Allgemein dies & das Thüringen

Drei Seiten einer gar nicht goldenen Medaille

Die Kriminalpolizei Jena hat in der vergangenen Woche die Ermittlungen zu einer Körperverletzung an zwei 17-jährigen afghanischen Asylbewerbern übernommen, die sich am späten Samstagabend vorvoriger Woche in Kahla ereignete. Was die Pressestelle der Jenaer Polizei verlauten ließ:

Die Polizei war um 22.45 Uhr von einem Mitarbeiter eines Heims für unbegleitete minderjährige Asylbewerber gerufen worden. In einem Haus gegenüber des Heims hatten sich mehrere Burschenschafter im dortigen Dart-Club getroffen. Einige Personen standen vor dem Haus und rauchten. Dabei kam es nach Schilderung der Jugendlichen zu Äußerungen des Missfallens gegenüber vier jungen Asylbewerbern, die sich vor dem Heim aufhielten. Diese reagierten mit der Frage, was denn das Problem sei. Nach Aussage der Jugendlichen sei dann ein Mann über die Straße gekommen und habe zwei Jugendliche am Kragen gepackt. Die Jugendlichen wehrten sich und versetzten dem Mann einen Schlag.

Dies rief andere Besucher des Vereinsheimes auf den Plan. Ca. sieben Personen verfolgten die vier Jugendlichen ins Innere des Heims. Ein Betreuer stellte sich ihnen entgegen und forderte sie auf, die Einrichtung sofort zu verlassen. Nach längerem Wortgefecht kamen die Eindringlinge dem nach.

Zwei 17-jährige Jugendliche wurden anschließend zur Untersuchung in die Zentrale Notaufnahme eingeliefert.

Im Rahmen der Ermittlungen stellte die Polizei die Personalien aller zum Teil stark alkoholisierten anwesenden Personen im Dart-Club fest. Auch dies geschah unter längeren Diskussionen in aufgeheizter und aggressiver Atmosphäre, wobei die Beamten u. a. als „Auschwitz-Vergaser“ diffamiert und beleidigt wurden. Erst nach der Ankündigung weiterer Maßnahmen waren die Burschenschafter, von denen einige der rechten Szene Kahlas angehören, bereit, ihre Personalien anzugeben.

Derzeit bearbeitet der Staatsschutz bei der Kriminalpolizei Jena mehrere Anzeigen wegen Körperverletzung und Beleidigung (gegen die Polizeibeamten). Seitens der Burschenschafter wurde ebenfalls Anzeige wegen Körperverletzung gegen die Jugendlichen erstattet.

Zuvor hatte die linke Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss mitgeteilt:

„Die Berichte, wonach junge unbegleitete jugendliche Geflüchtete erst auf der Straße in Kahla attackiert wurden und später eine Angreifergruppe gar in die Unterkunft der Geflüchteten eindrang und dort Menschen verletzte, entsetzen uns. Nach meiner Kenntnis handelt es sich bei den Tätern um mehrere Burschenschafter, die an einem Treffen in Kahla teilnahmen. Seit mehreren Jahren kommt es in Kahla immer wieder zu Einschüchterungen, Bedrohungen und Angriffen auf Menschen, die sich für eine offene Gesellschaft engagieren, Migrationshintergrund haben oder nicht in das nationalistische und rassistische Weltbild von Neonazis und Rassisten passen. … Laut der Beratungsstelle sollen vier unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei dem Vorfall verletzt worden sein. Nachdem die Jugendlichen in ihrer Unterkunft attackiert wurden, seien dem Betreuer der Unterkunft weitere Übergriffe angedroht worden.“

Seitens der Burschenschaft Normannia zu Jena erreichte unser Redaktion nachstehend in Auszügen dokumentiertes Schreiben:

Zu den geäußerten Vorwürfen und Tathergängen um die Ereignisse in der Nacht vom 14.4. auf den 15.4. sei Folgendes richtiggestellt:
Richtig ist, dass Gebaren und Auftreten der minderjährigen Flüchtlinge provozierend und aggressiv und ein Einstellen eben desselben nicht abzusehen war. Richtig ist, dass eine verbale Infragestellung des aggressiven Auftretens sofort mit einem Schlag ins Gesicht beantwortet wurde. Die entstandene Wunde am Nasenbein des Betroffenen blutete stark, so dass eine weitere Auseinandersetzung unterblieb. Vielmehr ging von der Gruppe der Minderjährigen weiterhin ein aggressives Verhalten aus. Völlig verschwiegen wird, dass es sich um vier (!) minderjährige Ausländer handelte, von denen zwei lediglich flohen, noch bevor die Polizei eintraf.

Das Verfolgen der ausländischen Unbegleiteten in ihre Wohnung erfolgte da diese dem Geschädigten mutmaßlich Jacke und Wertgegenstände entwendeten, nachdem sie ihn geschlagen hatten. Richtig ist, dass mit dem angetroffenen Betreuer kommuniziert wurde, in aufgeheizter Atmosphäre, aber ohne Schaden an Einrichtung oder Personen! Sämtliche Beteiligte der Seite des Geschädigten verließen die Wohnung zwar aufgebracht, doch gesittet. Während der Unterredung mit dem Betreuer, der sich dem Anlass nach korrekt und auch leidenschaftlich für seine Mitbewohner einsetzte, gingen von letzteren immer wieder deutliche Provokationen noch in den Räumlichkeiten aus. Lautes Schreien, das Zeigen des Mittelfingers u. ä. hielten so lange an, bis sogar der Betreuer selbst deutliche Worte an die Ausländer richtete. Nachdem geklärt war, dass die Jacke und etwaige Gegenstände nicht entwendet wurden, verließen alle Beteiligten der Opferseite die Wohnung.
Eine Bedrohung oder Androhung in Richtung des Betreuers und der Einrichtung wurde unmißverständlich aus dem Weg geräumt, bzw. kam erst durch die aufgeheizte Diskussion und unklare Ausdrucksweise zustande. Mehrere Zeugen bestätigen, dass einschließlich dem Betreuer allen Anwesenden verständlich gemacht wurde, dass von der Seite des Geschädigten und seiner Helfer keine Drohungen und/oder Bedrohungen ausgesprochen wurden.

Eine Unterstellung ist, man habe die eintreffenden Polizisten als „Auschwitz-Vergaser“ tituliert. Richtig ist, dass ihr Vorgehen als Exekutive desöfteren den Eindruck erweckt, dass die eigenen Handlungen als Beamte und Vollstrecker nicht mehr hinterfragt werden, nicht mit dem eigenen Gewissen abgeglichen werden und somit der Eindruck eines sich im Getriebe befindlichen, schweigsamen Rädchens entsteht. Weitere Diskussionen beruhigten die Gemüter und den Polizisten konnte deutlich gemacht werden, dass sie auch in der Exekutive für ihr Verhalten Verantwortung tragen müssten.

Wir verwahren wir uns im Sinne aller Korporationen dagegen, überhaupt in irgendeine politische Ecke gedrängt zu werden. Es verwundert doch sehr, daß wieder nur die üblichen „Experten“ zu Wort kommen, die man fast schon prophetisch erwarten kann, wenn sich solche Taten ereignen. Die Geschädigten der anderen Seite werden gar nicht erst angehört.

Dann würde man nämlich auch erfahren, dass von dem oben erwähnten „Heim“ bereits mehrfach Angrapsch- und Beleidigungsvorfälle ausgegangen waren, dass die ausländischen Bewohner stadtbekannt sind und sie ihrem Ruf als „Schutzsuchende“ in keiner Weise gerecht werden, sondern vielmehr in der oben erwähnten Art und Weise im Stadtalltag auf sich aufmerksam machen.

Die infame Unterstellung, an dem betreuten „Heim“ seien in den vergangenen Tagen die späteren „Angreifer“ immer wieder vorbeigefahren und hätten Personen fotografiert, ist ein durchschaubarer Griff in die Mottenkiste selbsternannter „Experten“ und entbehrt jeder Grundlage.