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Ein Saalfelder in Bebels großen Schuhen

Den politischen Parteien geht der Nachwuchs aus. Schleichend, aber unübersehbar. Aktentaschenträger in den Dreißigern, deren Lebenslauf mit “Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal” hinreichend tiefgründig beschrieben ist, ausgenommen. Ebenfalls außen vor: Karrieregeile und rückgratlose blasse Figuren, die frühzeitig erkannten, dass sie es in ihrem eigentlichen Job eh zu nichts bringen würden und die deshalb ihr Heil in der Politik suchen. Mitunter wird man so tatsächlich Landrat oder Abgeordneter im Land- oder Bundestag. Ansonsten muss man sich mit einer Stelle als Referent bescheiden.

Da grenzt es fast schon an ein Wunder, wenn sich ein junger Mensch mit einem handfesten Beruf in seiner Freizeit in der Lokalpolitik engagiert – und nicht gleich nach den Sternen greifen möchte. Eric H. Weigelt (30) begann seinen politischen Weg bei den JUNGEN als Saalfelder Stadtrat und möchte in und mit der SPD seinen Weg fortsetzen.

Wieso greifen Sie ausgerechnet in ein fallendes Messer? Keine Partei ist stärker im Abwärtstrend als die Sozialdemokraten.

Die Bundes- und Europapolitik der SPD ist die eine Seite. Die Landespolitik in Thüringen die andere. Und die ursprünglichen Werte der Partei August Bebels sind genau die Seite, die die SPD für mich anziehend macht.

Eben jener Bebel schrieb dereinst: „Der Sozialismus stimmt mit der Bibel darin überein, wenn diese sagt: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Es waren die Sozialdemokraten, die den Sozialstaat aufblähten und das Füllhorn über Jedermann ausschütteten.

Ich halte den Gedanken des Grundeinkommens nach wie vor für richtig. Sich unabhängig von Existenzängsten sowohl für sich selbst als auch für die Gesellschaft verwirklichen zu können, ist eine gute Idee. Niemand sollte unter ein Niveau sinken müssen, dass er in seiner elementaren Existenz bedroht wird.

Stichwort Europa: Ausgerechnet der Sozialdemokrat Martin Schulz steht als Sinnbild für die Eurokratie. Für die Bevormundung von Menschen und Nationen. Seine Vita steht stellvertretend für viele europäische Apparatschiks. Mit solchen Figuren wollen Sie in einer Partei sein?

Der europäische Gedanke steht mir nahe. Nationen, die auf Augenhöhe miteinander reden, gemeinsam handeln. Daran ändert auch ein EU-Parlamentspräsident Schulz nichts.

Hoch hinaus oder bodenständig Politik betreiben?

Ich schaue nicht auf Land- oder Bundestag. Das Regionale ist wohl eher mein Ding. Die Erfahrungen bei den JUNGEN sind wichtig, aber für den Kreistag braucht es wohl mehr Stimmenpower, zumal meine Wählergruppe nur ausschließlich Saalfeld im Fokus hat.

Was haben Sie im Stadtrat Saalfeld bisher bewegt?

Gemeinsam mit Stadtrat Boris Culina ist es den JUNGEN gelungen, deutlich mehr Transparenz herzustellen. Entscheidungen öffentlich zu machen.

Sehen Sie jüngere Menschen ausreichend in der Politik repräsentiert?

Teils, teils. Im Stadtrat von Saalfeld konnten wir beweisen, dass Interesse an Politik unter jungen Menschen durchaus vorhanden ist. Die im Landkreis einmalige Resonanz unter politischen Parteien und Gruppierungen ist ein eindeutiges Indiz dafür.

Ein paar konkrete Projekte bitte.

DIE JUNGEN konnten mit den entsprechenden Recherchearbeiten zu bestimmten Beschlussvorlagen, wie z.B. über die Verwendung des Regionalbudgets und der damit verbundenen Idee einen Aussichtsturm bei den Feengrotten zu installieren, die Diskussionen im Stadtrat in die richtige Richtung lenken. Nun haben wir gleich drei Projekte verwirklichen können: den Walderlebnispfad und zwei Wohnmobilstellplätze. Im Frühling, sowie im Herbst, wen es abends schneller kühl wird, man aber noch bei einem gemütlichen Essen in einem Restaurant draußen sitzen möchte, gab bisher noch keine genehmigungsfähige Grundlage in der Stadt z. B. Heizstrahler aufzustellen. Auch dieser Missstand ist Geschichte. Mein Fraktionskollege Boris Culina, hat hier erheblichen Anteil daran, dass diese Beschlussvorlage ein Erfolg wurde.

Sie gelten als Befürworter kultureller Geldverbrennung …

Ja, das stimmt, ich bin auch Ausschussvorsitzender unseres Eigenbetriebes Meininger Hof. Die Stärkung der kulturellen und künstlerischen Landschaft in Saalfeld habe ich mir somit auf die Fahne geschrieben. Es muss aber zwingend ein halbwegs ausgewogenes Bild zwischen Kosten und Nutzen entstehen. Dass das nicht immer gelingt in dieser Branche ist logisch. Dennoch haben wir seit gut einem Jahr einen Werkleiter im Meininger Hof, der hervorragende Arbeit leistet und mit seiner Expertise überzeugt.

Ihr Credo zum Schluss:

Ich möchte auch in Zukunft eine aufrichtige Kommunalpolitik betreiben. Für Ideen einstehen und kämpfen. Jedoch mit offenem Visier- anders bin ich als Sohn einer Arbeiterfamilie nicht erzogen worden.