ThüringenForst: Holzproduktion statt noch mehr Naturmuseum

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Die Thüringer Landesforstanstalt sieht sich von einer breiten Bevölkerungsschicht in ihrem Anliegen kraftvoll unterstützt, die Wälder des Freistaats weiter naturnah zu bewirtschaften. Die Forderung nach zusätzlicher Stilllegung von Waldflächen am Possen wurde zuletzt anlässlich einer Tagung an der Fachhochschule Erfurt, der fast ein Dutzend Landtagsabgeordneten beiwohnten, von Biologen wie auch Forstwissenschaftlern mehrfach in Frage gestellt. Erstmals wurde der volkswirtschaftliche Schaden beziffert, der sich für die Forstunternehmen der Region, aber auch für den Freistaat Thüringen durch jährliche Steuerausfälle ergäbe. Zusätzlich wird durch die geplante Flächenstilllegungen die Klimaschutzleistung der heimischen Wälder spürbar reduziert, wie ein Klimaforscher darlegte.

„Das Image von Holz im Freistaat ist durch und durch positiv. Holz erlebt als Roh-, Bau- und Werkstoff, aber auch als Brennstoff, eine Renaissance und trifft den Nerv der Menschen. Forst und Holz haben deswegen in Thüringen eine glänzende Zukunft“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Gebhardt ist überzeugt, dass die Politik mehr und mehr erkennt, dass die Produktionsleistung von Waldflächen nicht reduziert werden dürfe. Dies komme der Umwandlung einer Produktionshalle in ein Museum gleich, in dem ein Unternehmen nichts mehr erzeugen dürfe. Gleichzeitig steige aber der Bedarf nach Holz, nicht nur im klassischen Holzbausektor oder dem Möbelbau, sondern auch in der innovativen Holztechnologie, etwa als Bio-Kunststoff, als Thermoholz oder als natürlicher Dämmstoff. Gebhardt verwies auf das innovative Produkt „Baubuche“, dass die in Thüringen ansässige Fa. Pollmeier, größtes europäisches Laubholzsägewerk, derzeit auf den Markt bringt. „Es ist geradezu grotesk, dass Thüringer Top-Unternehmer innovative Holzprodukte auf den Weltmarkt bringen und der Freistaat die dafür notwenigen heimischen Ressourcen auf großer Fläche stilllegt“, so Gebhardt weiter.

Zusätzlich werde durch den Einsatz von Holz und der Substitution von Stahl, Aluminium oder Kunststoffen rund doppelt so viel CO2 gespeichert, als in einem unbewirtschafteten Wald. Klimaschutz und andere Vorteile würde man sich dadurch entgehen lassen und die selbst gesetzten, durchaus anspruchsvollen Klimaschutzziele des Freistaats gefährden.

Gebhardt regt an, den Verbrauchern die Vorteile von Holz verstärkt näherzubringen. Dazu gehört die Erhöhung der Holzbauquote im Ein- und Zweifamilienhausbau genauso, wie die verstärkte Holzverwendung im öffentlichen Bauwesen, speziell im mehrstöckigen Hochbau. Dies erfordere eine erfolgreichere Vernetzung von Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft im Freistaat, um die Konkurrenzfähigkeit des Clusters Forst & Holz zu verbessern. Hierzu sei auch eine bessere finanzielle Unterstützung seitens der Landesregierung erforderlich.

Titelbild: Die breite Bevölkerung will den lebendigen Bau- und Werkstoff Holz in den unterschiedlichsten Verwendungen. Mit zusätzlicher Waldflächenstilllegung ist diesem Wunsch nicht zu entsprechen. Foto: Dr. Horst Sproßmann