Wie kommt Holz in das T-Shirt?

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Dass man aus Holz Möbel bauen, Papier produzieren und auch ganze Häuser erstellen, oder auch schlicht und einfach nur zur Energieerzeugung verbrennen kann, ist mithin weit bekannt. Jetzt kommen die ersten Kleidungsstücke aus Holz auf den Markt – gleichsam der „Wooddress“. Holz als nachhaltig und regional produzierter Ersatz-Rohstoff für Baumwolle hat gleich mehrere Vorteile: Bäume werden nicht mit Pestiziden behandelt und es wird bei der Fasergewinnung etwa 20-mal weniger Wasser benötigt. Und die verwendete Holzfaser ist nicht nur funktional, sondern auch antibakteriell und extrem tragekomfortabel. Für die heimische Forst- und Holzwirtschaft ergibt sich damit eine völlig neue großindustrielle Verwendung und damit mittelfristig ein neuer Nachfrageboom.

„Holz wird immer mehr zum regionalen, nachhaltig produzierten Allround-Rohstoff. Damit erhält Holz und die damit verbundene nachhaltige Nutzung unserer Wälder einen deutlich erweiterten Stellenwert – in Wirtschaft und Politik“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Neben der Textilindustrie hat auch die chemische Industrie den Rohstoff Holz entdeckt. Dort ersetzt Holz zunehmend das Erdöl als Rohstoffbasis für Kunststoffe, Medikamente oder Farben und Lacke. Im Gegensatz zu anderen biomassebasierten Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrüben, konkurriert Holz nicht mit der Nahrungsmittelproduktion. „Ein entscheidender Vorteil von Holz als industrieller Rohstoff“, so Gebhardt.

Zu Holzgarn können Laub- und Nadelhölzer verarbeitet werden. Hierzu wird das Holz zu kleinen Schnitzeln verarbeitet und gekocht. Die herausgelöste Zellulose wird zu einer honigartigen Masse, die durch Spinndüsen technisch weiterverarbeitet wird. Die entstandene feine Faser wird geblichen, gereinigt und getrocknet und zu Garn weiterverarbeitet – Grundlage für die Herstellung von Stoff. So entstehen aus einem ein Kilogramm schweren Holzscheit etwa vier T-Shirts. Der Clou: Der Prozess kann als geschlossener Kreislauf umgesetzt werden, wodurch Ressourcen geschont und Emissionen vermindert werden. Durch seine Struktur ist der Holzstoff nicht nur robuster und haltbarer als Baumwolle, sondern bietet auch gleichzeitig zusätzliche Trageeigenschaften: er ist antibakeriell und temperaturausgleichend.

„Mit der neuen Rolle des Holzes als Allround-Rohstoff in der industriellen Fertigung wie auch als Basis-Rohstoff in der künftig nahezu erdölfreien chemischen Industrie muss die nachhaltige Forstwirtschaft auch im Freistaat Thüringen völlig neu gedacht werden“, so Gebhardt abschließend. Vor diesem Hintergrund sind Forderungen nach zusätzlichen Waldflächenstilllegungen in Thüringen, etwa für Wildnisgebiete, geradezu absurd.

Foto: Daniela Tröger