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Fahrbare Stromer

Wie die Zukunft von Elektroautos wirklich aussieht, wird letztendlich der Verbraucher entscheiden. Argumente dafür und dagegen gibt es zuhauf. Die Zahl der kleinen „Stromer“, die derzeit zur Probefahrt bereitstehen, ist derzeit noch sehr überschaubar.

Die Ausgangslage bundesweit: Um mehr als eine Million erhöhte sich der Fahrzeug-Bestand im vergangenen Jahr. Er wies am 1. Januar 2016 61,5 Millionen in Deutschland zugelassene Fahrzeuge auf (+1,8 %). Diese gliederten sich in 54,6 Millionen Kraftfahrzeuge (Kfz) und 6,9 Millionen Kfz-Anhänger. Hinzu kamen rund 2 Millionen Fahrzeuge mit Versicherungskennzeichen, deren Hauptanteil (96,1 %) Zweiräder ausmachten.
Die verbreitetste Kraftstoffart bei den Pkw blieb Benzin (66,2 %), gefolgt von Diesel (32,2 %). Nennenswerte Steigerungen bei den alternativen Antriebsarten hatten lediglich Elektro- und Hybridfahrzeuge vorzuweisen (+34,6 % beziehungsweise +21,0 %). Demnach stieg der Bestand an Elektro-Pkw auf 25.502 (wobei die Statistik einige Ungereimtheiten aufweist), der an Hybrid-Pkw auf 130.365 Einheiten. Der Anteil mono- und bivalenter Erdgasfahrzeuge betrug 0,2 Prozent (80.300 Pkw), die Flüssiggas-Pkw machten 1,1 Prozent des Bestands aus (475.711 Pkw).
Das durchschnittliche Alter der am 1. Januar 2016 zugelassenen Pkw erreichte 9,2 Jahre (Vorjahr: 9,0 Jahre). Jeder hundertste Pkw (1,2 %) war bereits älter als 30 Jahre.
Die aktuellen Fakten im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt: Der Fahrzeugbestand ist im vergangenen Jahr um 608 Fahrzeuge im Vergleich zu 2014 weiter gestiegen und liegt nun bei 89.926. Einen Zuwachs registrierte die Zulassungsstelle des Landratsamtes auch bei den Neuzulassungen, welche von 4.202 auf 4.260 angestiegen sind. Der Anteil von Oldtimerfahrzeugen ist erheblich gestiegen. Der Bestand umfasst nun 414 Fahrzeuge und ist um 57 Eintragungen gestiegen.
Zugenommen hat auch die Zahl der Zulassungen für Elektrofahrzeuge. Sie stieg von 29 auf 37 und bleibt damit bei mehr als 61.000 zugelassenen PKW eine Randerscheinung. Benziner halten mit 43.301 Fahrzeugen klar die Spitzenstellung vor Diesel-Autos: 16.937. Gesunken ist die Zahl der Gasfahrzeuge. Waren 2014 noch 155 im Landkreis gemeldet, waren es 2015 nur noch 146.
Wie sieht es auf dem Markt für Elektroautos aus?
Deutsche Hersteller sind erst spät auf den automobilen Elektrozug aufgesprungen. BMW, Ford, Mercedes und Volkswagen haben inzwischen abgasfreie Modelle im Angebot, Opel und Audi noch nicht. Erwartet wird, dass Opel ein E-Auto im nächsten Jahr auf den Markt bringt, das dem Chevrolet Bolt entspricht. Der Ingolstädter Autobauer wird frühestens Anfang 2018 ein batteriegetriebenes Sport-SUV der Oberklasse in die Autohäuser bringen.
Der Zweitürer i3 von BMW glänzt mit Leistung satt – 170 PS beschleunigen den Flitzer auf bis zu 150 km/h (dann wird elektronisch abgeregelt). BMW verspricht für den i3 unter Alltagsbedingungen eine Reichweite von bis zu 190 Kilometern. Wer es im Winter bei Minusgraden im Innenraum schön warm haben möchte, wird es allerdings (wie in allen anderen Elektroautos auch!) kaum mehr als halb so weit schaffen! Anschließend muss die Batterie acht Stunden geladen werden. Für den i3 ruft der bayerische Hersteller einen Grundpreis von 34.950 Euro auf. Der mit einer größeren Reichweite angegebene i3 mit Range Extender (zusätzlich 2-Zylinder-Benzinmotor) reißt ein Loch von 39.450 Euro (Grundpreis) in den Geldbeutel eines Käufers.

Mit 2,01 m Breite und 4,36 m Länge  die elektromobile B-Klasse durchaus ein familientaugliches Platzangebot. Foto: Daimler AG
Mit 2,01 m Breite und 4,36 m Länge bitete die elektromobile B-Klasse ein familientaugliches Platzangebot.
Foto: Daimler AG
Mercedes offeriert einen Stern am Elektroauto ab 39.151 Euro. Wo Sports Tourer B 250 e draufsteht, steckt derzeit der Antrieb von Teslas Sport-Limousine Modell S drin. Glaubt man Probefahrern, so sollten im Alltagsbetrieb rund 160 km Reichweite drin sein. Volle Batterien gibt es nach bis zu neun Stunden Ladezeit. In 7,3 Sekunden geht es von 0 auf 100, bei 160 km/h ist Schluss (elektronisch abgeregelt).
Langer Name für ein sehr kleines Auto: Smart fortwo electric drive. Zwei Personen können mit der Kraft von 75 PS im besten Falle 145 km fahren. Die Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller mit 145 km/h an.
Aus dem Hause Ford kommt der Focus Electric. 34.900 Euro beträgt der Grundpreis. Die Schräghecklimousine ist mit 145 PS ausreichend ausgestattet und ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 137 km/h und eine Reichweite von rund 160 km (wenn alle anderen Stromfresser ausgeschaltet sind!).

Der VW e-Up kostet als "Stromer" fast 300 Euro pro Monat mehr als der Benziner. Die rund sechs Cent niedrigeren Energiekosten pro km wiegen das nicht auf. Foto: Volkswagen AG
Der VW e-Up kostet als „Stromer“ fast 300 Euro pro Monat mehr als der Benziner. Die rund sechs Cent niedrigeren Energiekosten pro km wiegen das nicht auf. Foto: Volkswagen AG

Der e-up! ist das erste emissionsfreie Serienfahrzeug von Volkswagen. Der viertürige kleine Flitzer soll laut Hersteller eine Reichweite von 160 km haben. Satte 26.900 Euro werden für diesen Elektrozwerg fällig!
Ihrem e-Golf spendieren die Wolfsburger 115 PS, die die Fahrzeuginsassen je nach Fahrweise bis zu rund 190 km weit bringen sollen. 34.900 Euro beträgt der Grundpreis für den e-Golf. Als Batterie-Ladezeit werden für beide VW-Modelle bis zu neun Stunden angegeben.
Eine breites Angebot halten die Autohersteller beim Nachbarn Frankreich parat. Renault, Peugeot und Citroën haben seit einigen Jahren bereits Elektroautos im Portfolio.
Renault hat gleich drei Baureihen im Angebot. Den ZOE (ab 16.500 Euro), den Kangoo Z. E. (ab 24.157 Euro) und den Twizy (ab 6.950 Euro). Das Wichtigste – die Batterie – ist im Preis (wie bei allen Elektrofahrzeugen von Renault) noch nicht enthalten. Im Falle des Zoe bedeutet das fürs Leasing eine Zusatzsumme von knapp unter 1.000 Euro pro Jahr. Mindestens acht Stunden an der 230-Volt-Steckdose bringen die Batterie wieder auf Vordermann. Rund 120 km kann man dann abgasfrei zurücklegen.
Die Grundpreise der vier Modellvarianten des Kangoo Z. E. reichen von 24.157 Euro bis 27.013 Euro. Hinzu kommt die monatliche Miete für die Batterie (je nach Laufleistung ab 86,87 Euro). Acht Stunden dauert es, um eine erschöpfte Batterie wieder zum vollen Leben zu erwecken.
Das Leichtbauauto im Renault-Portfolio heißt Twizy. Die beiden Sitze des Wägelchens sind hintereinander angeordnet. Kofferraum? Fehlanzeige. Für einen vollständigen Ladevorgang braucht es dreieinhalb Stunden. Üblicherweise wird eine Reichweite von 70–80 km (im Winter nur von 50–60 km) erzielt. Der Twizy wird mit zwei Leistungsversionen gebaut. Mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 45 km/h (Listenpreis ab 6.950 Euro) beginnt die Palette. Die Preise für die leistungsstärkeren Modelle sind höher (ab 7.90 Euro). Auch bei diesen Stadtflitzern muss die Batterie geleast werden. Die Kosten richten sich nach Laufzeit und Laufleistung.
Peugeot nennt sein viertüriges Elektroauto iOn. Einsteigen und abfahren kann man ab 17.850 Euro. Der nur 3,48 m lange Kleinwagen beeindruckt mit einem Wendekreis von 9 Metern. Sechs bis acht Stunden möchten die Batterien an der Steckdose nuckeln, bevor es wieder vollen “Saft” gibt. Die Reichweite gibt der Hersteller mit 150 km an.
Der abgasfreie, bis zu 130 km/h schnelle Stadtflitzer von Citroën ist zu einem Grundpreis von 17.850 Euro zu haben. 150 km Reichweite verspricht der Hersteller für den C-Zero. Citroën nennt bis zu elf Stunden Ladezeit für die Batterien.

Der MiEV ist ein sehr handlicher, wendiger und praktischer Stadtflitzer. Foto: Mitsubishi Motors
Der MiEV ist ein sehr handlicher, wendiger und praktischer Stadtflitzer.
Foto: Mitsubishi Motors

Das mit IoN und C-Cero baugleiche Elektroauto von Mitsubishi heißt MiEV und produziert keinen Mief. 23.790 Euro möchte der japanische Hersteller dafür mindestens kassieren. Dafür gibt es eine gute Grundausstattung und fünf Jahre Garantie. Volle Leistung liegt frühestens wieder nach sechs Stunden Ladezeit an.
Gleich zwei weitere Elektroautos (insgesamt sieben Modelle) kommen gleichfalls aus dem Land der aufgehenden Sonne. Nissan bietet drei Modelle des e NV200 sowie drei Modelle des LEAF. Bei allen Nissan-Fahrzeugen wird eine monatliche Batteriemiete fällig, die im günstigsten Fall bei 79 Euro beginnt. Wer die Batterie doch lieber kaufen möchte, muss recht tief in die Tasche greifen.
Die Grundpreise der drei LEAF-Modelle bewegen sich zwischen 23.060 Euro und 28.060 Euro. e NV200: Für den Kastenwagen h sind 23.919 Euro zu berappen. Der Siebensitzer Evalia ist ab 30.870 Euro zu haben. Die e NV200-Modelle haben Batterien, die ihre volle Power nach sieben Stunden Ladezeit entfalten.
Der koreanische Hersteller KIA ist mit dem Soul EV auf dem Markt der Elektroautos vertreten. Die Eckdaten: 110 PS, sieben Jahre Herstellergarantie, bis zu 145 km/h schnell. In nur fünf Stunden soll die Standardladung der Batterien vonstatten gehen. Dann sei laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 212 km möglich. Zündschlüssel und Fahrzeugpapiere werden ab einem Grundpreis von 30.790 Euro vom Kia-Händler herausgerückt.

Der US-amerikanische Hersteller Tesla zeigt, was derzeit technisch möglich ist: Eine siebensitzige Limousine im Coupé-Look mit dem cw-Wert eines Supersportwagens. Foto: Tesla Motors
Der US-amerikanische Hersteller Tesla zeigt, was derzeit technisch möglich ist: Eine siebensitzige Limousine im Coupé-Look mit dem cw-Wert eines Supersportwagens. Foto: Tesla Motors

Das Maß aller Dinge bei Elektroautos dürfte derzeit Tesla heißen. Die US-amerikanische Firma fährt als einziger Anbieter im Premiumsegment ausschließlich elektrisch! Der Einstiegspreis (70 D) liegt aktuell bei rund 84.000 Euro – bei entsprechender Ausstattung wird es schnell sechsstellig. Der Hersteller gibt als mögliche Reichweite mehr als 500 km an. Um die Akkus wieder auf Trab zu bringen, bedarf es allerdings Ladezeiten von rund acht Stunden. Der Supercharger (hälftige Ladezeit) kostet 1.400 Euro extra. Bisher gibt es nur wenige Vertriebsbpartner in Deutschland.
Vor wenigen Tagen ließ eine Meldung aufhorchen: Der Prototyp des Model 3 wurde vorgestellt. Die Reichweite soll rund 346 Kilometer betragen. In weniger als sechs Sekunden beschleunigt der E-Bolide von 0 auf 100 km/h. Preis ab 2017 für das Model 3 in den USA: 35.000 US-Dollar. Ein Preis für den deutschen Markt wurde bisher noch nicht genannt. Unumstritten ist der Tesla nicht, in Singapur ist man gar der Auffassung, es sei eien Dreckschleuder.

Eine kritische Betrachtung zu den Herstellerangaben in Sachen Reichweite zeigt, wo noch viele Probleme liegen.

Was meinen Sie zu den „Stromern“, liebe Leser? Lassen Sie es uns wissen, vor allem dann, wenn Sie bereits ein Elektroauto fahren. Und wenn Sie nie eines fahren würden, dann schreiben Sie uns bitte auch, warum das so ist.