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CDU wählte ihre Totengräberin

In Hamburg dürfte am Vormittag kein Notarzt erreichbar gewesen sein. Alle verfügbaren Mediziner waren damit beschäftigt, hunderte rückgratlose Delegierte des CDU-Parteitags für zehn Minuten standing ovations fit zu spritzen. Es gelang mit Müh und Not.

Viele fragten sich, wofür Angela Merkel eigentlich Dank gebühren sollte. Ihr „Verdienst“: Aus einer kerngesunden Partei seit dem Jahr 2000 einen todkranken Patienten gemacht zu haben, der seit 2015 im Wachkoma dahin vegetiert.

Bei den Danksagungen für den Bundeshosenanzug standen wiederum Notärzte bereit. Denn es sah vieles danach aus als ob Volker Bouffier und Julia Klöckner beim Abgang vom Rednerpult Gefahr liefen, auf der eigenen Schleimspur auszurutschen. Der Wahl-Loser aus Hessen stolperte auf dem Podium nicht, dafür fiel er weich auf den Sessel eines stellvertretenden Vorsitzenden. Die Wahl der übrigen stellvertretenden Vorsitzenden (Julia Klöckner, Armin Laschet, Thomas Strobl und Ursula von der Leyen) ist ein weiteres Indiz dafür, dass AKK kein Ausrutscher der Delegierten war, sondern ein „weiter so“ die unbändige Lust am Selbstmord weiter befeuert hat.

Just nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK = Angelas Kleine Kopie) rückten die Notärzte dann kopfschüttelnd ab. Einer Sterbehelferin hatten sie keine ärztliche Kunst mehr entgegenzusetzen.

Gegen Mitternacht könnten sie allerdings nochmals gebraucht werden: Die Lachkrämpfe bei Andrea Nahles, Sahra Wagenknecht, Alexander Gauland, Alice Weidel & Co. dürften so gravierend sein, dass Mediziner gebraucht werden.

Die Wischiwaschi-Partei samt ihrer muttivierten Delegierten dürfte 2019 erste „Erfolge“ einfahren: Bei den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Einige Mandatsträger sind gut beraten, sich schon jetzt nach neuen Jobs umzusehen.

PS: Es ist jammerschade, dass viele ehrliche „Häute“ an der CDU-Basis demnächst büßen müssen, was ihnen ihre Delegierten heute eingebrockt haben. Andererseits hält sich mein Mitleid in Grenzen: Mitgegangen, mitgehangen. Eine Urne braucht die Partei nimmer, ein Pappkarton reicht für die sterblichen Überreste. Die Bestatterin wurde heute gewählt, um weiterzumerkeln.

Die Totenmesse fällt ersatzlos aus – das „C“ ist dieser Partei im Bund mit den Amtskirchen schon vor Jahren verloren gegangen.

PPS: Die letzte deutsche Partei unter saarländischer Führung war übrigen die SED …
Andreas Kühn

Bester Tweet am heutigen Tage:

Reife Leistung der CDU. Mit einer Merkel in den Parteitag hineingegangen, mit zwei herausgekommen. Großartig.

Stimmen im Internet zum CDU-Landesparteitag und zur Wahl von AKK:

„Brainfucker“ Boris T. Kaiser twittert:
„Die Mehrheit der Delegierten des #CDUbpt18 hat als Kind 2 mal auf die heiße Herdplatte gefasst.“

BILD-Cheffe Julian Reichelt twittert zum Taktstock-Geschenk für Merkel:
„Ein komplett instinktloses Abschiedsgeschenk, das symbolisch für die Entkoppelung von Politik und Wählern steht: Merkel mag den Abend als schönes Konzert erinnern. Die meisten Deutschen denken an den tobenden Mob, den Zusammenbruch der inneren Sicherheit und Rauch über Hamburg.“

Thüringer FDP-Chef Thomas L. Kemmerich:
„Ich bleibe dabei – Angela Merkel hat heute das falsche Amt abgegeben. Annegret Kramp-Karrenbauer verkörpert weiteren Stillstand für das Land. In Zeiten des Wandels braucht Deutschland neuen Aufbruch u. a. bei Digitalpakt, Einwanderungsgesetz, 5G-Ausbau und einer Entlastung der Bürger. Es geht nicht um die historische Bewertung der Kanzlerschaft Merkels und die Befindlichkeiten in der #CDU, sondern um die Zukunft Deutschlands.“

Thüringer CDU-Wähler bei Facebook:
„Gestrige wählen Gestrige. Bis sie im Gestern angekommen sind. Von dort geben sie dann denen die Schuld die im Heute geblieben sind.“

Ein CDU-Wähler an seinen CDU-Landtagsabgeordneten:
„Eure Delegierten haben nichts begriffen! Ein weiter so mit Merkel 2.0 trage ich nicht mit.Und ihr werdet sehen, dass nach einem kurzen Hype um die Neue, die keine ist, eure Umfragewerte einbrechen werden. Die AfD reibt sich die Hände, denn die wird auch in Thüringen stärkste Kraft werden. Ihr habt das Ruder nicht rumgerissen und werdet mit AKK untergehen. Merkel hat eure Partei zu einer SED 2.0 gemacht, wo der Nachfolger gezüchtet wird wie einst Egon Krenz. Ich halte die widerliche Schnauze von Altmaier und Günther nicht mehr aus. Diese elenden Karrieristen die unser Land ruinieren. Das hat alles nichts mit dir zu tun wie gesagt. Wo du namentlich zur Wahl stehst, bekommst du meine Zustimmung. Die CDU aber so schnell nicht mehr! Das kannst du auch dem FDJ-Sekretär Mohring mitteilen. Der reißt auch nur sein Maul auf. Und ich bin nur einer von zig tausenden die heute enttäuscht und ernüchtert worden sind.“

Ein Funktionär der Linken:
„Auf der einen Seite ist schon etwas schade. Merz wäre der klarer zu erkennende und besser zu attackierende politische Gegner gewesen als die bisher so nett, emotional und tränenreich in Erscheinung tretende AKK, die man menschlich gegenüber dem unterlegenen kalten Fisch richtig sympathisch findet.“

Ein Unternehmer schreibt:
„Hab mich wieder mal schwer geirrt – herzlichen Glückwunsch AFD!“

Ein bekanntes Thüringer FDP-Mitglied schreibt:
„R2G in Thüringen freut sich auf das weitermachen dürfen. Werbegeschenke dieser Art sind willkommen.“

Eine bekannte Bloggerin schreibt:
„Wenn eine Annegret Kramp-Karrenbauer das Beste ist, was Deutschland hervorbringt, dann Gute Nacht, Deutschland.“

Ein bekanntes Gesicht der WerteUnion aus NRW:
„Am 26. Mai kommt die Stunde der Wahrheit.
Martin Schulz wurde weiland mit 100 % gewählt, hat aber dann nicht geliefert. Und spätestens nach den drei Landtagswahlen im Osten wird Kassensturz gemacht.

Der Thüringer AfD.Landessprecher Björn Höcke schreibt:
„Angela Merkel geht, aber ihre Politik bleibt. Mit Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich die CDU für die Kontinuität einer für das Land sozial und wirtschaftlich folgenschweren Politik entschieden. Sie ist die Vorsitzende einer Partei, die längst zu grün und zu sozialdemokratisiert ist, um noch bürgerlich sein zu können.
Alle Enttäuschten sind herzlich eingeladen, sich der einzig verbliebenen freiheitlich-bürgerlichen Kraft, der AfD, anzuschließen.“

Ein vor einigen Monaten ausgetretenes CDU-Mitglied schreibt:
„Wieder eine verschenkte Gelegenheit für die CDU, genau wie 2014 in Thüringen unter Lieberknecht.“

Dr. Ulf Poschardt, Chefredakteur „Die Welt“, twittert:
„Freue mich für den #elfenbeinturm, dass dessen @CDU Favorit gewonnen hat. Dass die Häme über Schäuble, Merz, Spahn in Kübeln weiter ausgegossen wird, kündigt schlimmes an. Das Wahljahr 2019 könnte richtig düster werden.“