„Sonnenhof“: Neues Schmuckstück in Oberwellenborn

OW 3Oberwellenborn ist um ein Schmuckstück reicher: In der Angergasse wurden gestern auf dem „Sonnenhof“ das „Café Nelly“ die ersten Gäste von Jaqueline und Stephanie Exner willkommen geheißen.
2012 erwarben Mutter und Tochter den historischen Dreiseitenhof. Dann flossen fast vier Jahre lang jede Menge Geld (rund 200.000 Euro) und noch mehr Schweißperlen. Die Exner-Frauen verschafften einem uralten Gehöft, das sie im Jahr 2012 erwarb, mit viel Liebe zum Detail wieder neuen Glanz. Stephanie Exner, im Hauptbroterwerb Geschäftsführerin und Inhaberin der gleichnamigen Stahlbaufirma in Unterwellenborn: „Den Namen Nelly für das Café habe ich sehr bewusst gewählt. Er soll meine tiefe Verbundenheit und Dankbarkeit zu meiner Mutter ausdrücken, die vor knapp zwei Jahren verstarb.“
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Das Duo Saitenklub überzeugte mit handgemachter Musik
Das Duo Saitenklub überzeugte mit handgemachter Musik
Der rund 300 Jahre alte Dreiseitenhof wurde komplett mit ökologischen Baustoffen und nach Vorgaben des Denkmalschutzes restauriert. Das Prachtstück des Gebäudes ist eine aufwändig wieder hergerichtete Bohlenstube. „Auf die stießen Fachleute eher zufällig bei der Erstellung eines Holzgutachtens“, erinnerte sich Jacqueline Exner.
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Mit Buchlesungen und handgemachter Musik soll in naher Zukunft der „Sonnenhof“ kulturell bereichert werden. Die Nebengebäude werden in einer nächsten Bauphase einer gastlichen Bestimmung zugeführt. Mehr will Stephanie Exner noch nicht verraten.
Geöffnet ist vorerst Donnerstag bis Sonntag ab 13 Uhr. Im „Café Nelly“ gibt es neben Kaffeespezialitäten, Eis und hausgemachtem Kuchen ab dem späteren Nachmittag auch Pizza (im Holzofen gebacken). OW1OW 8

Grill-Meister und Eulenspiegel oder wer die längste Thüringer hat

Von Benjamin Hertel (Text & Fotos) – Daniel Fenski, ein Imbiss-Besitzer im Porträt. Das Baseball-Cap verkehrt herum auf den Kopf gesetzt, wieselflink die Würste wendend, einen Schalk um die Mundwinkel und den Blick immer wieder hebend. So steht Daniel Fenski hinter dem dampfenden Grill in seinem Imbiss. Fenser’s Bratwurst-Eck findet man nun seit über einem halben Jahr vor dem Baumarkt in Unterwellenborn. Einige gaben ihm und seinem Grill nur wenige Wochen, den Winter zu überstehen, trauten ihm nicht viele zu. Dabei bringt er mit einer Koch-Lehre und einer Ausbildung zum Bürokaufmann hervorragende Voraussetzungen mit, einen gut gehenden Imbiss zu leiten. Mittlerweile jedenfalls, dürfte sich die Meinung der Zweifler geändert haben.
Jeder der auf den Parkplatz rollt, dreht den Kopf zum Bratwurst-Eck. Kaum hat Fenser ein bekanntes Gesicht gesehen, ruft er einem freundlich zu. Auch im Verteilen von Komplimenten gegenüber den Besuchern des Baumarktes ist er freigiebig. „Kommunikation, darauf kommt es an.“ Meint der 35-Jährige.
Fenski BratwurstNach zwei Jahren Großstadterfahrung, als Angestellter, zog es den nun stolzen ImbissBesitzer wieder zurück in die Heimat. Ab 10 Uhr wird die erste Bratwurst verkauft, doch der Tag beginnt viel früher. Saucen müssen vorbereitet, Fleisch eingelegt werden. Beliefern lässt sich Daniel Fenski aus der Region. „Man muss sich gegenseitig unterstützen, die Ware kommt immer frisch und in bester Qualität“ . Etwas, das er während der zwei Jahre Großstadt nicht immer gewohnt war. Fenski versucht sich von seiner Konkurrenz abzugrenzen und seinen Gästen etwas zu bieten was die anderen nicht haben. Neben Pommes und Bouletten bringt er deshalb die längste Bratwurst der Umgebung an den Mann. Einen Thüringer Hot-Dog nennt Fenski zudem seine Eigenkreation.
Das langsam gegarte Schweinefleisch „Pulled Pork“, verfeinert mit hausgemachter Barbecue Sauce, seine Spezialität. Findig macht er potentiellen Kunden Appetit und versteht es sie mit Geselligkeit bei Laune zu halten. „Immer Volldampf, immer ganz oben, ist sich für keinen Scherz zu schade.“ So beschreiben ihn die Gäste, die oft mit Handschlag begrüßt werden. Einen festen Kundenstamm hat er bereits. Darauf sei er besonders stolz, verrät er. Auf die Frage, wie die Pläne für die Zukunft aussehen antwortet er fatalistisch. „Wie es kommt, so kommt es.“
Schnell spürt man dann jedoch, dass der junge Unternehmer sein Schicksal gern selbst mitbestimmt und Chancen an der Mantelfalte zu ergreifen versteht. Zu verschenken habe er nichts, schließlich müsse er von den Einnahmen leben können, teilt er selbstbewusst mit und rückt sein Base-Cap fester. Die Frage, ob er mit den Umsätzen zufrieden ist beantwortet Fenser mit einem Ja. „Kalkulation ist eben alles. Man darf nicht überladen, muss schmackhafte Dinge für die Stoßzeiten auf der Karte stehen und vorbereitet haben. Ich bin immer glücklich, wenn ich am Ende des Tages nichts wegschmeißen muss“, sagt er. Aber auch abseits der Arbeit, ist viel zu tun. Im Sommer steht der Zusammenzug mit der Freundin in eine neue Wohnung an. Nur für seine große Leidenschaft, den Fußball, findet er kaum noch Zeit.
Und dann, im nächsten Jahr will er in die Staaten, ins Volusia County, nach Florida reißen. Die Daytona Bike-Week findet statt und Fenski schwärmt mit seinem für ihn typisch schelmischen Lächeln. „Wenn ich könnte, würde ich den Imbiss anhängen und in den Sonnenstaat mitnehmen.“

Unser Autor Benjamin Hertel schrieb das „Porträt einer lokal bekannten Person.“ Es ist Teil einer Hausarbeit im Rahmen seines Studiums an der Journalistenschule des Verbandes Deutscher Fachjournalisten. Hertel bekam die Bestnote. Glückwunsch an dieser Stelle von uns!

Millionen für eine verrückte Tourismus-Idee

Anneliese Langheinrich vom „Kulmberghaus“: „Ich wünsche mir als Nachfolger und Investoren diejenigen mit der verrücktesten Idee. Was einst ein Aprilscherz aus dem Jahre 1969 war, sollte jetzt Wirklichkeit werden können.“

Ein Unternehmer-Konsortium (über dessen Zusammensetzung Vertraulichkeit vereinbart wurde) aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt erarbeitet derzeit ein ehrgeiziges Seilbahn-Projekt von Remschütz zum Kulm. 500 Menschen könnten mit der Kabinenbahn (jede Kabine fasst 35 Menschen sowie Fahrräder) pro Stunde befördert werden. Ergänzend dazu würde eine sogenannte Zip-Line von der Saale nach oben führen. Das Investitionsvolumen läge im zweistelligen Millionenbereich. Für die Planung zeichnet der Weltmarktführer im Seilbahnbau verantwortlich.

Am gestrigen Nachmittag informierten sich im Kulmberghaus Landrat Marko Wolfram, die Bürgermeister Matthias Graul (Saalfeld) und Andrea Wende (Unterwellenborn) sowie Dagmar Schmidt (IGZ) und Wirtschaftsförderer Matthias Fritsche über die ambitionierte Idee. Mit der Seilbahn, so die potenziellen Investoren, würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Einerseits entstünde ein überregionaler touristischer Anziehungspunkt, andererseits ein attraktives Naherholungsziel für alle im Städtedreieck. Nahezu alle touristischen Nachfragen könnten befriedigt werden. Wanderer kämen ebenso auf ihre Kosten wie Mountainbiker, Paddler auf der Saale könnten in Remschütz ebenso um- und einsteigen wie Motorrad- und Autofahrer. Sowohl individuell als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre die Talstation gut erreichbar.

Von der Saale bis zum Kulm würde ein Höhenunterschied von 340 Metern überwunden. Eine Seilbahn-Lösung, die im Freistaat ihresgleihen suchen würde.
Von der Saale bis zum Kulm würde ein Höhenunterschied von 274 Metern überwunden. Eine Seilbahn-Lösung, die im Freistaat ihresgleichen suchen würde.
Möglichst viele aus der Region in das Projekt einzubinden, nannten die Investoren als oberste Priorität. Aus dem ehemaligen Kulmberghaus würde ein „Berggasthof Kulm“ mit völlig neuem gastronomischen Konzept, wofür die Immoblie auch ein verändertes Gesicht bekäme. Nach einer Seilbahnfahrt und Einkehr auf dem Kulm wären für Wanderer zahlreiche attraktive Ziele ringsum auf Schusters Rappen erreichbar.
Rund um den Berggasthof sind komfortable Berghütten aus Holz ebenso geplant wie ein Klettergarten. Der ehemalige Parkplatz unterhalb des Kulmberghauses könnte künftig für Events genutzt werden. Denkbar wäre auch ein Mini-„Legoland“ ganz anderer Art: Miniaturen aus allseits bekannten Ankerbausteinen könnten ein Zugfperd für Kinder werden.
Der Landrat und die beiden Bürgermeister signalisierten, dass an ihnen das Projekt gewiss nicht scheitern würde. Weiterer Abklärungsbedarf entstünde allerdings. Das für die Talstation benötigte Grundstück im Besitz der Stadt Saalfeld wäre zu erwerben, so Matthias Graul. Die Querung einer 110 kV-Stromleitung stelle ein lösbares technisches Problem dar, verlautbarte seitens der Investoren. Die Machbarkeit hinge nicht nur vom lokalen und regionalen Umfeld ab, sagte Wirtschaftsförderer Fritsche. Denn im nächsten Stadium sind nun die Hüter einschlägiger Gesetze und Vorschriften gefordert, auch was die Frage der Förderfähigkeit anbelangt.

Kulm SaaleJournalHintergrund: Das Kulmberghaus in jetztiger Gestalt wurde im Oktober 1969 seiner Bestimmung übergeben. Seit 1972 bewirten Anneliese Langheinrich und Eva-Maria Koch einkehrende Gäste auf der höchsten Erhebung bei Saalfeld. Bereits 1920 gab es auf dem Kulm eine Schutzhütte, seit 1923 ein erstes Kulmberghaus mit Fremdenzimmern. Eine Kutsche fuhr regelmäßig hinauf.
Der 20 Meter hohe Kulmturm ist einer der ältesten Stahlfachwerktürme in Deutschland. Der denkmalgeschützte Turm wurde 1884 von der Königin Marienhütte errichtet. Nach umfassender Sanierung kann seit 2012 die 18 Meter hohe Aussichtsplattform, die genau auf 500 Metern Höhe liegt, wieder bestiegen werden.

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Die sogenannte Zip-Line ist eine Seilbahn, die anderswo auch als Flying Fox, Tyrolienne oder Guerillarutsche bekannt ist. An einer Rolle oder an einem Karabinerhaken hängend werden Personen transportiert. Überall dort, wo es solche Attraktionen gibt, ist die Zip-Line ein Touristenmagnet. Beispiele: Hirschgrund im Schwarwald, Ochsenkopf im Fichtelgebirge, Eifel Adventures. Auch mit der Doppelseilrutsche an der Rappbode-Talsperre könnte sich das Kulm-Projekt durchaus messen.

Erstmals weniger als 10.000 Arbeitslose

„Noch nie waren im Agenturbezirk so wenig Menschen arbeitslos, was mich sehr freut. Der regionale Arbeitsmarkt befindet sich in einer guten Verfassung, sodass Arbeitsuchende derzeit davon profitieren können. Nach wie vor gilt, dass gut Qualifizierte leichter eine neue Beschäftigung finden. Aus diesem Grund legen wir unser Augenmerk weiter auf die Personen, die einer verstärkten Unterstützung bedürfen und investieren in Qualifizierungsmaßnahmen“, sagte Birgit Becker, Leiterin der Agentur für Arbeit Jena.

In Thüringen waren im Mai rund 76.600 Menschen ohne Beschäftigung. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent – 0,3 Prozentpunkte weniger als im Vormonat.
Die Zahl der Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit sinkt im Jahresvergleich nur um 1.000 auf nunmehr 28.900. Damit hatten in Thüringen rund 38 Prozent aller Arbeitslosen länger als ein Jahr keinen Arbeitsplatz.
Arbeitsagentur Jena:
– 9.992 Menschen arbeitslos, knapp 10 Prozent weniger als im Vorjahr
– Arbeitslosenquote bei 6,3 Prozent
– Zahl der Bedarfsgemeinschaften weiter gesunken
– Arbeitskräftenachfrage im Agenturbezirk deutlich über Vorjahr

Im Mai sank die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen im Agenturbezirk Jena erstmals auf 9.992 Personen. Das sind 397 Personen (-3,8 Prozent) weniger als im April und 1.065 Personen (-9,6 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank auf 6,3 Prozent (Vormonat 6,5). Vor einem Jahr lag sie noch bei 6,9 Prozent. Der Thüringer Landesdurchschnitt liegt bei 6,7 Prozent.
2.289 Personen meldeten sich im vergangenen Monat arbeitslos. Davon kamen 729 Personen direkt aus einer Erwerbstätigkeit, hier verstärkt aus den Bereichen Zeitarbeit, dem verarbeitenden Gewerbe sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen und dem Handel. 2.676 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit, davon nahmen 1.009 eine Erwerbstätigkeit auf.
Jobcenter mai 2016
Arbeitskräftenachfrage
Arbeitgeber meldeten der Agentur für Arbeit Jena (ohne optierende Kommune) 949 freie Stellen zur Besetzung. Das waren 23 Stellen weniger als im April, aber 146 mehr als im Vorjahr. 38 Prozent der gemeldeten Stellen sind Arbeitsplätze im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung. Arbeitsplatzangebote in größerem Umfang kamen weiterhin für folgende Berufsbereiche: Gesundheits- und Sozialwesen, Verarbeitendes Gewerbe sowie der öffentlichen Verwaltung.

Unterbeschäftigung
Im Agenturbezirk Jena sind aktuell 9.992 Arbeitslose gemeldet. Darüber hinaus gibt es Menschen, die ohne arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und gesetzliche Sonderregelungen unmittelbar arbeitslos wären. Die Unterbeschäftigung vermittelt einen transparenten Eindruck über die Zahl dieser Menschen. Rechnet man diese Personen, die ansonsten arbeitslos wären, zu den Arbeitslosen hinzu, belief sich im Mai 2016 die Unterbeschäftigung auf 12.998 Menschen (Vormonat 13.310 Personen). Die Unterbeschäftigungsquote für den Agenturbezirk Jena sank auf 8,1 Prozent (-0,1 Prozent zum Vormonat).

Rechtskreis SGB II
Auch im vergangenen Monat fiel die Bilanz der Jobcenter im Vergleich zum Vorjahr günstiger aus. So wurden in den Jobcentern insgesamt 12.187 Bedarfsgemeinschaften gezählt, 897 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der Arbeitslosengeld II-Empfänger lag mit 14.980 Personen unter dem Vorjahresniveau (-1.054 Personen).
Durch die Träger der Grundsicherung (Jobcenter Saale-Holzland-Kreis, Jobcenter Saalfeld-Rudolstadt und Jobcenter jenarbeit) werden rund 71 Prozent aller Arbeitslosen betreut.

Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
3.853 Frauen und Männer waren im Mai 2016 arbeitslos. Im Vergleich zum Vormonat ist dies ein Rückgang um 247 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen um 578 Personen (-13 Prozent) gesunken. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,6 Prozent, 0,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Derzeit sind 47 Prozent (1.812 Personen) aller Arbeitslosen 50 Jahre und älter. 6 Prozent sind jünger als 25 Jahre (230 Personen).
Rund 7 Prozent aller Arbeitslosen sind Schwerbehinderte (255 Personen). Der Anteil der arbeitslosen Ausländer betrug im Mai 4,2 Prozent (160 Personen). 1.446 Personen (38 Prozent) gelten derzeit als langzeitarbeitslos, 140 weniger als vor einem Jahr. 881 Personen meldeten sich im neu oder wieder arbeitslos. Davon kamen 294 Personen direkt aus einer Erwerbstätigkeit. Im Gegenzug beendeten 1.121 Personen ihre Arbeitslosigkeit, wovon 455 Personen direkt eine Erwerbstätigkeit aufnahmen.
In der Agentur für Arbeit Saalfeld – (Rechtskreis SGB III) wurden im Berichtsmonat 1.114 Arbeitslose gezählt, 175 (-13,6 Prozent) weniger als im April. Zum Vorjahr waren es 212 Personen (-16 Prozent) weniger. Im Rechtskreis SGB II – in Betreuung des Jobcenters Saalfeld-Rudolstadt – waren im Mai 2.739 Personen arbeitslos gemeldet, das waren
72 Personen (-2,6 Prozent) weniger als vier Wochen zuvor und 366 Personen (-11,8 Prozent) weniger als im Vorjahr.
Im Landkreis wurden 4.583 Bedarfsgemeinschaften gezählt, 458 weniger als vor einem Jahr. 5.639 Personen bezogen Arbeitslosengeld II, damit blieb die Zahl deutlich unter dem Vorjahresniveau (-623 Personen, -9,9 Prozent).
Regionale Unternehmen und Einrichtungen meldeten der Agentur für Arbeit 351 Stellen zur Besetzung, 94 mehr als im Vorjahr. Damit beläuft sich der Stellenbestand der Arbeitsagentur aktuell auf 969 freie Stellen.
Jobs 2016 Mai

Wenn der Azubi nicht übernommen wird

Nach der Ausbildung vom Ausbildungsbetrieb übernommen zu werden, ist der Idealfall. Doch was tun, wenn die Übernahme nicht fest steht? Dann sollten sich auslernende Azubis rechtzeitig arbeitsuchend melden – am besten online.

Für Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnis oder außerbetriebliches Ausbildungsverhältnis endet, ist es gesetzlich geregelt: Sie müssen sich drei Monate vor dem Auslaufen des Vertrages arbeitsuchend melden. Anders ist es bei Absolventen einer betrieblichen Ausbildung: Hier gibt es keine gesetzliche Vorschrift. „Für den Fall, dass es nach der Ausbildung nicht weitergeht, sollte man sich nicht scheuen, die Angebote der Arbeitsagentur zu nutzen. Arbeitslosigkeit kann durchaus vermieden werden, wenn man sich frühzeitig arbeitsuchend meldet“, sagt Birgit Becker, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Jena. Die Arbeitsvermittler nehmen das Bewerberprofil auf, beraten zum Arbeitsmarkt und können auch finanziell durch die Übernahme von Bewerbungskosten etc. unterstützen. Für Absolventen, die ein Studium planen oder ins Ausland gehen wollen, bieten sie individuelle Beratung an.

Die Meldung kann telefonisch, persönlich, schriftlich oder auch online erfolgen. Dabei können bei der Online-Arbeitsuchend-Meldung Azubis von Zuhause aus unabhängig von Öffnungszeiten gleich ihre Daten und ihren Lebenslauf eingeben. Das bietet Transparenz über die eigenen Daten, Sicherheit und eine schnellere Vermittlung, da sofort passgenaue Stellen gefunden werden können.

SLF-RU: Weniger Bedarfsgemeinschaften

Im April 2016 wurden im Jobcenter Saalfeld-Rudolstadt weniger Bedarfsgemeinschaften betreut. Die aktuelle Zahl liegt bei 4.619 und somit 8,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Einerseits stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zum Stichtag 30. September um 1,6 Prozent, gleichzeitig signalisieren Unternehmen immer mehr Ersatzbedarf, da in den kommenden Monaten und Jahren zahlreiche Mitarbeiter das Rentenalter erreichen.

„Das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt verschiebt sich quantitativ und qualitativ. Das Arbeitskräftepotential verringert sich. Daher müssen wir in Zukunft Potenziale noch stärker nutzen. Besteht bei Arbeitgebern grundsätzlich Bereitschaft für die Einstellung von z.B. Langzeitarbeitslosen, kann der gemeinsame Arbeitgeberservice von Jobcenter und der Agentur für Arbeit Jena finanziell unterstützen oder durch Qualifizierung Defizite ausgleichen“, so Birgit Becker, Leiterin der Agentur für Arbeit Jena. Steigende Einkommen wirken sich direkt auf die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften aus. So ging die Zahl der Bedarfsgemeinschaften mit mindestens einem erwerbstätigen Leistungsbezieher und ergänzendem Arbeitslosengeld II-Bezug spürbar zurück. Im Dezember 2015 bezogen 1.845 Personen ergänzend Arbeitslosengeld II, 198 oder rund zehn Prozent weniger als noch vor einem Jahr.

Auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften mit Kindern sank im Landkreis. Gab es 2015 noch 1.345 Bedarfsgemeinschaften mit Kind Arbeitslosengeld II, so sind es jetzt 1.229. Ein Rückgang von knapp 9 Prozent. Alleinerziehende mit Kind profitieren weniger stark von der positiven Entwicklung. Sie erzielen mit ihrer Erwerbstätigkeit oftmals kein ausreichendes Einkommen, um den Transferbezug zu vermeiden. Im Dezember 2015 bezogen 825 Alleinerziehende mit min-destens einem Kind Arbeitslosengeld II. Vor einem Jahr waren es noch 862, der Rück-gang fiel also mit 4,3 Prozent deutlich geringer aus. Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt investierte im vergangenen Jahr rund 15.784.000 Euro in Kosten für Unterkunft und Heizung. 2014 waren es noch 16.779.000 Euro. Der Rückgang der Bedarfsgemeinschaften sorgte somit für Einsparungen von knapp einer Million Euro.

Schwerbehinderte mit Problemen am Arbeitsmarkt

Im Arbeitsagenturbezirk Jena stieg die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen. Eine aktuelle Auswertung der beschäftigungspflichtigen Unternehmen zeigt, dass 2.534 Menschen mit einer Schwerbehinderung in Unternehmen, die mehr als 20 Mitarbeiter haben, beschäftigt waren. In den vergangenen fünf Jahren entspricht dies einem Zuwachs von 398 Personen (19 Prozent). Im Schnitt erfüllten damit aber nicht alle Unternehmen die gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigungsquote von 5 Prozent. Insbesondere bei den privaten Unternehmen werde die Quote mit 3,9 Prozent nicht erfüllt, sagt Birgit Becker von der Agentur für Arbeit Jena.

Aktuell sind in der Region Jena 556 Menschen mit Schwerbehinderung ohne Arbeit. Mehr als drei Viertel aller gemeldeten Schwerbehinderten verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Studienabschluss. Dennoch profitieren Menschen mit Handicaps nicht im gleichen Umfang vom Abbau der Arbeitslosigkeit. 37 Prozent aller Arbeitslosen meldeten sich im Jahr 2015 in Erwerbstätigkeit ab. Bei den schwerbehinderten Arbeitslosen lag die Quote lediglich bei 18 Prozent.

(Arbeitgeber, die jahresdurchschnittlich monatlich über mindestens 20 zu zählende Arbeitsplätze verfügen, sind anzeigepflichtig und dazu verpflichtet, schwerbehinderte Menschen, ihnen gleichgestellte oder sonstige anrechnungsfähige Personen zu beschäftigen.)

Stabile Ausbildungszahlen bei Siemens Healthcare

Wir setzen unsere lose Folge, in denen sich große Arbeitgeber der Region zum tatsächlichen oder vermeintlichen Fachkräftemangel äußern, mit der Siemens Healthcare GmbH in Rudolstadt fort.
Das Unternehmen beschäftigt derzeit 250 Mitarbeiter, darunter 26 Auszubildende. Wir haben Marco Friepes aus der Personalleitung des Unternehmens dazu befragt.

„Fachkräftemangel“ gehört zu den meistgebrauchten Schlagwörtern der politischen und medialen Diskussion. Wie ist es diesbezüglich in Ihrem Hause bestellt? Finden Sie allzeit genügend leistungsfähiges Personal, das Ihren Bedürfnissen und Anforderungen enspricht?
„Durch unsere stabilen Ausbildungszahlen können wir einen Großteil unseres Fachkräftebedarfs im Facharbeiterbereich sehr gut abdecken. Bei der Suche nach speziellen Fachkräften (z.B. im Bereich der Elektrotechnik/Maschinenbau/
Vakuumtechnik oder mit speziellen Erfahrungen) ist der Eingang qualifizierter Bewerbungen eher überschaubar.“
Siemens RU 2Welche Anstrengungen unternimmt Ihr Unternehmen, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen?
„Wir bieten in unserer eigenen Lehrwerkstatt verschiedene Möglichkeiten, unter anderem in den Beruf des Industriemechanikers zu schnuppern. Schülerpraktika, die ‚Lego AG‘, Tage der offenen Tür und Werbung auf verschiedenen Ausbildungsmessen in der Region sind neben Weitergabe von Erfahrungsberichten unserer Auszubildenden im Bekanntenkreis über die Art und Weise der Ausbildung die besten Möglichkeiten, hier als attraktiver Ausbildungsbetrieb wahrgenommen zu werden.
Siemens RU 3Darüber hinaus kooperiert Siemens Rudolstadt mit Universitäten und Hochschulen Mitteldeutschlands, unter anderem mit der TU Ilmenau oder der Fachhochschule Mittweida. Beispielsweise werden regelmäßig Fachexkursionen Studierender der Fachrichtung Biomedizintechnik durchgeführt. Siemens Rudolstadt bietet darüber hinaus eine praxisnahe Betreuung Studierender, mit studentischen Praktika, der Betreuung von Doktoranden oder Abschluss-Arbeiten im Diplom-, Bachelor- und Masterbereich sowie Werkstudenten-Plätzen. Neun der früheren Werkstudenten haben mittlerweile eine unbefristete Anstellung im Röntgenwerk.“
Spielen Lage und Infrastruktur eine Rolle, wenn Sie insbesondere hochqualifiziertes Fachpersonal für Rudolstadt gewinnen wollen?
„Die immer wichtiger werdenden ‚weichen‘ Faktoren bei der Berufswahl beinhalten auch die Infrastruktur. Unser Unternehmen ist auf zwei Säulen aufgebaut, einmal sehr gut qualifizierte Facharbeiter, aber auch hochspezialisierte Mitarbeiter in bestimmten Bereichen. Diese kommen nicht immer zwingend aus unserer Region, sondern bewerben sich deutschlandweit. Hierfür, und auch für Kontakte mit Kunden und Dienstleistern ist die Infrastrukturanbindung enorm wichtig, auch die geplanten Straßenausbaumaßnahmen im Bundesverkehrswegeplan.“
Spielen Flüchtlinge mit Bleiberecht in der Personalplanung eine Rolle?
„Wenn die benötigten Qualifikationen vorliegen, die für eine Aufgabe gesucht werden, ist es für unser Unternehmen eine zusätzliche Option, qualifiziertes Fachpersonal zu rekrutieren. Grundsätzlich wird nach Eignung und Qualifikation über die Besetzung einer Stelle entschieden, nicht nach Herkunft, Geschlecht, Alter oder Status.“

Deutliche Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

„Die Frühjahrsbelebung ist auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Ein Blick auf die Arbeitslosenquoten zeigt, dass kein Landkreis mehr über der 7-Prozent-Marke liegt. Der regionale Arbeitsmarkt ist robust. Arbeitgeber entließen ihre Mitarbeiter seltener, als in den vergangenen Jahren. Das belegt die seit Jahresbeginn gesunkene Zahl an Arbeitslosmeldungen aus Erwerbstätigkeit“, sagte heute Birgit Becker, Leiterin der Agentur für Arbeit Jena.

Kurz und Knapp:
10.389 Menschen arbeitslos, knapp 12 Prozent weniger als im Vorjahr
Arbeitslosenquote bei 6,5 Prozent
Zahl der Bedarfsgemeinschaften weiter gesunken
Arbeitskräftenachfrage im Agenturbezirk zum Vorjahr deutlich gestiegen

Bestand an Arbeitslosen nach Rechtskreisen – April 2016
Bestand an Arbeitslosen nach Rechtskreisen – April 2016

Im April sank die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen auf 10.389 Personen. Das sind 618 Personen (-5,6 Prozent) weniger als im März und 1.350 Personen (-11,5 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank auf 6,5 Prozent (Vormonat 6,9). Vor einem Jahr lag sie noch bei 7,4 Prozent. Der Thüringer Landesdurchschnitt liegt bei 7 Prozent.
In jedem Monat gibt es Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen neu oder wieder von Arbeitslosigkeit betroffen sind, andererseits werden aber auch neue Stellen geschaffen und Arbeitslose eingestellt. Dadurch spiegelt sich die Arbeitsmarktdynamik wider. 2.262 Personen meldeten sich im vergangenen Monat arbeitslos. Davon kamen 819 Personen direkt aus einer Erwerbstätigkeit, hier verstärkt aus den Bereichen Zeitarbeit, dem verarbeitenden Gewerbe sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen. 2.857 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit, davon nahmen 1.206 eine Erwerbstätigkeit auf.

Arbeitskräftenachfrage
Arbeitgeber meldeten der Agentur für Arbeit Jena (ohne optierende Kommune) 972 freie Stellen zur Besetzung. Das waren 73 Stellen weniger als im März, aber 238 mehr als im Vorjahr. 41 Prozent der gemeldeten Stellen sind Arbeitsplätze im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung. Arbeitsplatzangebote in größerem Umfang kamen weiterhin für folgende Berufsbereiche: Verarbeitendes Gewerbe, dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie der öffentlichen Verwaltung.

Unterbeschäftigung
Im Agenturbezirk Jena sind aktuell 10.389 Arbeitslose gemeldet. Darüber hinaus gibt es Menschen, die ohne arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und gesetzliche Sonderregelungen unmittelbar arbeitslos wären. Die Unterbeschäftigung vermittelt einen transparenten Eindruck über die Zahl dieser Menschen. Rechnet man diese Personen, die ansonsten arbeitslos wären, zu den Arbeitslosen hinzu, belief sich im April 2016 die Unterbeschäftigung auf 13.317 Menschen (Vormonat 13.812 Personen). Die Unterbeschäftigungsquote für den Agenturbezirk Jena sank auf 8,3 Prozent (-0,3 Prozent zum Vormonat).

Rechtskreis SGB II
Auch im vergangenen Monat fiel die Bilanz der Jobcenter im Vergleich zum Vorjahr günstiger aus. So wurden in den Jobcentern insgesamt 12.186 Bedarfsgemeinschaften gezählt, 921 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der Arbeitslosengeld II-Empfänger lag mit 14.908 Personen unter dem Vorjahresniveau (-1.146 Personen). Durch die Träger der Grundsicherung (Jobcenter Saale-Holzland-Kreis, Jobcenter Saalfeld-Rudolstadt und Jobcenter jenarbeit) werden rund 69 Prozent aller Arbeitslosen betreut.

So sieht es im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt aus
4.100 Frauen und Männer waren im April 2016 arbeitslos. Im Vergleich zum Vormonat ist dies ein Rückgang um 374 Personen. Vom Rückgang profitieren im Frühjahr besonders Männer, weil die Arbeitskräftenachfrage in den Außenberufen steigt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen um 649 Personen (knapp 14 Prozent) gesunken. Die Arbeitslosenquote liegt bei 7 Prozent, 1 Prozentpunkt unter dem Vorjahreswert. Derzeit sind rund 47 Prozent (1.924 Personen) aller Arbeitslosen 50 Jahre und älter. Rund 6 Prozent sind jünger als 25 Jahre (251 Personen).
Rund 6 Prozent aller Arbeitslosen sind Schwerbehinderte (259 Personen). Der Anteil der arbeitslosen Ausländer betrug im April 4,2 Prozent (173 Personen). 1.489 Personen (36 Prozent) gelten derzeit als langzeitarbeitslos, 131 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der Arbeitslosmeldungen ist gesunken. 868 Personen meldeten sich im neu oder wieder arbeitslos. Davon kamen 331 Personen direkt aus einer Erwerbstätigkeit. Im Gegenzug beendeten 1.228 Personen ihre Arbeitslosigkeit, wovon 567 Personen direkt eine Erwerbstätigkeit aufnahmen.
Im Rechtskreis SGB III wurden im Berichtsmonat 1.289 Arbeitslose gezählt, 294 (-18,6 Prozent) weniger als im März. Zum Vorjahr waren es 276 Personen (-17,6 Prozent) weniger. Im Rechtskreis SGB II – in Betreuung des Jobcenters Saalfeld-Rudolstadt – waren im April 2.811 Personen arbeitslos gemeldet, das waren 80 Personen (-2,8 Prozent) weniger als vier Wochen zuvor und 373 Personen (-11,7 Prozent) weniger als im Vorjahr.
Im Landkreis wurden 4.619 Bedarfsgemeinschaften gezählt, 432 weniger als vor einem Jahr. 5.689 Personen bezogen Arbeitslosengeld II, damit blieb die Zahl deutlich unter dem Vorjahresniveau (-583 Personen, -9,3 Prozent). Regionale Unternehmen und Einrichtungen meldeten der Agentur für Arbeit 258 Stellen zur Besetzung, 10 weniger als im Vorjahr. Damit beläuft sich der Stellenbestand der Arbeitsagentur aktuell auf 917 freie Stellen.

MINT ist nach wie vor männlich

Derzeit arbeiten im Agenturbezirk Jena nur knapp ein Drittel (32.017 Menschen) aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in klassischen MINT-Berufen. Hinter der Bezeichnung „MINT“ verstecken sich Berufe und Studienfelder rund um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. In den MINT-Berufen sind nur 21,6 Prozent Frauen. Bei den Auszubildenden beträgt der Anteil der Mädchen nur 13,3 Prozent.
„Da ist noch Potential zu finden“, so Birgit Becker, Leiterin der Jenaer Arbeitsagentur. „MINT-Berufe bieten auch in unserer Region attraktive und zukunftssichere Chancen“, erklärt Becker „nicht nur mit dem Girls’Day, sondern auch in der täglichen Berufsorientierung weisen wir auf die MINT-Perspektiven vor Ort hin“. Die Wunschberufe der Mädchen weichen leider oft von den naturwissenschaftlichen Angeboten ab.
Mädchen und Jungen wählen nach wie vor klassische Berufswege. Im Agenturbezirk Jena waren 2015 1.521 Bewerber für eine Ausbildungsstelle bei der Berufsberatung registriert. Ein Blick auf die Berufswünsche zeigt, dass MINT-Berufe nach wie vor männlich sind. 475 Jugendliche möchten einen MINT-Beruf erlernen. Davon sind 83 Prozent Jungen. Bei den Mädchen äußerten nur 17 Prozent diesen Wunsch.
Für Jungen und Mädchen gibt es vielfältige Angebote zur Berufsorientierung, so z.B. den “Girls‘ und Boys’Day”, der in diesem Jahr am 28. April 2016 stattfinden wird. Seit 2001 wird der “Girls’Day” in Deutschland genutzt, um insbesondere Mädchen den Einstieg in naturwissenschaftliche und technische Berufsfelder zu erleichtern.
Eine weitere gute Hilfe kann der Chancenatlas sein, der von den Agenturen für Arbeit für die Bundesländer Thüringen und Sachsen-Anhalt konkret gefragte Berufe und Trends in und für die Regionen vorstellt. „Mit dem Chancenatlas informieren wir über Perspektiven, Arbeitsinhalte und Verdienstmöglichkeiten zu aktuellen Berufen. Hier ist die steigende Bedeutung der MINT-Berufsfelder zunehmend sichtbar“, so Manuela Schrodt, Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit Jena. „Informieren und probieren ist dennoch für die Berufswahl unverzichtbar“. Erhebungen zeigen auch, dass mit den MINT-Berufen höhere Einkommen und eine bessere Arbeitsplatzsicherheit gegeben sind, als in anderen Berufsfeldern.
Durch Information und praktische Einblicke werden falsche Vorstellungen entkräftet oder Begeisterung für den passenden Ausbildungsberuf entfacht. „Eine gute Wahl kann nur treffen, wer eine Auswahl wirklich kennt“, betont Becker, „es lohnt sich also über die MINT-Chancen im individuellen Gespräch mit unserer Berufsberatung zu informieren“.

Sparkassen-Bilanzen bei Lichte betrachtet

Das Recherchezentrum Correctiv.org und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ haben zum ersten Mal die faulen Kredite für alle 409 Sparkassen in Deutschland ausgewertet. Hat eine Bank viele faule Kredite, ist das ein Indiz dafür, dass sie bei der Kreditvergabe ein hohes Risiko eingeht. Als faul gelten Kredite, bei denen sich ein Schuldner mehr als 90 aufeinanderfolgende Tage nicht an Absprachen hält, indem er zum Beispiel eine Rate länger nicht überweist.
Große Überraschung: Die Sparkassen aus Baden-Württemberg haben den höchsten Anteil notleidender Kredite. Die Daten zeigen auch: Ein Großteil der Sparkassen in Deutschland scheint derzeit kaum Schwierigkeiten mit faulen Krediten zu haben. Der durchschnittliche Anteil fauler Kredite lag im Jahr 2014 bei 1,62 Prozent. Damit stehen die Sparkassen bundesweit gut da.
Das Handelsgesetzbuch räumt bei der Bewertung von Krediten Spielräume ein, die auch genutzt werden. Diese Bewertungsspielräume sind begrenzt und wirken in zwei Richtungen: So kann eine kapitalschwache Sparkasse ein Stück weit Abschreibungen auf recht wackelige Kredite auf spätere Jahre verschieben. Umgekehrt kann eine Sparkasse – wenn ihre Geschäfte richtig gut laufen – eher mehr faule Kredite ausweisen und so den steuerpflichtigen Jahresgewinn drücken.

Für uns Anlass genug, sich die beiden Kreissparkassen Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla näher anzuschauen. Wie hoch ist der Anteil notleidender Kredite im Saalfelder Haus: 1.08 % Gesamt (Platz 156 von 413), 0.92 % Privatpersonen, 3.7 % Unternehmen & Selbstständige. Daraus ergibt sich die Frage: Falls alle notleidenden Kredite ausfallen, bräuchte die Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt allerdings bei gleichbleibendem Gewinn 11.9 Jahre (Platz 374 von 413), um den Verlust auszugleichen. Wie ist die Sparkasse für schlechte Zeiten gerüstet? Gut: 21.72 % Gesamtkapitalquote (Platz 62 von 413). 8 % sind minimale Pflicht nach Basel III.
Laut Geschäftsbericht im Bundesanzeiger beliefen sich die Gesamtbezüge des dreiköpfigen Vorstands im Geschäftsjahr 2014 (der Geschäftsbericht 2015 wird frühestens im Juli 2016 veröffentlicht) auf 612.000 Euro. Die Gesamtbezüge der elf Verwaltungsratsmitglieder betrugen im gleichne Zeitraum vergleichsweise bescheidene 43.000 Euro. Für frühere Vorstandsmitglieder und ihre Hinterbliebenen ergaben sich 2014 Gesamtbezüge von 282.000 Euro.
Als Bilanzgewinn weist die Kreissparkasse für 2014 1.319.160,20 Euro aus. Gegenüber 2013 hatte das Haus weniger Mitarbeiter an Bord, insgesamt 284 (190 in Vollzeit, 79 in Teilzeit, 15 Auszubildende). Bei den Kontoführung und Kreditzinsen liegt die Sparkasse in Saalfeld noch im mittleren Bereich.

Nebenan in Schleiz oder Pößneck (Kreissparkasse Saale-Orla) sind die Dispo-Zinsen leider zweistellig. Aber auch beim Anteil notleidender Kredite sieht es nicht rosig aus: 2.95 % Gesamt (Platz 371 von 413), 3.83 % Privatpersonen, 6.04 % Unternehmen & Selbstständige. Falls alle notleidenden Kredite ausfallen würde, bräuchte die Kreissparkasse Saale-Orla allerdings bei gleichbleibendem Gewinn nur 6.6 Jahre (Platz 303 von 413), um den Verlust auszugleichen. Bei der Gesamtkapitalquote liegt man bei 16.93 % (Platz 192 von 413).
In Schleiz lässt man sich seine Chefs weniger kosten als in Saalfeld – es sind allerdings nur zwei statt drei: Die Gesamtbezüge des Vorstands beliefen sich im Geschäftsjahr 2014 auf 452.000 Euro. Die Verwaltungsratsmitglieder bekamen 37.000 Euro. Für frühere Vorstandsmitglieder und ihre Hinterbliebenen ergaben sich im gleichen Zeitraum Gesamtbezüge von 193.000 Euro.
Die Kreissparkasse Saale-Orla hatte ebenfalls 2014 weniger Personal als im Jahr zuvor: 251 Mitarbeiter ingesamt (112 in Vollzeit, 120 in Teilzeit, 19 Auszubildende). Der Bilanzgewinn 2014 betrug 918.971,32 Euro.

Wenig Wodka, viele Gespräche

DelegationFünf Tage lang besuchte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow mit weiteren Vertretern aus Politik und Wirtschaft Russland. Tenor vieler Unternehmer: Trotz der angespannten politischen Situation will man im Gespräch bleiben.
Thüringen, so verlautete aus Kreisen der Teilnehmer, strebe eine Regionalpartnerschaft mit der Republik Tatarstan an. Tatarstan gehört zur Russischen Föderation, gilt jedoch als besonders eigenständig und ist darüber hinaus die bevölkerungsreichste der autonomen Republiken. Im Juni will der Präsident Tatarstans zu einem Gegenbesuch nach Thüringen kommen.
Zur Thüringer Delegation, der neben dem Ministerpräsidenten, dem Wirtschaftsminister und Landtagsabgeordneten auch rund 40 Wirtschaftsvertreter angehörten, zählten auch fünf aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.
MAZET-Geschäftsführerin Annette Köhler aus Unterwellenborn zog heute ein erstes kurzes Fazit:
„Wichtiger als konkrete Geschäftsabschlüsse waren die persönlichen Kontakte, die in vielen Gesprächen geknüpft werden konnten. Politiker und Wirtschaftsvertreter hatten sowohl in Moskau als auch in Kasan teils unterschiedliche Gesprächsrunden, so dass viele Gesichtspunkte aus unterschiedlichen Blickwinkeln debattiert werden konnten.
TiefenseeZwei Kooperationsbörsen, die sowohl von deutscher als auch von russischer Seite perfekt organisiert worden waren, waren die für meine Firma wichtigsten Termine. In den nächsten Tagen müssen zahlreiche Unterlagen aufgearbeitet, also vor allem übersetzt werden. Es gibt in einem sehr konkreten Fall bereits erfolgversprechende Aussichten auf Zusammenarbeit. Wenn die Zeiten für Investitionen wieder besser werden, möchten viele deutsche Unternehmen auf den russischen Markt. Möglicherweise lassen sich durch Kooperationen auch Fachkräfte akquirieren.“
Es ist inzwischen üblich, dass sowohl Medien- als auch Wirtschaftsvertreter ihre Reisekosten in solchen und ähnliche Fällen selbst tragen. „Hat sich diese Investition wirklich gelohnt oder war es vor allem ein teurer Kurzurlaub mit viel Wodka“, muss da zwangsläufig die Nachfrage lauten. Annette Köhler: „Allein der Umstand, an einer Universität zu sehen, wie man zukunftsorientiert in Lehre, Bildung und Forschung investiert, war es wert. Persönliche Kontakte sind ohnehin fast unbezahlbar. Von Urlaub keine Spur! Die Gespräche dauerten oft bis in den frühen Morgen und die Wodka-Mengen sind mit längst vergangenen Tagen nicht mehr vergleichbar.“
Fotos (3): A. Köhler