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2. Thüringer AfD-Sprecherin schmeißt hin und erhebt schwere Vorwürfe

Steffi Brönner wurde 1978 in Arnstadt geboren. Sie ist mit einem Unternehmer verheiratet und hat drei Kinder. Nach ihrer Ausbildung als Bankkauffrau studierte sie und wurde Lehrerin. Sie unterrichtet an einer Grundschule in Arnstadt.
Foto: Matthias Greußel
Steffi Brönner, im Oktober 2016 gewählte 2. Sprecherin des Thüringer AfD-Vostands, ist heute von ihrem Amt zurückgetreten. Alarmierend, was sie als Begründung anführt: “Die Entwicklungen im Thüringer Landesvorstand und die Personalien in der Thüringer Fraktion lassen es nicht mehr zu, dass ich als überzeugte konservative, bürgerlich-liberale Person, die mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes steht, weiter als stellvertretende Landessprecherin für dieses Bundesland in der AfD arbeite. Ich kann für Thüringen nicht mehr sprechen. Sehr wohl jedoch für die Bundespartei und deren Programmatik”, erklärte sie dazu.

Nicht wenige AfD-Mitglieder sehen bereits Stunden später diesen Rücktritt als Achtungszeichen, darauf zu achten, dass rechtsnationale Strömungen nicht schleichend immer mehr Einfluss auf die Thüringer AfD erhalten. Es gärt innerparteilich bereits seit Monaten. “Die versuchte Einflussnahme seitens der ‘Flügel’-Mitglieder, die Partei nach ihren Vorstellungen zu lenken, ist mittlerweile unerträglich”, konstatiert Steffi Brönner. Für ihre Rücktritts Erklärung die man als Alarmruf bezeichnen kann (der uns im Wortlaut vorliegt) nennt sie mehrere Beispiele. Da sei u. a. ein Vorfall aus Themar, wo zwei Konzerte mit rechtsextremem Hintergrund stattfinden sollten. Maßgeblich involviert war das AfD-Mitglied Bodo Dressel, das aber inzwischen die Partei verlassen haben soll. Dieser Mann wollte den Veranstaltern die Fläche zur Verfügung stellen.

Scharf greift Brönner den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke an. Seine Dresdner Rede teile in seiner Art und Weise in keiner Weise ihr weltanschauliches und gesellschaftliches Verständnis. Nach uns vorliegenden Informationen kam es kurzfristig nach der Dresdner Rede zur einer Landesvorstandsitzung, in welcher Höcke sich entschuldigte, er sich missverstanden fühlte und zukünftig dies um jeden Preis verhindern wolle. Diese „Erkenntnis“ glaubte Brönner Höcke und stellte sich unter diesen Umständen gemeinsam mit den Landesvorstandskollegen hinter ihn. So habe sie das auch parteiintern kommunizierte, dass Höcke aus „Thüringer Sicht“ bleibt.

Der danach in der Presse aufgetauchte Mitschnitt einer Demonstration vom 13.02.2010 in Dresden sei für sie erschütternd gewesen. Höcke sei nicht – wie von der AfD Thüringen dargestellt – vor Ort gewesen, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Ihr Vorwurf an den AfD-Chef: “Du bist aktiv in den Reihen der Neonazis mitgelaufen.” Dies und vieles Andere lasse sie zweifeln, ob Höcke noch fest verwurzelt mit beiden Beinen auf dem Boden der Demokratie steht oder rückwärtsgewandt ein Deutschland haben möchte, welches wir schon einmal hatten. “Ich sehe dich persönlich mittlerweile als verwirrten Geschichtsromantiker. Ich sehe bei dir nur noch wenige bis keine bürgerlichen konservativen Werte, mit welchen du im Hinblick auf die immer größer werdenden globalen Einflüsse und damit unzweifelhaft unsere freiheitliche Gesellschaft zerstörende Tendenzen entgegenwirken möchtest und diese Gesellschaft positiv für die Zukunft gestalten willst.”

Wie auch anderen Orts bereits mehrfach thematisiert, greift Brönner den Umstand auf, dass im AfD-Vorstand mindestens vier Mitglieder sitzen, die wirtschaftlich und beruflich von anderen Mitgliedern des Vorstands direkt oder indirekt abhängig sind. “Ungeheuerlich” nennt Brönner den Umstand, dass in der AfD Fraktion ein Grafiker beschäftigt wird, der in persona auf Grund seiner Vergangenheit “für jeden konservativen, bürgerlich-liberal denkenden Demokraten im Hinblick auf eine Zusammenarbeit ein absolutes Ausschlusskriterium darstellt”.

Mit ihrem Rücktritt erklärte Brönner nicht zugleich ihren Parteiaustritt, da sie aus vielen persönlichen Gesprächen wisse, dass eine Vielzahl der Mitglieder sowie Mandats- und Funktionsträger der AfD die aktuellen Entwicklungen weder befürworten noch unterstützen und sich nur auf Grund der allgegenwärtig gefühlten Übermacht des “Flügels” und seiner Funktionäre nicht trauten, laut und deutlich Ihre Meinung zu sagen. Sie behält sich jedoch einen Parteiaustritt zu einem späteren Zeitpunkt vor, sollten die rechtsextremen Entwicklungen bis zur Bundestagswahl nicht konsequent gestoppt worden sein – und zwar mit entsprechenden personellen Konsequenzen.

Die Reaktion des AfD-Landesvorstands ließ am Morgen nicht lange auf sich warten. In einer Rundmail an alle Parteimitglieder und Förderer (Schreiben im Wortlaut) wurde ausführlich Stellung bezogen. Man zeigte sich vom Rücktritt überrascht und enttäuscht. Scharfes Geschütz wird aufgefahren, indem man Brönner vorwirft, der AfD “bewusst einen schweren Schaden im Vorfeld der Bundestagswahl im September” zuzufügen. Nach den Sommerferien werde der Landesvorstand eine erweiterte Kreissprechersitzung zur Besprechung dieser Angelegenheit einberufen, heißt es weiter.

AfD-Chef Björn Höcke war nicht erreichbar (Urlaub). Der stellvertretende Landeschef Stefan Möller zeigte sich vom Rücktritt Brönners “vor allem menschlich sehr enttäuscht”. Möller äußerte sein Unverständnis, dass jetzt aufgeworfene Probleme nicht im Vorfeld im Vorstand auf den Tisch gekommen seien. “Den Sinneswandel einer bis mindestens Februar diesen Jahres 300-prozentigen Höcke-Anhängerin kann ich nicht nachvollziehen. Der Thüringer AfD-Führung vorzuwerfen, auf dem rechten Auge blind zu sein, ist abwegig. Die einzigen beiden Parteiauschlussverfahren laufen nicht gegen Höcke-Kritiker, sondern gegen Mitglieder mit rechtsextremen Verbindungen.”

Wie uns Steffi Brönner auf Nachfrage erklärte, sei die Behauptung, dass der Landesvorstand erst heute Morgen von ihrem Rücktritt erfahren habe, schlichtweg falsch. Sie sei nicht auf Rücktritts-Gerüchte im Vorfeld angesprochen worden, sondern lediglich auf das Gerücht, dass es am 22. Juni ein Treffen mit Frauke Petry gegeben haben soll. Sie habe sich diesbezüglich weiteren Mitgliedern des Landesvorstandes erklären sollen.

2 Replies to “2. Thüringer AfD-Sprecherin schmeißt hin und erhebt schwere Vorwürfe

  1. Möller lügt. Dieser Landesvorstand weiß schon lange wie Thüringer Mitglieder die Entwicklung eines eigenen Höckeland innerhalb der AfD sehen. Darauf eingegangen wurde nie, im Gegenteil. Die AfD wird nur als Alibi, von Höcke und Co, für den bürgerlichen Wähler missbraucht.

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