Gleichstellungsbeauftragte Empfehlungen erarbeitet, die es den Beschäftigten der Thüringer Landesregierung erleichtern sollen, sprachliche Wendungen zu verwenden, die Frauen und Männer gleichermaßen berücksichtigen.
Ministerin Werner sagt dazu: „Wir alle verwenden im Alltag unbedacht Bezeichnungen, die allein die Männer erfassen. Zum Beispiel, wenn man sagt, „ich gehe zum Arzt“, obwohl der „Arzt“ eine Frau ist. Das ist kein Drama. Aber es passt nicht zu einer modernen Gesellschaft, in der die Gleichberechtigung von Frauen und Männern selbstverständlich ist. Als Landesregierung wollen wir deshalb mit gutem Beispiel vorangehen. Deshalb habe ich gemeinsam mit der Thüringer Gleichstellungsbeauftragten, Frau Christ-Eisenwinder, meinen Kolleginnen und Kollegen in den anderen Ministerien Handlungsempfehlungen geschickt. Ich verstehe sie ausdrücklich als Hilfestellung, nicht als penibel zu beachtende Vorschrift.“
Ministerin Werner weist zudem darauf hin, dass mit der geschlechtsneutralen Bezeichnung bzw. der Benennung von Frauen und Männern in der öffentlichen Kommunikation der Landesregierung keine zusätzlichen Kosten verbunden sind. „In Anschreiben oder in Publikationen Frauen und Männer gleichermaßen zu nennen, kostet keinen Cent. Und wenn sich etwa in einem Vordruck noch veraltete Bezeichnungen finden, so reicht es vollkommen, diese zu verändern, wenn ein Nachdruck ansteht. Ich denke, diesbezüglich werden alle Verantwortlichen mit Augenmaß handeln und unnötige Kosten vermeiden.“

„Geschlechtergerechtigkeit wird bestimmt nicht dadurch hergestellt, dass man die Türschilder oder Briefköpfe irgendwelcher Behörden austauscht.“ So kommentierte der gleichstellungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Henry Worm, Medienberichte vom Montag, wonach die Landesregierung plant, eine „geschlechtergerechte Behördensprache“ einführen zu wollen. „Nach den heute bekannt gewordenen Plänen bleiben viele Fragen offen. Insbesondere die Tragweite des beabsichtigten Beschlusses ist völlig unklar, ebenso die Kosten, die der Verwaltung dadurch entstehen“, erklärte Worm.

Für Interessierte stellen wir die siebenseitigen „Empfehlungen“ der Thüringer Gleichstellungsbeauftragten für „gendersensible Sprache“ bereit. Empfehlung gendersensible Sprache