Allgemein Lokales & Regionales Wirtschaft

Fachkräftemangel – Mythos oder Realität?

Fachkräftemangel. Eines der momentan meistgebrauchten Schlagwörter. Realität oder Mythos?

Die Ausgangslage: Die Arbeitslosenquote im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt betrug im März diesen Jahres 7,6 Prozent und lag damit 0,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. 4.474 Menschen waren arbeitslos – 203  weniger als im Februar und 502 weniger als 2015. 896 Menschen meldeten sich im Vormonat neu oder erneut arbeitslos, 39 Prozent davon aus einer Erwerbstätigkeit heraus. 1.092 Frauen und Männer kamen aus der Arbeitslosigkeit heraus: Das sind 130 (13,5 Prozent) mehr als im Februar. Davon nahmen 391 Personen direkt eine Erwerbstätigkeit auf.
Ein Blick auf die der Arbeitsagentur Jena gemeldeten freien Stellen: Im März 2016 gab es im gesamten Bereich 3.147 freie Stellen, davon 98 Prozent sozialversicherungspflichtige Stellen und 88 Prozent Vollzeitstellen. In der Region Saalfeld-Rudolstadt waren 887 Stellen verfügbar, davon 96 Prozent Sozialversicherungspflichtige Stellen und 87 Prozent Vollzeitstellen.
Wie ist der Arbeitsmarkt in der Region (im Agenturbezik der Arbeitsagentur Jena?)aufgestellt: Die stärksten Branchen sind das verarbeitende Gewerbe (26.873 Beschäftigte), das Gesundheits- und Sozialwesen (21.944 Beschäftigte), Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (13.015 Beschäftigte), wirtschaftliche Dienstleistungen (11.987 Beschäftigte, ohne Zeitarbeiter) und das Baugewerbe (7.682 Beschäftigte).

An des Deutschen liebstem Kind gibt es immer was zu schrauben. Das Kfz.-Handwerk ist eine starke Branche in der Region.
Am Auto, des Deutschen liebstem Kind, gibt es immer was zu schrauben. Das Kfz.-Handwerk ist eine starke Branche in der Region.
Im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (Stand 30.09.2015) gibt es 36.754 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Davon arbeiten 74 Prozent in Vollzeit. 7,2 Prozent aller Beschäftigten sind unter 25 Jahre; 70,1 Prozent sind im Bereich zwischen 25 und 55 Jahren; 22,1 Prozent sind über 55 Jahre alt.
Die stärkste Branchen: Verarbeitendes Gewerbe: 10.578 Beschäftigte; Gesundheits- und Sozialwesen: 6.764 Beschäftigte; Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen: 4.308 Beschäftigte; Baugewerbe: 2.715 Beschäftigte; wirtschaftliche Dienstleistungen (ohne Zeitarbeit): 2.280 Beschäftigte.
So sieht es in der Zeitarbeit aus:
Im Agenturbezirk Jena arbeiteten zum 30.09.15 insgesamt 3.566 Menschen für Zeitarbeitsunternehmen (rund 3 Prozent aller Beschäftigten). Im Landkreis SLF-RU arbeiteten zum 30.09.15 insgesamt 1.017 Menschen für Zeitarbeitsunternehmen (2,5 Prozent aller Beschäftigten).
Gemeldete Stellen in der Zeitarbeit (März 2016):
Agenturbezirk Jena: 1.212 Stellen (rund 39 Prozent aller gemeldeten Stellen)
Saalfeld-Rudolstadt: 340 Stellen (rund 38 Prozent aller gemeldeten Stellen)

Statistik März 2016
Fachkräftemangel suggeriert, dass es zu wenige gut ausgebildete Menschen für zu viele offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt gibt. Vorstehende Statistik (Stand März 2016) zeigt auf den ersten Blick ein vermeintlich anderes Bild. Den nackten Zahlen zufolge könnten potenzielle Arbeitgeber aus einem Überangebot wählen. Doch der schöne Schein trügt. Hinter der Vielzahl potenzieller Bewerber stecken sehr unterschiedliche persönliche Schicksale und Erwerbsbiografien. „Nicht immer passt die Persönlichkeit des Bewerbers zum künftigen Arbeitgeber. Langzeitarbeitslosigkeit und in der Person des Bewerbers liegende Gründe führen am häufigsten dazu, dass eine Stelle nicht besetzt wird“, erläutert die Pressesprecherin der Arbeitsagentur Jena, Anke Klein. Genau das wurde auch von zahlreichen Arbeitgebern so bestätigt. Die Frage „Mythos oder Realität“ in Sachen Fachkräftemangel beantworten derzeit die meisten einem sehr klaren „Jein“.
Wie stellt sich der Arbeitsmarkt für nichtdeutsche Arbeitnehmer und Arbeitssuchende derzeit dar?
„Die Zahl der Arbeitslosen aus Asylzugangsländern ist gestiegen, jedoch sind viele der Menschen aus der aktuellen Fluchtwelle noch nicht arbeitslos gemeldet“, erklärte dazu Anke Klein. „Im Agenturbezirk Jena gab es im März 713 Ausländer, davon 401 aus Asylzugangsländern. Unter den Arbeitsuchenden, die nicht zwingend arbeitslos sein müssen, sind 1.406 Ausländer, davon 789 aus Asylzugangsländern.“
Der aktuelle Stand in Saalfeld-Rudolstadt: 161 arbeitslose Ausländer, davon 85 aus Asylzugangsländern. Arbeitsuchende: 349 Ausländer, davon 201 aus Asylzugangsländern.
Die Sprecherin der Arbeitsagentur verweist darauf, dass auch bei den Beschäftigten die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus Asylzugangsländern gestiegen sei. Die zur Verfügung stehenden Zahlen bezögen sich allerdings auf den August 2015, also die Zeit vor der großen Flüchtlingsbewegung. „Insgesamt arbeiten im Agenturbezirk Jena 3.111 Ausländer, davon 482 Personen aus Asylzugangsländern, im Vorjahr waren es 2.591 Ausländer, davon 405 Menschen aus Asylzugangsländern.“ Im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt sind 488 Ausländer beschäftigt, davon 106 aus Asylzugangsländern (August 2014: 429 Ausländer, davon 95 aus Asylzugangsländern).

Für Statistiker und Fachleute gibt es den genauen Überlick der Bundesagentur für Arbeit (Stand März 2016)
Statistik teil 1Statistik Teil 2