Auerhuhn-Projekt in Langenschade auf Erfolgskurs

Standen die Auerhühner vor sieben Jahren in Thüringen noch kurz vor dem Aussterben, so deutet sich nunmehr ein Lichtblick an, wie bei der gestrigen Vorstellung des 26-seitigen Jahresberichts „Raufußhühner in Thüringen“ in Langenschade (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) zu erfahren war. Zur Zeit gehen die Experten des ThüringenForst von 25 bis 30 wildlebenden Auerhühnern aus. Was im Klartext bedeutet: Seit 2014 hat sich der Bestand dieser seltenen Tiere verfünffacht! Das Projekt in Langenschade ist allerdings darauf angelegt, einen Bestand von mindestens 100 Auerhühnern zu erreichen. Erst dann sei es dieser Art möglich, sich selbst zu erhalten. Die Forstexperten sprechen vorsichtig davon, dass eine Trendwende geschafft worden sei, wenn auch die Bestandssituation als noch nicht stabil eingeschätzt werden könne.

Die 33jährige Forstwissenschaftlerin Luise Stephani leitet die einzige Auerwildaufzuchtstation Deutschlands in Langenschade, betrieben durch die Thüringer Landesforstanstalt.
Staatssekretär Dr. Klaus Sühl nannte als Gründe für die positive Entwicklung in diesem einzigartigen Artenschutzprojekt neben der konsequenten Zurückdrängung der Fressfeinde des Auerhuhns vor allem den Waldumbau im Freistaat: „Es ist gelungen, die Wälder laubiger und lichter zu machen. Der Waldumbau hin zu ökologisch wertvollen und gleichzeitig forstwirtschaftlich relevanten Mischwäldern wird konsequent fortgesetzt.“

Optimistisch äußerte sich auch ThüringenForst-Vorstand Volker Gebhardt: „Die mittlere Überlebensdauer der Auerhühner beträgt rund 22 Monate, wobei einige Auerhähne bis zu 1.048 Tage alt werden. Diese Daten liefern einen sehr positiven Beweis für die Verbesserung der Aufzuchtbedingungen und Überlebenstauglichkeit der Zuchtvögel, aber auch für bereits erfolgte Optimierungen des Lebensraumes.“ Verstärkt wurde 2016 die Zusammenarbeit mit deutschen, polnischen und schwedischen Auerhuhnexperten. Telemetrische Forschung wurde in Thüringen durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg geleistet, Erfahrungsaustausch besteht mit den Wiederansiedlungsprojekten in Brandenburg, dem Harz und Wisla (Polen). Ebenso wurde der Genehmigungsantrag für die Umsiedlung schwedischer Auerhühner nach Thüringen beim Schwedischen Zentralamt für Naturschutz eingereicht.

Die Auerhuhn-Aufzuchtstation in Langenschade umfasst knapp 950 Quadratmeter. Das Betreten der Anlage bleibt ausschließlich Fachpersonal vorbehalten. Für die Unterhaltung und Betreuung der Station wurden 2016 rund 100.000 Euro aufgewaendet.

Von links: Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Dr. Klaus Sühl, Luise Stephani, ThüringenForst-Vorstand Volker Gebhardt