Thüringer Gastgewerbe vor großen Herausforderungen

Mit der Auswertung Winter 2017/18 – Ausblick Sommer 2018 stellte der DEHOGA Thüringen e.V. seine Konjunkturbeobachtung des gastgewerblichen Marktes im Freistaat Thüringen vor.

Die Umsatzentwicklung im Gastgewerbe war insgesamt positiv, jedoch lag die Entwicklung in Thüringen erneut unter Bundesniveau. Der Umsatzzuwachs im deutschen Gastgewerbe lag im Zeitraum von 2015 zu 2016 bei 5,04 Prozent, dies waren im Durchschnitt 17.920 € pro Betriebsstätte. Dies waren im Beherbergungsgewerbe 5,87 Prozent (Umsatzzuwachs: 37.179 €) und im Gaststättengewerbe 4,76 Prozent (Umsatzzuwachs: 13.641 €). Im Thüringer Gastgewerbe dagegen lag der Umsatzzuwachs pro Betriebsstätte mit 3,22 Prozent insgesamt erheblich hinter dem Zuwachs auf Bundesebene.

Grafik: DEHOGA
Der Zuwachs pro Betriebsstätte lag in Thüringen bei insgesamt 6.760 € (Beherbergungsgewerbe: 11.354 €; Gaststättengewerbe: 5.674 €). Damit sei leider zu konstatieren, dass der Umsatz insgesamt im Thüringer Gastgewerbe, als auch in beiden Segmenten des Gastgewerbes gegenüber dem Bundesumsatz weiter tendenziell sinkt. Im Vergleich der Umsätze pro Betriebstätte liege Thüringen mit einem Durchschnittsumsatz in Höhe von 216.412 € auf dem letzten Platz. Dies gilt leider auch für das Beherbergungsgewerbe (Durchschnittsumsatz pro Betriebsstätte: 290.379€) und das Gaststättengewerbe (Durchschnittsumsatz pro Betriebsstätte: 194.767 €). Mithin bleibe zu festzustellen, dass der Umsatz pro Betriebsstätte in Thüringen dagegen tendenziell weiter gesunken ist.

Die Wermutstropfen: Die Zahl der Betriebe im Thüringer Gastgewerbe ist weiter rückläufig. So sind im Jahr 2016 nach der Umsatzsteuerstatistik im Gastgewerbe des Freistaates, 34 Betriebe geschlossen worden, 19 bei den Gaststätten und 15 bei den Beherbergungsbetrieben. Rund 45 Prozent der Inhaber von Gaststätten im Freistaat sind derzeit über 55 Jahre alt.

Mit insgesamt „gut“ beurteilen in der Konjunkturumfrage zur abgelaufenen Wintersaison etwa die Hälfte der befragten Unternehmer (46,9 Prozent). Im Gegensatz dazu gaben 14,3 Prozent der gastronomischen Unternehmer im Freistaat an, eine schlechte Saison gehabt zu haben. 38,8 Prozent der Gastronomen berichten von einer befriedigenden Wintersaison. Der Saldo zwischen positiver und negativer Einschätzung bei den Thüringer Gastronomen liegt damit aktuell bei + 32,6 (Vorjahr: + 27) Prozentpunkten. Dies stellt im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung um 5,6 Prozentpunkte dar.

Die Entwicklung in der Thüringer Gastronomie ist im Vergleich zur Wintersaison vor einem Jahr weiter auf positivem Trend. Dies liegt insgesamt daran, dass das Weihnachtsgeschäft, nicht zuletzt geprägt und getragen von der konjunkturellen Entwicklung zu Umsatzsteigerungen geführt hat. Die Erwartungen der Thüringer Gastronomen für die bevorstehende Sommersaison sind als verhalten zu bezeichnen und der Optimismus der vergangenen Jahre leicht rückläufig. Vier von zehn der Thüringer Gastronomen gehen von eine guten und 6 Prozent von einer
schlechten Saison aus. Damit scheint sich die positive Einschätzung der vergangenen Saison, jedenfalls bezüglich der Erwartungen, nicht weiter fortzusetzen. 54 Prozent der Befragten blicken befriedigend in die Zukunft. Der Saldo zwischen positiver und negativer Einschätzung bei den Thüringer Gastronomen bezüglich der vor uns liegenden Sommersaison liegt bei 34,0 (Vorjahr: + 36,3) Prozentpunkten.

Thüringen und Sachsen-Anhalt sind bei Existenzgründungen die deutschen Schlusslichter

Der Freistaat Thüringen ist im Gründungsmonitor 2018 der staatlichen Förderbank KfW auf den vorletzten Platz aller Bundesländer abgerutscht. In den Jahren 2015 bis 2017 kamen auf 10.000 Erwerbsfähige im Alter von 16 bis 64 Jahren durchschnittlich 93 Gründer von Betrieben. Das waren 25 weniger als im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2016, als Thüringen noch auf Platz 14 der Bundesländer lag. Nur Sachsen-Anhalt verzeichnete noch weniger Neugründungen. Die Bundeshauptstadt war 2017 auch die Gründerhauptstadt.

Die Daten des KfW-Gründungsmonitors zeigen: Die Talfahrt der Gründungstätigkeit nahm auch im Jahr 2017 kein Ende. Mit 557.000 Existenzgründern haben 115.000 Personen weniger eine neue, beruflich selbstständige Tätigkeit begonnen als noch 2016 (-17 %). Dies entspricht einem unerwartet starken Rückgang der Gründerquote von 1,30 auf 1,08 %. Im Jahr 2017 waren also von 10.000 Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren 108 Existenzgründer. Vor allem Nebenerwerbsgründungen gingen zurück: Die Zahl der Nebenerwerbsgründer sackte um 101.000 auf 323.000 ab (-24 %). Die Zahl der Vollerwerbsgründer verringerte sich dagegen moderat um 13.000 auf 234.000 Personen (-6 %).

„Unter der Linkskoalition ist in Thüringen ein Klima der Gründerfeindlichkeit entstanden. Die Gegenmaßnahmen der Landesregierung sind ideen-, plan- und offensichtlich auch wirkungslos. Sie schwächen die Zukunftsfähigkeit von Thüringen.“ Mit diesen Worten hat der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Prof. Dr. Mario Voigt, das Abrutschen Thüringens auf den vorletzten Platz im Ländervergleich des Gründungsmonitors der staatlichen Förderbank KfW kommentiert. Voigt bedauerte, dass Rot-Rot-Grün die Vorschläge seiner Fraktion, eine unternehmerfreundlichere Grundstimmung in Thüringen zu schaffen, ignoriere. Die Union hatte zuletzt ein Konzept vorgestellt, um das Unternehmertum früh in den Bildungsprozess zu integrieren. Der CDU-Antrag sah außerdem die Einführung eines Unternehmergymnasiums vor.

„Nachdem die Gründerzahlen bereits 2015 ein historisches Tief erreicht haben, setzt sich der Sinkflug also auch 2016 und 2017 fort“, erklärte der CDU-Wirtschaftspolitiker. Laut den Zahlen der KfW verzeichnete nur Sachsen-Anhalt noch weniger Neugründungen. Sehr viel stärker als bisher müsse sich Thüringen um die Digitalisierung auch der Behördenstrukturen kümmern. „Hier hat die Linkskoalition viel zu lange geschlafen. In Estland sieht man, dass entschlossenes Regierungshandeln wie eine Initialzündung für die digitale Gründerlandschaft wirken kann“, sagte Voigt, der sich derzeit mit dem Wirtschaftsausschuss des Thüringer Landtags in Estland zum Thema E-Government und Digitalisierung informiert. Im Freistaat belaste jedoch eine ganze Kette von rot-rot-grünen Entscheidungen durch Bürokratisierung mit neuen gesetzlichen Vorgaben insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen.

Bruttomonatsverdienste in Thüringen im Jahr 2017 um 1,9 Prozent gestiegen

Im Jahr 2017 betrug der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig Beschäftigten einschließlich Sonderzahlungen (z. B. Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Leistungsprämien) 2 709 Euro. Dies waren 52 Euro bzw. 1,9 Prozent mehr als im Jahr 2016. Im Vergleich dazu stiegen die Verbraucherpreise im Jahr 2017 in Thüringen durchschnittlich um 1,7 Prozent. Der Anstieg der Bruttomonatsverdienste ist überwiegend auf gestiegene Stundenlöhne zurückzuführen und nur zu einem sehr geringen Teil auf längere Arbeitszeiten bei teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmern.

Vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer erhielten im Jahr 2017 einschließlich Sonderzahlungen im Durchschnitt monatlich 3 160 Euro (+ 2,3 Prozent) bei einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 39,3 Stunden (- 0,1 Prozent). Während ihr Verdienst im Produzierenden Gewerbe bei durchschnittlich 3 067 Euro lag (+ 2,5 Prozent), kamen die Vollzeitbeschäftigten im Dienstleistungsbereich im Jahr 2017 durchschnittlich auf 3 230 Euro (+ 2,1 Prozent).

Nach Wirtschaftsbereichen betrachtet, sind die Verdienstunterschiede der Vollzeitbeschäftigten auch im Jahr 2017 erheblich. Die höchsten durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen erzielten im Jahr 2017 die Vollzeitbeschäftigten im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit 4 670 Euro (+ 1,1 Prozent), es folgte mit einigem Abstand der Bereich Energieversorgung mit 4 413 Euro (+ 1,2 Prozent) sowie die Vollzeitbeschäftigten im Bereich Erziehung und Unterricht mit 4 284 Euro (- 2,0 Prozent). Die niedrigsten durchschnittlichen Monatsverdienste bei Vollzeitbeschäftigten wurden im Wirtschaftsbereich „Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ mit 2 072 Euro (+ 6,4 Prozent) gezahlt. Zu diesem Bereich zählen u. a. die Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften, die Wach- und Sicherheitsdienste und Callcenter. Das Gastgewerbe folgt hier mit einem durchschnittlichen Monatsverdienst der Vollzeitbeschäftigten von 2 110 Euro (+ 2,6 Prozent).

Griesson – de Beukelaer investiert kräftig in Kahla

Griesson – de Beukelaer (GdB) feierte gestern den Spatenstich für die Erweiterung der Produktionskapazitäten in Kahla. Über 100 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den kommenden Jahren in das Werk, das schon jetzt zu den modernsten Keksfabriken Europas gehört. Im Sommer 2019 sollen die ersten Kekse vom Band in der neuen Produktionshalle gehen.

Es handelt sich hierbei um eine der größten Investitionen in der Unternehmensgeschichte. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1993 hat GdB in Kahla bereits über 200 Millionen Euro investiert. 435 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen am Standort, davon 19 Auszubildende, und ist damit einer der wichtigsten Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe in der Region. Im Zuge der Baumaßnahme werden zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Die umfangreiche Baumaßnahme unterteilt sich nach Angaben des Unternehmens in drei Abschnitte: Im neuen, 130 Meter langen Hochregallager entstehen über 17.000 zusätzliche Palettenstellplätze – eine Verdreifachung der Kapazitäten. Die neue „Produktionshalle 4“ wird mit 240 Metern länger als zwei Fußballfelder sein und Platz für vier neue Produktionslinien bieten. Die erste von ihnen soll im Sommer 2019 ihren Betrieb aufnehmen. 40.000 Quadratmeter bebaute Fläche umfasst die Produktion künftig. Damit baut GdB den Standort Kahla noch stärker hin zu einem hochmodernen Standort für die Gebäckherstellung aus. Hier werden auch in Zukunft vor allem Gebäckmischungen, American Cookies und der Griesson Soft Cake hergestellt. Im Zuge des Neubaus der Halle entstehen auch neue Sozialbereiche mit Aufenthalts- und Waschräumen. Ebenfalls neu gestaltet wird der Einfahrtbereich mit einem neuen Torgebäude und einer neuen Lkw-Wartezone.

Griesson – de Beukelaer zählt zu den führenden Unternehmen im europäischen Süß- und Salzgebäckmarkt und produziert in Deutschland an den Standorten Polch (Rheinland-Pfalz), Kahla (Thüringen), Kempen (Nordrhein-Westfalen) und Wurzen (Sachsen). Das Unternehmen beschäftigt 2.100 Mitarbeiter und erwirtschaftete in 2016 einen Gesamtumsatz von 514 Millionen Euro. Zum Sortiment gehören unter anderem die Marken Griesson, DeBeukelaer, Prinzen Rolle, Wurzener und LEICHT&CROSS. Der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz beträgt 45 Prozent.

Niedrigste Zahl von Gewerbeanzeigen in Thüringen seit 1991

In Thüringen gab es im Jahr 2017 so wenig Gewerbeanmeldungen und Gewerbeabmeldungen wie noch nie. Nach Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik verringerte sich die Anzahl der Anmeldungen gegenüber dem Jahr 2016 um 942 bzw. 7,8 Prozent auf 11 212 Anzeigen. Knapp vier Fünftel aller Gewerbeanmeldungen entfielen auf gewerbliche Neugründungen, bei denen es sich überwiegend um Kleinunternehmen und Nebenerwerbe handelte. Rund 29 Prozent waren Betriebsgründungen mit größerer wirtschaftlicher Substanz, wie Kapitalgesellschaften, Personengesellschaften und Betriebe mit Beschäftigten.

Auch bei der Zahl der Neugründungen gab es im Jahr 2017 ein historisches Tief. Hier ging die Zahl der Gewerbeanzeigen gegenüber dem Vorjahr um 591 (-6,2 Prozent) auf 8 946 zurück. Bei den Kleinunternehmen und Nebenerwerbsbetrieben ist ein Rückgang der Meldungen um 430 Anträge bzw. 6,4 Prozent auf 6 300 Anträge zu verzeichnen. Bei den Betriebsgründungen gab es mit 2 646 Anzeigen 161 Anmeldungen (-5,7 Prozent) weniger als 2016. Die anderen Gewerbeanmeldungen betrafen Zuzüge und Übernahmen (Kauf, Pacht, Erbfolge, Änderung der Rechtsform, Gesellschaftereintritt).

Die Anzahl der Gewerbeabmeldungen verringerte sich gegenüber dem Jahr zuvor um 828 auf 13 587 Anzeigen (-5,7 Prozent). Hauptgrund für die Gewerbeabmeldungen war 2017 mit rund 80 Prozent die vollständige Aufgabe des Gewerbes, davon 8 061 Kleinunternehmen und Nebenerwerbsbetriebe sowie 2 980 Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Substanz. Die Anzahl der vollständigen Aufgaben lag um 499 Anträge (-4,3 Prozent) unter dem Vorjahresniveau. Das waren 285 Stilllegungen bei Kleinunternehmen und aus Nebenerwerb (-3,4 Prozent) sowie 214 Betriebsaufgaben (-6,7 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum. Die übrigen Gewerbeabmeldungen erfolgten durch Fortzüge und Übergaben (Verkauf, Verpachtung, Erbfolge, Änderung der Rechtsform, Gesellschafteraustritt).

Die meiste Bewegung gab es – wie schon in den Vorjahren – im Bereich „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“. Hier wurden 2 607 Gewerbe an- und 3 356 Gewerbe abgemeldet. Zahlreiche Gewerbeanzeigen gab es auch bei der „Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“, wie beispielsweise Garten- und Landschaftsbau, Gebäudebetreuung, Zeitarbeitsfirmen, Reisebüros oder Reiseveranstalter. Hier wurden 1 574 Gewerbe an- und 1 861 Gewerbe abgemeldet.

Mit 8 543 Anmeldungen war das Einzelunternehmen auch 2017 die beliebteste Rechtsform, gefolgt von 1 689 Gesellschaften mit beschränkter Haftung einschließlich Unternehmensgesellschaften (haftungsbeschränkt) sowie 525 von Gesellschaften des bürgerlichen Rechts. Anzeigen für andere Rechtsformen spielten eine eher untergeordnete Rolle. Mehr als ein Drittel der Einzelunternehmen wurden von Frauen angemeldet, 10,3 Prozent weniger als im Jahr 2016. Rund 89 Prozent aller Einzelunternehmen wurden 2017 von Deutschen angemeldet. Lediglich 962 Einzelunternehmer, die ein Gewerbe angemeldet haben, stammen aus dem Ausland, hier vor allem aus Rumänien (155), der Türkei (83) und Vietnam (80).

In Thüringen kamen im vergangenen Jahr auf 10 000 Einwohner 52 Gewerbeanmeldungen und 63 Gewerbeabmeldungen. Regional betrachtet, gab es jedoch erhebliche Unterschiede. Die meisten Gewerbe je 10 000 Einwohner wurden in den Städten Erfurt (75), Weimar (68) und Jena (60) angezeigt und die wenigsten im Altenburger Land (38) und im Kyffhäuserkreis (41). Die geringste Anzahl der Abmeldungen gab es im Kyffhäuserkreis (45) und im Landkreis Sömmerda (50), die meisten Abmeldungen in den Städten Erfurt (80) und Gera (77).

Weniger als die Hälfte der Thüringer Erwerbstätigen arbeitet am Wohnort

Von den 1.053.000 Erwerbstätigen in Thüringen (Jahresdurchschnitt 2016) liegen für rund 98 Prozent bzw. 1.033.000 Menschen Angaben zum Pendlerverhalten vor. Wie das Thüringer Landesamt für Statistik mitteilt, hatte weniger als die Hälfte von ihnen (48,5 Prozent) ihre Arbeitsstätte innerhalb ihrer Wohngemeinde des Hauptwohnsitzes. Die anderen pendelten entweder in eine andere Gemeinde des Freistaates (42,0 Prozent) oder über die Grenzen Thüringens hinaus. Der Anteil der Auspendler ist umso geringer, je größer die Wohnsitzgemeinde ist. Ab einer Gemeindegröße von 10 000 und mehr Einwohnern geht mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen ihrer Arbeit am Wohnort nach. Je größer die Gemeinde, umso kürzer sind in der Regel auch die Arbeitswege. Dies gilt jedoch nur bis zu einer bestimmt Gemeindegröße, da in großen Städten sowohl die Wege als auch die Zeiten für die Wege im Mittel etwas länger als in Kleinstädten sind. Fast die Hälfte der Erwerbstätigen gab an, zwischen zehn und 19 Minuten für die Hinfahrt zur Arbeit zu benötigen. Die Mehrzahl legt einen Weg von bis zu zehn Kilometer zurück.

Fast drei Viertel der Erwerbstätigen nutzten 2016 für den Arbeitsweg den PKW, Motorrad oder ähnliches, während nur sieben Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln fuhren. Hierbei lassen sich deutliche Differenzierungen zwischen unterschiedlichen Gemeindegrößen erkennen. In den Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern nutzt fast ein Fünftel (19,8 Prozent) der Erwerbstätigen öffentliche Verkehrsmittel und nur die Hälfte (50,4 Prozent) das Auto oder ähnliches, während in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern die PKW-Nutzung mit rund 80 Prozent dominiert.

Leichte Unterschiede hinsichtlich des Pendlerverhaltens bestehen auch zwischen Männern und Frauen. Letztere haben häufiger ihre Arbeitsstädte am Wohnort und damit auch kürzere Wege. Zudem gehen sie häufiger zu Fuß, nutzen häufiger den ÖPNV und seltener das Auto als männliche Erwerbstätige.

Afrikanische Schweinepest bedroht auch Thüringen

„Die Afrikanische Schweinepest breitet sich immer weiter nach Westen aus. Die Lage ist ernst, aber wir sind vorbereitet“, erklärte gestern in Erfurt die Forst- und Landwirtschaftsministerin Birgit Keller nach der Kabinettsitzung der Thüringer Landesregierung. „Krisenszenarien zielen darauf ab, wie die Verbreitung der Seuche unter den Wildschweinen eingedämmt und die Übertragung auf den Hausschweinbestand möglichst verhindert werden kann.“

„Um das Infektionsrisiko zu senken, arbeiten wir weiter an einem entsprechenden Maßnahmenpaket. So wollen wir zur Vorbeugung vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) 1,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Die Einordnung in den Landeshaushalt bereiten wir gerade vor“, teilte Ministerin Keller mit. „Damit werden wir beispielsweise die Pläne des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbezirksinhaber zum Aufbau eines Schwarzwild-Kompetenzzentrums unterstützen. Hier werden die Interessen aller Beteiligten gebündelt und koordiniert, Schulungen durchgeführt, Jagdmethoden unter wissenschaftlicher Begleitung erprobt und Marketingstrategien entwickelt. Das Zentrum kann einen starken Beitrag zur Bestandsreduzierung von Wildschweinen, zum aktiven Schwarzwildmanagement und somit zur ASP-Vorbeugung leisten.“

„Darüber hinaus werden wir die Einführung einer Aufwandspauschale finanzieren, um die Aufwendungen der Jäger bei der Verringerung der Schwarzwildbestände auszugleichen“, so Keller weiter. „Und in den Revieren von ThüringenForst haben wir die Jagdruhe aufgehoben. Wildschweine können nun – so wie bereits in den privaten Jagden – auch im Staatswald in der bisherigen Ruhezeit von Mitte Januar bis Mitte Juli geschossen werden. Muttertiere sind hiervon ausgenommen.“

Infos zur Afrikanischen Schweinepest.

CDU-Fraktion beklagt erneuten Wortbruch Ramelows

„Die Einschränkung der nachhaltigen Forstwirtschaft vernichtet Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in Thüringen.“ Das hat der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Egon Primas zur Einigung zwischen Landwirtschafts- und Umweltministerium gesagt, künftig auf die Nutzung von fünf Prozent der Waldfläche Thüringens zu verzichten.

„Wertvolle Wirtschaftswälder zu ‚Wildnisgebieten‘ umzufunktionieren, ist ein rein ideologisches, fachlich völlig unbegründetes Konzept, das Thüringen erheblichen Schaden zufügen wird“, warnte der CDU-Abgeordnete in einer Pressemiteilung. Insbesondere Ministerpräsident Bodo Ramelow habe sein Wort gebrochen. „Noch im Frühjahr hatte Ramelow vor hunderten Forstleuten versprochen, keine wertvollen Staatswaldflächen stillzulegen“, erinnerte Primas an die Aussagen des Ministerpräsidenten, der damals wörtlich sagte: „Im Koalitionsvertrag steht nicht, der Possen ist stillzulegen. Wer das beschließt, der muss auch das Geld dafür zur Verfügung stellen.“

Primas macht deutlich, dass die geplante Ausgleichszahlung von 295.000 Euro für Thüringenforst angesichts von 1000 Hektar stillgelegter Waldfläche am Possen ein „wirtschaftlich gesehen völlig lächerlicher Betrag“ sei. Arbeitsplätze und Wertschöpfung blieben völlig unberücksichtigt, so Primas. Zudem müsse „jeder Kubikmeter Holz, den wir hier durch Nutzungseinschränkungen nicht ernten, aus dem Ausland importiert werden“, gab der CDU-Fraktionsvize zu bedenken. „Das Verbot der nachhaltigen Holznutzung führt schon heute zur Abholzung echter Urwälder in anderen Teilen der Welt. Wie sich das mit den grünen Idealen vereinbaren lässt, ist mir schleierhaft“, machte Primas die Widersprüchlichkeit der rot-rot-grünen Politik deutlich. Die Ramelow-Regierung sei „unfähig, sich aus der erdrückenden Umklammerung grüner Ideologen zu befreien“, so der CDU-Politiker weiter. Die Pläne der Linkskoalition für den Possenwald „gefährden nicht nur die Arbeitsplätze im Forstamt Sondershausen, sondern weit über 100 weitere Jobs in der Verwertung und Holzverarbeitung“, so Primas abschließend.

Hintergrund:
Laut statistischen Branchen-Berechnungen würden bei der ursprünglich angedachten Ausweisung einer 2500 Hektar großen Stilllegungsfläche rund um den Possen 200 Arbeitsplätze vernichtet. Dem Freistaat würden diesen Erhebungen zufolge jährliche Steuereinnahmen von 2,2 Millionen Euro aus der Wertschöpfungskette Forst und Holz vorenthalten.

Ilm-Kreis ist neuer Umsatzspitzenreiter in Thüringen

In neunzehn Landkreisen und kreisfreien Städten Thüringens stiegen nach Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik von Januar bis September 2017 die Industrieumsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Jeweils zwei Kreise und kreisfreie Städte mussten Umsatzeinbußen hinnehmen. Die Betriebe von sieben Landkreisen und zwei kreisfreien Städte erwirtschafteten jeweils ein Umsatzvolumen von über einer Milliarde Euro. So verbuchte der Ilm-Kreis als Umsatzspitzenreiter einen Umsatz in Höhe von rund 1 907 Millionen Euro, gefolgt vom Landkreis Gotha mit 1 903 Millionen Euro, dem Wartburgkreis mit 1 775 Millionen Euro Umsatz, der Stadt Eisenach mit 1 662 Millionen Euro sowie dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen mit 1 562 Millionen Euro Umsatz. Den höchsten absoluten Umsatzzuwachs erzielte die Stadt Jena mit 138 Millionen Euro (+ 12,0 Prozent), gefolgt vom Landkreis Greiz mit 115 Millionen Euro Umsatzzuwachs (+ 15,6 Prozent). Die Stadt Eisenach verbuchte mit – 125 Millionen Euro den höchsten absoluten Umsatzrückgang, sowie nach der Stadt Weimar (- 8,1 Prozent) den zweithöchsten relativen Umsatzrückgang (- 7,0 Prozent).Die Umsätze aus dem Auslandsgeschäft (8,1 Milliarden Euro) übertrafen mit 6,8 Prozent das Vorjahresniveau. Der Anteil des Auslandsumsatzes am Umsatz insgesamt (Exportquote) betrug in den neun Monaten 2017 im Durchschnitt 34,7 Prozent. Die Stadt Jena wies, wie auch in den vergangenen Jahren, mit 68,7 Prozent die höchste Exportquote aus.

Im Monatsdurchschnitt waren in den ersten neun Monaten 2017 in den 851 Thüringer Industriebetrieben 144 000 Personen tätig. Trotz regionaler Turbulenzen gab es in diesem Zeitraum 2 541 Arbeitsplätze mehr als ein Jahr zuvor. Das Eichsfeld lag mit 387 zusätzlichen Arbeitsplätzen an der Spitze. Jeweils drei Kreise und kreisfreie Städte profitierten nicht von dem Plus an tätigen Personen. Die kreisfreie Stadt Eisenach verzeichnete mit – 184 Personen den höchsten Arbeitskräfterückgang. Der Umsatz je Beschäftigten schwankte in Thüringen zwischen rund 121 000 Euro im Landkreis Sonneberg und 270 000 Euro in der kreisfreien Stadt Eisenach.

Weiterhin weniger Bier aus Thüringer Brauereien

Die rückläufige Entwicklung beim Thüringer Bierabsatz seit Beginn dieses Jahres setzte sich auch im dritten Quartal weiter fort. Wie das Thüringer Landesamt für Statistik mitteilt, wurden in den ersten neun Monaten 2017 insgesamt 2,3 Millionen Hektoliter Bier) (- 3,8 Prozent) von den Thüringer Brauereien und Bierlagern verkauft.

Sowohl beim Inlands- als auch beim Auslandsabsatz mussten die Brauereien in Thüringen Verluste akzeptieren. Entgegen der Entwicklung der letzten Jahre gab es 2017 bisher besonders große Einbußen beim Auslandsabsatz. Über die bundesdeutschen Grenzen hinaus wurden mit 384 Tausend Hektoliter 12,6 Prozent weniger Bier verkauft als im Jahr zuvor. Diese rückläufige Entwicklung zog sich durch alle drei Quartale. Der Bierverkauf im Inland ist ebenfalls zurückgegangen. Von Januar bis September wurden mit 1,9 Millionen Hektolitern Bier 1,9 Prozent weniger Bier abgesetzt. Der Inlandsabsatz sank damit auf einen neuen Tiefstand. Auch diese Entwicklung ist in allen drei Quartalen zu beobachten.

Auch bei den Biermischungen, d. h. Bier gemischt mit Limonade, Cola, Fruchtsäften und anderen alkoholfreien Zusätzen, gibt es derzeit rückläufige Absatzzahlen. Im betrachteten Zeitraum wurden 139 Tausend Hektoliter an Biermischgetränken abgesetzt, 4,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Angaben für Thüringen richten sich nach dem Sitz der Steuerlager (Brauereien und Bierlager). Nicht enthalten sind der Absatz von alkoholfreien Bieren und Malztrunk sowie das aus Ländern außerhalb der Europäischen Union eingeführte Bier.

Jede dritte Gewerbeneugründung in Thüringen beantragte eine Frau

In Thüringen ging die Anzahl der Gewerbeanmeldungen in den ersten acht Monaten 2017 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 563 bzw. 6,9 Prozent auf 7 577 Anzeigen zurück. Rund vier Fünftel der Anmeldungen waren nach Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik Neugründungen (6 157). Diese neuen Unternehmen wurden von 6 830 Gewerbetreibenden allein oder gemeinsam angemeldet. Das waren 288 Unternehmer weniger als im vergleichbaren Zeitraum 2016.

Mit 1 987 Frauen blieb die Zahl der Neugründerinnen in den ersten acht Monaten dieses Jahres um 9,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums (Januar bis August 2016: 2 198 Frauen). Ein Viertel dieser Frauen (514) gründeten neue Betriebe im Handel. Knapp ein Fünftel der Frauen (341) wagte den Schritt in die Selbstständigkeit mit Betrieben zur Erbringung von sonstigen Dienstleistungen. Zu diesen Dienstleistungen gehören zum Beispiel Wäschereien, Frisör- und Kosmetiksalons sowie Solarien. Der Frauenanteil lag in den ersten acht Monaten dieses Jahres gemessen an allen Existenzgründern des entsprechenden Wirtschaftszweiges bei der Erbringung von sonstigen Dienstleistungen mit 68,2 Prozent (341 Frauen) und im Gesundheits- und Sozialwesen mit 59,8 Prozent (61 Frauen) am höchsten. Dagegen blieb das Baugewerbe mit einem Frauenanteil von 5,5 Prozent (36 Frauen) in Männerhand.

Unter den 4 881 neu gegründeten Einzelunternehmen wurde etwa ein Drittel von einer Unternehmerin angezeigt (1 655 Anzeigen bzw. 33,9 Prozent). Es waren 220 Frauen (-11,7 Prozent) weniger als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres.

1 095 Frauen meldeten ihre Geschäftstätigkeit im Nebenerwerb im betrachteten Zeitraum an. Das waren 61 Frauen (5,3 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum. Frauen gründeten in den ersten acht Monaten ein Einzelunternehmen häufiger im Nebengewerbe als Männer; etwa zwei Drittel der Existenzgründerinnen, aber nur die Hälfte der Existenzgründer machten sich im Nebenerwerb selbstständig.

Nur sehr wenige Läden dürfen am 24. Dezember 2017 in Thüringen öffnen

Das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (TMASGFF) hat verschiedenen Medienberichte widersprochen, wonach Läden in Thüringen am 24. Dezember 2017 (Heiligabend) öffnen dürfen. An diesem Tag sind die Läden grundsätzlich geschlossen. Die Öffnungsmöglichkeit gilt nur für wenige Ausnahmen.

Das TMASGFF teilt dazu in einer Presseerklärung mit: Der 24. Dezember fällt dieses Jahr auf einen Sonntag. Laut Thüringer Ladenöffnungsgesetz sind Verkaufsstellen für den geschäftlichen Verkehr mit Kunden an Sonntagen grundsätzlich geschlossen.

Ausnahmen gelten am Sonntag, 24. Dezember 2017, nur für:
– Apotheken (ganztägig),
– Tankstellen (ganztägig),
– Verkaufsstellen auf Bahnhöfen und Flughäfen (bis 17 Uhr),
– privilegierte Verkaufsstellen in Kur-, Ausflugs- und Erholungsorten (bis 14 Uhr),
– Verkaufsstellen für die Abgabe von Weihnachtsbäumen (für bis zu drei Stunden und längstens bis 14 Uhr),
– Verkaufsstellen für den Verkauf von Bäcker- oder Konditorwaren, Schnitt- und Topfblumen sowie pflanzlichen Gebinden, soweit Blumen in erheblichem Umfang zum Verkaufssortiment gehören, Zeitungen und Zeitschriften sowie selbst erzeugten landwirtschaftlichen Produkten (für bis zu drei Stunden und längstens bis 14 Uhr).

Das Thüringer Ladenöffnungsgesetz (ThürLadÖffG) regelt die Öffnungszeiten für Verkaufsstellen und das gewerbliche Anbieten von Waren außerhalb von Verkaufsstellen und dient dem Schutz der Sonn- und Feiertage sowie dem Schutz der Beschäftigten. Der Wortlaut dieses Gesetzes im Internet.