Wie weiter nach den gescheiterten Jamaika-Sondierungen?

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Diese Woche wollte INSA im Auftrag der BILD-Zeitung vor allem wissen, wie es nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungsgespräche ihrer Meinung nach weitergehen soll. Jeder zweite Befragte (50 %) spricht sich in dieser Frage für Neuwahlen aus, dies sehen Frauen genauso wie Männer. Ein Fünftel der Befragten (20 %) würde sich eine Minderheitsregierung, wünschen, worunter mehr Männer (22 %) als Frauen (18 %) sind. Ebenfalls fast ein Fünftel der Befragten (18 %) würde gerne eine Große Koalition sehen. Eine andere Option ziehen lediglich 4 Prozent der Befragten vor. Ähnlich gering fällt der Anteil an Befragten aus, die angeben, keine Antwort auf die Frage zu wissen (7 %) oder die keine Angabe machen (1 %).

Betrachtet man die Parteienpräferenz der Befragten, zeigt sich, dass es Wähler der AfD, SPD, FDP und der Linken sind, die sich mehrheitlich Neuwahlen wünschen. Mit 71 Prozent sprechen sich besonders stark AfD-Wähler für Neuwahlen aus. Mit fast zwei Drittel (65 %) wünschen sich FDP-Wähler am zweitstärksten Neuwahlen, gefolgt von SPD-Wählern mit 63 Prozent. Bei der Linken wünscht sich die Hälfte (53 %) der Befragten Neuwahlen. Mit 33 Prozent finden Neuwahlen den geringsten Zuspruch unter den Wählern der Union. Im Kontrast dazu sind es vor allem Wähler der Union, die in Zukunft eine Minderheitsregierung sehen wollen. Mit einem Viertel (27 %) an Befragten liegt sie an der Spitze, dicht gefolgt von Wählern der Linken, unter denen sich 25 Prozent eine Minderheitsregierung wünschen. Unter FDP-Wählern findet sich ein Fünftel (20 %), das sich für eine solche Regierung ausspricht. Bei den anderen Parteien ist der Anteil noch geringer: Bei der AfD sind es 18 Prozent, bei den Grünen 16 Prozent und bei den SPD-Wählern nur noch 15 Prozent, die eine Minderheitsregierung präferieren. Eine Große Koalition wünschen sich nicht nur Wähler der Union (29 %), sondern vor allem auch Grünen-Wähler mit über einem Drittel (34 %).

Eine Frage die sich zwangsläufig stellt ist, wer Schuld am Scheitern der Sondierungsgespräche hat. Deshalb fragte INSA, wer die Haupt-Verantwortung für das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen trägt. Die Hauptverantwortlichen sehen die Befragten sowohl in Christian Lindner (28 %) als auch in Angela Merkel (27 %). Mit 13 Prozent geben deutlich weniger Befragte Horst Seehofer die Schuld, darunter mehr Männer (15 %) als Frauen (11 %). Ähnlich fällt die Meinung zum Parteivorsitzenden der Grünen, Cem Özdemir, aus: Nur 11 Prozent der Befragten geben ihm die Verantwortung. 13 Prozent der Befragten geben an, keine Antwort zu wissen, darunter mehr Frauen (18 %) als Männer (13 %). Dass keiner der genannten Politiker Schuld am Scheitern hat, sehen nur sieben Prozent der Befragten so.

Insgesamt betrachtet zeigt sich kaum ein Unterschied in der Schuldzuweisung zwischen Christian Lindner und Angela Merkel. Interessant ist jedoch, dass es vor allem ältere Befragte sind, die Lindner die Verantwortung geben und vor allem jüngere, die Merkel die Verantwortung geben. Während nur ein Fünftel der 18- bis 29-Jährigen (21 %) Christian Lindner als den Verantwortlichen sieht, sind es unter den 40- bis 49-Jährigen 31 Prozent, unter den 50- bis 59-Jährigen 33 Prozent und unter den über 60-Jährigen 29 Prozent. Umgekehrt verhält es sich bei der Schuldeinschätzung der Kanzlerin. Hier sind es vor allem die 18- bis 29-Jährigen, unter denen ein Drittel (32 %) Angela Merkel die Verantwortung gibt, wohingegen es bei älteren Befragten nur rund ein Viertel ist: Unter den 40- bis 49-Jährigen geben 26 Prozent Angela Merkel die Verantwortung, unter den 50- bis 59-Jährigen 23 Prozent und unter der über 60-Jährigen 27 Prozent.

Unterschiede zeigen sich auch bei Betrachtung der Parteienpräferenz der Befragten. Während nur vier Prozent der FDP-Wähler ihren Parteivorsitzenden für das Scheitern verantwortlich machen, machen dies hingegen 44 Prozent der Grünen- und 43 Prozent der Unions-Wähler. Auch über ein Drittel (37 %) der SPD-Wähler sieht Christian Lindner als Verantwortlichen. Bei den AfD-Wählern ist es hingegen nur jeder Zehnte (10 %). Im Gegensatz dazu sieht jeder zweite AfD-Wähler (51 %) Angela Merkel als Verantwortliche. Dies sehen auch rund ein Drittel der Linken- (36 %) und SPD-Wähler (34 %) so. Mit einem Anteil von 12 Prozent machen am wenigsten die Wähler der Union Angela Merkel für das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen verantwortlich. Unter den FDP-Wählern ist es knapp ein Viertel (23 %), das Angela Merkel die Schuld für das Scheitern gibt. Ein weiteres Fünftel (18 %) der befragten FDP-Wähler sieht die Hauptverantwortung bei Horst Seehofer und über ein Viertel (27 %) bei Grünen-Vorsitzendem Cem Özdemir.