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Ein Stinkefinger aus Beton und verbrannter „Kohle“

Glaubt man den Planern, so wird es an der Staumauer in Hohenwarte ab Frühjahr 2021 einen 60 Meter hohen Turm samt Aussichtsplattform aus Beton geben. Ein mutmaßlich zweistellig werdender Millionenbetrag wird für das „Gesamt-Projekt“ dann verbrannt sein. Die Straßen und Wanderwege rund um das Thüringer Meer werden davon keinen Deut besser, die Linkenmühlenbrücke nicht wiederaufgebaut.
Der erste Spatenstich ist noch nicht erfolgt, aber schon sprechen Tourismus-„Experten“ von einem „Leuchtturm“ an der Staumauer. Es wird wohl eher ein Mahnmal dafür werden, wie man teuerstmöglich mit Steuergeld die Landschaft verschandelt. Mit ein wenig bösem Willen könnte man in dem Betonmonster einen in den Himmel ragenden Stinkefinger sehen, der künftigen Generationen gezeigt wird. Die deutsche Umwelthilfe sollte ab nächstem Frühjahr an der Staumauer eine Messwagen aufstellen: Die Feinstaubgrenzwerte werden dann dort gewaltig überschritten – bei der riesigen Menge Geld, die dann verbrannt wird. Zur CO2-Bilanz des Bauwerks wurde übrigens bisher noch nichts mitgeteilt. Das heißt: Ran an die Front, liebe Grüne!
Unterm Strich: Es wird wohl der erste Turm, der mal in einem (Jammer)Tal stehen wird …

Der Unternehmer und einstige Landrat von Saalfeld-Rudolstadt Hartmut Holzhey fand die passenden Worte:

1. Aussichtstürme stehen auf der ganzen Welt auf dem höchsten natürlichen Punkt.
2. Seilrutschen wurden auf der ganzen Welt privat errichtet und werden privat betrieben. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Gemeinde solch ein Projekt wirtschaftlich betreiben kann.
3. Zusätzliche touristische Infrastruktur schafft zusätzlichen Parkplatzbedarf. Mit diesem Turm wird die Parkfläche an der Staumauer aber reduziert.
4. Überall auf der Welt sind gastronomische Einrichtungen die besten und preiswertesten Fremdenführer. Warum hier wie kürzlich am Barigauer Turm einen witzlosen Glaskasten, der lediglich zusätzliche Kosten verursacht.
5. Für das richtig schöne Volkskundemuseum in Reitzengeschwenda will man keine Mittel zum Überleben finden, aber an der Staumauer baut die Naturparkverwaltung ein Stein- und Vogelmuseum neu!?
6. Ich bin gespannt auf die Argumente, mit denen man die Menschen von solch einer gigantischen öffentlichen Geldvernichtung (> 20 Mio Euro) überzeugen will.
Die öffentliche Hand hat für öffentliche Infrastruktur ( Straßen, Wander- und Radwege, Telekommunikation, ÖPNV) zu sorgen und mit großzügiger Unterstützung private Investoren für sonstige touristische Infrastruktur ( Gaststätten, Hotels, Seilrutschen etc) anzulocken.
Zäumt endlich das Pferd von vorn her auf!
Die Talsperre ist ein in Beton gegossenes Monument deutscher Ingenieurskunst – der Turm würde ein Beton-Monument für Thüringens touristisches Unvermögen.

Andreas Kühn