Bis zu 1.000 Euro Krankenkosten pro Asylbewerber

Nach Angaben des Landratsamts Saalfeld-Rudolstadt befinden sich derzeit 1.140 Asylbewerber, verteilt auf 579 Unterkünfte im Landkreis (Übersicht zum Stand 26. April 2016). Jüngst kamen nur 20 Asylbewerber im Landkreis an, jeweils zehn aus dem Irak und aus Syrien. Zwischen Januar und Ende März 2016 reisten 44 Menschen freiwillig aus, neun wurden abgeschoben. 119 Anträge auf Asyl wurden bis zum Vormonat anerkannt (aus Syrien 90, aus Eritrea 23, aus dem Irak 6).

Die Kosten für den Landkreis sind nicht unerheblich – sowohl personell als auch in Euro und Cent. Nachfragen im Landratsamt:

Pro Asylbewerber sind Krankenkosten bis 1.000 Euro pro Jahr durch den Landkreis zu tragen. „Allerdings ist die Berechnung der tatsächlich angefallenen Kosten sehr kompliziert“, sagt der Pressesprecher des Landratsamts, Peter Lahann. „Das liegt daran, dass die zugewiesenen Asylbewerber in unterschiedlichem Maße Ärzte in Anspruch nehmen und zudem manche nach wenigen Wochen den Landkreis wieder verlassen und damit aus unserer Zuständigkeit herausfallen. Für jeden Neuankömmling gelten aber wieder die 1.000 Euro.“

Akute Behandlungen (z. B. beim Zahnarzt) können schnell sehr teuer werden.
Akute Behandlungen (z. B. beim Zahnarzt) können schnell sehr teuer werden.
In der Vergangenheit sei es so gewesen, dass diese Summe durch die insgesamt gezahlten Pauschalen des Landes für Unterbringung, Sicherung des Lebensunterhaltes und Betreuung abgedeckt wurde. Lahann: „Das erklärt sich so, dass zum Beispiel bei einer sechsköpfigen Familie wir sechsmal die Pauschalen erhalten, aber nicht alle sechs Personen so häufig zum Arzt ge-hen, dass jeweils die 1.000 Euro ausgeschöpft werden. Im Jahr 2015 konnte so ein ausgeglichenes Rechenergebnis erreicht werden, auch dadurch bedingt, dass Asylbewerbern nur Behandlungen von akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen bewilligt werden können.“ Ob die Rechnung auch im laufenden Jahr so aufgehen kann, werde laufend geprüft.

„Die Höhe der gesamten Kosten, die der Landkreis allein trägt, ist kaum zu ermitteln. Der Landkreis erledigt die Aufgabe im sogenannten übertragenen Wirkungskreis, das heißt, es ist eine Landesaufgabe, die wir übertragen bekommen haben. Damit verbunden ist auch die vollumfängliche Finanzierung durch das Land.“ Der Landkreis habe bisher sehr kostenbewusst geplant und versucht, alle Aufgaben durch die unterschiedlichen Pauschalen abzudecken, sagte Peter Lahann.

Nach unseren Recherchen dürfte ein höherer sechsstelliger Betrag an Krankenkosten bereits angefallen sein.

So sieht es derzeit nach Angaben des Landratsamtes beim Personal aus, das sich mit dem Thema Asyl beschäftigt.

Die neuen Stellen sind in der Regel befristet. Die Zahl der Sozialarbeiter im Bereich Asyl (Unterbringung) wird sich bis zum 31. Mai um 2,75 Vollzeitstellen verringern. (umA = unbegleitete minderjährige Ausländer)
Die neuen Stellen sind in der Regel befristet. Die Zahl der Sozialarbeiter im Bereich Asyl (Unterbringung) wird sich bis zum 31. Mai um 2,75 Vollzeitstellen verringern. (umA = unbegleitete minderjährige Ausländer)

Neben den hauptamtlich Tätigen ist derzeit von einer Vielzahl ehrenamtlichen Helfer auszugehen. Genaue Zahlen dazu lägen nicht vor, so das Landratsamt. Es seien aber wohl mehrere Hundert Helfer. In Rudolstadt, Saalfeld und Bad Blankenburg habe sich ein fester Kreis von ehrenamtlich Tätigen etabliert, die mittlerweile in praktisch allen Lebenslagen helfen würden, vom Sprachkurs über Fahrradreparatur bis zu Behördengängen und der Wohnungseinrichtung.