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Der Frosch, der keine Kröten schluckt

Karlheinz Frosch wurde bereits im vergangenen Jahr zum Landtags-Direktkandidaten der AfD im Wahlkreis Saalfeld-Rudolstadt I (Allendorf, Bad Blankenburg, Bechstedt, Cursdorf, Deesbach, Döschnitz, Dröbischau, Katzhütte, Königsee-Rottenbach, Mellenbach-Glasbach, Meura, Meuselbach-Schwarzmühle, Oberhain, Oberweißbach, Rohrbach, Rudolstadt, Schwarzburg, Sitzendorf, Unterweißbach und Wittgendorf) gekürt. Wir haben bei dem Rudolstädter Politikneuling nachgefragt, der gleich mit Winston Churchill ins Haus fiel: „Schreiben Sie über mich, was Sie wollen, Hauptsache, Sie schreiben meinen Namen richtig.“ Das Protokoll:

Sie sind erst seit 2018 Mitglied der AfD. Was hat Sie bewogen, sogleich als Direktkandidat Ihren Hut in den Ring zu werfen? 
Ich möchte gern den Chor derer stärken, die es schwer damit haben, sich Gehör zu verschaffen. In jüngster Vergangenheit beobachtete ich zunehmend, dass die Meinungsfreiheit scheibchenweise zerstört wird. Zunehmend wird auf vielen Ebenen Druck auf diejenigen ausgeübt die sich für die AfD politisch engagieren oder sich einfach nur jenseits es Mainstreams äußern. Viele schweigen bereits wieder. Ihnen möchte ich meine Stimme leihen, gern parlamentarisch.

Es sind noch mehr als neun Monate bis zur Landtagswahl. Was wollen Sie am 27. Oktober erreichen?
Ich möchte natürlich das Direktmandat in meinem Wahlkreis holen. Um mich dann für fünf Jahre in den Dienst der Wähler zu stellen. Auch wenn es sich um ein freies Mandat handelt, so sehe ich mich doch in erster Linie als Anwalt der Wähler. Sie sorgen schließlich mit ihren Steuern dafür, dass parlamentarische Arbeit überhaupt möglich wird. Ich sehe mich da in einer gewissen Bringschuld, wenn ich gewählt werden sollte.

5.623 Euro monatlich an Diäten und dazu jeweils eine steuerfreie Aufwandsentschädigung von 1.305 Euro (zuzüglich weiterer „Kleinigkeiten“) sind kein Anreiz für Sie?
(Lacht) Es wäre sicher lukrativer, weniger zeitraubend und lebensfreundlicher für mich, anderweitig Geld zu verdienen. Politik ist ja nicht vergnügungssteuerpflichtig. Insofern: Ein ganz klares Nein. Ich lebe auch ohne Mandat in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen.

Werden Sie auch für den Rudolstädter Stadtrat und/oder für den Kreistag kandidieren?
Weder noch. Ich möchte mich voll auf eine Aufgabe konzentrieren und keine multifunktionale „Allzweckwaffe“ werden.

Wo sehen Sie die Hauptprobleme in der Thüringer Politik des nächsten halben Jahrzehnts?
Zehn Jahre Hochkonjunktur mit sprudelnden Einnahmen wurden viel zu wenig genutzt für die Lösung infrastruktureller Probleme. Die gute konjunkturelle Lage verführte Rot-Rot-Grün zu Selbstzufriedenheit. Statt Vorsorge zu treffen und zukunftsweisend zu investieren, wurde geprasst und auf Teufel komm raus in sinnlose Projekte Geld gesteckt. Der „Kampf gegen Rechts“ und „Gender“ lösen weder soziale noch infrastrukturelle Probleme, schröpfen aber die Landeskasse. Wer rechnen kann weiß, dass die goldenen Jahre vorbei sind. Leider wurden sie nicht genügend dazu genutzt, den Freistaat zukunftsfest zu machen. Weder wurde zunehmender Altersarmut vorgebeugt noch wurde ausreichend Geld in Schulen, Ausbildung und innere Sicherheit investiert. Thüringen hat viel zu oft die Falschen willkommen geheißen und die Falschen verabschiedet.

Was wollen Sie anders oder besser machen als Ihre Mitbewerber?
Ich will den typischen Politsprech vermeiden, mich dafür in klarer Sprache artikulieren.  Kein Politiker ist Fachmann auf allen Politikfeldern. Wovon ich nichts verstehe, werde ich die Finger lassen. Ich möchte dafür mit möglichst vielen Bürgern möglichst oft bis zu den Wahlen von Angesicht zu Angesicht reden. Bevor ich damit beginne, Wähler von einem Programm zu überzeugen, möchte ich erfahren, wo diese der Schuh wirklich drückt.

Wie halten Sie es mit der sogenannten Energiewende?
Sie geht vor allem zu Lasten der Geringverdiener und sozial schwacher Bürger. Diejenigen, die diese „Energiewende“ propagieren, profitieren nicht selten direkt oder indirekt. Sie verteilt das Vermögen von unten nach oben und ist somit besonders unsozial. Hauptsache „grün“ – koste es, was es wolle. Je mehr Wind (im doppelten Sinne) gemacht wird, umso mehr wird Energie zum Luxusgut.

Stets geht das Gespenst vom „bedingungslosen Grundeinkommen“ um. Was halten Sie davon?
Es gibt kein Grundeinkommen, das bedingungslos ist! Die Bedingung wäre immer, dass anderen Menschen das Geld dafür weggenommen wird. Ein Grundeinkommen würden stets sehr konkrete Bürger bezahlen, nicht ein anonymer Staat.

Was motiviert Sie?
Das politische Schweigen aufzubrechen! Für mich ist die permanente und undemokratische Gesprächsverweigerung der anderen Parteien nicht nachvollziehbar. Wer fortwährend Toleranz, Vielfalt und Demokratie predigt, muss sie auch leben. Ich habe die Ausgrenzung Andersdenkender bereits früher einmal erlebt. Es hat bereits damals nur auf Zeit funktioniert und es wird auch jetzt dauerhaft nicht hinhauen.  Demokratie lebt davon, dass man miteinander und nicht übereinander spricht.

Was steht auf Ihrer Agenda, wenn Sie gewählt werden sollten?
Die Ächtung von Gewalt in der politischen Auseinandersetzung. Und zwar egal, ob es gegen Sachen oder Personen geht.  Egal, von wem sie ausgeht und auf welche Ideologie oder Religion sie sich gründet. Es darf keine „gute“ und „schlechte“ Gewalt geben. Gewalttäter müssen zügig ermittelt und verurteilt werden. So, dass es nachhaltig wirkt.

Sie haben sich das große Thema Migration auf die Fahne geschrieben. Was heißt das konkret?
Wer als Asylbewerber straffällig wird, sollte sein Bleiberecht ohne Wenn und Aber verwirkt haben. Es ist für mich unerträglich, immer wieder zu hören und zu lesen, dass Täter „bereits polizeibekannt“ waren. Wer nicht umgehend außer Landes geschafft werden kann, sollte zumindest schnell verurteilt werden und in einer hiesigen JVA Quartier nehmen. Ein Zuwanderungsgesetz ist Sache des Bundes. Aber dazu gehört auch, dass die Länder ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Wer darf aus dem Nicht-EU-Ausland kommen, wer nicht? Es darf nur um Zuwanderung in den Arbeitsmarkt und nicht aufs Arbeitsamt gehen. Den Bürgern muss reiner Wein eingeschenkt werden. Wir brauchen echte Fachkräfte und nicht zuhauf Geringqualifizierte oder gar Analphabeten, die beim nächsten Konjunkturabschwung das Heer der Sozialhilfeempfänger vergrößern.

Welches Erfolgsrezept aus Ihrer Tätigkeit in der Wirtschaft könnte Ihnen in der Politik zugute kommen?
Die Firmen, für die ich tätig war, standen stets im Wettbewerb. Ich bin sehr gut damit gefahren, nicht dadurch besser erscheinen zu wollen, indem man andere schlecht macht oder redet. Verantwortung zu übernehmen und nachrechnen lassen, aus welchen Worten auch Taten geworden sind, ist Teil meiner Biografie.

Man findet Sie weder mit einer eigenen Webseite noch in sozialen Netzwerken?
Nennen Sie es meinethalben altmodisch. Aber was derzeit nicht ist, wird noch. Gut Ding will Weile haben.

Ihr Motto für den Wahlkampf?
Einfach reden, aber kompliziert denken – nicht umgekehrt. (Franz Josef Strauß)

Zur Person: Karlheinz Frosch ist gebürtiger Rudolstädter (Jahrgang 1950). Bis 2017 war er viele Jahre in leitenden Positionen mittelständischer Unternehmen tätig, zuletzt als Geschäftsführer eines Herstellers von hochwertigen Containern. Seitdem ist er als selbstständiger Unternehmensberater tätig. Karlheinz Frosch ist verheiratet, kinder- und konfessionslos und lebt in Rudolstadt.