Landesforstanstalt stoppt Einführung kostenpflichtiger Umweltbildungsmaßnahmen für Kinder

ThüringenForst, landesweit größter Anbieter waldbezogener Umweltbildungsmaßnahmen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sieht Diskussionsbedarf zur finanziellen Inwertsetzung seiner vielfältigen Maßnahmen. So führt die Landesforstanstalt nicht nur jährlich Waldjugendspiele für knapp 9.000 Kinder und Jugendliche in Zusammenarbeit mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald durch, sondern unterhält auch Thüringens einzige Jugendwaldheime. Für die drei Standorte wurden in den letzten Jahren allein 3,5 Mio. Euro investiert. Mit der Einführung entgeltlicher Umweltbildungsmaßnahmen mittels Dienstanweisung zur Abmilderung des geforderten Personalabbaus lösten Thüringens Grünröcke einen gesellschaftspolitischen Diskussionsprozess um die künftige Finanzierung der Maßnahmen aus. Um diesen konstruktiv begleiten zu können, setzte ThüringenForst die gleichnamige Dienstanweisung für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche bis auf weiteres aus. Die Hauptsorge der Förster: Eine stete jährliche Bezuschussung gemeinwohlorientierter Aufgaben – wie etwa das waldpädagogische Engagement – aus den forstbetrieblichen Erträgen der Anstalt, ist aufgrund unsicherer Holzmarktentwicklung und steigender Lohnkosten keine belastbare alternative Finanzierungsgrundlage. So bliebe nur der Aufgaben- und Personalabbau insbesondere im hoheitlichen Bereich, um den 2012 von der Landesregierung beschlossenen Stellenabbau von 477 der 1.500 Stellen der Landesforstanstalt bis zum Jahr 2025 nachzukommen.

Foto: Dr. Horst Sproßmann. ThüringenForst unterhält insgesamt drei Jugendwaldheime im Freistaat. Die Finanzierung derartiger Allgemeinwohlaufgaben kann nicht dauerhaft aus den Erträgen der Landeswaldbewirtschaftung abgesichert werden.

Neues von Meister Isegrim

Aktuell sind in Deutschland 60 Wolfsrudel bestätigt. Das geht aus einer neuen Erhebung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hervor. Die Wolfs-Vorkommen konzentrieren sich derzeit weiterhin vor allem auf das norddeutsche Tiefland, das sich von der sächsischen Lausitz in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen bis nach Niedersachsen erstreckt.

Die Zahl der 60 von den Bundesländern bestätigten Rudel des aktuellen Monitoringjahres 2016/2017 in Deutschland ist im Vergleich zum vorherigen um 13 gestiegen. Allerdings ist die Zahl der Wolfspaare im selben Zeitraum von 21 auf 13 und die Zahl der sesshaften Einzelwölfe ist von vier auf drei gesunken. Die meisten Tiere leben heute in Brandenburg und in Sachsen, wo im Jahr 2000 erstmals nach der Ausrottung der Art in Deutschland vor 150 Jahren ein Wolfspaar aus Polen zugewandert ist.

„Für den Naturschutz sind diese Zahlen zwar erfreulich, jedoch weist die Art noch immer eine insgesamt ungünstige Erhaltungssituation auf“, sagt BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. „Vor allem der Straßenverkehr gefährdet den Wolf in seinem Bestand; daneben stellen illegale Abschüsse ein erhebliches Problem dar.“ Von den in Deutschland seit dem Jahr 2000 insgesamt 201 tot aufgefundenen Wölfen sind 140 durch den Straßenverkehr ums Leben gekommen und 26 illegal getötet worden. Im Vergleich zum Monitoringjahr 2015/2016 ist die Zahl der illegalen Tötungen von zwei auf fünf angestiegen.

Die Daten, die das Bundesamt für Naturschutz jährlich im Herbst veröffentlicht, werden von den Bundesländern jeweils für ein Monitoringjahr erhoben. Dieses läuft jeweils vom 1. Mai bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres und deckt sich zeitlich mit einem biologischen „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Die Daten werden anschließend jeweils noch überprüft und durch das BfN und die DBBW bundesweit zusammengeführt. Diese Zusammenführung erfolgt jährlich im Herbst bei einem Treffen der im Monitoring erfahrenen Personen von Bund und Ländern.

„Die Rückkehr des Wolfes stellt uns in unserer heutigen Kulturlandschaft vor eine besondere gesellschaftliche Herausforderung. Die Angst der Menschen vor direkten Begegnungen und die Sorgen der Weidetierhalter müssen wir sehr ernst nehmen. Wir unterstützen mit wissenschaftlich fundierten Beiträgen und Handlungsempfehlungen zum Wolf und informieren so die Bundesländer, bei denen in Sachen Wolf die Vollzugshoheit liegt“, so die BfN-Präsidentin. Einen wichtigen Beitrag leistet dabei die DBBW, die der Bund im Jahr 2016 eingerichtet hat, um insbesondere Daten aus den Bundesländern zusammenzutragen und die Fachbehörden zu beraten.

Mittlerweile wurden in 13 Bundesländern Wolfsmanagementpläne sowie entsprechende Leitlinien, Konzepte oder Leitfäden veröffentlicht. Darin ist in der Verantwortung der Länder unter anderem festgelegt, wie für den Schutz von Weidetieren die Prävention und auch Kompensation geregelt sind. „Ein flächendeckender Herdenschutz, der sich an den vom BfN empfohlenen Schutzstandards orientiert, ist essentiell, um in weiteren potenziellen Ausbreitungsgebieten für die Ankunft des Wolfes gewappnet zu sein. Um Übergriffe auf Weidetiere weitgehend zu reduzieren, müssen Herdenschutzmaßnahmen konsequent umgesetzt und dafür auch ausreichend finanziert werden“, sagt Prof. Beate Jessel. Die Ausgaben der Bundesländer mit Wolfsvorkommen betrugen im Jahr 2016 insgesamt 1.100.963 Euro für Herdenschutzmaßnahmen. Im Vergleich dazu lagen die Schadenausgleichszahlungen, bei denen ein Wolf als Verursacher nachgewiesen oder nicht ganz ausgeschlossen werden konnte, bei rund 135.140 Euro.

Leckeres Wildbret aus heimischen Wäldern

Jetzt schon an den Weihnachtsbraten denken! ThüringenForst, landesweit größter Anbieter von frischem, heimischem Wildfleisch, erhöht in der Hauptjagdzeit seine Angebotspalette. Damit wird auf das anstehende Nachfragehoch seit Oktober reagiert, um auch alle Wünsche nach einem Wildbraten zum Weihnachtsfest befriedigen zu können. Denn nicht nur der Privatverbraucher, auch die Küchenchefs vieler Restaurants und sogar Spitzenköche haben das gesunde und naturbelassene Bioprodukt für sich neu entdeckt.

Heimisches Wildfleisch: Natürlicher und gesunder Fleischgenuss aus der Region
Jährlich setzt die Landesforstanstalt knapp 400 Tonnen Wildbret, insbesondere Rot-, Reh- und Schwarzwild um. „Wildbret ist ein hochwertiges Lebensmittel und liegt voll im Trend der leichten, fettarmen, aber biologisch vollwertigen Küche“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Wildfleisch hat gegenüber dem Fleisch von Schlachttieren einen erheblich geringeren Fettanteil und einen höheren Eiweißanteil. Es ist kalorienarm, reich an Mineralstoffen wie Kalzium, Eisen, Phosphor und Vitaminen. Wildfleisch ist bekömmlich und leicht verdaulich, was gerade für Senioren und Kinder wichtig ist. Und: „Wildbret ist von Tieren, die in natürlicher Umgebung aufwuchsen, sich von Waldkräutern, Gräsern und Eicheln ernährten und als regionales Produkt auch durch keinen Tiertransport gestresst wurden“ so Gebhardt abschließend.

Wildfleisch eignet sich gut zum Einfrieren
Wildfleisch eignet sich gut zum Einfrieren bei -18 Grad. Das Fleisch wird bei diesem Prozess sogar noch etwas mürber und gewinnt damit an Qualität. Reh und Hirsch lassen sich so 12 Monate, Wildschwein 6 Monate, Hase und Wildkaninchen bis zu 8 Monate lagern. Zu beachten ist, dass das Fleisch zuvor nicht gewaschen und auch nicht mariniert werden darf. Vakuumiertes Wildfleisch hält sich ca. eine Woche, frisches Wildfleisch aus dem Kühlschrank sollte binnen zwei Tagen verbraucht werden. Wildfleisch ist nicht für den Rohverzehr geeignet. Gefrorenes Wildfleisch sollte im Kühlschrank langsam aufgetaut werden, austretender am besten in einem Gefäß auffangen und wegschütten. Das Beizen und Spicken von Wildfleisch ist bei der heutigen Qualität nicht mehr erforderlich. Gehört aber der mild säuerliche, würzige Geschmack beim Wild für Sie dazu, spricht natürlich nichts dagegen.

Frisches Wildfleisch in jedem Forstamt oder vom Hofladen Willrode
An jedem der 24 Forstämter der Landesforstanstalt wird derzeit frisch erlegtes, lebensmittelhygienisch einwandfreies Wildbret direkt von der Wildkühlzelle zum Verkauf angeboten. Die Abnahmepreise von ganzem Wild in den Forstämtern bewegt sich, je nach Wildart, zwischen 3 und 5 Euro pro kg (in der Decke, mit Haupt, mit Läufen). Wer nur kleine oder veredelte Portionen kaufen will, kann sich an das Forsthaus Willrode bei Erfurt wenden oder an den Metzger seines Vertrauens, dann allerdings zu höheren Preisen. Übrigens bietet ThüringenForst eigens ein Wildkochbuch zur Zubereitung von heimischem Wildbret an, erhältlich in den meisten Forstämtern.

Foto: Daniela Tröger. Auch in der Pfanne macht sich Wildfleisch positiv bemerkbar: Der Fleischschwund durch Erhitzen ist vergleichsweise gering.

Halali auf der Straße

Gerade im Herbst suchen Wildtiere wie Rot-, Reh- oder Schwarzwild neue Einstände im Wald auf, weil die Felder abgeerntet sind und weder Futter noch Sichtschutz bieten. Zwangsläufig nimmt der Wildwechsel auf Thüringens Straßen zu. Überhöhte Wildbestände, insbesondere beim Schwarzwild, lassen die Wahrscheinlichkeit von Wildunfällen, trotz stagnierendem Verkehrsaufkommen, weiter steigen. Deshalb raten die Wildexperten der Thüringer Landesforstanstalt Autofahrern jetzt, speziell in den Morgen- und Abendstunden Straßen durch Waldgebiete und an Wald-Feld-Grenzen vorsichtig zu befahren. Wenn Wild auf oder an der Straße zu sehen ist: Kontrolliert abbremsen, hupen und abblenden. Achtung: Wo ein Wildtier die Straße überquert, folgen oft weitere nach!

Die Wildunfallzahlen (aktuelles Jagdjahr 2016/17) in Thüringen liegen mit 5.798 Stück leicht über dem Vorjahr mit 5.456 Stück. Die Forstexperten führen dies im Wesentlichen auf die natürlichen Schwankungen in der Wildbestandshöhe zurück, da das Verkehrsaufkommen im Freistaat in den letzten Jahren relativ stabil blieb. Berücksichtigt werden muss weiter, dass die tatsächlichen Wildunfallzahlen höher liegen, da Vögel, Hasen, Füchse und auch Waschbären in der Statistik nicht dargestellt werden. Ein Wildunfall verursacht im Durchschnitt einen Versicherungsschaden in Höhe von rund 2.500 €. Nach Glasschäden inzwischen die zweitwichtigste Schadensursache in der Teilkasko für die Versicherer.

„Umsichtige Autofahrer, die bei dem Verkehrswarnschild Wildwechsel insbesondere in den Dämmerungsstunden das Tempo reduzieren und bremsbereit sind, können Wildunfälle wirksam reduzieren“ so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Aber auch die Jäger können durch eine intensive Bejagung der Flächen entlang gefährdeter Straßen das Wildunfallrisiko vermindern helfen.

Was aber tun, wenn es doch zu einem Wildunfall gekommen ist? Die Förster empfehlen: Ruhe bewahren und Polizei oder den Jagdausübungsberechtigten, i. d. R. der örtliche Jagdpächter, rufen. Ist das Tier verendet, einfach warten bis die Polizei eintrifft. Ist das Tier hingegen verletzt und immobil, keinesfalls das Wild durch Streicheln oder Zureden zu beruhigen versuchen. Das Wildtier kann in Panik beißen, um sich treten oder mit dem Gehörn schlagen. Ziehen Sie sich zurück und warten Sie in einigem Abstand. „Bitte fahren Sie nicht einfach weiter“, mahnt Gebhardt.

Durch Unfälle getötetes Wild muss durch die Gemeinden oder die Straßenbauverwaltung entsorgt werden. In der Regel wird dies aber durch den zuständigen Jagdpächter kostenlos erledigt. Im Schnitt fallen hierbei rund 100 € für Transport, Lagerung und Gebühren für die Tierkörperbeseitigung an. Diese Kosten ersparen die Jäger dem Steuerzahler.

Foto: Dr. Horst Sproßmann

CDU-Fraktion fordert Maßnahmen zum Schutz von Menschen und Weidetieren

„Wenn wir die Thüringer Kulturlandschaft weiter pflegen wollen, brauchen wir die Schäfer. Ich will, dass dieser Beruf eine Zukunft hat.“ Das hat der Vorsitzende der CDU im Thüringer Landtag, Mike Mohring, am Dienstagabend bei dem von seiner Fraktion organisierten „Forum Wolf“ gesagt. Mohring forderte, die Schäfer müssten jetzt unverzüglich und unbürokratisch für alle Kosten – inklusive aller Folgekosten, die durch die Wolfsangriffe entstehen – entschädigt werden. Er betonte, die Union wolle eine offene Debatte über verantwortliche Wege in der Bestandsregulierung von Wölfen: „Wir sehen eine wachsende Sorge vor dem Wolf bei der Bevölkerung, vor allem wenn einzelne Tiere oder Rudel ihre Scheu vor dem Menschen und seinen Siedlungen verlieren. Deshalb dürfen die Menschen und besonders die Weidetierhalter in den ländlichen Gebieten nicht länger allein gelassen werden“, erklärte Mohring während der Veranstaltung im mit rund 250 Teilnehmern voll besetzten Plenarsaal. Langfristig müsse auch der europäische Schutzstatus für die Wolfsvorkommen in Deutschland überprüft werden. „Nur so wird es uns dauerhaft gelingen, ein Gleichgewicht zwischen der wachsenden Wolfspopulation, dem Schutz der Wild- und Weidetiere und dem Sicherheitsgefühl der ländlichen Bevölkerung herzustellen“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende.

Mike Mohring.
Foto: CDU-Frakion
Auch Mohrings Stellvertreter Egon Primas wandte sich direkt an die Landesregierung: „Es müssen jetzt die rechtlichen Grundlagen geschaffen werden, um zukünftig Wolfsbestände regulieren zu können – und zwar bevor die Situation unbeherrschbar wird. Wir fordern die Landesregierung auf, eine Wolfsverordnung zu erarbeiten, die auch eine sogenannte Schutzjagd ermöglicht. Die Vergrämung und gegebenenfalls auch der Abschuss von Wölfen muss klar geregelt werden“, so der Fraktionsvize vor den teilnehmenden Jägern, Schäfern und interessierten Bürgern, die der Einladung der CDU-Fraktion gefolgt waren. 79 Rissopfer im laufenden Jahr und der Nachweis von sechs Wolfshybrid-Welpen zeigten deutlich, dass Erörterungsbedarf bestehe. Primas wandte sich gegen die fortgesetzte Verharmlosung des Wolfes durch „Wolfsromantiker“ wie auch durch die Spitze des Umweltministeriums.

Den Worten von Mohring und Primas folgte der Vortrag mit dem Titel „Wie sollen wir mit dem Wolf in unserer Kulturlandschaft umgehen?“ des emeritierten Universitätsprofessors Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel. „Die auch von der Politik immer wieder gehörte Behauptung, der Wolf sei eine gefährdete oder gar vom Aussterben bedrohte Art, ist falsch. Es gab immer und gibt nach wie vor große vitale Wolfspopulationen auf der Nordhalbkugel“, so die Kernthese des Diplom-Biologen mit 40 Jahren Hochschultätigkeit an der TU Braunschweig und der FU Berlin. Danach gab Martin Görner Einblicke in seine jahrelange Tätigkeit als Leiter der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen: „Die Rückkehr des Wolfes nach etwa 100 Jahren in Deutschland birgt mehrere Probleme im Umgang mit dieser Tierart in der heutigen Kulturlandschaft. Wölfe haben ihre Daseinsberechtigung. Sie bedürfen des Schutzes und einer künftigen Bestandsregulierung“, erklärte der studierte Forstingenieur.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit den Referenten und Vertretern des Landesjagdverbandes sowie des Landesverbandes der Schafzüchter kristallisierte sich eine einhellige Position heraus, die Primas wie folgt zusammenfasste: „Der Wolf passt nicht zu der für die Thüringer Kulturlandschaft so wichtigen Weidetierhaltung. Die Existenz des Wolfes muss sich nach unserer Kulturlandschaft und dem Sicherheitsgefühl der ländlichen Bevölkerung richten – und nicht umgekehrt.“

Forstdienstgebäude wird zum Trendsetter im öffentlichen Hochbau Thüringens

Die Thüringer Forstministerin Birgit Keller (Linke) weihte heute den ersten Forstamtsneubau der Landesforstanstalt seit 16 Jahren in Stadtroda ein. Das aus 260 Kubikmeter Buchenholz in nur eineinhalb Jahren Bauzeit errichtete, rund 750 Quadratmeter Nutzfläche bietende, zweistöckige Verwaltungsgebäude gilt als architektonisch wie auch energetisch innovativ. Damit setzt die ThüringenForst-AöR als Bauherr konsequent auf den nachhaltig produzierten Roh-, Bau- und Werkstoff Holz und wird zum Trendsetter im öffentlichen Hochbau Thüringens. Das alte Forstverwaltungsgebäude entsprach immer weniger den Anforderungen der Grünröcke. Mit dem Verbleib am Standort Stadtroda nutzt ThüringenForst die zentrale Lage in der Region, mit der auch künftig eine gute Erreichbarkeit für Waldbesitzer, Kunden und Mitarbeiter gewährleistet ist. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 2,5 Mio. Euro.

„Das neue Forstamt ist ein Werbeträger für den konstruktiven Holzbau. Mit der Baubuche, einem innovativen Holzwerkstoff, wurde uns durch das thüringische Sägeunternehmen Pollmeier eine hochinteressante baukonstruktive Lösung geboten, die Bauherr und Architekten gleichermaßen begeisterte. Die nachhaltige Verwendung des CO²-neutralen und nachwachsenden Rohstoffs Holz erfährt damit einen Innovationsschub“, so Birgit Keller. Das Buchenfurnierschichtholz wurden dabei sowohl im Obergeschoss, wie auch im Erdgeschoss größtenteils sichtbar verbaut, während die Kelleretage traditionell aus Beton errichtet wurde. Eine großzügige Glasfassade ermöglicht den Besuchern den Blick auf die Holztragestruktur des Gebäudes und die Vielzahl von Konstruktions- und Innenausbaumaterialien aus heimischen Hölzern. Energetisch blieb man ebenfalls beim Holz: Eine Holzpelletheizung, kombiniert mit einer großen Dachfotovoltaikanlage, sorgt für eine nachhaltige Bilanz des Energiekonzeptes.

„Der Neubau des Thüringer Forstamtes Jena-Holzland zeigt beispielhaft das Potenzial der gesamten heimischen Wertschöpfungskette beim Bauen mit Holz“, erläutert Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Wobei der Baustoff Holz zusätzlich mit einer hervorragenden Klimabilanz überzeugt: So bindet das verbaute Holz nunmehr über die Gesamtlebensdauer des Gebäudes rund 260 Tonnen CO2 und trägt damit zu einem effektiven Klimaschutz im Freistaat bei. Berücksichtigt man weiterhin, dass mit der Wahl des Bau- und Brennstoffs Holz auch eine sofortige materielle und spätere energetische Substitution von anderen treibhausgaswirksamen Rohstoffen erfolgt, verbessert sich diese positive Klimabilanz auf insgesamt 780 t CO2. Umgerechnet kompensiert diese CO2-Einsparung einmalig die jährlichen Treibhausgasemissionen rund 10 % aller ThüringenForst-Beschäftigten. Dies zeigt eindrucksvoll, dass Klimaschutz im Wirtschaftswald und zugleich auch durch nachhaltige Holznutzung und -verwendung außerhalb des Waldes stattfindet.

Den insgesamt 24 Beschäftigten des Forstamtes Jena-Holzland sowie der ebenfalls am Standort verorteten Forstinspektion Ost stehen künftig knapp 480 Quadratmeter Bürofläche, verteilt auf zwei Geschosse, 73 Quadratmeter Archivräume, rund 145 Quadratmeter Lager- und Technikfläche sowie eine 50 Quadratmeter große Wildkühlzelle zur Verfügung. Auf dem 20.000 Quadratmeter großen Grundstück eröffnen sich weitere interessante Optionen. Ein 5.000 Quadratmeter großes Arboretum sowie eine Streuobstwiese wurden in die bauliche Konzeption integriert und dienen künftigen Aktivitäten in der Wald- sowie Umweltpädagogik. Durch die Lage zwischen mehreren Schulen, Kindergärten und der Fachschule für Agrarwirtschaft Stadtroda kann das Forstamt diesen waldgesetzlich verankerten Bildungsauftrag zukünftig noch besser erfüllen.

Foto: Dr. Horst Sproßmann

Neuer Pilz bedroht heimische Ahorne

Vor wenigen Wochen wurde erstmals der Erreger der Rußrindenkrankheit in einem knapp fussballfeldgroßen Ahornjungbestand im Thüringer Forstamt Bad Berka nachgewiesen. Der Erreger, der Schimmelpilz Cryptostroma corticale zählt zu den Schadorganismen, die von den klimatischen Veränderungen, insbesondere sehr trocken-heißen Sommern, profitieren. Er trat erstmals 2005 in Baden-Württemberg auf und hat nun Thüringen erreicht. Blattwelke, Absterbeerscheinungen an der Krone und Schleimfluss am Stamm sind typische Symptome. Neben der Schädigung des Baumes gefährdet er auch die Gesundheit des Menschen: Die Pilzsporen führen beim Einatmen nach etwa sechs bis acht Stunden zu ggf. mehrtägigem Reizhusten, Fieber und Atemnot. Ob sich der Pilz weiter in Thüringen verbreitet, bleibt offen.

Typisches Indiz der fortgeschrittenen Rußrindenkrankheit am Ahorn: Die Rinde platzt auf und entlässt unzählige Sporen zur weiteren Verbreitung der Erregers.
Foto: Mathias Stürtz
Der hauptsächlich in Nordamerika und Teilen Großbritanniens verbreitete Erreger gefährdet alle vorkommenden heimischen Ahornarten jeglichen Alters, egal ob im Bestand oder als Einzelbaum. „Tritt anfänglich nur Blattwelke auf, folgen schnell Asttrocknis und Absterbeerscheinungen im Kronenbereich. In dieser Phase kommen längsverlaufende Rindenrisse auf der Stammoberfläche sowie Rindenabplatzungen hinzu“, erklärt Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. In der Spätphase des Befalls stirbt der Baum ab, auf dem Stamm finden sich massenhaft puderartige schwarzbraune Pilzsporen, die an eine Rußschicht erinnern. Diese Pilzsporen wandern bei geringsten Windbewegungen durch die Luft zu Nachbarbäumen. Entsprechend besteht eine hohe Gefährdung für Menschen in unmittelbarer Nähe des Baumes.

Mit sofortiger Wirkung hat ThüringenForst seinen Mitarbeitern bei Forst- und Waldarbeiten an oder in der Nähe von befallenen Ahornen u. a. die Verwendung eines Schutzanzuges, eines Atemschutzes und leicht desinfizierbarer Schuhe oder Stiefel angeordnet. Fällungen sollten bei Regenwetter unter großräumiger Absperrung des Erntebereichs erfolgen. „Abgestorbene Bäume sollten keinesfalls als Brennholz verwendet werden, da die Sporen in geschlossenen Räumen noch effektiver wirken können. Das kontaminierte Holz darf nur abgedeckt transportiert werden und ist einer Entsorgung etwa in Kraftwerken zuzuführen“, so Gebhardt weiter.

Auf Nachfrage wurde mitgeteilt: „Mitte Oktober werden sich Forst- und Gesundheitsexperten treffen, um die Lage zu erörtern. Die Rußrindenkrankheit am Ahorn ist, ähnlich wie der Befall mit dem Eichenprozessionsspinner, kein rein forstliches, sondern auch und besonders ein Gesundheitsvorsorgeproblem (weniger für die Forstwirte, als mehr für Waldbesucher). Derzeit wissen wir nur von diesem Einzelfall, ob weitere Flächen betroffen sind, ist derzeit nicht erkennbar. Offen ist auch, ob eine Ausbreitung stattfindet – die wiederum stark von den Witterungsverhältnissen abhängig ist. Ein milder, feuchter, sturmreicher Winter (wie in den letzten Jahren mehrfach aufgetreten), könnte das Problem vergrößern. Der Einsatz womöglich chemischer Mittel gegen den Pilz (Fungizide) steht derzeit nicht an. Eine Möglichkeit ist es, die gesamte Kultur (bei geeigneter Witterung, ideal bei Regen) zu roden und das Holz in abgedeckten Behältnissen der thermischen Verwertung (Kraftwerk) zuzuführen. Und in Folge in den umliegenden Waldbeständen mit großer Aufmerksamkeit die Ahorne beobachten.“

Das Phänomen selbst sei Forstleuten nicht ganz unbekannt. In den 1970er Jahren fand erstmals das Ulmensterben statt, 2007 erstmals das Eschentriebsterben, jetzt das Ahornsterben – allesamt pilzliche Erreger als Auslöser. Speziell Pilzerkrankungen seien in den Wäldern schwierig zu bekämpfen – am ehesten noch durch forstwirtschaftliche Eingriffe (Förderung vitaler Einzelbäume, Förderung scheinbar nicht befallener Bäume, starke Durchforstungen, um pilzbefallsförderliche Standortsbedingungen (zuvorderst Wärme und Feuchtigkeit) einzuschränken etc.).

CDU-Landtagsabgeordneter: „Schluss mit der Verharmlosung des Wolfs“

„Der Wolf passt nicht zu der für die Thüringer Kulturlandschaft so wichtigen Weidetierhaltung. Mir hat noch niemand erklären können, wozu wir den Wolf hier brauchen.“ Mit diesen Worten hat der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Egon Primas, den jetzt bekannt gewordenen Riss dreier weiterer Tiere auf einer Weide bei Ohrdruf kommentiert. Die Fakten zum Erhaltungszustand des Wolfes in Mitteleuropa lieferten keine ausreichende Begründung für die weitere Einordnung dieser Tierart in höchste Schutzkategorien. „Während sich die einen über die Bereicherung der Tierwelt freuen, fürchten Landwirte schlicht um ihre Existenz“, meint Primas zum bestehenden Konflikt. Dieser werde sich verschärfen, wenn nicht unverzüglich gehandelt werde. Der CDU-Politiker fordert deshalb eine offene Debatte über verantwortliche Wege in der Bestandsregulierung von Wölfen durch die Jagd ein: „Wir müssen die Wolfspopulation in einen Zustand bringen, der im Einklang mit der Kulturlandschaft und dem Sicherheitsgefühl der ländlichen Bevölkerung steht“, so der stellvertretende Fraktionschef.

Im Juli, August und September 2017 kam es im Umkreis des Standortübungsplatzes Ohrdruf mehrfach zu Rissen, denen mehr als 50 Nutztiere zum Opfer gefallen sind. „Umweltministerin Anja Siegesmund hat viel zu spät erkannt, dass unverzüglich Klarheit über den Wolfsbestand um Ohrdruf geschaffen und valide Bestandszahlen ermittelt werden müssen“, so Primas‘ Urteil. Mit der Installation einer dichten Kameraüberwachung will Siegesmund „in diesem Monat beginnen“. Der CDU-Abgeordnete fordert, dass „Schluss sein muss mit der Verharmlosung des Raubtieres. Beispiele aus anderen europäischen Ländern zeigen, wie Wolfspopulationen reguliert werden können, ohne den Schutz der Art in Frage zu stellen.“ Primas verweist auf Schweden, wo die sogenannte Schutzjagd möglich ist. Einen Antrag der CDU-Fraktion, der unter anderem eine Wolfsverordnung fordert, die auch eine sogenannte Schutzjagd ermöglicht, wird der Landtag im Septemberplenum behandeln. „Damit sollen die rechtlichen Grundlagen geschaffen werden, um zukünftig Wolfsbestände regulieren zu können, bevor unbeherrschbare Situationen entstehen“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende abschließend.

Olaf Kießling, umweltpolitischer AfD-Fraktionssprecher und AfD-Landtagsabgeordneter für den Ilm-Kreis und Gotha, erklärte: „Die AfD-Fraktion fordert die ‚gezielte Entnahme‘ des Problemwolfs. Ein Export nach Sibirien könnte eine Möglichkeit sein. Schon jetzt ist großer Schaden in der Region um Ohrdruf entstanden. Ich mache dafür auch die naive Politik von Umweltministerin Anja Siegesmund verantwortlich. In ihrer Regierungserklärung im letzten Plenum des Thüringer Landtags sprach sich Frau Siegesmund für mehr Schafe in Thüringen aus, um mehr Flächen beweiden zu können. Trotzdem möchte sie auch uneinsichtiger Weise den Wolf in Thüringen ansiedeln. Ich sage, beides funktioniert nicht problemlos. Siegesmund muss sich entscheiden. Mit ihrer jetzigen Politik füttert sie Wölfe mit Schafen.“

Wie kommt Holz in das T-Shirt?

Dass man aus Holz Möbel bauen, Papier produzieren und auch ganze Häuser erstellen, oder auch schlicht und einfach nur zur Energieerzeugung verbrennen kann, ist mithin weit bekannt. Jetzt kommen die ersten Kleidungsstücke aus Holz auf den Markt – gleichsam der „Wooddress“. Holz als nachhaltig und regional produzierter Ersatz-Rohstoff für Baumwolle hat gleich mehrere Vorteile: Bäume werden nicht mit Pestiziden behandelt und es wird bei der Fasergewinnung etwa 20-mal weniger Wasser benötigt. Und die verwendete Holzfaser ist nicht nur funktional, sondern auch antibakteriell und extrem tragekomfortabel. Für die heimische Forst- und Holzwirtschaft ergibt sich damit eine völlig neue großindustrielle Verwendung und damit mittelfristig ein neuer Nachfrageboom.

„Holz wird immer mehr zum regionalen, nachhaltig produzierten Allround-Rohstoff. Damit erhält Holz und die damit verbundene nachhaltige Nutzung unserer Wälder einen deutlich erweiterten Stellenwert – in Wirtschaft und Politik“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Neben der Textilindustrie hat auch die chemische Industrie den Rohstoff Holz entdeckt. Dort ersetzt Holz zunehmend das Erdöl als Rohstoffbasis für Kunststoffe, Medikamente oder Farben und Lacke. Im Gegensatz zu anderen biomassebasierten Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrüben, konkurriert Holz nicht mit der Nahrungsmittelproduktion. „Ein entscheidender Vorteil von Holz als industrieller Rohstoff“, so Gebhardt.

Zu Holzgarn können Laub- und Nadelhölzer verarbeitet werden. Hierzu wird das Holz zu kleinen Schnitzeln verarbeitet und gekocht. Die herausgelöste Zellulose wird zu einer honigartigen Masse, die durch Spinndüsen technisch weiterverarbeitet wird. Die entstandene feine Faser wird geblichen, gereinigt und getrocknet und zu Garn weiterverarbeitet – Grundlage für die Herstellung von Stoff. So entstehen aus einem ein Kilogramm schweren Holzscheit etwa vier T-Shirts. Der Clou: Der Prozess kann als geschlossener Kreislauf umgesetzt werden, wodurch Ressourcen geschont und Emissionen vermindert werden. Durch seine Struktur ist der Holzstoff nicht nur robuster und haltbarer als Baumwolle, sondern bietet auch gleichzeitig zusätzliche Trageeigenschaften: er ist antibakeriell und temperaturausgleichend.

„Mit der neuen Rolle des Holzes als Allround-Rohstoff in der industriellen Fertigung wie auch als Basis-Rohstoff in der künftig nahezu erdölfreien chemischen Industrie muss die nachhaltige Forstwirtschaft auch im Freistaat Thüringen völlig neu gedacht werden“, so Gebhardt abschließend. Vor diesem Hintergrund sind Forderungen nach zusätzlichen Waldflächenstilllegungen in Thüringen, etwa für Wildnisgebiete, geradezu absurd.

Foto: Daniela Tröger

Regen lässt Pilzfreunde hoffen

Nach dem ergiebigen Regen der letzten Wochen könnten die nächsten warmen Sommertage die Pilzbestände im Wald explodieren lassen: Wie schon im vergangenen Jahr scheint auch die diesjährige Pilzsaison langsam anzulaufen. Aktuell finden sich in Thüringens Wäldern, zumindest in den großflächigen Fichtenwäldern entlang des Rennsteigs, kaum Speisepilze. Der intensive Regen der letzten Tage könnte jetzt das Blatt wenden, so prognostizieren Thüringens Förster. Folgen jetzt warme Sommertage, die auch in den höheren Lagen die 20-Grad-Tagestemperatur leicht übertreffen, dann dürften in den nächsten Wochen und Monate Stein- und Perlpilze, Maronen und Pfifferlinge das Herz der Pilzsammler höher schlagen lassen. Wenn auch Jedermann Pilze zum Eigenverzehr im Wald sammeln darf, so muss er dabei doch einige Grundregeln beachtet.

„Pilze bevorzugen feuchtes Wetter und maximal 25 Grad Celsius Tagestemperatur“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand und selbst routinierter Pilzsammler. Der diesjährige Witterungsverlauf war, mit Ausnahme des relativ warmen Märzmonats, insgesamt pilzfreundlich. Und die langfristigen Aussichten für Pilzfreunde sind sowieso positiv. „Durch den naturnahen Waldbau im Landeswald wie auch durch den Waldumbau in den oberen Lagen des Thüringer Waldes und der damit verbundenen flächigeren und vielfältigeren Mischung heimischer Laub- und Nadelbäume werden die Wälder in den nächsten Jahrzehnten noch reicher an Pilzen und damit auch an Speisepilzen“, prognostiziert Gebhardt.

Nach § 15 des Thüringer Waldgesetzes darf Jedermann Pilze sammeln, allerdings „in geringen Mengen zum eigenen Verbrauch“, wie Gebhardt einschränkend bemerkt. Außerdem muss die Entnahme und Aneignung pfleglich erfolgen. Wenn die Saison in den nächsten Wochen losgeht, sollten Pilzsammler deshalb im Wald einiges beachten: Nur die Pilze mitnehmen, die man sicher kennt. Pilze nicht herausreißen, sondern mit einem scharfen Messer bodeneben abtrennen. Pilze stets vorsichtig in Körben, wegen Schimmelgefahr nicht in Kunststofftüten oder Boxen sammeln. Pilze nie roh verzehren, auf über 70 Grad erhitzen, dies tötet möglicherweise anhaftende Fuchsbandwurmeier sicher ab. Maximal 200 Gramm Pilze auf einmal essen, da Pilze schwer verdaulich sind und, in großen Mengen genossen, Unwohlsein verursachen können. Erkannte Giftpilze bitte stehen lassen und nicht zertreten – für den Menschen giftige Pilze müssen noch lange nicht für die Tierwelt wie etwa Hase, Maus, Insekten oder Vögel giftig sein. Und der Pilzsammler sollte natürlich sein Auto außerhalb des Waldes parken, sonst droht ein Bußgeld. Grundsätzlich empfiehlt der Forstmann und Pilzfreund Gebhardt vor allem den unerfahrenen Pilzsuchern vor dem Verzehr die Kontaktnahme mit einem Pilzberater (siehe Karte). Im schlimmsten Fall sollte der Giftnotruf 0361-730 730 kontaktiert werden.

Eichen weichen und Buchen suchen? Keine gute Empfehlung!

Auch wenn in diesem Jahr schwere Hitzegewitter im Freistaat noch nicht häufig auftraten: Erholungssuchende und Naturfreunde werden oft genug von diesen gefährlichen Witterungserscheinungen beim Waldspaziergang überrascht. Rund 200.000 Volt und mehrere 10.000 Ampere stark, sowie rund 30.000° Celsius heiß sind Gewitterblitze, die Jahr für Jahr in Deutschland zwischen 50 und 150 Opfer fordern. Der Volksmund empfiehlt bei Gewittern im Wald bei „Eichen zu weichen“, hingegen „Buchen zu suchen“. Förster aber wissen: Dies sind keine guten Tipps. Speziell im Wald können wenige, aber richtige Verhaltensmaßnahmen die Gefahr, vom Blitz getroffen zu werden, deutlich senken.

„Unrichtig ist es, dass manche Baumarten häufiger, andere seltener vom Blitz getroffen werden. Der Blitzeinschlag wird in verschiedenen Bäumen nur unterschiedlich stark sichtbar“, erläutert Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Auf Kiefern und Eichen, deren dicke, oft mit Moosen überzogene, Borke das Wasser wie ein Schwamm aufsaugt und damit den auftreffenden Blitz im Rindenkörper ableitet, werden die Blitzschäden besonders offensichtlich. An der glatten Rinde der Buchen, Eschen oder Erlen läuft das Regenwasser fast ungehindert ab. Der Blitz wird in der Regel ohne sichtbare Schäden „außen herum“ gleich einem Blitzableiter in den Erdboden abgeleitet. Der Schutzsuchende unter dem Baum kann aber in jedem Fall getroffen werden.

Auf keinen Fall sollte man bei Gewittern Schutz unter hohen freistehenden Einzelbäumen suchen. Auch Berglichtungen sollten verlassen und tiefer gelegene Waldgebiete aufgesucht werden. Dem Wanderer empfiehlt Gebhardt die 30-30-Regel: Ist der Zeitabstand zwischen Blitz und Donner kleiner als 30 Sekunden droht Gefahr. Steigt er wieder über 30 Sekunden, so ist das Schlechtwetterzentrum am Abziehen. Das Aufsuchen von trockenen Gräben und Böschungen senkt das Risiko, dort sollte man in der Sitzhocke auf Besserung warten – aber keinesfalls mit aufgespanntem Regenschirm. Er wirkt wie ein Blitzableiter, mit tödlichen Folgen. Im Wald bieten niedriges Gebüsch und Dickungen Schutz, ggf. auch eine trockene Höhle. Vollkommen sicher ist man im Innenraum von Fahrzeugen, keinesfalls aber unter einem Fahrzeug. Auch Waldarbeiterschutzhütten sind nicht blitzsicher. Gleiches gilt für viele Wanderhütten.

Jedes zehnte Blitzopfer stirbt an den Folgen des Stromschlages. Rund ein Drittel der Überlebenden muss mit lebenslangen Schäden rechnen: Nervliches Missempfinden speziell in Händen und Beinen, eingeschränktes Kalt-Warm-Empfinden oder psychologische Dissonanzen bis hin zu Depressionen. Den Wald- und Naturfreunden empfiehlt Gebhardt, vor jeder Wanderung speziell in den Mittelgebirgen, unbedingt den Wetterbericht zu prüfen. Eine App auf dem Mobiltelefon, besser eine gute Wanderkarte gibt im Fall der Fälle Hinweise auf schützende Berghütten mit Blitzschutzanlagen.

Dunkle Gewitterwolken über Jena: Jetzt sollte der Waldspaziergang abgebrochen werden. Foto: Daniela Tröger

Die Neuerfindung des Holznagels

Während das westthüringische Laubholzsägewerk Pollmeier mit dem Innovationsträger „Baubuche“ derzeit die nationalen wie internationalen Märkte für Konstruktionsholz revolutioniert, zieht die österreichische Firma Beck Befestigungstechnik nach. Mit einem Nagel aus hochverdichtetem, einheimischen Buchenholz will diese dem Markt für ökologischen Holzbau ein Spitzenprodukt anbieten. Beiden Produktinnovationen liegt der Rohstoff Buchenholz zugrunde. Buchenholz bietet, im Gegensatz zu anderen Holzarten, gleich mehrere wichtige technologische Eigenschaften, wie etwa Härte, Elastizität, geringes Gewicht und Langlebigkeit. Diese machen es möglich, Buchenstifte wie Stahlnägel per Druckluft sekundenschnell zu verarbeiten. Beim Einschießen, z. B. in zwei Holzbalken, erwärmen sich Holznagel und Holzuntergrund derart, dass sich das Lignin verschweißt. Die erreichte Festigkeit übertrifft die einer herkömmlichen Stahlnagelverbindung um das Doppelte. Neben dem Festigkeitsvorteil lässt sich eine derartige Verbindung problemlos mit Holzwerkzeugen wie etwa Hobel oder Säge bearbeiten. Auch die unschönen, von Stahlnägeln verursachten, Holzverfärbungen entfallen.

Die Thüringer Landesforstanstalt nimmt diese jüngsten Innovationsentwicklungen zum Anlass, vor zusätzlichen Waldflächenstilllegungen, insbesondere auf Kosten der Buche, zu warnen. „Die deutsche und europäische Holzwirtschaft ist ein steter Innovationstreiber. Unter den Laubhölzern spielt die Buche dabei eine entscheidende Rolle. Es ist grotesk, durch zusätzliche Waldflächenstilllegungen im Freistaat geradezu destruktive Signale an das Wirtschafts- und Innovationscluster Forst & Holz zu senden“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand.

Bild oben: Buchenstamm mit Klammern gegen Rissbildung – ein Innovationsträger in der Holzindustrie, der in Thüringen künftig auf Grund von Waldflächenstilllegungen immer knapper wird. Autor: Dr. Horst Sproßmann