„Das Feld des IGZ ist gut bestellt“

Knut JacobMehr als zwei Jahrzehnte steuerte der Gösselsdorfer Knut Jacob als Geschäftsführer das in Rudolstadt ansässige Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) und die Wirtschaftsförderagentur (Wifag) durch ruhige wie bewegte See. Eine Bilanz:

Zwei Jahrzehnte in Amt und Würden im Dienste von Existenzgründern und für die Wirtschaftsförderung. Am 30. Juni ist Schluss. Ein Abschied mit lachendem oder weinendem Auge?
Knut Jacob: Definitiv mit einem lachenden Auge. Die Felder von IGZ und Wifag sind gut bestellt. Ich habe keine Zweifel, dass meine Nachfolger Dagmar Schmidt und Matthias Fritsche weiter Furchen ziehen, in denen auch die Saat gut aufgeht. Die Wifag ist ein Erfolgsmodell, das thüringenweit nirgendwo anders kopiert worden ist. Das ist dem Umstand geschuldet, dass bei der Gründung der äußerst seltene Fall eingetreten war, dass ein Kreistag, drei Stadträte und die IGZ-Gesellschafter mit einer Stimme sprachen.

Das IGZ ist kein Amt, sondern ein Unternehmen. Wie macht sich das für Gründer und Betriebe bemerkbar?
Knut Jacob: Auch wir können Problem nicht binnen 24 Stunden lösen. Aber Anfragen bleiben nie länger als diese Zeit unbeantwortet. Wir haben wenige, aber dafür sachkundige und unternehmerisch denkende und handelnde Mitarbeiter. Keinen “Wasserkopf”.

Wie sieht die Bilanz bei Unternehmensgründungen aus?
Knut Jacob: Rund 130 Unternehmen haben wir vom Zeitpunkt ihrer Gründung begleitet. Mehrheitlich waren diese am Markt erfolgreich. Weniger als zehn Prozent scheiterten.

Ein paar Beispiele bitte.
Knut Jacob: unser erster Mieter war Albatros Werbung, inzwischen seit Jahren erfolgreich. Genannt seien ferner Bachmann Monitoring, Intercus oder auch Zeilenwert.

Häufig ist von einem zweijährigen “Förderloch” in Thüringen zu hören.
Knut Jacob: Die Auswirkungen sind überdeutlich sichtbar. Wir hatten erstmals mit dem Phänomen zu tun, dass ein Teil unserer Existenzgründer derzeit weniger Mitarbeiter hat als zu Beginn. Ein Novum in 20 Jahren IGZ! Zudem wurden nicht wenige davon abgehalten, ihre Ideen in die Realität umzusetzen.

Schlechte Zeiten für Unternehmensgründungen?

Knut Jacob: Eigentlich nicht. Aber die allgemeine Stimmung gegenüber Gründern und Unternehmern ist mies. Das gesellschaftliche Bild des Unternehmers hat sich drastisch gewandelt. Aus dem Esel, der den Karren für viele zieht, ist ein Golf spielendes, Porsche fahrendes und Whisky saufendes Monster geworden. Dieses Bild ist grundfalsch!

Es ist Zeit, dass die nächste Generation von den Gründern der 1990er Jahre übernimmt. Wie sieht es da ringsum aus?

Knut Jacob: Gerade bei Familienunternehmen schwindet die Bereitschaft der Söhne und Töchter, in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Sie haben Mütter und vor allem Väter erlebt, die von ihrem Job aufgefressen wurden. Die wenig Zeit hatten, sich um die Familie zu kümmern. Das möchten sie nicht für sich selbst.

Gibt es irgendein Vorhaben in IGZ und Wifag, das Sie gern mit Leben erfüllt hätten?
Knut Jacob: Eine regionale Tourismus-Förderagentur. Auch wenn das eine Sisyphos-Aufgabe geworden wäre.

Zahlen & Fakten: Das IGZ Rudolstadt dient der Förderung und Ansiedlung vorzugsweise technologieorientierter junger Unternehmen in der Region Saalfeld – Rudolstadt. Derzeit hat das Haus in der Professor-Hermann-Klare-Straße 23 Mieter. Die GmbH als Betreibergesellschaft des Innovations- und Gründerzentrums wurde am 30. Juni 1993 gegründet. Sie ist Eigentümer und Betreiber des Zentrums.
Das IGZ hat vier Gesellschafter. Beteiligt sind der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (26%), die Stadt Rudolstadt (26%), die Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt (24%) und die Volksbank Saaletal e.G. (24%). Das Stammkapital der IGZ GmbH beträgt 538.000 Euro.
1995 wurde der erste Bauabschnitt des IGZ mit ca. 1.800 m² vermietbarer Gewerbefläche (Werkstätten, Büros) eröffnet. Bereits 1999 begann auf Grund der guten Auslastung die Planung für einen zweiten Bauabschnitt. Dieser wurde 2001 mit weiteren 2.500 m² Nutzfläche in Betrieb genommen. In den beiden Gebäuden in der Rudolstädter Professor-Hermann-Klare-Straße stehen Büros von 23-120 m² und Werkstatt- bzw. Laborflächen von 50-160 m² zur Verfügung, die zu Nutzkomplexen verbunden werden können.