Polizeieinsatz in Rudolstadt: (Ver)schweigen nährt Spekulationen

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Chronologie eines mysteriösen Polizei-Einsatzes: Wie bereits auf unsere Facebook-Seite berichtet, kam es in den frühen Abendstunden des gestrigen Freitag in der Titaniastraße in Rudolstadt zu einem größeren Polizeieinsatz, der viele offene Fragen hinterlässt. Ein Polizeihubschrauber war ebenso vor Ort zu sehen wie der Notarzt. Gegen 19:40 (Fotos) waren nur noch wenige Polizeikräfte auf dem Gelände eines Autohauses anzutreffen, das bereits weiträumig abgesperrt war.

Die LPI Saalfeld hatte bereits eine Stunde zuvor auf Anfrage an die Landeseinsatzzentrale Erfurt verwiesen. Dort hüllte man sich bis jetzt unter Verweis auf die Staatsanwaltschaft in Schweigen. Lapidar hieß es nur, dass es sich um eine Fahndungsmaßnahme handele. Am späteren Abend wurde noch für die Zeit vor Mitternacht eine mit der Staatsanwaltschaft in Gera abgestimmte Pressemitteilung avisiert, die bis jetzt nicht vorliegt. Der ermittelnde Staatsanwalt war bisher nicht erreichbar.

Nach unseren bisherigen Recherchen kann als gesichert gelten: Vor Ort in Rudolstadt sollte gestern ein Auto verkauft werden. Bei den Verkäufern handelt es sich um ein deutsches Pärchen, bei den Käufern nach Augenzeugenberichten um mindestens zwei Männer südländischen Aussehens.

Unklar ist bis zur Stunde, ob die offensichtlichen Scheinkäufer das Auto in ihren Besitz brachten oder mit dem eigenen Fahrzeug mindestens einen der Verkäufer anfuhren. Dabei wurde mindestens eine Person so schwer verletzt, dass der Notarzt tätig werden musste. Unterschiedliche Quellen berichten von einem Schwerverletzten, andere sprechen sogar von einer getöten Person. Die Täter sollen Richtung Kirchhasel in einem silberfarbenen Mercedes geflohen sein. Jäger warnten sich bereits gestern vor einem solchen Fahrzeug – möglicherweise im Uhlstädter Forst: Nicht anhalten, Polizei informieren.

Wir bleiben dran. Versprochen.

Schweigen oder verschweigen?
Ich habe die Kriminalfälle in meinem Reporterleben nicht gezählt – hoch dreistellig wird es jedoch. Ein vergleichbarer Fall ist mir nicht untergekommen. Ein vollkommen normaler Vorgang ist es, dass die Polizei hinter ihrem “Herrn”, der Staatsanwaltschaft – zurückstehen muss. Ebenso normal ist es, dass Details nicht vorschnell an die öffentlichkeit gehen. Polizeischelte ist also unangebracht.
Mehr als unnormal ist es dann, dass nicht einmal zum Sachverhalt an sich informiert wird. Beispiel: Zwei männliche Scheinkäufer brachten unrechtmäßig ein Auto in ihren Besitz und verletzten einen der Käufer schwer. Details kann man immer nachreichen.
Die Staatsanwaltschaft muss sich also die Frage gefallen lassen, welche guten Gründe es gibt (die kann es im Ausnahmefall geben!), zu “mauern”. (Ver)schweigen ist nicht zielführend. Spekulationen, die ins Kraut schießen, sind dann zwangsläufig. Sie nützen niemandem, schaden jedoch.
Vielleicht bricht ja am Wochenende doch noch der “Herr des Verfahrens” sein Schweigegelübde?
Andreas Kühn