Zwei inhaltsleere Worte

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Von Gunter Linke. In knapp zwei Wochen beginnt das RUDOLSTADT FESTIVAL. Dazu hätte ich auch noch ein paar Sätze aus meiner Sicht zu sagen:

Nach der Wende das nunmehr 26. Fest, welches in Rudolstadt steigt, obwohl nun schon zum dritten Mal unter anderen Namen. Warum? Weil leider wegen der steigenden Kommerzsucht liebgewordene Extras und manchmal sogar eine europaweit bekannte Marke abgeschafft werden, so wie auch wieder zum diesjährigen 26. Fest.

Da heißt das gute alte nicht nur europaweit bekannte TFF Rudolstadt, plötzlich Rudolstadt Festival und auch das magische Instrument und das damit verbundene Magische Konzert, wo sich aus aller Herren Länder Musiker mit gleiche oder eng artverwandten Instrumenten aufspielten, ist nun Geschichte und sicherlich einer kommerziellen oder mainstreamigen Band zum Opfer gefallen.
Und wir wissen es aus Erfahrung, alles was sich irgendwann hier beim Fest verabschiedete, kam niemals wieder. Also dann mal Tschüß TFF und Magisches Instrument.

Wer dreht hier eigentlich ständig an der Uhr? Warum ich die Frage stelle?

Na, Freunde, vor zwei Jahren also 2014 gab es noch das Rudolstädter TFF und jede Menge „Stra-Mus“.

Und nun schon wieder. Also wer hat also da an der Uhr gedreht? Alle wissen es, die Meisten finden es Scheiße, aber keiner traut sich auch nur irgendwas zu sagen. Wirklich! Diesen bekannten Hit vom „Rosaroten Panther“ singen auch in diesem Jahr wieder viele Gäste Rudolstadts, die am ersten durchgehenden Juliwochenende von Donnerstag an, hier in das sympathische Städtchen pilgern.
Und ich bin mir sicher, es würde ein vieltausendstimmiger Chor sein, wenn man die Leute zusammenrufen und dieses Lied als Vorprogramm von Sven Regner und Elements of Chrime am 7. Juli im Heinepark anstimmen dürfte.

Denken wir uns doch einfach mal zurück. Aus dem DDR-Rudiment „Tanzfest der DDR“ wurde 1991 richtigerweise das „1. Tanz & Folkfest Rudolstadt“. Da aber die Verantwortlichen der Meinung waren, dass scheinbar Tanz und Folk nicht so recht zusammenpasst, klar Musikanten sind oftmals nicht ganz so gute Tänzerinnen und Tänzer, schlug die Uhr 2003 dreizehn. Richtig nachgezählt, es war das 13. Fest und eben an diesem 13. Fest fand man plötzlich das Wort „Tanz“ nicht mehr im der Titelzeile dieses Events. Und außer in den Tanzzelten fand man ihn auch viel weniger im Programmablauf.

Aber irgendetwas störte immer noch, die Gäste sprachen weiter von nicht anderen, als diesem nicht mehr gewollten „Tanz & Folkfest“. Der Fehler war gar nicht so schnell gefunden worden, erst 2008 ist man dahintergekommen was fehlgelaufen war, man hatte vergessen diesen vermaledeiten Tanzschuh vom Veranstaltungsposter und Programmheft zu entfernen. So ein Mist! Klar, schlug es da im Fest-Büro wieder dreizehn und man drehte nun schon das zweite Mal an der Uhr. Und hast Du nicht gesehen war der, bis nachweislich 2015 im Forum auf der Internetseite nachzulesen, allseits beliebte Tanzschuh ab 2009 heimlich still und leise abgeschafft. Keiner hat ihn jemals wieder gesehen.

Collage: Gunter Linke
Collage: Gunter Linke
Für die nächsten Jahre schien alles in bester Ordnung zu sein, da bemerkten vielleicht plötzlich die Erbsen- und Eurozähler, dass diese vielen Gäste der Stadt zwar alle ihren Obolus zahlten, aber das da auch eine große Anzahl Leute dabei waren, die das Fest und somit ihre Gastgeber bescheißen, weil sie als Straßenmusikanten getarnt eventuell illegal ihre Tonträger bei ihren kleinen Konzerten überall in der Stadt vertickten und die richtigen offiziellen Dealer vielleicht nicht mehr so viel von ihren Waren loswurden. Und da man diesem gewinnträchtigen Handels nicht Herr werden konnte, da man ja nicht immer so schnell dahinterkam, wer da musizierte und manchmal sogar besser als die großen Angekündigten, musste da ein Riegel vorgeschoben werden.

Und somit sollten, mussten und blieben dann ab 2015 die von der Festivalleitung nicht persönlich eingeladen Straßenmusikanten unter Androhung von Strafe zu Hause. Das für mich eigentlich Herausragendendste dieses Festes und was auch dieses Fest bisher so richtig am Leben hielt, war plötzlich weg. Gut, die Stadt war nicht mehr so voll und man schaffte ohne große Probleme das nächste Konzert im Heinepark oder auf dem Schloss, weil diese Straßenmusikanten nicht mehr wegelagernd den Lauffluss störten.

Ich warte nun nur noch da drauf, dass es irgendwann nicht mal mehr den Tanz des Jahres in den stets überfüllten Tanzzelten geben wird, dass unser Folkloretanzensemble nur noch einen kleinen Auftritt auf der „Schmierskibühne“ während des Kinderfestes bekommt, und wenn dann dieses selbst auch noch verschwindet.

Wie wird wohl dann das Rudolstadt Festival aussehen, wenn das TFF zwar seinen 30. Geburtstag feiern würde, aber nur noch vom 5. Rudolstadt Festival die Rede sein wird?

Zu empfehlen ist auch zu diesem Thema Deutschlandradio Kultur, das auf seine Weise ebenfalls direkt auf den Punkt kommt.

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