Allgemein Kommentar Lokales & Regionales

Elternbeiträge: Die lieben Kleinen und das liebe Geld

Was vermeintlich nach „peanuts“ klingt, wächst sich zu einem Sümmchen aus, das Eltern im Landkreis nicht so einfach als „aus der Portokasse“ abtun können. Nicht nur im Lichtetal sollen ab Januar die Elternbeiträge für die Betreuung im Kindergarten steifen. Familien mit zwei Kindern werden so schnell per anno 500 Euro mehr los als ihnen lieb ist. Naturgemäß entbrannte schnell ein Streit darüber, wer denn nun der eigentliche Preistreiber bei den Elternbeiträgen sei. Wir haben bei der AWO Saalfeld-Rudolstadt bei Ute Salewski (Foto), Fachbereichsleitung Kindergärten, nachgefragt.

Wie setzen sich die Kindergarten-Gebühren überhaupt zusammen?
Einerseits werden Pauschalen des Landes gezahlt. Dazu kommen die Elternbeiträge bzw. Erstattungen des örtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe, wenn Eltern nicht leistungsfähig sind. Und andererseits die Beteiligung der Kommune an den Kosten der Einrichtung im Rahmen der Restkostenfinanzierung und Eigenleistungen des Trägers.

Was kostet derzeit ein Platz in einem AWO-Kindergarten?
Sehr unterschiedlich bei 19 Einrichtungen. Ein Ganztagsplatz kostet zwischen 45,00 € bis 210,00 € je nach Alter des Kindes.

Wer legt eigentlich die Höhe der Elternbeiträge fest?
Die genaue Höhe der Elternbeiträge regelt jede Kommune eigenverantwortlich durch Beschluss. Die Träger haben dabei die Informationspflicht den Eltern gegenüber und arbeiten die Höhe der Elternbeiträge jeweils in der entsprechenden Beitragsordnung ein.

Woher rühren die erheblichen Differenzen in den Kommunen?
Die Leistungskraft der Kommunen ist höchst unterschiedlich. In der Haushaltssicherung befindliche Kommunen sind quasi per Gesetz gezwungen, ihre Eigenbeiträge (also auch die Kindergarten-Elternanteile) zu erhöhen.

Was ändert sich ab kommendem Jahr?
Ab 1. Juli 2018 wird eine Erzieherin 14 Kinder im Alter zwischen drei und vier Jahren betreuen – ab 2019 dann nur noch zwölf Kinder. Für die Betreuung der Drei- bis Vierjährigen wird vom Land dann eine Pauschale in Höhe von 281 Euro pro gezahlt. Das letzte Jahr im Kindergarten wird künftig beitragsfrei sein. Für Kinder, die aus besonderen Gründen erst ein Jahr später eingeschult werden können, soll das Land die Kosten für das zusätzliche Jahr im Kindergarten übernehmen.

Wie sieht das mit den Erstattungen für das beitragsfreie Jahr dann konkret aus?
Stichtag wird jeweils der 1. März sein. Für jedes Kind, das dann in einer Kommune den Kindergarten besucht, werden die Kosten vom Land erstattet.

Was passiert, wenn das Kind umzieht oder eine „Ehrenrunde“ dreht?
Für Kinder, die aus bestimmten Gründen erst ein Jahr später eingeschult werden können, soll das Land die Kosten für das zusätzliche Jahr im Kindergarten übernehmen. Zieht das Kind um, bekommt die Gemeinde am bisherigen Wohnort die Pauschale weiter, die neue Gemeinde geht leer aus.

Rot unterlegt ist die neue Stufe ab kommendem Jahr.

In Trägerschaft der AWO Saalfeld-Rudolstadt befinden sich derzeit 19 Kindergärten im Lichtetal, in Saalfeld und in Unterwellenborn. Rund 1.500 Kinder werden dort betreut.