Nach Brüssel: Mehr Freiheit!

Matthias HeitmannNach Brüssel: Wir brauchen mehr Offenheit und mehr Freiheit!
Der Terror hat nur Erfolg, wenn Menschen sich wie Dominosteine verhalten.

Von Matthias Heitmann

Die Anschläge von Brüssel machen mich wütend – wütend angesichts einer solch abgrundtiefen und gleichzeitig so berechenbaren und armseligen Menschenverachtung. Aber gerade deswegen will ich mindestens genauso offen und frei und auch wut- und hassfrei weiterleben wie bisher – ganz so, als gäbe es diese Terroristen gar nicht. Wenn die nämlich irgendetwas nicht ertragen können, dann, wenn man ihnen die Aufmerksamkeit verwehrt, für die sie bereit sind, unschuldige Menschen umzubringen. Schenkt man diesen Aufmerksamkeitsjunkies aber, was sie wollen, so verleiht man ihren Morden einen Sinn.

So selbstverständlich und ehrlich mein Mitgefühl mit den Opfern und Angehörigen ist, so gleichgültig stehe ich den Tätern gegenüber. Sie interessieren mich kein Stück. Es ist mir völlig egal, wie sie heißen, ob sie eine schwere Kindheit hatten, ob sie ausgegrenzt, gehänselt oder geschlagen wurden, ob sie zu viele oder zu wenige oder die falschen Bücher gelesen haben, ob ihre Eltern arm, reich, gut integriert oder strenggläubig waren, ob sie in ihrem Viertel wider Willen in falsche Kreise gerutscht sind. Mich interessiert nicht, ob sie früher ungläubig waren und sich heute für gläubig halten, ob sie Muslime, Buddhisten oder einfach nur nihilistische Arschlöcher sind, die einen heiligen Anlass suchen, um sich selbst einen Wert zu verleihen. Solche Menschen sind mir egal, denn sie haben keinerlei Bedeutung, die es wert wäre, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Eine solche Auseinandersetzung macht auch deswegen keinen Sinn, weil es keine logischen, rationalen oder „nachvollziehbaren“ Ursachen gibt, die terroristisches Handeln verständlich machen oder aber die individuelle Verantwortung des Einzelnen auch nur um einen Hauch schmälern würden. Jemand, der einfach so Zivilisten umbringt und dies mit dem US-Imperialismus, dem Handeln der Großmächte in Syrien oder mit jahrhundertealter und religiöser Unterdrückung oder sonstigen Pseudo-Rechtfertigungen verbindet, beschmutzt all jene, die in der Vergangenheit für Freiheit und Menschlichkeit eingetreten sind. Es geht dem nihilistischen Terroristen nicht um Rache, sondern nur um sein eigenes Ego, um seine eigene kranke Identität.

Terroristen ziehen ihre Energie einzig aus unserer Aufgeregtheit und aus unserer Verängstigung. Das Meucheln von Unbeteiligten bringt ihnen erst einmal gar nichts, zumal sie in der Regel selbst dabei das Zeitliche segnen. Der Terror wird nur dann zum Erfolg, wenn er Kettenreaktionen auslösen kann. Das kann er aber nur, wenn die Menschen sich wie Dominosteine verhalten. Daher verabscheuen Terroristen nichts mehr als unsere Freiheit, unsere Gelassenheit und die daraus entstehende Gefahr, dass wir uns möglicherweise anders verhalten, als sie es erwarten.

Wenn wir Terroristen das Handwerk legen wollen, macht es keinen Sinn, ihren Rechtfertigungen Gehör zu schenken, denn auch das löst den gewollten Dominoeffekt aus. Wer Barbaren für Gläubige oder für anderweitig nachvollziehbar Motivierte hält, lässt sich von der terroristischen menschenverachtenden Denkweise einlullen, geht ihr auf den Leim und zerstört so die eigene menschliche Zivilisation. Diesen Gefallen sollten wir ihnen nicht tun, denn dann wären sie am Ziel.

Wir können Terroristen den größten Schaden dann zufügen, wenn wir ihnen all das, was sie von uns wollen, gezielt verweigern. Also: keine Panik, kein blinder Hass, keine pauschalen Schuldzuweisungen, kein wildes Draufhauen, kein Interesse für Motive und Hintergründe, aber auch kein Selbstzweifel und keine Kompromisse. Wir können Terroristen nicht wirklich daran hindern, Terroranschläge zu verüben. Was wir aber verhindern können ist, uns von ihren Taten beeindrucken und terrorisieren zu lassen. Wenn wir auf Terror ängstlich reagieren, so geben wir Terroristen die Zügel in der Hand. Diesen Spieß können wir herumdrehen: Wir können jeden einzelnen Terrorakt zum Anlass nehmen, noch stärker, noch offener und noch freier zu werden! Und wir sollten ungerührt und uneingeschränkt an dem festhalten, was Terroristen am meisten hassen: an unserer Freiheit!

Zum Tangotanzen braucht man immer zwei. Für den Terror gilt dasselbe: Es gibt keinen Terroristen ohne Terrorisierte. Es gibt nur Attentäter – und Menschen, die sich von diesen terrorisieren lassen, oder eben nicht. Wenn wir ihnen diese Gefolgschaft verweigern, zerfällt das terroristische Geschäftsmodell zu Staub. Das ist nicht leicht, denn selbstverständlich gehören auch Trauer und Wut angesichts sinnloser Opfer zu unserer Menschlichkeit. Diese zu zeigen, ist nur zu verständlich. Aber wenn wir glauben, dem Mangel an Menschlichkeit dadurch begegnen zu können, dass wir unsere eigene Menschlichkeit korrumpieren, dann werden wir den Krieg gegen den Terror verlieren.

Gleichzeitig sollten wir aber auch nicht bei uns selbst nach Ursachen dafür suchen, warum kranke Seelen meinen, die Welt durch Massenmord zum Positiven verändern zu können. Wenn wir dies tun, senken wir unser eigenes Niveau auf das der Terroristen. Angesichts der menschlichen Abgründe, mit denen uns der Terror konfrontiert, gibt es kein deutlicheres Zeichen, als das eigene Zivilisationsniveau zu erhöhen. Und das heißt: Mehr Offenheit, mehr Freiheit, mehr Mut, mehr Selbstbestimmung, weniger Grenzendenken, weniger Angst, weniger Bevormundung. Fuck terrorism – love freedom!

Der Artikel ist zuerst in der BFT Bürgerzeitung unter dem Titel „Zum Tangotanzen gehören zwei – wir sollten ihnen einen Korb geben“

`S grint su grin`n …

"Global Greening" Foto: Christian Engel
„Global Greening“ Foto: Christian Engel
… on das hat nune epper gar nischt met dar klänn Blimchenverkeiferin Elisa, aus dan Musikstöcke „My fair Lady“ von dan Frederick Loewe ze tun, die wegen ihrer kräft`gen Mundart nech su änne räne Aussprache hatte, wie`s bei dar ibriger Bärgerschaft gewinscht war on die von su änn Professer ihre Mottersprache röscht`sch larne sollte on das met Hilfe von span`chen Blieten in England.

No, bei su völ Dorchänanner kann änn schonne racht blimelant ware, on genausu war`s bei mir a etze grade vor ä paar Tagen, wo ech ränewack dachte ech hätte su ä grines Nordlicht gesihn.
Noja dacht ech noch, `s kann ja epper schonne ämal passiere, daß sich, wemmer nach Norden guckt su änne Erscheinung sih kann.

Aber ech hatte mich kallewarisch vertan, `s war gar kä Nordlicht nech, nä `s war unser Resedenzschloß, was da grine geleicht` hat.
Da ha ech gleich meine Frau gefraht, ob se wösse wörde, wer dar Ir(r)e wär, dar unsre scheene sandstänfarb`ne Heidecksborg off ämal grine angeströchen hätte?
Ägentlich össe ja, dorch ihre Tratscherei met dan annern Weibsen, die hier rondrom wohn`, wie`s Rudelschtädter Tageblattchen in Persona, aber da hat se a nech genau Beschäd gewusst on sahte fer mich nur, se wärde denke, daß das velleicht was dadermöt ze tun hätte, daß de Schloßverwalter uhme dan Offtrag zum Färb`m salber ausgeahm hätten, weil ja ägentlich `s Schloß genauso wöcht`g ös wie`s Rathaus.
On wenn das grine ös, muß `s Schloß a grine ware.

Das wollte ech aber nech glabe.
Also ha ech on meine Frau weiter nachgedacht.
Daderbei össes drussen ömmer dunkler geworrn, aber nech de grine Heidecksborg, die worde ömmer haller, in ihr`n grin`n Lichte.

Off ämal brachte meine Fra änne uralte Postkarte von uns`rer scheen Resdenz aus mein Nachttöschschränkchen, no völe wer`n die a noch kenne, da warn vorne su ä paar Ansöchten droffen on ä Spruch: „Rudelschtadt, das grine Harze Thiringens!“
On da fiel`s mir doch wie Schuppen aus`n Haar`n, warom `s Schloß grine leichtete.
Unsre Bärgermänner on Fra`n aus`n „Grin`n Rathause“ woll`n söcher, weil se erscht in letzten Jahre nischt von änner Satzung zum Schutze unser`s grin`n Rondroms wösse wollten, möt dan Trick etze a de Heiser alle grine ze färb`m , wedder `s „Grine Harze Thiringens“ ware.

Meine zwä alter Ego`s Sommer`sch Anton on a Kinghammer`sch Waldemar, die hann ja ömmer unser Rudelschtadt in d`n scheensten grin`n Farb`m laß erstrahle, wenn se driber geschrieb`m hann, wie dahierten ä Baam an d`n annern stand.
Hier von jeden d`r zwäe ä klänes Beispiel:

Sommer schrieb in sein Gedichte „Mei Rudelschtadt“
„In jeden Barge stiht ä Haus,
das guckt met seinen Dache,
su freindlich aus’n Bämchen raus,
als wollt es met änn sprache.
On vorne an, su gruß on brät,
ä wahrer Staat, in Grin’n läht,
das Schloss met seinen Torme.“

On a sei Grußneffe Klinghammer kam off dan selb`m Nenner in sein Gedichte: „Wie 1903 d`r Schtädtebund dahieden tagte“
„On änne Hetze Bäme stien,
oms Tal von gruß on kläne,
von ong bis uhm in lauter Grien,
mer sollte’s gar nech mäne.
Steig nur ämal de Schutte noff,
da reißt’r gleich de Agen off!“

Heite ös das ja epper schonne lange nech merre su.
Da gihts met Axt on Sage naus on da wird wackgeholzt, daß m`r ränewack änne kallewarische Wut kriege kann.
Aber das ös on war nech nur heite su, daß hat a schonne Otto Erdmann ämal met sein Gedichte „Von`n Bäm`“off`n Punkt gebracht.

Wie ech on meine Frau, grade su noch driber nachdachten, klingelte mei Nachbar on frahte mich, ob ech met ins „Kiedorf“ bei`n „Beeßen Wärt“ wollte, da werde heite gruß gefeiert, `s gäb das gute irische Guinnes on a dann änn oder annern Whiskey, heite wär doch St. Patricks Tag, d`r größte Feiertag d`r Ir(r)en.

Ar hätte a schonne geheert, daß röcht`ge Ir`n in d`r Resedenz met Dudelsäcken Musike mache wörden on ä paar annere sich ränewack su driber gefreit hätten, daß se ihre Geldficke racht weit offgemacht hätten om das grine Licht fer unsre Heidecksborg ze bezahl`n.
Das wär doch werklich änne irre Idee.

Also Freinde, Ihr könnt m`rsch glaabe oder a nech, das kam m`r nune aber genausu spanisch vor, wie d`r Blimchenverkeiferin Elisa dar Profasser Higgins. In d`r Schwarzborg-Rudelschtädt`gen Resedenz feiern de irr`r Iren ihr hei`gen Patrick, dar a noch röm`sch-katholich ös, wu mir dahierden doch seit dar „Heldenmit`gen Katharina“ evangelisch luthrisch sinn.

On was soll ech sah, Freinde, `s a werklich su, wie`s mei Nachbar erzählt hat. No da konnt ech on meine Frau aber epper werklich nur noch griene.
Ä grines Schloss, wegen dan lust`gen Iren von d`r grin`n Insel.
Das war on ös doch epper werklich irre gewasen, met dan irren Iren?
Ja Freinde on off Treie on Ehre, dar ganze Kommarsch met dan grin`n Schloß on dan irr`n Iren war werklich irre scheene, on nächstes Mal, da bön ech a wedder met meiner Frau met derbei on da feiern mir zwäe ordentlich met, wenn`s an änn 17. März in d`r Resedenz wedder heeßt: „Guckt nur noff, `s Schloß grint su grin`n“.

PS.
Iber das, iber was ech on meine Frau ze erscht nachgedacht hatten, hann m`r unsern Nachbern natierlich nischt erzählt, dar hätte uns ja fer völlig irre gehalten.

Eier Altschtädter aus d`r Resedenz an Saaleknie
Gunter Linke

Neuer Vorstand bei AfD Süd-Ost-Thüringen

Der 2. Kreisparteitag der AfD Süd-Ost-Thüringen in Saalfeld stand heute ganz im Zeichen von Personalfragen. Zum 1. Kreissprecher wurde der Sonneberger Holger Winterstein (Foto) gewählt, sein Stellvertreter wurde Hubert Horn (Langenorla). Der bisherige Kreisvorsitzende Hans-Jörg Voigt hatte nicht wieder kandidiert.
Im AfD-Kreisverband (entspricht dem Bundestagswahlkreis 196: Sonneberg – Saalfeld-Rudolstadt – Saale-Orla-Kreis) sollen demnächst in allen drei Landkreisen Ortsverbände gegründet werden. Rund ein Zehntel der thüringenweit derzeit 530 Mitglieder gehören dem Verband Süd-Ost-Thüringen an.
Der Landtagsabgeordnete Stephan Brander leitete die Versammlung, seine Fraktions-Kollegin Corinna Herold war ebenfalls anwesend.

Herr Richter, was spricht er?

Milde Urteile des Landgerichts Meiningen im Zusammenhang mit den Gewaltexzessen in der Suhler Erstaufnahmestelle: Die beiden Rädelsführer wurden am Freitag wegen Landfriedensbruch zu zweieinhalb Jahren Haft bzw. zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Weitere Angeklagte erhielten je ein Jahr auf Bewährung. Die Urteile blieben im Strafmaß unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft.
Ein wegen Körperverletzung angeklagter 27-Jähriger muss für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Der Vorwurf des versuchten Totschlags ließ sich nicht bestätigen. Zu dem Gewaltexzess war es im August 2015 gekommen, nachdem ein Flüchtling demonstrativ Seiten aus dem Koran gerissen hatte.
In der nächsten Woche wird gegen fünf weitere Angeklagte verhandelt.

Das Landgericht Gera hat gestern vier Angeklagte freigesprochen. Es wurde wegen versuchter Nötigung der Landtagsabgeordneten Katharina König (Linke) an einem Wahlkampfstand in Saalfeld-Gorndorf (2014) verhandelt. Verteidiger und Staatsanwaltschaft hatten nach der Beweisaufnahme einen Freispruch verlangt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Letztinstanzliches Urteil: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat gestern den Rundfunkbeitrag für verfassungsgemäß erklärt. Der Beitrag gelte auch für diejenigen, die keinen Fernseher besitzen. Alle Haushalte müssen den Monatsbeitrag von 17,50 Euro bezahlen, so die Richter.
Die Kläger haben nun nur noch die Möglichkeit, Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einzulegen.

Ostern bei wilden Katzen

Wer nicht nur von Karfreitag bis Ostermontag nach einem lohnenden Ausflugsziel sucht: Es gibt sie tatsächlich, die touristischen Highlights in Thüringen. Eingebettet In die Natur und famlienfreundlich. Das Wildkatzendorf in Hütscheroda sucht vergeblich zwischen Nordsee und Alpen seinesgleichen. Einzigartig! Seit April 2012 ist das Unikat in Regie des BUND am Nationalpark Hainich geöffnet.
A wildmietzDas Wildkatzendorf befindet sich in einem kleinen Ort nahe Eisenach: Sozusagen am Ende der Welt, denn von dort führt keine Straße mehr weg. Egal, aus welcher Himmelsrichtung man kommt, die Ausschilderung ist unübersehbar: Auf der BAB 4 die Abfahrt Eisenach Ost nehmen, auf der B 84 in Richtung Bad Langensalza fahren. Nach ca. 7 km grüßt links die Abfahrt nach Hütscheroda.
In der aufwändig umgebauten Wildkatzenscheune erfährt man alles, was man schon immer über Wildkatzen wissen wollte. Hier wird auch das „Rettungsnetz für die Wildkatze“ vorgestellt, eines der größten Naturschutzprojekte Europas. Eintrittskarten gibt es ab 9 Uhr: 5,50 Euro für Erwachsene, Kinder zahlen 5 Euro. Familienkarten (zwei Erwachsene, zwei Kinder) gibt es für 14,50 Euro.
Fünf Minuten Fußweg bergauf sind es dann zur Schauanlage „Wildkatzenlichtung“. Dort lässt sich in zwei großen Gehegen jeweils zwei Wildkatzen-Brüdern hervorragend aufs Fell gucken. Am besten zu den (unregelmäßigen) Fütterungszeiten, die man drei Tage im Voraus über die Internetpräsenz des Wildkatzendorfes und die Facebook-Seite erfahren kann. Doch Vorsicht bei der Fütterung: Die gar nicht zahmen Katerchen haben auch Dinge zum fressen gern, die Besucher für gewöhnlich ungern hergeben!
Nach dem Besuch der wilden Samtpfoten bietet sich eine Wanderung entlang des „Wildkatzenpfades“ (ca. 7 km) an. Unterwegs lädt die Beobachtungsplattform „Hainich-Blick“ zur Pause ein. Verschnaufen mit einem tollen Panorama. Schöne Aussichten über Buchenwälder hinweg – bei guter Sicht bis zu den Hörselbergen, Thüringer Wald, Wartburg und Rhön. In Hütscheroda lädt das Hotel „Zum Herrenhaus“ mit seinem Park zum Verweilen ein: Übersichtliche Karte mit regionalen Gerichten zu fairen Preisen.
D_Hainich
Tipps für weitere Sehenswürdigkeiten in der Nähe: Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich und Wartburg in Eisenach.

Fragebogen: Peter Schröter

Peter Schröter 3Was denken und fühlen Politiker, Unternehmer, Freunde, Bekannte oder Kollegen unserer Leser? Welche Maxime haben sie? Fragen, die immer wieder gern gestellt werden. Wir werden in unregelmäßigen Abständen unseren modifizierten Fragebogen mit der freundlichen Bitte um Beantwortung ausreichen.
Vorbild ist der wohl berühmteste Fragebogen der Welt, der den Namen des französischen Schriftstellers Marcel Proust (1871-1922) trägt. Dieser hat ihn jedoch nicht entworfen, sondern lediglich ausgefüllt. Streng genommen sogar zwei Mal: Erstmals bei einem “Questionnaire” anlässlich einer Geburtstagsparty der Tochter des späteren französischen Präsidenten Félix Faure im zarten Alter von 13 Jahren. Als Proust 20 Lenze zählte, füllte er einen ähnlichen Fragebogen aus, dem er selber den Titel “Marcel Proust par lui-même” (Marcel Proust über sich selbst) gab.

Heute: Peter Schröter Der Kindheitstraum Seefahrt ging in Erfüllung – von 1968 bis 1980. Seit 2009 sitzt er als parteiloses Mitglied der CDU-Fraktion im Kreistag Saalfeld-Rudolstadt und ist dort für deutliche Aussprache bekannt. Von 1990 bis 2014 war Peter Schröter Bürgermeister von Uhlstädt-Kirchhasel. Er ist in zahlreichen Vereinen aktiv, verheiratet und hat einen Sohn.

Schenken Sie uns eine Lebensweisheit:
Versuche nie, es allen recht machen zu wollen und rede niemandem nach dem Munde.

Als Kind wollte ich werden:
Seemann.

Worauf ich stolz bin:
Zufriedenheit in der Familie zu leben.

Das sagt man mir nach:
Zu schnell aufzubrausen und laut zu werden.

Was ich am meisten verabscheue:
Unehrlichkeit.

Meine Lieblingsperson in der Geschichte:
Franz Josef Strauß.

Mit diesem Prominenten würde ich gern einen Tag tauschen:
Bodo Ramelow.

Wo ich meinen Ruhestand verbringen würde:
Da, wo ich gerade bin – in Uhlstädt.

Was ich am liebsten esse und trinke:
Ich schwanke zwischen Thüringen Klößen mit Roulade einerseits und chinesischer Küche andererseits. Whisky mag ich ebenso wie einen guten Riesling von der Mosel.

Das will ich auf meiner Beerdigung gar nicht hören:
Es wurde Zeit, dass er endlich gegangen ist.

„Das Feld des IGZ ist gut bestellt“

Knut JacobMehr als zwei Jahrzehnte steuerte der Gösselsdorfer Knut Jacob als Geschäftsführer das in Rudolstadt ansässige Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) und die Wirtschaftsförderagentur (Wifag) durch ruhige wie bewegte See. Eine Bilanz:

Zwei Jahrzehnte in Amt und Würden im Dienste von Existenzgründern und für die Wirtschaftsförderung. Am 30. Juni ist Schluss. Ein Abschied mit lachendem oder weinendem Auge?
Knut Jacob: Definitiv mit einem lachenden Auge. Die Felder von IGZ und Wifag sind gut bestellt. Ich habe keine Zweifel, dass meine Nachfolger Dagmar Schmidt und Matthias Fritsche weiter Furchen ziehen, in denen auch die Saat gut aufgeht. Die Wifag ist ein Erfolgsmodell, das thüringenweit nirgendwo anders kopiert worden ist. Das ist dem Umstand geschuldet, dass bei der Gründung der äußerst seltene Fall eingetreten war, dass ein Kreistag, drei Stadträte und die IGZ-Gesellschafter mit einer Stimme sprachen.

Das IGZ ist kein Amt, sondern ein Unternehmen. Wie macht sich das für Gründer und Betriebe bemerkbar?
Knut Jacob: Auch wir können Problem nicht binnen 24 Stunden lösen. Aber Anfragen bleiben nie länger als diese Zeit unbeantwortet. Wir haben wenige, aber dafür sachkundige und unternehmerisch denkende und handelnde Mitarbeiter. Keinen “Wasserkopf”.

Wie sieht die Bilanz bei Unternehmensgründungen aus?
Knut Jacob: Rund 130 Unternehmen haben wir vom Zeitpunkt ihrer Gründung begleitet. Mehrheitlich waren diese am Markt erfolgreich. Weniger als zehn Prozent scheiterten.

Ein paar Beispiele bitte.
Knut Jacob: unser erster Mieter war Albatros Werbung, inzwischen seit Jahren erfolgreich. Genannt seien ferner Bachmann Monitoring, Intercus oder auch Zeilenwert.

Häufig ist von einem zweijährigen “Förderloch” in Thüringen zu hören.
Knut Jacob: Die Auswirkungen sind überdeutlich sichtbar. Wir hatten erstmals mit dem Phänomen zu tun, dass ein Teil unserer Existenzgründer derzeit weniger Mitarbeiter hat als zu Beginn. Ein Novum in 20 Jahren IGZ! Zudem wurden nicht wenige davon abgehalten, ihre Ideen in die Realität umzusetzen.

Schlechte Zeiten für Unternehmensgründungen?

Knut Jacob: Eigentlich nicht. Aber die allgemeine Stimmung gegenüber Gründern und Unternehmern ist mies. Das gesellschaftliche Bild des Unternehmers hat sich drastisch gewandelt. Aus dem Esel, der den Karren für viele zieht, ist ein Golf spielendes, Porsche fahrendes und Whisky saufendes Monster geworden. Dieses Bild ist grundfalsch!

Es ist Zeit, dass die nächste Generation von den Gründern der 1990er Jahre übernimmt. Wie sieht es da ringsum aus?

Knut Jacob: Gerade bei Familienunternehmen schwindet die Bereitschaft der Söhne und Töchter, in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Sie haben Mütter und vor allem Väter erlebt, die von ihrem Job aufgefressen wurden. Die wenig Zeit hatten, sich um die Familie zu kümmern. Das möchten sie nicht für sich selbst.

Gibt es irgendein Vorhaben in IGZ und Wifag, das Sie gern mit Leben erfüllt hätten?
Knut Jacob: Eine regionale Tourismus-Förderagentur. Auch wenn das eine Sisyphos-Aufgabe geworden wäre.

Zahlen & Fakten: Das IGZ Rudolstadt dient der Förderung und Ansiedlung vorzugsweise technologieorientierter junger Unternehmen in der Region Saalfeld – Rudolstadt. Derzeit hat das Haus in der Professor-Hermann-Klare-Straße 23 Mieter. Die GmbH als Betreibergesellschaft des Innovations- und Gründerzentrums wurde am 30. Juni 1993 gegründet. Sie ist Eigentümer und Betreiber des Zentrums.
Das IGZ hat vier Gesellschafter. Beteiligt sind der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (26%), die Stadt Rudolstadt (26%), die Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt (24%) und die Volksbank Saaletal e.G. (24%). Das Stammkapital der IGZ GmbH beträgt 538.000 Euro.
1995 wurde der erste Bauabschnitt des IGZ mit ca. 1.800 m² vermietbarer Gewerbefläche (Werkstätten, Büros) eröffnet. Bereits 1999 begann auf Grund der guten Auslastung die Planung für einen zweiten Bauabschnitt. Dieser wurde 2001 mit weiteren 2.500 m² Nutzfläche in Betrieb genommen. In den beiden Gebäuden in der Rudolstädter Professor-Hermann-Klare-Straße stehen Büros von 23-120 m² und Werkstatt- bzw. Laborflächen von 50-160 m² zur Verfügung, die zu Nutzkomplexen verbunden werden können.

„Hass und Wut fallen nicht vom Himmel“

„Demokratie ist die einzige Herrschaftsform, die gelernt werden muss“.

In der Gesellschaft herrscht derzeit ein immenses Redebedürfnis. Die Antwort auf die Fülle angestauter Fragen könne nur sein: Dialog, Dialog, Dialog – und dabei keine Gesinnungsprüfungen machen. Sprach der vielleicht beste Diplomat, den Dresden in Sachen Zusammenhalt der Gesellschaft aufbieten kann. Frank Richter (55), Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, war gestern Abend zu Gast beim Lutherforum im Evangelischen Allianzhaus Bad Blankenburg. „Herrscht bei uns auch bald Bürgerkrieg? Über die Spaltung der Gesellschaft und was man dagegen tun kann“ lautete das brisante Thema. Unter den rund 40 Zuhörern auch bekannte Gesichter: Die ehemaligen Landräte Dr. Werner Thomas und Hartmut Holzhey sowie Bad Blankenburgs Bürgermeister Frank Persike.

„In der Demokratie hat jeder Idiot das Recht, auch mal mit vernünftigen Argumenten konfrontiert zu werden.“

Als Pegida-Versteher bezeichnet zu werden, so Richter, schmerze ihn nicht. Das Gegenteil wäre viel schmerzlicher – andere Menschen nicht verstehen zu wollen. Der Mensch sei „innerlich mehrsprachig“. Allerdings sei es sehr wohl schmerzlich, auf Bürgerversammlungen erfahren zu müssen, dass ein kleiner Teil von Menschen weder verstehen noch zuhören, sondern einfach nur stören wolle. Dieser harte Kern sei für An- und Aussprache nicht (mehr) erreichbar. „Dennoch mag ich es nicht, wenn versucht wird, der ‚Logik‘ der Ausgrenzung mit Ausgrenzung zu begegnen. Wir werben auch um die, die sich selbst ausgrenzen. Die Landeszentrale für politische Bildung will für alle da sein, wir grenzen niemanden aus. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Rechtsgut. Da geziemt es sich nicht, andere Meinungen auszugrenzen. Erst wenn strafrechtlich relevante Äußerungen oder falsche Tatsachenbehauptungen ins Spiel kommen, muss eine Grenze gezogen werden.“

„Der Mensch ist nicht zum Brüllen gemacht, sondern zum Reden.“

Frank Richter wurde erstmals 1989  als Mitgründer der "Gruppe der 20" in Dresden bekannt. Nach dem Abitur war er Bausoldat, studierte in Erfurt und Neuzelle Theologie und wurde 1987 zum katholischen Priester geweiht.  Von 1994 bis 1996 war Richter Diözesanjugendseelsorger  und anschließend bis 2001 Pfarrer, später  Referent für Religion und Ethik. Im Jahr 2005 ließ er sich laisieren, um zu heiraten. Er wechselte zur Altkatholischen Kirche, für die er von 2006 bis 2007 als Pfarrer. Seit Februar 2009 ist Richter Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung.
Frank Richter wurde erstmals 1989 als Mitgründer der „Gruppe der 20“ in Dresden bekannt. Nach dem Abitur war er Bausoldat, studierte in Erfurt und Neuzelle Theologie und wurde 1987 zum katholischen Priester geweiht. Von 1994 bis 1996 war Richter Diözesanjugendseelsorger und anschließend bis 2001 Pfarrer, später Referent für Religion und Ethik. Im Jahr 2005 ließ er sich laisieren, um zu heiraten. Er wechselte zur Altkatholischen Kirche, für die er von 2006 bis 2007 als Pfarrer arbeitete. Seit Februar 2009 ist Richter Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Er lebt in Dresden, der nach eigenem Bekunden „Kulturstadt mit dem höchsten Tellerrand“.
Frank Richter plädierte leidenschaftlich für eine politische Kultur, die er selbst meisterlich beherrscht: Zuhören können und zuhören (wieder) lernen. Die mangelnde Fehlerkultur störe ihn sehr. „Ich habe gelernt, dem Augenschein nicht zu trauen. Vieles, was derzeit nach außen getragen wird, ist nicht ursächlich für Frust und Bitterkeit. Der Wahrheit kommt man nur durch Verständnis für andere auf, nicht dadurch, vermeintliche eigene Wahrheiten zu zementieren.“
Hass und Wut, so Frank Richter, fielen nicht vom Himmel. Vielmehr resultierten sie aus einem Gefühl der Ohnmacht gegen „die da oben“. „Menschen haben selbst keine Solidarität erfahren und sollen nun solidarisch sein.“ Hier herrsche Erklärungsbedarf. Da seien einerseits Menschen, die flüchten, weil sie ihre Heimat verloren haben. Und andererseits Menschen, die befürchten, dass sie selbst ihre Heimat verlieren. Die Wahrnehmung der Bürger habe sich verändert: „Politik spielt sich für viele in TV-Talkrunden mit den immer gleichen Teilnehmern ab. Politik aber gehört nicht ins Unterhaltungsprogamm, sondern in die Parlamente.“ Statt im Fernsehen möchte der Bürger Politiker vor Ort im „Feuer stehen“ sehen. Richters Fazit: „Der Soft-Politiker ist out.“
Es brauche einen Klärungsprozess, sagte Richter. Er halte nichts von Weltuntergangsstimmung, weil in Dresden demonstriert werde oder weil die AfD Wahlerfolge feiere. „Das hält unsere Ordnung allemal aus.“ Er sei und bleibe optmistisch und würde jederzeit (frei nach Luther) ein Bäumchen pflanzen. „Nur Politiker sollten wir keine Bäumchen pflanzen lassen!“ Für Politiker solle gelten: „Nicht lavieren, nicht delegieren, sondern handeln.“ Wer dies tue, habe auch Erfolg.
Richter plädierte dafür, „barmherzig mit sich selbst zu sein“. Irrtümer einzugestehen sei ebenso nötig wie Fragen offen zu lassen. „Viele Ängste werden bleiben, das muss man aushalten.“ Zynismus, so der „Pegida-Versteher“, fördere nicht die Lebensqualität. Oftmals basiere Ungerechtigkeit auf Selbstgerechtigkeit.
Den lauten und schrillen Tönen müssten stets leisere entgegengesetzt werden. Der Mensch sei nicht zum Brüllen, sondern zum Reden gemacht. Richter sprach ich für „konzentrierte Kreise“ bei Gesprächen aus. Wer mit anderen ins Gespräch kommen wolle, dürfe die Konfrontation nicht bereits in der Sitzordnung anlegen. „Worte von einem Podium herab wirken anders als wenn man sie sich gegenseitig ins Gesicht sagen muss. Ein Mikrofon kann zur Waffe werden, darf es aber nicht.“

„Man darf seine eigenen Fehler zugeben.
Man darf auch mit sich selbst barmherzig sein.“

Frank Richter wies darauf hin, dass seine Aufgabe nicht Politik, sondern politische Bildung sei. Wer Politiker als von ihm bezahlte Angestellte benennen, habe das politische System missverstanden. „Der Wähler entsendet mit seiner Stimme Vertreter, die nach eigenem Wissen und Gewissen um beste Lösungen ringen sollten. Dabei kann schon auch eine Entscheidung herauskommen, die dem Wähler nicht gefällt. Aber es gibt eben kein imperatives, sondern ein freies Mandat in der repräsentativen Demokratie.“
„Zeiten der Ratlosigkeit, der Orientierungslosigkeit, der Hilflosigkeit sind Zeiten des Gebets und manchmal auch die Zeit, um zu schweigen“, sagte Frank Richter. Offen Fragen seien allen zuzugestehen, auch Politikern. Schnell und einfache Lösungen seien nicht immer die besten. Was Jesus zu den derzeitigen Problemen wohl gesagt hätte, könne nicht nur vage gemutmaßt werden, so Richter. Aber er sei sich ziemlich sicher, dass auch er nicht alle Antworten parat gehabt hätte. „Vielleicht wäre Jesus für 40 Jahre in die Wüste gegangen, hoffend, dass bei seiner Rückkehr alle Probleme gelöst sind.“
Der Gesprächsabend wurde von Johannes Beleites moderiert und von Andreas Heise (Klavier) und Markus Gannott (Violine) musikalisch begleitet.
Foto oben: Frank Richter (links) mit Moderator Johannes Beleites. Foto: Hendrik Püschel

Heidecksburg in irischem Grün

Eines hat die Heidecksburg seit gesten dem Buckingham Palace voraus: Das Wahrzeichen von Rudolstadt erstrahlte erstmals (und als einziges Gebäude in Thüringen) zum irischen Nationalfeiertag in Grün. Queen Elizabeth II. weigert sich beharrlich, den Palast in London anlässlich von St. Patrick`s Day anstrahlen zu lassen.
Das traditionelle irische Grün und die Kleeblätter, die auch am St. Patrick’s Day nie fehlen dürfen, gehen darauf zurück, dass der Heilige aus dem 4. Jahrhundert angeblich das dreiblättrige Kleeblatt genutzt hat, um den Iren die heilige Trinität näher zu bringen. Das Fest, an dem auch die Fastenregeln nicht mehr so streng gesehen werden, gibt es auf schon seit dem 10. Jahrhundert. St. Patrick’s Day ist inzwischen weltweit Kult.
Auch 2016 nahmen weltweit wieder viele Gebäude und Denkmäler am „Global Greening“ teil. Das Kolosseum in Rom, der Schiefe Turm in Pisa, die Cristo Redentor Statue in Rio de Janeiro, das Empire State Building in New York oder das Burj al Arab in Dubai strahlten ebenso wie die Heidecksburg in Grün.
Alle Fotos: Christian Engel

Unterhose beleuchtet

In einem Rudolstädter Einkaufsmarkt wurde am gestrigen Abend ein Dieb gestellt. Neben geklauten Batterien förderte eine Durchsuchung durch die Polizei in der Unterhose eine Taschenlampe zutage. Was der 35-Jährige damit an diesem Ort ausleuchten wollte, wird sein Geheimnis bleiben.
In Sonneberg war gestern Mittag der Hunger eines Pärchen so groß, dass es sich beim Essen auf Rädern selbst bediente. Schluckauf bekamen sie nicht von den Fischstäbchen mit Senfsoße, sondern durch den Umstand, dass ein aufmerksamer Rentner den dreisten Mundraub beobachtete. Statt eines Desserts hagelte es eine Anzeige.
An der Ortsumgehung Saalfeld trennte der Blitzer der Polizei gestern Möchtegern-Rennfahrer von normalen Verkehrsteilnehmern. 82 Mal blitzte es, 18 Fahrer waren erheblich zu flink unterwegs. Der Tagessieger mit 125 km/h (bei erlaubten 80 km/h) wird schon bald mit einem kräftigen Bußgeld geehrt und darf sich „Rennsemmeln“ für Fußgänger zulegen. Der Führerschein ist ein Weilchen weg.

„Listenhunde sind entbehrlich“

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hält die Rasseliste für gefährliche Hunde für entbehrlich, sagte er MDR Thüringen. „Jeder Hund kann neurotisch sein und deshalb beißen.“ Ramelow plädiert daher für die Konzentration auf den Wesenstest. Wenn ein Hund gefährlich werde, „gehöre er aus dem Verkehr gezogen“.
In der im Freistaat gültigen Rasseliste sind American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pitbull-Terrier, Staffordshire-Bullterrier und deren Kreuzungen sowie Vierbeiner, bei denen im Einzelfall aufgrund ihres Verhaltens nach einem Wesenstest eine Gefahr festgestellt wurde. als gefährlich eingestuft. Für sie gilt eine Kastrationspflicht, die laut Ramelow “gar keinen Sinn“ mache und müsse aufgehoben werden. Das Zucht- und Einfuhrverbot sorge nicht für weniger Hundebisse. Stattdessen sollte sich jeder Hundehalter freiwillig ausbilden lassen und nachweisen, dass er mit seinem Tier umgehen könne.

Symbolfoto:  fotolia / hemlep
Symbolfoto: fotolia / hemlep

2014 waren im Freistaat rund 138.000 Hunde gemeldet, aktuell sind es ca.145.000. Darunter sind nru rund 750 sogenannte Listenhunde. In der Beiß-Statistik tauchen die häufigsten Hunde naturgemäß auch am häufigsten auf: Schäferhunde und Labradore.
Das „Kampfhunde-Gesetz“, offiziell „Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor Tiergefahren“, ist von einer Arbeitsgruppe überprüft worden. Jetzt wird es überarbeitet. Der Entwurf soll laut Innenministerium in den nächsten Wochen vorgestellt werden. Schleswig-Holstein hat sein Kampfhundegesetz wieder abgeschafft, Niedersachsen hatte nie eines.
TV-Tipp: „Gefährliche Hunde? Bilanz der Rasselisten“. Heute (16. März), 20.45 Uhr im MDR