Thüringen-Monitor: Vertrauen in Polizei erreicht Spitzenwert

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Die Mehrheit der Thüringer ist der Meinung, dass die Anliegen der Menschen von „unserer Demokratie“ nicht mehr wirksam vertreten würden. 69 Prozent haben dieser Aussage zugestimmt. Ebenso viele meinen, dass die „Herrschenden und Mächtigen gegen die Interessen der einfachen Bevölkerung handeln“. 74 Prozent der Befragten stützen die Ansicht, dass die Parteien nur Wählerstimmen wollen, während sie deren Ansichten nicht interessierten. Das geht u. a. aus der Zusammenfassung des Thüringen-Monitors 2017 hervor, den die Staatskanzlei in Erfurt heute veröffentlicht hat.

65 Prozent der Befragten sind jedoch mit der Demokratie und wie sie praktiziert wird zufrieden. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 2001 und liegt 14 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Auch vertrauen die Thüringer wieder stärker den staatlichen Institutionen, insbesondere die Polizei erreicht einen historischen Spitzenwert von 73 Prozent.

83 Prozent (gegenüber 73 Prozent im Vorjahr) sind der Meinung, dass der Staat bei der Prüfung von Asylanträgen „nicht großzügig“ handeln solle. 54 Prozent meinen, dass die „meisten Asylbewerber nicht wirklich befürchteten, in ihrem Heimatland verfolgt zu werden“. 44 Prozent der Befragten teilen die Auffassung, dass „die Ausländer“ nur kommen, um den Sozialstaat auszunutzen. Ebenfalls mehrheitlich Fehlanzeige: Solidarität mit Langzeitarbeitslosen. 58 Prozent stimmten der Aussage zu, dass diese sich „auf Kosten der Anderen ein schönes Leben machen“. Noch verbreiteter ist diese Meinung bei Befragten mit niedrigen Einkommen und geringer Bildung. Mehrheiten von 63 und 62 Prozent stimmen zu, dass gegen „Außenseiter und Nichtstuer in der Gesellschaft mit aller Härte vorgegangen werden“ soll und „wieder mehr für die Mehrheit der Leute getan werden [soll], als sich um Minderheiten zu kümmern“.

Widersprüchliche Positionen der Befragten beobachteten die Forscher in den Einstellungen zur Wirtschafts- und Sozialordnung: Eine Mehrheit von 57 Prozent hält „unsere Gesellschaftsordnung in Deutschland“ für „eher ungerecht“ und nur 29 Prozent für „eher gerecht“ (der Rest gibt kein Urteil ab). Die wahrgenommene Ungerechtigkeit wird von einem großen Teil der Befragten dem „Kapitalismus“ zugeschrieben, und eine große Minderheit von zwei Fünfteln der Befragten unterstützt die radikale Aussage, dass „der Kapitalismus beseitigt werden [muss], um endlich echte Gerechtigkeit herzustellen“. Etwas mehr als jeder Fünfte will sogar „zur sozialistischen Ordnung zurückkehren“.

Quelle: FSU Jena

Die Verbreitung rechtsextremer Einstellungen ist im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr nicht weiter zurückgegangen, sondern – statistisch nicht signifikant – von 16 Prozent auf 19 Prozent gestiegen ist.

Der von der Thüringer Staatskanzlei in Auftrag gegebenen Untersuchung liegt eine repräsentative telefonische Befragung von 1.032 wahlberechtigten Thüringern zugrunde, die zwischen dem 9. Mai und dem 26. Juni 2017 durchgeführt wurde. Der diesjährige Thüringen-Monitor wird am 30. Oktober veröffentlicht. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat für den 2. November eine Regierungserklärung zu den Ergebnissen des Thüringen-Monitors angekündigt.

Thüringen-Monitor 2017 (Zusammenfassung)