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Frühstücken für den Erfolg

Morgens in fast jeder größeren deutschen Stadt. BNI-Chapter sitzen einmal in der Woche zusammen. Immer um 7 Uhr, meist am selben Ort. Die Teilnahme ist Pflicht. Wer zweimal ohne Vertretung fehlt, fliegt. Wer keine Empfehlungen für andere akquiriert, ist ebenfalls draußen. Noch vor neun enden die Meetings. Dann stürzen sich die Freiberufler und Mittelständler in ihre Firmen und Büros. Während des Frühstücks bekommt jeder exakt eine Minute Zeit, um seine Firma zu präsentieren. Anschließend werden Visitenkarten und Aufträge ausgetauscht. Jedes Mitglied fungiert für die anderen im Chapter als „ehrenamtlicher Außendienst“ und empfiehlt provisionsfrei deren Leistungen seinen Geschäftspartnern, Freunden und Bekannten. Damit keine Konkurrenz entsteht und die Mitglieder nicht in Empfehlungskonflikte geraten, ist jede Zunft in einem Chapter nur einmal vertreten.

Seit heute hat auch das Städtedreieck ein Chapter des Business Network International (BNI), „getauft“ auf den einprägsamen Namen 3Klang. Rund 80 Frauen und Männer waren gekommen. Auch lokale Politprominenz hatte sich in der Landessportschule in Bad Blankenburg eingefunden. Zu den bereits bestehenden 22 Mitgliedschaften kamen heute nach der Veranstaltung neun neue hinzu. Hintergrund: Business Network International (BNI) ist ein Unternehmernetzwerk für Geschäftsempfehlungen. 1985 vom Unternehmensberater und Bestseller-Autor Ivan Misner in den USA gegründet, hat sich die politisch, religiös und weltanschaulich neutrale Organisation bis heute nach eigenen Angaben in 71 Ländern (8.600 Chapter mit mehr als 241.000 Mitgliedern) etabliert. Für den deutschsprachigen Wirtschaftsraum D-A-CH (Deutschland, Österreich, Schweiz) wurde 2003 BNI Deutschland als GmbH & Co. KG mit Sitz in Wien gegründet. Die ersten deutschen Unternehmerteams (Chapter) sind ebenfalls 2003 gegründet worden. Mittlerweile umfasst das Netzwerk im D-A-CH-Raum 14.117 Mitglieder.
BNI-Mitglieder bezahlen neben einer Aufnahmegebühr einen jährlichen Mitgliederbeitrag. Die Kosten für das Frühstück werden direkt bzw. über den Schatzmeister des Chapters an das Hotel, in dem das wöchentliche Frühstückstreffen stattfindet, gezahlt.

Kommentar: Klüngeln bis die Kasse klingelt

Eine Bemerkung vorweg: Der Schreiber dieser Zeilen ist kein BNI-Mitglied und wird auch keines werden. Für viele andere indes dürfte / könnte dieser Verein auf gegenseitige Empfehlung eine Option sein. Hat etwas Sektenartiges? Stimmt, aber welcher andere Verein / Organisation / Partei hat das nicht?
Hat nur mit dem schnöden Mammon zu tun? Stimmt ebenso. Und das auf erfrischend ehrliche Art. Das unterscheidet die Chapter von diversen Sauf- und Laber-Vereinen, die sich womöglich noch die Feder der Wohltätigkeit an den Hut stecken – obwohl auch sie nur Euro und Cent im Blick haben. Es wird Umsatz generiert, der Kunden, Mitarbeitern und nicht zuletzt dem Fiskus zugute kommt. Geld verteufeln bekanntlich nur diejenigen, die keines haben (und dann nicht einmal gewillt sind, dafür etwas zu tun). „Wer gibt, gewinnt.“ Gutes Motto.!
Zwei Dinge erfreuen mein kaltes Herz: Es gibt klare Regeln und politisches Geschwafel ist nicht erwünscht. Deshalb fällt es mir ausgesprochen leicht, allzeit gute Geschäfte und wöchentlich einen guten Appetit zu wünschen.
Andreas Kühn